Bomben auf Elbflorenz: Antiamerikanismus in der SED-Propaganda

Heute wird in Dresden der Opfer des amerikanisch-britischen Großangriffs auf die Stadt gedacht. Rund 25.000 Menschen kamen nach wissenschaftlichen Schätzungen dabei ums Leben. Der MDR schreibt dazu auf seinen Internet-Seiten: „Tausende verloren ihr Leben im angloamerikanischen Bombenhagel, der ab dem späten Abend des 13. Februar 1945 auf Dresden niederging.“ Begriffe wie „angloamerikanischer Bombenhagel“ erinnern an eine lange Tradition der Propaganda um den Mythos Dresden. 2012 hatten wir über den Ursprung und Wandel des Mythos Dresden berichtet, heute veröffentlichen wir einen Text von Patrice G. Poutrus, der sich mit dem Antiamerikanismus in der SED-Propaganda rund um Dresden beschäftigt.

Patrice G. Poutrus, Bomben auf Elbflorenz. Antiamerikanismus in der SED- Propaganda zur Erinnerung an die Zerstörung Dresdens am 13. Februar 19451

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind weit mehr als ein Land – sie repräsentieren Macht und Vision, Traum oder Alptraum. »Amerika« war ein Thema der vergangenen Jahrhunderte und ist ein Thema unserer Zeit. Amerika rief und ruft starke Emotionen hervor. Dies gilt bereits seit dem Urknall der Moderne, der Entdeckung der Neuen Welt. Seitdem fasziniert Amerika die Europäer. Ohne die Anziehungskraft und Faszination, die Amerika bis heute ausübt, lässt sich auch die Feindschaft nicht erklären, mit der ihm begegnet wurde und wird. Die Abwehr Amerikas durch europäische Eliten war auch immer die Abwehr einer Verführung, die jenseits des Atlantiks lockte. Bereits vor der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 entwickelten sich kritische und feindliche Diskurse über die Einwohner, Politik, Geographie, Biologie und Kultur der Neuen Welt. Dieser antiamerikanische Diskurs bildete einen Teil der europäischen Aufklärung und spaltete das Urteil über Amerika schon seit dem 18. Jahrhundert eine europäisch-atlantische Öffentlichkeit.2

Vor diesem Hintergrund soll Antiamerikanismus als modernes Ideologem, das es zu historisieren und zu analysieren gilt verstanden werden. »Ideologien« beziehen sich seit der Entstehung des Begriffs im Gefolge der Französischen Revolution auf Wahrnehmungsweisen, die sich in Ideen manifestieren. Niklas Luhmann hat Ideologien als entscheidende Mittel zur Reduktion von Komplexität bezeichnet. Durch Ideologien »werden die Möglichkeiten des Wirkens eingeengt, übersehbar, entscheidbar.« Wenn man Ideologeme als Elemente oder Versatzstücke moderner Ideologien versteht, dann stellt Antiamerikanismus einen Baustein antiwestlicher, antiliberaler und antimoderner Ideenwelten dar, dies es in verschiedenen nationalen Kontexten nach ihrer jeweiligen historischen Wirkungsmacht zu untersuchen gilt.3

Für den hier vorzustellenden Fall bedeutet das, dass die in der DDR-Gesellschaft vorhandenen Amerikabilder sicherlich nicht allein aus einer geschlossenen ideologischen Konstruktion der kommunistischen Staatspartei SED abgeleitet werden können. Zugleich bestand zwischen dem parteistaatlich oktroyierten Feindbild USA und dem individuell angeeigneten Amerikabild in der DDR-Bevölkerung ein Feld partieller Überschneidungen; eine klare Trennung bzw. Abgrenzung von Parteipropaganda einerseits, ihrer individuellen Bewertung andererseits ist daher nur schwer möglich.4 Es gab selbst bei Mitgliedern der SED selten eine vollständige Deckungsgleichheit mit der Ideologie der eigenen Partei. Immerhin waren die antiamerikanischen Parolen der deutschen Kommunisten voll von Vokabeln wie z.B. »Kulturbarbarei« und »Dekadenz«, die wiederum in ihrem Bezug auf die amerikanische Massenkultur auch aus dem kulturkritischen und antiwestlichen Arsenal der NS-Propaganda und den älteren Traditionen der »Ideen von 1914« hätten entliehen sein können.5 Der zentrale Kontinuitätspunkt – so viel sei hier vorangestellt – zwischen dem altem antiliberalen und dem neuen antiimperialistischem Feindbild USA lag aber in der Bewertung des alliierten Bombenkrieges im Zweiten Weltkrieg. Bis in die 1980er Jahre wurden die westlichen Alliierten mit dem Verweis auf die Zerstörung Dresdens am 13. Februar 1945 in der parteistaatlich kontrollierten Öffentlichkeit des SED-Staates als die »anglo-amerikanischen Luftgangster« betitelt.6

