Was ist los mit der sächsischen Politikwissenschaft?

Während derzeit versucht wird, die PEGIDA-Demonstrationen wissenschaftlich zu erfassen, fallen die Beiträge der sächsischen Politikwissenschaft eher fragwürdig aus.

Von Miro Jennerjahn

Auf der einen Seite haben wir den derzeit mit einer unheimlichen medialen Präsenz ausgestatteten Prof. Werner Patzelt, der sich als Vertreter der faktenfreien PEGIDA-Deutung inszeniert und dabei auch nicht davor zurückschreckt, der extrem rechten Wochenzeitung Junge Freiheit ein Interview zu geben und ihr treudoof in den Schreibblock zu diktieren, der politische Diskurs in Deutschland habe sich nach links bewegt. Dafür bleibt er zwar jedweden Nachweis schuldig (interessant wäre an der Stelle auch, warum PEGIDA dann ausgerechnet in Sachsen und hier vor allem in Dresden stark ist, also einer Region, für die man angesichts einer traditionell äußerst konservativen sächsischen CDU wohl kaum von einem politischen oder politisch-diskursiven Linksruck sprechen kann), das neurechte Journalistenherz macht dabei natürlich schon einen Freudensprung. Bei Prof. Patzelt verwundert dieses Verhalten und diese Positionierung nicht. Immerhing stammt er aus dem sächsischen Klüngel der Extremismus-„Theoretiker“ rund um Prof. Uwe Backes und Prof. Eckehard Jesse, deren „Theorie“-Ansatz definitiv nicht wissenschaftlichen Ansprüchen genügt (mehr dazu hier und hier).

Studien über Pegida

Screenshot der Facebook-Seite von PEGIDA
Screenshot der Facebook-Seite von PEGIDA

Auf der anderen Seite haben wir Prof. Hans Vorländer, einen renommierten Wissenschaftler, der vor allem im Bereich der Politischen Theorie und Ideengeschichte forscht, der kürzlich eine Studie über die Teilnehmer an PEGIDA-Demonstrationen vorlegte. An und für sich löblich, ist es doch derzeit sehr spannend zu wissen, was die PEGIDA-Anhänger auf die Straße treibt, zumal sich in Sachsen nach wie vor die verharmlosende Deutung des „besorgten Bürgers“ hält, der dort marschiert und seinem Unmut Luft verschafft, worüber auch immer. An die Öffentlichkeit trat Prof. Vorländer allerdings mit folgendem Eingangssatz seiner Pressemitteilung:

Der „typische“ PEGIDA-Demonstrant entstammt der Mittelschicht, ist gut ausgebildet, berufstätig, verfügt über ein für sächsische Verhältnisse leicht überdurchschnittliches Nettoeinkommen, ist 48 Jahre alt, männlich, gehört keiner Konfession an, weist keine Parteiverbundenheit auf und stammt aus Dresden oder Sachsen.

Das klingt unheimlich präzise. Leider fehlt die Datengrundlage, um zu so einer Aussage zu kommen, vor allem ist die Untersuchung von Prof. Vorländer alles andere als repräsentativ. Zu Recht hat es massive Kritik an der Veröffentlichung von Prof. Vorländer gegeben, die ich hier nicht im einzelnen wiedergeben werde. Nachgelesen werden können die zentralen Kritikpunke z. B. im Blog von Stefan Niggemeier oder im ScienceBlog. Vor allem die hohe Ablehnungsquote von 65% der angesprochenen Demonstrationsteilnehmer ist problematisch, wenn man so weitreichende Aussagen trifft, wie die von Prof. Vorländer in der Pressemitteilung Eingangs gewählte Formulierung. Prof. Vorländer selbst sieht übrigens kein Problem dabei. Bei mir entsteht da doch der Eindruck es ging eher darum, einen medialen Erfolg zu feiern, als seriöse Ergebnisse zu präsentieren. Ein schlechtes Licht wirft das schon auf die sächsische Politikwissenschaft. Schlimmer noch, die eigenen Forschungsergebnisse werden durch ein solches Vorgehen entwertet, weil die Grenzen der Aussagekraft der erhobenen Daten nicht benannt werden.

