Über den Satz: „Das hat nichts/etwas mit dem Islam zu tun!“

„Das hat nichts mit dem Islam zu tun“, sagen die einen. „Das hat sehr wohl etwas mit dem Islam zu tun“, sagen die anderen. So wird im Nachgang der Massaker von Paris wieder einmal über das Verhältnis zwischen djihadistischem Terror und dem Islam gestritten. Bemerkenswert wenig wird dabei darüber reflektiert, was es eigentlich heißt, das eine oder das andere zu sagen.

Ein Essay von Floris Biskamp

Eine solche Reflexion muss auf zwei Ebenen stattfinden: Auf der ersten, offensichtlicheren Ebene ist nach dem Wahrheitsgehalt der beiden Aussagen zu fragen, also danach, inwiefern sie die Taten, ihre Ursachen und ihren Kontext angemessen beschreiben. Auf der zweiten Ebene sind die Äußerungen als Sprechakte zu verstehen, also als soziale Handlungen, die selbst soziale und politische Konsequenzen haben. Beide Ebenen diskutiere ich nacheinander – zunächst in dem hier vorliegenden ersten – und dann in einem zweiten Teil, der am 15. Januar 2015 auf publikative.org folgen wird.

Teil I: Die Suche nach einer richtigen Beschreibung

Ob die Aussage, die Attentate haben „etwas mit dem Islam zu tun“, wahr ist, hängt unmittelbar davon ab, was man unter „mit dem Islam zu tun haben“ versteht. Das Verständnis, in dem die Aussage vertretbar ist, lässt sich am besten in Abgrenzung von vier Trugschlüssen beschreiben.

Der kulturalistische Trugschluss: Religion als Hauptursache

Der erste Trugschluss besteht im Glauben, die Ursachen für die Morde von Paris seien in erster Linie in der islamischen Tradition zu suchen. Diejenigen, die diesem seit 9/11 sehr verbreiteten kulturalistischen Trugschluss unterliegen, verweisen auf Zitate aus dem Koran oder der islamischen Überlieferung, in denen zur Tötung von Jüd_innen oder von denjenigen, die Mohammed beleidigt haben, aufgerufen wird – und wer solche Stellen sucht, wird fündig.

Jedoch ist es geradezu absurd, die Ursachen für das Handeln der djihadistischen Mörder_innen von heute zuvorderst in jahrhundertealten religiösen Schriften zu vermuten. Niemand begeht 2015 einen Mord, weil Mohammed vor 1400 Jahren, Ibn Tamiyya vor 700 Jahren und Ibn Abd-al-Wahhab vor 250 Jahren irgendetwas gesagt, geschrieben oder getan hat. Die Ursachen für hier und jetzt begangene Morde sind in erster Linie hier und jetzt zu suchen, nämlich in den gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Umständen, unter denen die Mörder sozialisiert wurden und sich radikalisiert haben. Wer ernsthafte Ursachenforschung betreiben will, sollte sich für die Recherche lieber in europäische (Vor-)Städte, Schulen, Sozialeinrichtungen, Arbeitsämter usw. begeben als in die islamwissenschaftliche Abteilung irgendeiner Universitätsbibliothek. Im Falle der Pariser Attentate scheinen sich die entscheidenden Episoden der Vorgeschichte nicht in Mekka und Medina, sondern im Park Buttes-Chaumont im 19. Arrondissement, in französischen Gefängnissen und in al-Qaida-Ausbildungslagern im Jemen abgespielt zu haben.

Auch islamische Mainstream-Moscheen in Frankreich sind sicherlich kein angemessener Ort für die Suche nach den Ursachen des Terrors. Denn wenig in den Biografien der Täter von Paris deutet darauf hin, dass sie in ihrer Jugend eine starke religiöse Sozialisation hatten; vielmehr scheinen sie erst relativ spät zur Religion gefunden zu haben – und dann gleich zu ihren radikalsten Varianten. Damit wären sie unter den in Europa sozialisierten Djihadist_innen sie keine Ausnahmen, sondern typisch Fälle. In der Präventionsarbeit gegen islamistische Radikalisierung tätige Autor_innen wie Claudia Dantschke oder Thomas Schmidinger berichten schon lange, dass die jungen Menschen, die dieser Tage in den Djihad nach Syrien und in den Irak ziehen, in ihrer Jugend zumeist keine intensive islamische Sozialisation hatten, sondern eine späte „Erweckung“. Auch wenn es ein naheliegender Gedanke sein mag: Wenig weist darauf hin, dass eine konservative islamische Erziehung in Familie oder Moscheegemeinde bei jungen Menschen in Europa ein begünstigender Faktor für djihadistische Radikalisierung ist.