Mit Antiamerikanismus ist entsprechend mögliche Kritik an der amerikanischen bzw. alliierten Kriegsführung während des Zweiten Weltkrieges nicht gemeint. Vielmehr geht es darum zu zeigen, wie die allmähliche Verwandlung der Erinnerung an den 13. Februars 1945 von einem tragischen Ereignis aus dem Verlauf des Zweiten Weltkrieges in einen empirischen Beleg für den feindlichen Charakter des »US- Imperialismus« vonstatten ging.7 Dabei kann der Autor nicht auf neue Quellenbestände zurückgreifen. Wohl aber kann anhand der vorhandenen Pressetexte dieser Vorgang aus der repräsentativen Öffentlichkeit der DDR nachgezeichnet werden.8 Es geht im Folgenden also nicht um eine umfassende Schilderung der Instrumentalisierung des Erinnerungsortes Dresden9 durch den SED-Staat; sondern es soll deutlich gemacht werden, dass ein virulenter Antiamerikanismus frühzeitig elementarer Bestandteil dieser Gedenkkultur in der DDR war.

Der Beginn mit Verlust und Schmerz

Gilad Margalit konnte in seiner Arbeit über das Gedenken an die Zerstörung Dresdens bereits aufzeigen, dass bei der sowjetischen Besatzungsmacht schon Anfang 1946 ernste Befürchtungen bestanden, das bereits am 13. Februar 1946 dieses Gedenken von der Dresdner Bevölkerung gegen die verbündeten westlichen Alliierten gewendet werden könnte und damit ein neuer deutscher Trauertag an diesem Datum begründet würde. Dies hielt man in der Sowjetischen Militäradministration (SMA) angesichts der Geschichte des Zweiten Weltkriegs für unangemessen, und eine solche Entwicklung sollte auf jeden Fall vermieden werden. Entsprechend wurde dann auch in der lokalen und wie in der überregionalen Presse der SBZ sehr zurückhaltend über den ersten Jahrestag berichtet.10 Die christdemokratische Tageszeitung Neue Zeit veröffentlichte zum Gedenken an die Wiederkehr des Tages der »nächtlichen Katastrophe« am 16. Februar 1946 einen Bericht, der ganz auf die Überwindung der Kriegsfolgen gerichtet war und die sächsische Bevölkerung, insbesondere aber die Dresdner selbst, als Beispiele der »Unentwegten « schilderte. Allerdings konnten sowjetische Beobachter der insgesamt 29 Veranstaltungen zu diesem Jahrestag feststellen, dass gerade Redner aus den Reihen der KPD sehr wohl bereit waren, die Zerstörung Dresdens den westlichen Alliierten anzulasten und gleichzeitig die positive Rolle der Sowjetunion hervorzuheben.

Demgegenüber veröffentlichte die Berliner Zeitung am 2. September 1946 ein geradezu romantisch begründetes Bekenntnis zum Wiederaufbau der sächsischen Landeshauptstadt, in dem von der deutschen Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg keine Rede war. Das Dresden der Vorkriegszeit wird dabei aus der Sicht eines jugendlichen Bildungsbürgers geschildert, der bei seiner früheren Reise ins »Elbflorenz« nicht vom modernen Stadtleben, sondern von der barocken Architektur fasziniert war. Die erinnerte Erfahrung des jetzt vergangenen Dresden wurde den Lesern wie eine Rauscherlebnis vorgestellt:

»Und dann der Zwinger mit seinen Pavillons. Die Gemäldegalerie. Die verwirrende Vielzahl der erlesenen Kunstwerke, […] und da war vor allem, in einem besonderen Raum, den die Menschen betraten, als überschritten sie die Schwelle eines Gotteshauses, das Glanzstück der Galerie: Die sixtinische Madonna von Rafael.«

Damit nicht genug, denn der bekennende Kunstliebhaber hatte anschließend noch das Vergnügen, die Matthäuspassion in der Kreuzkirche mit ihrem berühmten Knabenchor zu genießen. Diese Schilderung verzichtete ganz auf einen Bezug zum Nationalsozialismus wie auch auf den Zweiten Weltkrieg. Es ging um die Anschauung des erlittenen Verlustes, der nicht nur den greisen Gerhard Hauptmann zu Tränen rührt hatte. Und doch ist der zitierte Artikel kein reiner Aufruf zur Trauer. Vielmehr sieht der Autor in einer trostlosen Gegenwart Zeichen der Hoffnung für die Rückgewinnung des Verlorenen. Frei von der Furcht vor Fliegeralarm und aufgrund eines »unergründlichen seelischen Reichtums« der Dresdner Bevölkerung, erkennt der Verfasser eine Wiederkehr kultureller Größe und sieht Zukunftspläne entstehen, die keine Träume seien, denn:

»Träumen werden sie erst dann, wenn ihre Heimatstadt mit neuem Glanz und altem Ruhm ihres Namens wieder über die Grenzen tragen wird. Und das wird bald sein …«