Glücklicherweise gibt es mittlerweile noch eine andere Studie zu den Teilnehmern der PEGIDA-Demonstrationen und deren Einstellungen. Enstanden ist diese rund um den erfahrenen Bewegungs- und Protestforscher Prof. Dieter Rucht vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Auch das Forscherteam um Prof. Rucht hatte mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Aggressive Grundstimmung, hohe Ablehnung an der Studie teilzunehmen und daraus resultierend auch fehlende Repräsentativität der Daten. Trotzdem sind die vom Forscherteam um Prof. Rucht vorgestellten Ergebnisse verwertbar. Das liegt in erster Linie daran, dass dieses Team bei der Präsentation auf mediale Effekthascherei verzichtet hat und vor allem ein Höchstmaß an Transparenz über das methodische Vorgehen hergestellt hat. Um zu verdeutlichen, was ich meine möchte ich nochmal die beiden Pressemitteilungen von Prof. Vorländer und Prof. Rucht in voller Länge gegenüberstellen.

Pressemitteilung Prof. Vorländer:

Der „typische“ PEGIDA-Demonstrant entstammt der Mittelschicht, ist gut ausgebildet, berufstätig, verfügt über ein für sächsische Verhältnisse leicht überdurchschnittliches Nettoeinkommen, ist 48 Jahre alt, männlich, gehört keiner Konfession an, weist keine Parteiverbundenheit auf und stammt aus Dresden oder Sachsen.

Das sind die Kernaussagen der Studie eines Teams um den Politikwissenschaftler Prof. Dr. Hans Vorländer von der TU Dresden, die am 14. Januar 2015 im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt wurden. Das Team hat zum ersten Mal die Zusammensetzung der PEGIDA-Demonstrationen in Dresden empirisch untersucht. Dabei wurden rund 400 Teilnehmer nach soziodemographischen Merkmalen und ihrer Motivation zur Teilnahme befragt. Die Befragungen wurden am 22.12.2014, 05.01.2015 und 12.01.2015 durchgeführt. Dabei lehnten rund 65 Prozent der ursprünglich angesprochenen zirka 1.200 Teilnehmer eine Befragung ab.

Die Ergebnisse sind bemerkenswert und stehen zum Teil bisherigen öffentlichen Annahmen über Anliegen und sozialen Hintergrund von PEGIDA-Anhängern entgegen.

Weitere wesentliche Fakten:

  • Der Protest wird keineswegs von Rentnern und Arbeitslosen getragen – 70 Prozent der befragten Demonstrationsteilnehmer stehen im Beruf.
  • Die befragten Teilnehmer der Demonstrationen gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ sind nur zu knapp einem Viertel durch „Islam, Islamismus oder Islamisierung“ motiviert.
  • Das Hauptmotiv für die Teilnahme an PEGIDA-Demonstrationen ist eine generelle „Unzufriedenheit mit der Politik“. An zweiter Stelle wird die Kritik an Medien und Öffentlichkeit genannt; an dritter Stelle folgen grundlegende Ressentiments gegenüber Zuwanderern und Asylbewerbern, dabei sind Vorbehalte gegen Muslime bzw. den Islam besonders ausgeprägt.
  • In den Befragungen kommt die Wahrnehmung einer tiefen Kluft zum Ausdruck: zwischen den Massenmedien, der veröffentlichten Meinung und der etablierten Politik auf der einen Seite und den Problemen des Bürgers und dem „Willen des Volkes“ auf der anderen Seite.

Daraus lässt sich schließen: Auch wenn sich PEGIDA dem Namen nach gegen die Islamisierung des Abendlandes wendet, sind die Kundgebungen für die Mehrheit der Teilnehmer in erster Linie eine Möglichkeit, tief empfundene, bisher nicht öffentlich artikulierte Ressentiments gegenüber politischer und meinungsbildender Elite zum Ausdruck zu bringen. Diese Gegenüberstellung von „Die da oben“ und „Wir hier unten“ in Kombination mit fremdenfeindlichen Einstellungen wird traditionell zum rhetorischen Arsenal rechtspopulistischer Strömungen gerechnet.

Ob sich PEGIDA dauerhaft als Bewegung wird etablieren können oder ob es sich nur um eine temporäre Erscheinung handelt, ist eine noch offene Frage, die auch von der vorliegenden Untersuchung nicht beantwortet werden kann.

Pressemitteilung Prof. Rucht:

Untersuchung zur Dresdner Pegida-Demonstration

57 Sozialwissenschaftler und Helfer aus Berlin und Chemnitz um den Protestforscher Dieter Rucht (WZB) haben am 12. Januar 2015 die Pegida-Demonstration in Dresden beobachtet und die Demonstrierenden zur Teilnahme an einer Online-Befragung eingeladen. Erste Analysen der qualitativen und quantitativen Daten wurden am 19. Januar 2015 auf einer Pressekonferenz im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) vorgestellt.