Der vulgärmaterialistische Trugschluss: Ideologie als bloße Ausrede

Der Djihadismus ist das, was Adorno und Horkheimer ein ‚Ticket‘ nennen: Die djihadistische Ideologie befriedigt das bei bestimmten Personen ausgeprägte autoritäre Bedürfnis nach eindeutigen, unumstößlichen Welterklärungen, nach klaren Feind_innen und Schuldigen. Darüber hinaus bietet die Ideologie ihnen die Möglichkeit, für sich selbst eine heroische Rolle in einem historischen Kampf zwischen Gut und Böse zu reklamieren. Der Inhalt der Ideologie ist dabei in gewissem Sinne austauschbar, das Ticket kann durch ein anderes ersetzt werden. Dieselben Biographien können autoritäre Charaktere ebenso gut in faschistische, ultranationalistische oder stalinistische Kreise führen – und es gibt immer wieder Fälle, in denen Einzelne zwischen den verschiedenen, einander auf den ersten Blick widersprechenden Ideologien hin und her wechseln.

Das heißt jedoch nicht, dass die Ideologie selbst gänzlich irrelevant wäre. Diesem Trugschluss unterliegen Autor_innen, die so weit gehen zu behaupten, die Kouachis hätten die Morde aus reiner Mordlust begangen und die religiöse Begründung als bloße Ausrede angeführt. Damit wird die Relevanz von Ideologie jedoch unterschätzt. Man kann nämlich nicht unterstellen, dass alle, die bestimmte biographische Erfahrungen gemacht haben, automatisch zu Mörder_innen würden und dann jeweils eine Ideologie fänden, um ihre Morde zu rechtfertigen. Damit Massaker wie die von Paris den Täter_innen gerechtfertigt erscheinen können, muss die legitimierende Ideologie gelernt, müssen die dabei gebrochenen sozialen Normen verlernt werden. Dafür ist eine gewisse biographische Disposition vonnöten, aber auch eine entsprechende ideologische Schulung oder zumindest Selbstschulung.

So scheint es auch in den Biographien der drei Täter von Paris entscheidend gewesen zu sein, dass sie in empfänglichen Momenten unter den Einfluss des Predigers Farid Benyettou und später unter den von al-Qaida kamen, von denen sie gezielt und über einen längeren Zeitraum indoktriniert und militärisch ausgebildet wurden. Besonders günstig für djihadistische Radikalisierungsprozesse ist die Existenz subkultureller Nischen, die zu einer Parallelrealität werden und es den Einzelnen ermöglichen, sich von der Mehrheitsgesellschaft und ihren Werten zu entfernen. Nur weil die entsprechenden Szenen existieren und über hinreichende Infrastrukturen verfügen, konnte es dazu kommen, dass innerhalb weniger Jahre hunderte junger Menschen in Europa zu mordbereiten Djihadist_innen wurden. Je verbreiteter und akzeptierte diese Ideologien sind, je zahlungskräftiger und talentierter die Agitatoren, desto wahrscheinlicher werden die entsprechenden Radikalisierungsprozesse und somit auch die Gewalttaten.

Solche Umfelder sind nicht immer für alle gegeben, die psychologisch für eine Radikalisierung empfänglich wären, und just hier findet sich ein Ansatzpunkt für Prävention und Politik. Wenn die Radikalisierung einmal stattgefunden hat, sind die Interventionsmöglichkeiten begrenzt. In günstigen Fällen können Aussteiger_innenprogramme erfolgreich sein, in der Regel muss es aber um Überwachung und Repression gehen: um Maßnahmen, die verhindern, dass die Djihadist_innen tun, was sie tun, wenn niemand verhindert, dass sie es tun. Langfristig entscheidend ist jedoch Präventionsarbeit, die darauf zielt, die Radikalisierungsprozesse selbst möglichst unwahrscheinlich zu machen. Dabei geht es um Deutungskämpfe und um Einfluss: darum, die Abkapselung von der Mehrheitsgesellschaft zu erschweren, der djihadistischen Ideologie die Legitimität zu entziehen und die Mündigkeit und Widerstandskraft der Einzelnen zu stärken.

Der essenzialistische Trugschluss: Djihadismus und Islam als Einheit

Wenn die Ursachen der Morde in erster Linie in den sozialen und politischen Bedingungen und in zweiter Linie in der djihadistischen Ideologie und den entsprechenden Milieus zu suchen sind, ist zu fragen, was diese Ideologie „mit dem Islam zu tun“ hat.