Einen solchen »Kulturoptimismus in Dresden« vermag auch die Tägliche Rundschau im gleichen Monat auszumachen. Hier ist die Gegenwart nur eine vorläufige Station auf dem Weg in eine klare Zukunft. Allerdings ist in der SMAD-Zeitung keine Rede von einer Wiederkehr des alten Dresden, wo »sich das Dresdner Bürgertum noch damit begnügte, vom Ruhme glanzvoller barocker Vergangenheit zu leben.« Diese sei nach dem »Hitlerkrieg und seinen Verwüstungen« nun vorbei. In unmissverständlicher Form wird der »weichen aesthetischen [sic!] Luft« des bürgerlichen Lebens eine Wiederkehr verweigert: »In Dresden weht heute ein schärferer Wind.« Die Männer der ersten Stunde waren gerade keine »Bürgerlichen«, sondern »Antifaschisten aus dem Kreise der Arbeiter und progressiver Intelligenz. Sie nahmen ein kulturelles Aufbauwerk in Angriff, das notbedingt andere Wege beschreiten mußte als die gewohnten, nachdem das barocke alte Dresden buchstäblich in Schutt und Asche gesunken war.« Der damit benannte Zusammenhang zwischen der Zerstörung der Kulturstadt und der NS-Diktatur diente hier nicht einem aufklärerischen Anliegen, sondern einem frühzeitig und deutlich formulierten Gestaltungs- und Machtanspruch der »Antifaschisten«.

Aus der zeitgenössischen Perspektive mag dieses Selbstbekenntnis erklärbar erscheinen, allerdings beinhaltete dies auch eine auf Dauer problematische Leerstelle: die Beteiligung der deutschen Bevölkerung an der NS-Diktatur und am »Hitler-Krieg«. Mit dieser Auslassung wirkte der pragmatische Appell zur Aufbauarbeit wie ein höchst attraktives Integrationsangebot gerade für all jene, die zwischen 1933 und 1945 geschwiegen, weggesehen oder mitgemacht und damit selbst Schuld auf sich geladen hatten.11 Insofern geriet das mahnende Gedenken an die Katastrophe des 13. Februar 1945 schon frühzeitig und unbeabsichtigt in den Sog der Instrumentalisierung der Geschichte der NS-Diktatur für die von deutschen Kommunisten und sowjetischer Besatzungsmacht angestrebte Errichtung der antifaschistisch legitimierten SED-Diktatur.12

Wende zum Antiimperialismus

Kein halbes Jahr nach der Gründung der DDR im Oktober 1949 offenbarte sich, in welchem Ausmaß die SED-Spitze bereit war, das Gedenken an die Zerstörung Dresdens für ihre machtpolitischen Zwecke zu benutzen. Bis dahin waren die Gedenkveranstaltungen nicht frei von Angriffen auf die Westmächte gewesen, jedoch war die propagandistische Bedeutung dieser Ausfälle auf den lokalen Raum beschränkt geblieben. Zur fünfjährigen Wiederkehr des 13. Februar 1945 zog das SED-Politbüro die Verantwortung für diese Kampagne ganz an sich. In einem anlässlich des fünften Jahrestages der Bombardierung Dresdens in der überregionalen Tagespresse 12. Februar 1950 abgedruckten offenen Brief des Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, an den Oberbürgermeister von Dresden wurde dieses Ereignis aus der Schlussphase des Zweiten Weltkrieges gänzlich seines historischen Kontextes beraubt. Der Nationalsozialismus bzw. im kommunistischen Sprachgebrauch der »deutsche Faschismus« und der vom »Dritten Reich« betriebene totale Krieg finden in dieser Veröffentlichung keine Erwähnung. Einzig »der fünfte Jahrestag der sinnlosen Zerstörung einer der schönsten Städte Deutschlands durch amerikanische Bomber« wird herausgestellt, um dieses Ereignis als Beleg für die behauptete Bedrohung ganz Deutschlands durch den Imperialismus der »anglo-amerikanischen Kriegstreiber« anzuführen. Dem dergestalt aufgebauten Angstszenario wurde entsprechend das Bündnis der DDR und der »Patrioten in ganz Deutschland« mit der Sowjetunion, »der größten Friedensmacht der Welt«, entgegengestellt.

Im folgenden Jahr erfuhr das Gedenken an die Zerstörung Dresdens eine weitere radikale Emotionalisierung. Die anklagende Sprache der Propaganda enthielt keinerlei Reminiszenzen mehr an die Gemeinsamkeit zwischen der Sowjetunion und den westlichen Alliierten aus der Zeit der Anti-Hitler-Koalition. Nun wurde das Sterben während des »bestialischen Angriffs amerikanischer Bomber auf das friedliche Dresden« ausführlich geschildert und mit Fotos von Leichenbergen brutal veranschaulicht. Diesem Grauen wurde erneut die Aufbauarbeit des »Arbeiter-und-Bauern-Staats« als ein »Sieg des Lebens über den Tod« entgegengesetzt. Schließlich wurde die Gefahr eines Atomkrieges in der Gegenwart des Kalten Krieges mit der Aura des authentischen Schreckens in Dresden aufgeladen. Der Preis für diese »Friedenspropaganda « war, dass sich das Gedenken an die Zerstörung der sächsischen Landeshauptstadt nun vollständig außerhalb des historischen Kriegsgeschehens befand. Ganz so als ob die Bewohner Dresdens, wie auch die Gesamtheit der deutschen Bevölkerung, von den Verbrechen des Nationalsozialismus und dessen Angriffs- und Vernichtungskrieg nichts habe wissen können und ausschließlich zum Opfer einer fremden Macht, den USA, geworden sein. Die Tägliche Rundschau am 12. Februar 1952 in diesem Sinne:

