27. Januar 1945: Die Rote Armee befreit Auschwitz

Am 27. Januar 1945 war es endlich soweit. Die ersten sowjetischen Soldaten erreichten Auschwitz. Zwölf Tage zuvor war die Roten Armee im Rahmen ihrer Winteroffensive nach Krakau vorgestoßen, wo sie heftige Kämpfe mit der deutschen Wehrmacht zu bestehen hatte, die die Stadt aber nach drei Tagen räumen musste. Bei großer Kälte und durch eine dichte Schneedecke kämpften sich die Soldaten der 1. Ukrainischen Front weiter voran und erreichten schließlich das 60 Kilometer weiter westlich gelegene Auschwitz.

Von Ernst Piper

Am Samstag, den 27. Januar, standen sie morgens um 9 Uhr vor dem Lagertor von Monowitz, dem östlich der Stadt gelegenen Konzentrationslager, wo die Häftlinge untergebracht waren, die für die I.G. Farben und andere deutsche Industrieunternehmen arbeiteten.

Fast drei Stunden dauerte es, das von den Deutschen vor ihrem Abmarsch verminte Tor zu überwinden. Der erste, der das Lager betrat, war der Bataillonskommandeur Anatoly Shapiro. Obwohl er ein ukrainischer Jude war und später wegen des massiven russischen Antisemitismus emigrierte, sagte er noch kurz vor seinem Tod: „Ich habe Auschwitz nicht als Jude befreit, sondern als Kommandant der Roten Armee. Darauf bin ich stolz.“

Nach der Befreiung Krakaus, bei der Shapiro fast die Hälfte seiner 900 Männer verloren hatte, hatte er von Einheimischen zum ersten Mal den Namen Auschwitz gehört. Jetzt stand er in einem der Lager und, was er sah, hat sich für immer in sein Gedächtnis eingebrannt: „Skelette von Menschen kamen uns entgegen. Sie trugen Streifenanzüge, keine Schuhe. Es war eisig kalt. Sie konnten nicht sprechen, nicht einmal die Köpfe wenden.“ Shapiro rief ihnen zu: „Die Sowjetarmee hat euch befreit!“ Einige polnische Juden konnten ihn verstehen, schauten ihn ungläubig an und berührten ihn an Armen und Händen, um durch diese hilflose Geste den Wahrheitsgehalt dessen, was sie gerade gehört hatten, zu überprüfen.

Das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau lag sechs Kilometer weiter westlich, auf der anderen Seite der Stadt Auschwitz. Gegen 14 Uhr trafen auch dort die ersten sowjetischen Soldaten ein. Der italienische Schriftsteller Primo Levi hat in seinem Buch „Die Atempause“ beschrieben, wie sie mit erhobenen Maschinenpistolen die Straße am Rand des Lagers entlang ritten: „vier bewaffnete Männer, aber nicht gegen uns bewaffnet: vier Friedensboten mit bäuerischen, kindlichen Gesichtern unter den schweren Pelzmützen.“ Sie konnten das, was sie sahen, nicht begreifen und ritten grußlos an den Häftlingen vorbei. Befangenheit verschloss ihnen den Mund, gleichzeitig konnten sie ihre Blicke nicht abwenden. Das Grauen schlug sie in seinen Bann. Links und rechts der Straße gab es schwarze Flecken, von der SS vor ihrer Flucht erschossene Häftlinge, die der Schnee noch nicht völlig bedeckt hatte. Angehörige der Lager-SS hatten versucht, noch möglichst viele Häftlinge zu erschießen oder sie in ihren Baracken zu verbrennen. Aber angesichts des näher kommenden russischen Geschützdonners mussten sie bald das Weite suchen. Am Ende ging alles sehr schnell. Primo Levi sah, als er durch das verlassene Lager ging, „halbvolle Teller mit gefrorener Suppe“ und „volle Krüge Bier, das zu gelbem Eis geworden war.“