Es konnten 670 Handzettel verteilt werden – unter schwierigen Bedingungen. Die Teams berichten übereinstimmend, dass die Mehrheit der Angesprochenen (ca. 1.800) die Annahme der Handzettel und Gespräche verweigerte. Bei bisherigen Befragungen von Demonstranten (u.a. Stuttgart 21, Hartz IV) fanden Fragebögen problemlos Abnehmer. An der Online-Befragung beteiligten sich bis Mittwoch Mitternacht 123 Personen (davon 76 Prozent Männer). Im Unterschied zu anderen Befragungen bei politischen Demonstrationen ist das eine extrem geringe Rücklaufquote (18,4 Prozent).

An der Befragung haben überwiegend Männer aus der Region Dresden teilgenommen, die mehrheitlich älter als 40 sind, über ein hohes Bildungsniveau verfügen und im Berufsleben stehen. Auf Grund der geringen Rücklaufquote können die Forscher keine Aussage über den „typischen“ Pegida-Demonstranten treffen. „Die Befragten spiegeln den gut gebildeten, im Berufsleben integrierten offeneren Teil der Pegida-Demonstrierenden wieder. Wir vermuten, dass insbesondere die Radikaleren sich einer Befragung verweigert haben“, sagt Dieter Rucht.

Der Online-Fragebogen enthielt u.a. Fragen zu politischen Aktivitäten, der politischen Selbsteinordnung, zu Einstellungen gegenüber dem Islam und Einwanderern sowie zu rechtsextremen Positionen. Auch die Sonntagsfrage wurde gestellt („Welche Partei würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre?“).

Außerdem gab es eine umfangreiche Demonstrationsbeobachtung.

Während Prof. Vorländer neben der PM lediglich seine Präsentation online stellt, die er während der Pressekonferenz benutzt hat, ist Prof. Rucht um maximale Transparenz bemüht. Neben der Pressemitteilung stellt er das Handout und die PowerPoint-Präsentation zur Pressekonferenz, genauso wie den Fragebogen der eingesetzten online-Befragung, das Muster des auf der Demonstration verteilten Handzettels sowie einen Audiomittschnitt der Pressekonferenz. Eine Langfassung der Untersuchungsergebnisse ist für den 28. Januar angekündigt.

Während also Prof. Vorländer lediglich die Ergebnisse verkündet, legt Prof. Rucht auch offen, mit welchem konkreten Instrumentarium die Ergebnisse ermittelt wurden. Für die Überprüfbarkeit und Bewertung der der Ergebnisse ist das ungeheuer wichtig und an und für sich ist dieses Vorgehen von ernsthaft betriebener Politikwissenschaft auch zu erwarten.

Der "deutsche Boden" ist zurück. "PEgida" in Dresden, Foto: Johannes Grunert
Der „deutsche Boden“ ist zurück. „PEgida“ in Dresden, Foto: Johannes Grunert

Spannend ist an dem Vorgehen des Teams um Prof. Rucht vor allem auch, dass weitergehende politische Einstellungen erfasst wurden, um bspw. Aussagen über chauvinistische, ausländerfeindliche oder islamfeindliche Einstellungen unter PEGIDA-Demonstranten treffen zu können. Dafür wurden Auszüge des Befragungsinstrumentariums eingesetzt, das aus den „Mitte“-Studien rund um Prof. Elmar Brähler und Dr. Oliver Decker bekannt ist. Das ist insofern relevant, weil dadurch ein Abgleich der Ergebnisse der unter den befragten PEGIDA-Demonstranten mit den Befragungsergebnissen der Mitte-Studien möglich wird.

Und bei der Gegenüberstellung fallen dann doch die deutlich höheren Zustimmungswerte der PEGIDA-Teilnehmer zu chauvinistischen und ausländerfeindlichen Aussagen. Islamfeindliche Einstellungen sind demnach interessanterweise unter den PEGIDA-Teilnehmern weniger stark verbreitet als im von den Mitte-Studien ermittelten Bevölkerungsdurchschnitt, allerdings ist der Wunsch nach Einschränkung von öffentlich sichtbaren Moscheebauten in Deutschland mit rund 93% Zustimmung mehr als doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung (die letztgenannten Zahl wurde von der Studie „Deutschland postmigrantisch“ ermittelt).

Erwähnenswert ist auch das durch das Forscherteam um Prof. Rucht ermittelte Wahlverhalten der befragten PEGIDA-Demonstranten. Während diese angaben, bei der letzten Bundestagswahl zu 33% AfD gewählt zu haben, steigt dieser Wert im Hinblick auf die letzte Landtagswahl in Sachsen bereits auf 49%. Danach gefragt, welche Partei sie wählen würden, wenn am nächsten Sonntag wahlen wären, gaben sie zu 89% die AfD und zu 5% die NPD an.