»In einem Augenblick, da die Niederlage des verbrecherischen Nazisystems längst entschieden war, wurde die letzte, noch völlig unversehrte deutsche Großstadt, zugleich eine der schönsten Städte Europas, in Schutt und Asche gelegt. Dieser amerikanisch-englische Ueberfall [sic!] auf das mit Flüchtlingen überfüllte Dresden war militärisch sinnlos – es war vorsätzlicher Mord an Zehntausenden wehrloser Menschen, in der Mehrzahl Frauen und Kinder.«

Die dramatische Anrufung des Leids der Opfer des Bombenangriffs ermöglichte es hier auf kurzem Weg, den Nationalsozialismus und die USA als gleichwertig zu betrachten. So wurde in der DDR-Propaganda das ursprünglich pazifistische »Nie wieder« unter Bezugnahme auf das Schicksal Dresdens zum antiamerikanischen Anwurf. Untermauert wurde dies z. B. im der SED-Monatszeitschrift »Neuer Weg« 1952 mit einer Flut von Zahlen über beteiligte Bombenflugzeuge, eingesetzte Spreng- und Brandbomben sowie einer Aufzählung der durch diese Waffen verursachten Zerstörungen und schließlich mit der Angabe von 35.000 getöteten Menschen. Die empirische Grundlage solcher Angaben war und ist nicht sicher, und so kann es nicht verwundern, dass 1953 wieder nur noch von 25.000 Opfern die Rede war. Derartige Korrekturen waren aber kein Zeichen der Versachlichung im Umgang mit dem 13. Februar 1945. Nach Angaben der Ostberliner Nachrichtenagentur ADN sprach der Chef der DDR-Präsidialkanzlei, Staatssekretär Otto Winzer, vor 100.000 Kundgebungsteilnehmern von »sinnlos hingemordeten Opfern des Luftterrors«, die eine Anklage der »barbarischen Führung des Luftkrieges durch die amerikanischen Imperialisten« seien.

Mit derartigen Rückfällen in die Propagandasprache des Nationalsozialismus trat auch der bedeutende Anteil der britischen Royal Air Force am Bombenkrieg im Zweiten Weltkrieg in der SED-Propaganda fast vollständig in den Hintergrund. Die USA wurden zur allein verantwortlichen Kriegsmacht stilisiert. In der Tageszeitung der Blockpartei NDPD, der »National-Zeitung« vom 18. Februar 1953 wurde Präsident Dwight D. Eisenhower, als ehemaliger Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa nun als Hauptschuldiger »des Mordes an Hunderttausenden, ja Millionen Menschen« angeklagt wurde. Es kann hier allerdings nicht angenommen werden, dass diese Motivlage des SED-Staates von der Mehrheit der DDR-Bevölkerung geteilt wurde. Was dieser antiamerikanischen Propaganda jedoch Plausibilität und damit Wirksamkeit verschaffte, war ihre bewusste Verknüpfung mit dem Arsenal der deutschen Schreckensgerüchte am Ende des Zweiten Weltkrieges:

»Jagdflugzeuge schossen mit Bordwaffen die durch Straßen irrenden, in den Großen Garten und an die Elbwiesen geflüchteten Einwohner zusammen. Die letzte Verantwortung für diesen Mord hatte jener General Eisenhower, der heute der Präsident der Vereinigten Staaten ist und der die Morde in Korea fortsetzen lässt und sie in allen Teilen der Welt ebenso fortsetzen möchte.«

Tatsächlich kursiert bis in die Gegenwart in der deutschen Öffentlichkeit die Vorstellung, die westlichen Alliierten hätten bei der Zerstörung Dresdens Tieffliegerangriffe gegen die flüchtende Dresdner Bevölkerung durchgeführt. Helmut Schnatz konnte jedoch anhand deutscher und alliierter Quellen detailliert nachweisen, dass die Erzählungen von alliierten Tieffliegerangriffen über Dresden ein Mythos sind.13 Die Nützlichkeit solcher Gerüchte wird aber nicht durch ihre fragwürdige Faktenlage aufgehoben. Ihr Wert liegt gerade in ihrer unbegrenzten Variationsfähigkeit, die eine Chance zum Anschluss an die vorhandenen Identitätskonstruktionen des Publikums eröffnet und diese wiederum kommunizierbar macht.14 An das Tieffliegerargument schloss sich die Behauptung an, dass die Zerstörung Dresdens ausschließlich den Zweck verfolgt habe, die zukünftige sowjetische Besatzungszone vollständig zu verwüsten und damit vom Zweiten direkt in den »Dritten Weltkrieg« übergehen zu können.