Jews from Subcarpathian Russia (then part of Hungary) undergo a "Selektion" on the ramp at the Auschwitz-Birkenau extermination camp, May 1944. The officer in front holding a riding crop is either SS Unterscharfuehrer Wilhelm Emmerich or SS Haupsturmfuehrer Georg Hoecker; inmates in striped uniforms—to be killed at a later date—assigned to the "Kanada" section collect the property. Note the physician in the white coat between the columns, Gyorgy Havas, selecting who is sent immediately to death and who will wait. (Diese Datei wurde unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht.)
Jews from Subcarpathian Russia (then part of Hungary) undergo a „Selektion“ on the ramp at the Auschwitz-Birkenau extermination camp, May 1944. The officer in front holding a riding crop is either SS Unterscharfuehrer Wilhelm Emmerich or SS Haupsturmfuehrer Georg Hoecker; inmates in striped uniforms—to be killed at a later date—assigned to the „Kanada“ section collect the property. Note the physician in the white coat between the columns, Gyorgy Havas, selecting who is sent immediately to death and who will wait. (Diese Datei wurde unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht.)

Auch Otto Wolken sah die Rotarmisten heranreiten. Wolken stammte aus Lemberg, hatte in Wien Medizin studiert und arbeitete in Birkenau im Quarantänelager der Männer als Häftlingsarzt. Drei Tage zuvor hatten SS-Männer versucht, ihn zu einem der Todesmärsche zu kommandieren, aber durch einen waghalsigen Sprung in den Latrinenablaufgraben war es ihm gelungen, sich zu retten. Inzwischen war die SS abgerückt, sowjetische Soldaten übernahmen das Lager. Vorsichtig näherten sich ihnen einige Häftlinge. Als sie die roten Sowjetsterne auf ihren Pelzmützen erkannten, brach Jubel aus. Jeder, der sich noch bewegen konnte, schleppte sich hinaus in die Kälte, um die Befreier willkommen zu heißen. Manche waren so entkräftet, dass sie auf allen Vieren kriechen mussten. Otto Wolken bat am Abend einen russischen Offizier, der Jiddisch sprach, in die Baracken, damit er dort auch die Häftlinge begrüßte, die vor Hunger und Kälte erstarrt in ihren Betten lagen und gar nicht aufstehen konnten. Der Mann öffnete seinen Mantel, zeiget seine ordensgeschmückte Brust und sagte: „Ihr müsst nicht mehr um Euer Leben fürchten. Die Sowjetische Armee jagt die Deutschen wie die Hasen. Ich freue mich, dass mir das Glück zuteil wird, wenigstens noch eine kleine Gruppe von Menschen vor den Barbaren zu retten.“

7650 Menschen lebten noch in dem Lager, als die Befreier eintrafen. Diese wenigen Tausend hatten es vermeiden können, nach Westen gejagt oder abtransportiert zu werden. Die Rote Armee kümmerte sich so gut wie möglich darum, die Zustände im Lager zu verbessern. Polnische Zivilisten wurden abkommandiert, die herumliegenden Leichen zu beseitigen und die überquellenden Latrinen zu reinigen. Sanitäter brachten Decken und Kleidung, Soldaten verteilten Tee und Brot an die halb Verhungerten. Am Tag nach ihrer Ankunft ließen die Sowjets eine Kuh in das Lager bringen, die in Minutenschnelle geschlachtet, ausgenommen, zerlegt und verteilt wurde. Russische Ärzte gaben sich jede Mühe, die noch Lebenden zu retten. Doch die Hälfte von ihnen starb in den folgenden Wochen an den Folgen der erlittenen Qualen.

Mehr als eine Million Menschen war in Auschwitz ermordet worden. Am 17. Januar 1945 zählte man bei dem letzten Appell noch 67.012 Häftlinge. An diesem Tag kamen auch Häftlinge aus dem südöstlich von Krakau gelegenen Konzentrationslager Płaszów an, die man von dort einen Tag vor der Befreiung Krakaus deportiert hatte. Das war der letzte Neuzugang, den die Chronik des Lagers verzeichnet. Am 17. Januar liquidierte auch der leitende Lagerarzt Josef Mengele seine Versuchsstation in Auschwitz-Birkenau und verbrachte das aus Versuchen an Zwillingen, Zwergwüchsigen und Krüppeln gewonnene „Material“ ins Konzentrationslager Groß-Rosen in Niederschlesien, wo er noch ein letztes mal für vier Wochen als Lagerarzt sein Unwesen trieb.

