Grüner „Aufschrei“ gegen FDP-Spitzenkandidatin

Twitter-Account von Katja Suding (FDP)
Twitter-Account von Katja Suding (FDP)

Nach der Wahl in Hamburg hat ein Grünen-Politiker auf Twitter für viel Verärgerung gesorgt. Jörg Rupp schrieb zum Erfolg der FDP mit Spitzenkandidatin Katja Suding in der Hansestadt: „muss man sich mal vorstellen: mit Titten und Beinen anstatt Inhalten“. Wir meinen: Man muss auch Verständnis für den armen Mann haben…

Von Patrick Gensing

Die Reaktionen auf Rupps „Wahlanalyse“ ließen nicht lange auf sich warten. Der Kommentar sei unter aller Sau und übelst sexistisch, merkten mehrere Leute an.

Schließlich entschuldigte sich Rupp, immerhin Mitglied des Landesvorstands der Grünen in Baden-Württemberg, für seine „Wortwahl“ und beklagte sich, ein „Shitstorm“ sei eine Erfahrung, die man nicht machen müsse. Dass es bei der Kritik gar nicht unbedingt um den Begriff „Titten“ ging – geschenkt.

Denn ehrlich, man (!) muss auch Verständnis für Rupp und seinen Brass auf Frauen haben, immerhin twitterte der Grüne nur zwei Tage zuvor, dass die Grippewelle nun auch in seinem „Haushalt“ angekommen sei – und seine Frau flach liege. Und hey, wer wäre da nicht etwas angespannt, wenn man die Geschirrspülmaschine am Wochenende schön selbst ausräumen muss?

Im Ernst: Rupp hat eine längere Erklärung zu seinem Tweet veröffentlicht, darin heißt es:

Ich wollte provozieren und ich wollte verkürzen. Und ich war verärgert. Ich erinnerte mich an einen Spiegelartikel von Vera Kämper, den ich sehr eindrücklich fand und in dem Katja Suding mit den Worten zitiert wird:

“Attraktivität hilft, Aufmerksamkeit zu bekommen”, erklärt die FDP-Politikerin,

und schon das fand ich ärgerlich. Nicht, dass ich sie wegen ihrer vermeintlichen Attraktivität als nicht intelligent empfand, sondern weil ich finde, dass Äußerlichkeiten, als Attribut im Wahlkampf nichts verloren haben. Weder bei Frauen noch bei Männern.

Schade, dass Rupp aber genau das Aussehen von Suding ausführlich thematisiert. Dabei hatte sich bereits die tagesschau bei Suding entschuldigt, als ihre Beine in einer Kamerafahrt sehr genau abgebildet wurden, obgleich Suding nicht als Sportlerin, sondern als Politikerin auftrat. Rupp tut so, als sei es Sudings eigene Schuld, dass sie medial so dargestellt wurde. Was hat die Frau auch solche Beine?!

"Titten und Beine" statt Inhalte? Wahlplakat von Katja Suding in Hamburg-Teufelsbrück (Foto: Patrick Gensing)
„Titten und Beine“ statt Inhalte? Wahlplakat von Katja Suding in Hamburg-Teufelsbrück (Foto: Patrick Gensing)
Inhaltsreicher Grüner Wahlkampf: Mit Hamburg für Hamburg. Na dann. (Foto: Patrick Gensing)
Inhaltsreicher Grüner Wahlkampf: Mit Hamburg für Hamburg. Na dann. (Foto: Patrick Gensing)

Zudem erinnert der Hinweis darauf, dass das Aussehen von Frauen und Männern nicht thematisiert werden solle, an Warnungen, es dürfe auch keinen Rassismus gegen Deutsche geben. Dabei haben Ressentiments und Vorurteile stets auch viel mit realen gesellschaftlichen Machtverhältnissen zu tun. So dürfte die Zahl der Fälle, in denen das Aussehen von Männern diskutiert wird, überschaubar sein.

Tiere und Kinder

Ach ja, und was den Vorwurf „inhaltsleer“ in Richtung FDP-Wahlkampf angeht: Vielleicht sollte sich Rupp einmal die Wahlplakate der Grünen in Hamburg anschauen. Da sind zwar keine angezogenen Frauen zu sehen, dafür aber so knuffige Tierchen und ein putziges Kleinkind.

Grüne Wahlplakate in Hamburg
Grüne Wahlplakate in Hamburg

Einfach süß!

17 thoughts on “Grüner „Aufschrei“ gegen FDP-Spitzenkandidatin

  1. Das zeigt das wahre Gesicht der Grünen in Baden Württemberg. Kindlich dumm und maximal für einen ein-Mann-Haushalt zu gebrauchen, aber nicht als Landesregierung.

  2. Also sorry, aber kann auch päpstlicher als der Papst sein.

    Der Tweet war nämlich nicht sexistisch, sondern er kritisierte die FDP-werbung, welche eben mit T & B operierte. Man kann ihm bei dieser These widersprechen, aber der Tweet war etwa so sexistisch, als wenn ich sagen würde:
    „Die Bild wirbt mit Titten auf Seite 1.“
    Dann wäre nach Gensing-Logik nicht die Seite 1 der Bild sexistisch, sondern ich.

    Und zum anderen: An dem Wörtchen „Haushalt“ stört man sich? Nur weil er nicht „Haus “ oder „Wohnung“ geschrieben hat? Come on, da hört Herr Gensing aber die Flöhe husten.
    Obwohl – beim Wörtchen „Haus“ hätte er vielleicht angenommen, das für Herrn Rupp Frau Rupp nur für Küche und Schlafzimmer – beide im Haus liegend – gut ist.

    1. Mit anderen Worten: Wer als Frau* einen seriösen Wahlkampf betreiben will, wie er Ihren Vorstellungen entspricht, muss sich erst die besagten Körperteile amputieren lassen? Anders kann ich Ihre Einlassung nicht deuten. Sie scheinen tatsächlich davon auszugehen, dass Frauen*, wo immer sie ihre weiblichen* Attribute nicht in Schleiern o. ä. verbergen, mit selbigen werben wollen. Geht’s noch?

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