1955

Nach dem 1954 das Gedenken an die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg wieder in den Hintergrund getreten war, folgte zur zehnjährigen Wiederkehr des 13. Februar 1945 eine veritable Propagandaoffensive. Das Sekretariat des SED-Zentralkomitees hatte im Vorfeld eine regelrechte Trauer- und Protestwelle für die gesamte DDR angeordnet und vorbereitet. Die Wucht der in diesem Zusammenhang vorgebrachten Angriffe in Richtung Bundesrepublik und USA in den gelenkten DDR-Medien war bis zu diesem Zeitpunkt präzedenzlos. Zur Verstärkung der argumentativen Gleichsetzung des »amerikanischen Imperialismus« mit dem Nationalsozialismus – der nach kommunistischer Lesart nur eine Spielart des (west-) deutschen Imperialismus war – wurden abermals nicht nur die Bilder der zerstörten Stadtlandschaft Dresdens, sondern auch die Fotos aufgehäufter Leichenberge vorgeführt. Um die Verbindung zwischen den imaginierten Wahlverwandten USA und »Drittes Reich« zu belegen, wurde eine krude Agentengeschichte aus der Feder des DDR-Volkskammerabgeordneten Max Seydewitz vorgestellt in der Sächsische Zeitung vom 19. Januar 1955.

Der in der DDR-Presse angeprangerte amerikanische Spion war nach den Aussagen von Seydewitz in den 1930er Jahren und während des Zweiten Weltkrieges an den verschiedensten Verbrechen des Nationalsozialismus beteiligt. In seinem vorherigen Leben als durchschnittlicher US-Bürger habe der deutsche Auswanderer einen kleinen Betrieb in Detroit besessen. Als feindlicher Agent sollte er dann 1936 nach Deutschland zurückgekehrt sein, um einen unverhältnismäßig größeren Betrieb in Niedersedlitz bei Dresden samt Fabrikantenvilla aus jüdischem Besitz zu erwerben. Es wurde weiter gemutmaßt, dass das dafür nötige Geld von Henry Ford stammte, da der ja seinen Firmensitz auch in Detroit hatte. Aber damit nicht genug, auch Standard Oil und der amerikanische Geheimdienst waren Auftraggeber des Agenten. Anschließend wurde dem Leser klar gemacht, dass der vermeintliche Agent dadurch mit der IG-Farben in Verbindung gebracht werden kann. Damit war für die Autoren wohl hinlänglich belegt, dass von diesem Mann jedes Verbrechen erwartet werden konnte. So sollte es die Leserschaft Berliner Zeitung vom 11. Februar 1955 in der DDR auch nicht überraschen, dass der amerikanische Geheimagent nicht nur vom Krieg selbst profitierte, sondern auch die erzielten Gewinne und die seiner Auftraggeber möglicherweise über die Schweiz nach Übersee transferieren ließ. Damit wurde er vom amerikanischen Spion im Dienste von Ford und Standard Oil zum Agenten der Wallstreet.

All diese Unterstellungen und Behauptungen gipfelten schließlich in der vom »Neuer Tag« am 13. Februar 1955 aufgestellten Behauptung, dass der amerikanische Spion persönlich den Angriff auf Dresden vorbereitet habe, indem er Informationen über den fehlenden Luftschutz der Stadt an die westlichen Alliierten geliefert und auch noch die Nazi- Größen der sächsischen Hauptstadt vor dem zu erwartenden Angriff gewarnt habe. Galt zuvor die Tatsache, dass in Dresden vor allem die Altstadt, nicht aber die Neustadtseite fast vollständig zerstört wurde, als Beleg für die Sinnlosigkeit und Brutalität des Bombardements, so wurde dieser Umstand nun als Beweis für die Hinterhältigkeit des Spionageunternehmens dargestellt. In dem von den Bombardements nicht betroffenen Stadtteil stand die erwähnte Fabrikantenvilla, und man konnte von diesem Punkt aus die brennende Stadt exzellent einsehen, was der amerikanische Agent natürlich auch mit Befriedigung getan haben soll. Diese nur vage belegte Schilderung endete schließlich mit der Internierung des derartig beschuldigten Amerikaners in der Sowjetunion und wirkte so wie ein Gleichnis auf die Befreiung Dresdens durch die Rote Armee.

Dass der als Agent benannte und verhaftete Amerikaner Charles A. Noble sich nach seiner Entlassung aus der sowjetischen Gefangenschaft gegen die in der DDR-Öffentlichkeit gegen ihn vorgebrachten ungeheuerlichen Anschuldigen zur Wehr setzte, wurde ihm in der Presse des SED-Staates dann als Beleg für seine finstere Gesinnung ausgelegt. Offenkundig stand den deutschen Kommunisten auch nach dem Tod Stalins und dem 20. Parteitag der KPdSU weiterhin kein anderes Mittel zur öffentlichen Begründung ihres Antiamerikanismus zur Verfügung als der Rückgriff auf Verschwörungstheorien.15 David Crew hat darauf hingewiesen, dass in der DDR die Herausstellung der Tausenden Bombenopfer von Dresden immer auch das Verschweigen der gleichzeitigen Rettung der wenigen, noch nicht deportierten Dresdner Juden zur Folge hatte.16 Offenkundig genügte es der SED-Propaganda aber nicht, diesen Teil der Geschichte des 13. Februar 1945 auszusparen. Es musste mit einem amerikanischen Agenten vielmehr eine Gestalt gefunden werden, die wie einst der »ewige Jude« durch seine Raffgier und seine Verschlagenheit das Schicksal der Stadt Dresden zu verantworten hatte. Diese Ähnlichkeiten mit antisemitischen Stereotypen müssen an dieser Stelle nicht absichtsvoll in die Propaganda eingegangen sein. Dass diese Affinität aber kein Hinderungsgrund für die Verbreitung solcher Räuberpistolen war, zeigt den höchst problematischen Umgang mit der Geschichte des Nationalsozialismus in der DDR.17