Prof. Rucht vermutet, dass an der Befragung eher der gemäßigtere Teil der PEGIDA-Demonstranten teilgenommen hat:

Alle 14 Teams berichteten einvernehmlich, dass die Mehrheit des Publikums die Handzettel und Gespräche verweigerte. Nach den Schätzungen der Teams wurde in etwa zwei Drittel der Ansprache von Personen die Annahme von Handzetteln verweigert (d.h., von ca. 1.800 Angesprochenen haben nur 670 den Handzettel angenommen). Es war eine deutlich ablehnende, teils aggressive Ablehnung bei einem großen Teil der TeilnehmerInnen erkennbar. Die „AblehnerInnen“ setzten außerdem häufig Wissenschaft und Universitäten mit der „Lügenpresse“ gleich („Ihr werdet doch bezahlt!“, „“Ihr seid doch alle von der Presse!“). Sehr häufig haben nach der Wahrnehmung der VerteilerInnen „besonders aggressiv Aussehende“ die Annahme der Handzettel verweigert. Das lässt vermuten, dass insbesondere die radikaleren Demons trierenden (Rechtsextreme, Hooligans) sich einer Befragung verweigerten. (Handout zur Pressekonferenz am 19.1.2015, S. 3)

Also: Bereits der gemäßigtere Teil der Demonstranten neigt zu deutlich höheren ausländerfeindlichen und chauvinistischen Einstellungen und bekundet zu 89% AfD und 5% NPD und damit anti-demokratischen Parteien wählen zu wollen. Dass damit die in Sachsen vielfach zu hörende Behauptung, das seien lediglich „normale, besorgte Bürger“, kaum noch aufrecht zu erhalten ist, dürfte offensichtlich sein.

Und auch die Vermutung, dass die Behaputung von PEGIDA lediglich gegen Islamismus zu sein lediglich vorgeschoben ist, ist für mich damit nicht aus der Welt. Wenn auf diesen Demonstrationen im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt vordergründig weniger stark islamkritisch eingestellte Menschen unterwegs sind, die auf der anderen Seite aber zu deutlich höheren ausländerfeindlichen und chauvinistischen Einstellungen neigen, bleibt der Verdacht, dass von den Demonstrationsteilnehmern, der Name PEGIDA tatsächlich als das verstanden wird, was er in meinen Augen ist: Eine Chiffre, die sich gegen „die“ Ausländer richtet.

Für mich bleibt allerdings trotzdem die Eingangs gestellte Frage offen: Was ist bloß mit der sächsischen Politikwissenschaft los? Warum neigt diese zu öffentlichkeitswirksamen Kurzschlüssen, die uns inhaltlich in der Auseinandersetzung nicht weiterbringen und unter dem Strich zu einer Verharmlosung von PEGIDA beitragen?

Ich bin gespannt, ob und wenn ja wie stark die Untersuchungsergebnisse des Teams um Prof. Rucht in die öffentliche Debatte um PEGIDA Eingang finden. Wünschenswert wäre es jedenfalls.

Anmerkung: Es gibt noch eine weitere Untersuchung von Prof. Franz Walter, die ich in diesem Artikel nicht berücksichtigt habe. Dabei handelt es sich bislang sowohl um Befragungen vor Ort als auch um eine online-Befragung von Demonstrationsteilnehmern.

10 thoughts on “Was ist los mit der sächsischen Politikwissenschaft?

  1. „89% AfD und 5% NPD und damit anti-demokratischen Parteien“

    bei der NPD geh ich ja noch voll mit, aber die AfD soll Anti-demokratisch sein?

  2. Mein Tipp! Selbst eine Studie in Auftrag geben, ganz neutral im Sinne des Auftraggebers.

    Dann klappt es auch mit dem gewünschten Ergebnis!

  3. Ein etwas missglückter Vergleich der beiden Studien, wie ich finde.

    Dass hier etwa mit völlig verschiedenen – und nur bedingt vergleichbaren – Befragungsmethoden gearbeitet wurde (face-to-face Interviews bei der TU-Studie, Online-Fragebögen bei der Berliner Studie), wird nicht erwähnt. Dass die TU-Studie noch gar nicht als vollständige Publikation vorliegt, lässt außerdem viele Mutmaßungen entstehen.