Einen Tag später mussten Häftlinge alle Krankenakten und Fiebertabellen aus dem Häftlingskrankenbau holen. Sie wurden gemeinsam mit der Häftlingskartothek auf dem Platz beim Lagertor, wo in den Jahren zuvor immer das Häftlingsorchester gespielt hatte, unter der Aufsicht der SS verbrannt. Zugleich begann die Evakuierung des Lagers. Die ersten 5.345 Häftlinge verließen in Kolonnen von je 500 Frauen und Kindern Auschwitz-Birkenau, unter ihnen waren auch 176 Frauen aus Płaszów, die erst am Tag zuvor angekommen waren. Sie alle wurden ins Stammlager Auschwitz verlegt, um dort auf die Formierung der Todesmärsche zu warten.

Am selben Tag wurden auch 800 Häftlinge aus dem Nebenlager Janinagrube in Marsch gesetzt. Unter scharfer Bewachung durch die SS wurden sie zu Fuß in das über 300 Kilometer entfernte Lager Groß-Rosen getrieben. Als Wegzehrung erhielten sie kleine Portionen Trockenproviant. Das Schuhwerk der meisten Häftlinge bestand aus Holz mit aufgenähtem Segeltuch. Einen Schutz gegen die eisige Kälte bekamen die Menschen, die erbarmungslos vorangetrieben wurden, nicht. Wer nicht mehr weiter konnte, wurde sofort erschossen. Von den ursprünglich 800 Häftlingen kamen noch 200 im Zustand völliger Erschöpfung in Groß-Rosen an.

In den folgenden Tagen verließen weitere Marschkolonnen die Lager. Insgesamt wurden 58.000 Häftlinge gezwungen, sich, von Schergen der SS scharf bewacht, auf den sogenannten Todesmärschen zu weiter westlich gelegenen Lagern zu schleppen, wo neuen Torturen auf sie warten. Viele von denen, die die Todesmärsche überlebten, mussten sich anschließend in den unterirdischen Fabrikationshallen von Dora-Mittelbau für Hitlers Wunderwaffen zu Tode schuften. Dora-Mittelbau war ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald in Thüringen, wo noch unter Hochdruck gearbeitet wurde. Erst am 11. April konnten die Amerikaner es befreien.

EInfahrt zum Konzentrationslager Auschwitz 1945
EInfahrt zum Konzentrationslager Auschwitz 1945 (Foto: Stanislaw Mucha, Deutsches Bundesarchiv, Commons:Bundesarchiv).

Der letzte große Transport mit etwa 5.500 Häftlingen verließ Auschwitz am 19. Januar. Sie mussten bis Wodzisław marschieren. Dort wurden sie in offene Güterwaggons verladen und in das österreichische Konzentrationslager Mauthausen überstellt, wo sie am 26. Januar eintrafen. In den folgenden Tagen verließen weitere kleinere Transportkolonnen Auschwitz. Gleichzeitig wurden die Nebenlager nach und nach aufgelöst.

Am 1. November 1944 hatte die letzte dokumentierte Vergasung in Auschwitz stattgefunden. Heinrich Himmler, der bis zuletzt auf einen Separatfrieden mit dem Westen hoffte, befahl kurz darauf, die Tötungen durch Giftgas einzustellen. Gegen Ende des Jahres begann die SS damit, die Spuren der fabrikmäßigen Massenvernichtung zu beseitigen. Das Krematorium IV war bereits im Oktober abgerissen worden, nachdem Angehörige des Sonderkommandos es bei einem Aufstandsversuch in Brand gesteckt hatten. Die anderen Krematorien wurden demontiert, wobei die Motoren und Rohre zum Teil in anderen Lagern, z.B. in Mauthausen, weiter verwendet wurden. Am 1. Dezember 1944 begannen Mitglieder des Sonderkommandos, die Krematorien II und III abzutragen, die letzten noch vorhandenen Gebäudeteile wurden am 20. Januar gesprengt. In der Nacht vom 26. auf den 27. Januar wurde auch das Krematorium V, das als einziges noch intakt gewesen war, von einem SS-Kommando mit Dynamit gesprengt.