Ohne Zweifel war die Präsentation dieser Agentengeschichte im Zusammenhang mit dem Gedenken an die Zerstörung Dresdens in der DDR der negative Höhepunkt in der propagandistischen Bedenkenlosigkeit des Jahres 1955, der aber diese Kampagne weiter wesentlich prägte. Das Ziel war weiterhin und erklärtermaßen, mit diesen Angriffen auf die historische Rolle der USA im Zweiten Weltkrieg und vor allem die amerikanische Führungsrolle im Westeuropa des Kalten Kriegs zu unterminieren. Insbesondere die Stabilisierung des transatlantischen Bündnisses NATO und die Integration der Bundesrepublik in dieses Bündnis sollten damit bei der DDR-Bevölkerung und besonders auch in Westdeutschland in Frage gestellt werden. Dieser Kampf gegen die Pariser Verträge ging mit der Etablierung einer wiederum ausgeweiteten Bewertung des historischen Geschehens in der SED-Presse einher. So schreibe das »Neue Deutschland« am 12. Februar 1955:

»Der Mord an 35.000 unschuldigen Menschen auf zehn Quadratkilometer Dresden geschah Wochen vor den Tragödien von Hiroschima und Nagasaki. Hier wie dort waren es die gleichen Verbrecher.«

Abgesehen von der Frage, ob die Todesopfer eines Bombenangriffs überhaupt mit den Adjektiven unschuldig oder auch schuldig angemessen charakterisiert werden können, wird hier offenkundig, dass sich die in der DDR-Propaganda ohnehin schon ins Abseits geratene Frage nach der historischen Stellung Dresdens im Nationalsozialismus jetzt vollständig erübrigt zu haben schien.18 Die Dresdener wurden nun als überraschte Opfergemeinschaft dargestellt, obwohl in den zurückliegenden Jahren immer wieder betont worden war, dass die Fronten der Stadt immer näher gerückt waren und das Ende des Krieges damit bereits unmittelbar bevorgestanden hatte. In der »Täglichen Rundschau« vom 13. Februar 1953 wurde Dresden in die Reihe der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Städte Hiroshima, Berlin, Warschau, Coventry und Stalingrad gerückt. Die Schuld oder Verantwortung der Deutschen wurden auf diesem Wege externalisiert und einem universellen Imperialismus angelastet, der in den Augen der Kommunisten das Wesen der USA ausmachte. So war spätestens mit dem Jahr 1955 in der gelenkten Öffentlichkeit der DDR ein Gedenk- und Opferdiskurs zur Zerstörung Dresdens etabliert, der mit den Schlüsselbegriffen Sinnlosigkeit und Völkermord implizit wie auch explizit die Einebnung jeglicher Differenz zwischen den Folgen der nationalsozialistischen Diktatur und der amerikanischen Außenpolitik während und nach dem Zweiten Weltkrieg ermöglichte.

Ausblick

Auch wenn sich der Ton über die nachfolgenden Jahre »normalisierte«, die Redner und Leitartikel nahmen die eingeführten Motive Jahr für Jahr wieder auf. Dominant blieb die Identifikation mit den Opfern des Bombenangriffs auf Dresden und die klare Zuweisung der Schuld dafür an die USA. Bemerkenswert ist aber, dass die in den 1960er Jahren in der Bundesrepublik beginnende öffentliche Debatte um die Zahl der Todesopfer in Dresden in der DDR-Presse keinen Widerhall fand. Die Veröffentlichungen des später als Leugner des Völkermordes an den europäischen Juden verurteilten19 britischen Historikers David Irving zum »Untergang von Dresden« veranlassten den »Spiegel« am 19. Juni 1963 dazu anzugeben, dass in Dresden 75.000 Tote mehr zu beklagen gewesen seien als in Hiroshima. »Die Welt« war am 17. September 1964 sogar der Meinung, »Irvings Buch sollte jeder Deutsche lesen.«

Erklären lässt sich die Zurückhaltung der DDR-Presse nicht aus der Tatsache, dass im SED-Staat längst ein Gleichheitszeichen zwischen Dresden und die anderen verwüsteten Städte des Zweiten Weltkrieges gesetzt wurde. Die Differenz lag in der der Zielsetzung. Während die westdeutschen Autoren in ihren Beiträgen auf eine Versöhnung der (West-) Deutschen mit ihrer Geschichte abhoben, blieb in der DDR-Presse die Zerstörung Dresdens einer von vielen Gründen für eine unversöhnliche Feindschaft mit dem »US-Imperialismus«.