    Die TU-Studie ist wahrscheinlich nicht repräsentativ und ihre Ergebnisse sind wegen offensichtlicher Verzerrungen nur mit Vorsicht zu genießen, das ist klar. Bei einer Ablehnungsquote von 65% (somit 400 tatsächlich Befragte) und einer unbekannten Grundgesamt wird jeder Repräsentativitätsschluss schwierig.

    Dass aber die Erkenntnisse des „Protestforschers“ Dieter Rucht auf lediglich 123 (!) ausgefüllten Online(!)-Fragebögen beruhen (was bei 1800 angesprochenen Personen einer Ablehnungsquote von über 93 % entspricht), lässt mich doch daran zweifeln, dass der Berliner Forscher überhaupt irgendeine Aussage zu irgendjemandem oder irgendetwas machen kann.
    Es ist ja noch nicht einmal klar, dass diejenige Person, die diese Fragebögen ausgefüllt hat, vorher überhaupt tatsächlich bei der PEGIDA-Veranstaltung mitgelaufen ist …

  4. Außerdem würde ich noch anmerken, dass eine Online-Umfrage vor allem RenterInnen und zum Teil auch Arbeitslose mangels Internetzugangs ausschließen (könnten)

  5. Man kann schon davon ausgehen, dass die Personen, die sich an der Untersuchung des Teams von Rucht beteiligt haben, bei PEGIDA waren. Aus eingener Erfahrung weiß ich, dass es schwer möglich ist, aus purem Zufall auf so einen Onlinefragebogen zu stoßen.

    Herr Jennerjahn führt auch aus worin die entscheidenden Unterschiede der Studien liegen: In der Transparenz und im Umgang mit den Ergebnissen. Während die TU-Studie behauptet einen Durchschnitt abzubilden, sind dem Team um Herrn Rucht die möglichen Fehlerquellen und Verzerrungen bewusst und diese werden auch entsprechend berücksichtigt.

  6. Sie fragten sinngemäß: Warum neigt die sächsische Politikwissenschaft zu öffentlichkeitswirksamen Kurzschlüssen, die (…) zu einer Verharmlosung von PEGIDA beitragen?

    Was wollen Sie denn damit eigentlich wirklich sagen? Ist eine Wissenschaft, die nicht die erwarteten Ergebnisse bringt, bzw. die Ergebnisse nicht völlig uminterpretieren möchte denn wünschenswert? Inwieweit bringt uns die denn in der Debatte weiter? Ich vermute, Ihr Problem ist, dass Sie schon wissen, wie die Debatte ausgehen sollte, und ungern davon ablassen möchten. Ich studiere in Dresden Sozialpädagogik und ich kann Ihnen sagen, dass die Professoren- und Studierendenschaft schon alles mögliche unternimmt, um dem Phänomen PEGIDA auf die Spur zu kommen. Aber man ist eben auch der Wissenschaft verpflichtet und die schreibt nun mal bestimmte Vorgehensweisen bei einer Umfrage vor. Die Ergebnisse dann im Sinne einer Gesinnungsveredelung des Endverbrauchers zu interpretieren, das erledigt aber unsere Presse noch ganz gut. Es obliegt den Wissenschaftlern hier NICHT, ihre Meinung einfließen zu lassen, zu mutmaßen oder über das, was die Datenbasis zuläßt hinaus zu interpretieren. Das ist gar nicht so einfach, wenn die Wellen der Emotion so hoch schlagen, wie gerade auch an der TU Dresden. Von daher kann ich sie also beruhigen. Gerade deswegen bin ich aber auch so froh, dass es noch nicht (überall) so weit ist, dass die Gesellschaftswissenschaften sich zum willigen Werkzeug der Mehrheitsmeinung machen.
    Das wird passieren, wenn weiter und mehr öffentlicher Druck erzeugt wird, wie es meiner Meinung nach momentan geschieht. Sie sehen womöglich die Toleranz als zartes Pflänzchen bedroht, ich dagegen eher die Meinungsfreiheit. Es gibt Menschen, die gehen nicht auf diese Demo, weil sie um ihren Arbeitsplatz oder ihre Stellung im Freundeskreis fürchten.
    Wenn ich mir die Inhalte der PEGIDA durchlese, kann ich keine Punkte, die weniger Toleranz gegenüber anders Denkenden fordern, finden. Sie sicher auch nicht, darum ist die Auswertung der Studien ja so wichtig für Sie. Vielleicht sollten sie mal versuchen, die Leute „beim Wort“ zu nehmen.

  7. Achso: Die „Mehrheitsmeinung“ bezieht sich natürlich auf die Meinung, die subjektiv wahrgenommen an der TU Dresden herrscht, nicht auf die dresden- sachsen- oder bundesweite Meinung. 😉

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