Am nächsten Tag kam Anatoly Shapiro mit seinen Männern. Sie gingen von Baracke zu Baracke: „Durch den Wind waren wir bedeckt von Asche, der Schnee war schwarz. Die Kreamtorien waren noch warm.“ Nach und nach wurde das ganze Gelände von Einheiten der sowjetischen Armee besetzt. In den Magazinen präsentierte sich ihnen die Hinterlassenschaft deutscher Gründlichkeit: 348.820 Herrenanzüge, 836.255 Damenkleider und –mäntel, Berge von Kinderbekleidung, Brillen und Prothesen. Auch 298 Säcke mit Frauenhaar lagen dort, fertig für den Transport verpackt. Die Haare sollten zu Industriefilzen verarbeitet und zu Garn versponnen werden, um daraus Haargarnfüßlinge für U-Bootbesatzungen und Haarfilzstrümpfe für die Reichsbahn anzufertigen. Doch dazu war es nicht mehr gekommen.

Der Lagerarzt Otto Wolken schloss seinen Bericht über die Befreiung von Auschwitz-Birkenau, den er bald nach Kriegsende niederschrieb, mit den Worten: „Auschwitz darf nicht vergessen werden!“ . Doch bis zur Erfüllung dieser berechtigten Forderung war es ein weiter Weg. Auschwitz lag wie die anderen Vernichtungslager hinter dem Eisernen Vorhang, auf polnischem Territorium. Mit den Ländern des Ostblocks hatte die Bundesrepublik zunächst nicht einmal diplomatische Beziehungen, von Rechtshilfeabkommen ganz zu schweigen. Schon vor 1945, als immer deutlicher wurde, dass der von Hitler versprochene „Endsieg“ sich nicht einstellen würde, setzte bei den Deutschen die Flucht in die Unwissenheit ein. Und nach Kriegsende, als die Menschen mit der Neuordnung ihrer Biografien beschäftigt waren, war für die Erinnerung an diesen Planeten des Todes erst recht kein Platz. Der Spielfilm „Im Labyrinth des Schweigens“, der die Vorgeschichte des Auschwitz-Prozesses rekonstruiert, hat uns die ostentative Ahnungslosigkeit der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft jüngst eindrucksvoll vor Augen geführt.

Als der Auschwitz-Prozess im Dezember 1963 in Frankfurt am Main begann, war Otto Wolken der erste der 357 Zeugen, die dort aussagten. 20 Monate dauerte der Prozess. Was sich während des Krieges in den Vernichtungslagern abgespielt hatte, wurde das Geschehen erstmals in allen schmerzhaften Einzelheiten vor einer höchst aufmerksamen Weltöffentlichkeit verhandelt und die Deutschen konnten sich ein Bild von der Hölle machen, die sie selbst geschaffen hatten. Heute gilt dieser Prozess als eine entscheidende Wegmarke für die Entwicklung der Bundesrepublik und Auschwitz ist unbestritten eine zentrale Signatur der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Am Anfang standen die Befreier, Anatoly Shapiro und seine Männer, die unter erheblichen Verlusten die Stadt und das Lager Auschwitz befreiten und den letzten Widerstand der SS niederkämpften. Shapiro wurde 2006 postum von Wiktor Juschtschenko der Ehrentitel „Held der Ukraine“ verliehen. Auf Deutsch gibt es nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag über ihn. Im Alter von 92 Jahren starb Shapiro, auf Long Island ist er beerdigt. Auf seinem Grabstein steht: „Soldier – Hard Working Man – Poet“.