In den folgenden Jahren und bis zur Vereinigung der beiden deutschen Staaten blieb das Gedenken an die Zerstörung Dresdens ein unverzichtbarer Bestandteil der öffentlichen Repräsentation des SED-Staates. Parallel dazu entwickelte sich in Dresden zum Ende der DDR und in direkter Bezugnahme auf die Friedensbewegung der 1980er Jahre ein kirchliches Gedenken an die Zerstörung Dresdens, das als Ausgangspunkt für eine auf Versöhnung ausgerichtete Gedenkkultur in der heutigen sächsischen Landeshauptstadt angesehen werden muss. Allerdings hat der jüngste Versuch von Vertretern der rechtsradikalen NPD im sächsischen Landtag, dieses tragische Geschehen am Ende des Zweiten Weltkrieges in einen »Bomben-Holocaust« umzudeuten, auf den fortwährenden Bestand unversöhnlicher Geschichtsdeutungen verwiesen, in denen die Unterscheidung von Opfern und Tätern eingeebnet wurde und wird. Gleiches gilt wohl auch für die neuerdings wieder vehement geführte Debatte um die Opferzahlen in Dresden.

Vor dem Hintergrund dieser jüngsten Entwicklung erscheinen dem Autor die Medienresonanz auf das Buch von Jörg Friedrich und die sich daran anschließende Veröffentlichungswelle zum Bombenkrieg wie das Gewitterleuchten vor dem Sturm eines offenbar gewordenen, gesellschaftlich anerkannten Geschichtsrevisionismus.20 Trotz der Unterschiedlichkeit der hier vorgestellten und in der neuren Literatur anzutreffenden Positionen stand und steht über allem das vielseitig nutzbare Verdikt eines von den USA verschuldeten Kriegsverbrechens, das ungesühnt geblieben ist. Klaus Naumann hat bereits 1995 darauf hingewiesen, dass diese Interpretation des 13. Februar 1945 in der deutschen Gesellschaft bis in die Gegenwart ein eigentümliches Fortleben besitzt.21 Wie jüngste Forschungen zum Zusammenhang von öffentlicher Erinnerungskultur und Familienerinnerung an die NS-Zeit in Ostdeutschland gezeigt haben, ist es abwegig, davon auszugehen, dass mit dem Ende des Kommunismus in Europa und dem Zerfall des SED-Staates auch die antiwestlichen und antiliberalen Potentiale dieser Vergangenheitsverarbeitung untergegangen wären.22 Ein von der Geschichte des Nationalsozialismus abgelöstes Gedenken an die deutschen Opfer des Bombenkrieges kann auch weiterhin für Begründung einer essentialistischen Feindschaft zu den USA dienen.

1 Dieser Beitrag beruht wesentlich auf dem Buch „Antiamerikanismus im 20. Jahrhundert. Studien zu Ost- und Westeuropa“, da s ich gemeinsam mit den mit mir befreundeten Kollegen Jan C. Behrends und Arpad von Klimo 2005 im Bonner Dietz-Verlag herausgegeben konnte. Den Begriff »Amerika« verwenden wir in diesem Band in einem politischen Sinne, d.h. er bezeichnet – dem Sprachgebrauch des Alltags entsprechend – die Vereinigten Staaten und nicht im geographischen Sinne den Kontinent Amerika. Antiamerikanismus bezieht sich demnach allein auf die USA

2 Christian Schwaabe, Antiamerikanismus. Wandlungen eines Feindbildes, München 2003. Die neuere Forschung reflektiert Philipp Gassert, Amerikanismus, Antiamerikanismus, Amerikanisierung. Neue Literatur zur Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte des amerikanischen Einflusses in Deutschland, in: AfS 39 (1999).

3 Jan C. Behrends, Árpád von Klimó, Patrice G. Poutrus, Antiamerikanismus und die europäische Moderne. Zur Einleitung, in: Dies. (Hg.), Antiamerikanismus im 20. Jahrhundert. Studien zu Ost- und Westeuropa, Bonn 2005, S. 10-33.

4 Ina Merkel, Eine andere Welt. Vorstellungen von Nordamerika in der DDR der fünfziger Jahre, in: Alf Lüdtke/Inge Marßolek/Adelheid v. Saldern (Hrsg.), Amerikanisierung. Traum und Alptraum im Deutschland des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 1996, S. 245–254.

5 Zur Genese antiliberaler und antiwestlicher Positionen in der deutschen Geschichte siehe den Beitrag von Konrad H. Jarausch, Missverständnis Amerika: Antiamerikanismus als Projektion, in: Behrends/v. Klimo/Poutrus, Antiamerikanismus, S. 34–49.

6 Olaf Groehler, Dresden. Kleine Geschichte der Aufrechnung, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 40 (1995), H. 2, S. 137–141.

7 Zur Definition Gesine Schwan, Antikommunismus und Antiamerikanismus in Deutschland. Kontinuität und Wandel nach 1945, Baden-Baden 1999, S. 18, 27–34

8 Zur Anwendung des Begriffs der repräsentativen Öffentlichkeit auf kommunistische Staaten vgl. Jan C. Behrends, Die erfundene Freundschaft. Propaganda für die Sowjetunion in Polen und der SBZ/DDR (1944–1957), Köln 2006.

9 Erstmals dazu Olaf B. Rader, Dresden, in: Etienne François/Hagen Schulze (Hrsg.), Deutsche Erinnerungsorte Teil III, München 2001, S. 451–470.

10 Gilad Margalit, Der Luftangriff auf Dresden. Seine Bedeutung für die Erinnerungspolitik der DDR und für die Herauskristallisierung einer historischen Kriegserinnerung im Westen, in: Susanne Düwell/Mathias Schmidt (Hrsg.), Narrative der Shoah. Repräsentationen der Vergangenheit in Historiographie, Kunst und Politik, Paderborn etc. 2002, S. 189–207.

11 Vgl. dazu Damian van Melis, »Der große Freund der kleinen Nazis«. Antifaschismus in den Farben der SED, in: Heiner Timmermann (Hrsg.), Die DDR – Erinnerung an einen untergegangenen Staat, Berlin 1999, S. 245–264.

12 Herfried Münkler, Antifaschismus und antifaschistischer Widerstand als politischer Gründungsmythos der DDR, in: APuZ B45 (1998), S. 16–29.

13 Helmut Schnatz, Tiefflieger über Dresden? Legenden und Wirklichkeit, Köln 2000.

14 Jean-Noël Kampfer, Gerüchte. Das älteste Massenmedium der Welt, Leipzig 1996.

15 Dazu Gábor T. Rittersporn, Die sowjetische Welt als Verschwörung, in: Ute Caumanns/Matthias Niendorf (Hrsg.), Verschwörungstheorien. Anthropologische Konstanten – historische Varianten, Osnabrück 2002, S. 103–124.

16 David Crew, Auftakt zum Kalten Krieg? Wie sich die DDR an die Bombardierung Dresdens im Februar 1945 erinnerte, in: Daniela Münkel/Jutta Schwarzkopf (Hrsg.), Geschichte als Experiment. Studien zu Politik, Kultur und Alltag im 19. und 20. Jahrhundert. Festschrift für Adelheid von Saldern, Frankfurt/Main etc. 2004, S. 287–295.

17 Thomas Haury, »Finanzkapital oder Nation«. Zur ideologischen Genese des Antizionismus der SED, in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 5 (1996), S. 148–171.

18 Dazu sehr verdienstvoll Reiner Pommerin (Hrsg.), Dresden unterm Hakenkreuz, Köln etc. 1998.

19 Richard J. Evans, Der Geschichtsfälscher. Holocaust und historische Wahrheit im David-Irving-Prozess, Frankfurt/Main etc. 2001.

20 Jörg Friedrich, Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940–1945, München 2002. Zur »Bombenkriegsdebatte« vgl. die Sammlung wichtiger Beiträge in: Lothar Kettenacker (Hrsg.), Ein Volk von Opfern? Die neue Debatte um den Bombenkrieg 1940–45, Berlin 2003.

21 Klaus Naumann, Dresdener Pieta. Eine Fallstudie zum »Gedenkjahr 1995«, in: Mittelweg 36 (1995), H. 4, S. 67–81.

22 Sabine Moller, Vielfache Vergangenheit. Öffentliche Erinnerungskulturen und Familienerinnerungen an die NS-Zeit in Ostdeutschland, Tübingen 2003.

Patrice G. Poutrus, Bomben auf Elbflorenz. Antiamerikanismus in der SED-Propaganda zur Erinnerung an die Zerstörung Dresdens, in: Martin Sabrow (Hg.), ZeitRäume. Potsdamer Almanach des Zentrums für Zeithistorische Forschungen 2005, S. 118-130.

2 thoughts on “Bomben auf Elbflorenz: Antiamerikanismus in der SED-Propaganda

  1. „Die Veröffentlichungen des später als Leugner des Völkermordes an den europäischen Juden verurteilten19 britischen Historikers David Irving zum »Untergang von Dresden« veranlassten den »Spiegel« am 19. Juni 1963 dazu anzugeben, dass in Dresden 75.000 Tote mehr zu beklagen gewesen seien als in Hiroshima. »Die Welt« war am 17. September 1964 sogar der Meinung, »Irvings Buch sollte jeder Deutsche lesen.«

    Erklären lässt sich die Zurückhaltung der DDR-Presse nicht aus der Tatsache, dass im SED-Staat längst ein Gleichheitszeichen zwischen Dresden und die anderen verwüsteten Städte des Zweiten Weltkrieges gesetzt wurde. Die Differenz lag in der der Zielsetzung. Während die westdeutschen Autoren in ihren Beiträgen auf eine Versöhnung der (West-) Deutschen mit ihrer Geschichte abhoben, blieb in der DDR-Presse die Zerstörung Dresdens einer von vielen Gründen für eine unversöhnliche Feindschaft mit dem »US-Imperialismus«.“

    Also irgendwo hört´s doch aber auf. Das die DDR-Führung/Presse Aussagen eines brit. Holocaust-Leugners und entsprechende Texte in westlichen Massenmedien nicht kritisch genug hinterfragte, kann doch wohl kaum als Beleg für Antiamerikanismus herangeführt werden. Damit will ich gar nicht mal ausdrücken, das es diesen nicht gab, denn das wäre falsch. Aber hier liegt doch wohl keine kausale Beziehung vor. Wieso sollte sich die DDR-Führung von Texten im „Spiegel“ oder der „Welt“ distanzieren?

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