7 thoughts on “27. Januar 1945: Die Rote Armee befreit Auschwitz

  1. Naja, bei Licht betrachtet, viel zu befreien gab es da nicht mehr, es war doch kaum noch jemand übrig. Nein, zur traurigen persönlichen „Wahrheit“ vieler Überlebender gehört eben leider auch, dass man eben keine besonders großen Anstrengungen seitens der Alliierten hinsichtlich einer Befreiung der KZ`s unternommen hat, denn es war nichts, was den Russen oder Briten, und auch nicht den Franzosen bzw. US-Amerikanern, besonders am Herzen lag, es stand auch nicht weit oben auf dem Zettel der dringend nötigen Dinge. Dabei hätte es durchaus innerhalb ihrer Möglichkeiten gelegen, wenigstens die Ungarn zu retten, indem man nicht nur die Fabrik neben dem Lager, sondern auch die Gaskammern und Zubringergleise mit bombardiert hätte, doch das wurde damals unter sehr fadenscheinigen Begründungen verworfen.
    Doch weil eben auch Stalin tolle Propagandabilder haben wollte, deshalb hat er, so wie damals allgem. Üblich, die „Befreiung“ des Lagers sogar nachträglich nachspielen und Filmen lassen, unter anderem auch deshalb, weil ihm die Kinder im ersten Versuch viel zu abgemagert aussahen, und schon deshalb kaum in der Lage waren zu laufen.
    Das war ihm, dem Genossen Stalin, dann doch viel zu krass und man hat die Kinder also zuerst einmal etwas aufgepäppelt und erst einige Tage/Wochen später, nach der Übernahme des Lagers durch die Rote Armee entstand das berühmte ausdrucksstarke Bild, welches die Kindergruppe, die gerade erst Mengeles „Experimente“ überlebt hatte, zwischen 2 Stacheldrahtzäunen laufend, das Lager gerade verlassend, den Tod abstreifend, dem Leben entgegengehend, zeigt.
    Doch schon während ihrer Befreiung wurden sie wieder zur „Lüge“ gezwungen.

    שלום

  2. Nach 70 Jahren……………! Nein ! Nach Auschwitz wird es nie einen Schlussstrich geben !
    Auschwitz ist Teil der deutschen Geschichte und fest mit der Erinnerungskultur verankert.Aber es gab ja nicht nur Auschwitz. Hier Listen des Grauens :

    http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Liste_der_Konzentrationslager.html

    https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/ausgrenzung-und-verfolgung/konzentrationslager.html

    Für die Opfer wird es immer einen Platz in unsere Herzen geben !

    Ein Kind, der letzten Zeitzeugen

  3. Die Worte von Joachim Gauck sind richtig: „Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz. Die Erinnerung an den Holocaust bleibt eine Sache aller Bürger, die in Deutschland leben. Er gehört zur Geschichte dieses Landes.“
    Der Antisemitismus hat sich im Christentum und vor allem im deutschen Christentum über viele Jahrhunderte entwickelt. Am Ende haben sich die meisten Christen in Deutschland dieser Gruppendynamik angeschlossen, oder sind hineingeboren worden und haben sich unreflektiert jede antisemitischen Bosheit zu eigen gemacht. Antisemitismus war zur Selbstverständlichkeit geworden, auch deshalb, weil jeder die Rechtfertigung für den eigenen Antisemitismus in der eigenen Community bestätigt fand.
    Nie ist mir das so deutlich und klar geworden, wie beim Lesen des großartigen Werkes von Daniel Goldhagen: „Hitlers willige Vollstrecker“.
    Heute, sicher befördert durch moderne Kommunikationssysteme, gibt es eine globale Gruppendynamik, die genauso gefährlich ist, wie die Gruppendynamik die in Deutschland zu Auschwitz geführt hat.

    Hier kann man es nachlesen:
    https://www.fischundfleisch.at/politik-jetzt-ich/die-grossen-buehnen-der-judenhasser.html

  4. Hallo @ S,

    ein Beitrag par excellence von Alex Feuerherdt wie ich finde. Er kommt in seinem Bericht sehr schnell auf den Punkt und beschreibt die Situation in Israel so wie sie ist. Wir haben Freunde in Tel Aviv, die genau das bestätigen können, was Feuerherdt so treffend in seinem Artikel beschreibt.

    Beste Grüße

    1. Hallo Ghostrider,

      zum Glück gibt es bei uns Portale wie Publikative und Leute wie Axel Feuerherdt, die nicht müde werden den Abgrund der Vergangenheit, wie den Abgrund der Gegenwart (siehe den beitrag von Publikative: “Good, old-fashioned antisemitism” ) in Erinnerung zu rufen.
      Heute sollte jeder darüber Bescheid wissen, was Herr Piper hier in Erinnerung gerufen hat. Gleichwohl gibt es z.B. Kampagnen, die selbst in Deutschland nicht davor zurückschrecken, die Kennzeichnung von Juden produzierter Waren zu betreiben. Dass vor solchen Abscheulichkeiten nicht einmal deutsche Parlamentarier zurückschrecken ist zutiefst beunruhigend (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/133/1713339.pdf).

      Schöne Grüße

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