Die Antwort der ‚islamkritischen‘ Autor_innen lautet: alles. Dieser Interpretation zufolge sind die Morde bereits in den Ausgangsschriften des Islam selbst angelegt; der Islam selbst sei an sich und insgesamt keine Religion, sondern eine mörderische politische Ideologie. Die gängige Unterscheidung zwischen Islam, Islamismus und Djihadismus sei dagegen eine naive Selbsttäuschung von Menschen, die die wahre Gefahr nicht sehen wollen. So argumentieren nicht nur die üblichen Internettrolle und die Islamfeind_innen auf den einschlägigen Websites; auch einige konservative Vertreter_innen der Islamwissenschaft wie beispielsweise Tilman Nagel vertreten seit Jahren solche Thesen.

Es stimmt zwar, dass die Djihadist_innen sich als Muslim_innen verstehen, dass sie in Moscheen beten und ihre Taten als Ausdruck ihrer Religiosität verstanden wissen wollen. Jedoch stimmt es auch, dass die übergroße Mehrheit der Muslim_innen in Europa die djihadistischen Massaker nicht nur als Menschen ablehnen, sondern auch für unvereinbar mit ihrem eigenen Islamverständnis halten. Wer einfach behauptet, Islam und Djihadismus seien identisch, unterstellt, dass diese Menschen weniger authentische Muslim_innen seien als die djihadistischen Mörder_innen.

Eine solche Behauptung können säkulare Beobachter_innen aber gar nicht treffen. Sie können sich kein Urteil darüber anmaßen, welche Auslegung einer Religion richtig oder authentisch ist und welche nicht. Sie können lediglich beschreiben, welche verschiedenen Auslegungen existieren und von wie vielen Gläubigen sie jeweils vertreten werden.

Der apologetische Trugschluss: Djihadismus als ‚Missbrauch der Religion‘

Ebenso falsch und ebenso verbreitet ist jedoch der Umkehrschluss, mit dem behauptet wird, Islam und Djihadismus hätten nichts miteinander zu tun. So heißt es in den Erklärungen zahlreicher Spitzenpolitiker_innen, keine Religion der Welt legitimiere derartige Morde und bei der djihadistischen Ideologie handele es sich um einen ‚Missbrauch der Religion‘. Die Taten würden zwar ‚im Namen des Islam‘ begangen, seien aber nicht wirklich islamisch.

Auch diese Position ließe sich nur durchhalten, wenn man einen richtigen, authentischen Islam von einem falschen, unauthentischen unterscheiden könnte. Wie bereits erläutert, können säkulare Beobachter_innen einen solchen Anspruch nicht erheben. Ihnen bleibt nur übrig festzuhalten, was Deniz Yücel in seinem Kommentar über das Pariser Massaker schreibt: „den Islam gibt es nicht, der Islam ist die Summe dessen, was diejenigen, die sich auf ihn berufen, daraus machen.“

Aus der säkularen Beobachter_innenperspektive gibt es nicht einen Islam, sondern verschiedene Auslegungen des Islam, die mit gleichem Recht als islamisch bezeichnet werden müssen. Diejenigen Muslim_innen, die den Koran als Anleitung zum Mord an ‚Ungläubigen‘ lesen, sind so betrachtet nicht mehr oder weniger islamisch als diejenigen Muslim_innen, die in ihm eine friedliche Ethik angelegt sehen; sie sind anders islamisch.

Kein Trugschluss: Der Islam als umkämpfte Tradition, zu der auch der Djihadismus zählt

Jedoch ist das, was den einzelnen Muslim_innen als islamisch gilt, nicht völlig beliebig und lässt sich nicht einfach auf individuelle Präferenzen oder auf die jeweilige soziale Situation zurückführen. Wer immer sich als Muslim_in identifiziert und gewisse Handlungen als islamisch oder unislamisch versteht, muss sich dabei zu einer islamischen Tradition verhalten, in der seit Jahrhunderten ausgehandelt wird, was islamisch ist und was nicht. Talal Asad spricht daher vom Islam als diskursiver Tradition.

Diese Tradition ist nicht einheitlich, sondern hat sich im Laufe der Zeit in verschiedene Traditionslinien aufgespalten, der jeweils verschiedene Auslegungen des Islam und verschiedene Arten des Muslim_inseins entsprechen. Diese verschiedenen Auslegungen stehen teils in direktem Widerspruch zueinander. Eine dieser Traditionslinien – eine relativ junge, die sich erst im 20. Jahrhundert herausgebildet hat – ist der Djihadismus, wie ihn die Mörder von Paris vertreten haben. Und insofern sie Vertreter einer bestimmten Linie innerhalb der islamischen Tradition waren und ihr Handeln religiös gerechtfertigt haben, haben ihre Taten „etwas mit dem Islam zu tun“.

Jedoch ist die Auslegung des Islam, die diese Morde rechtfertigt, weit von dem entfernt ist, was in den Moscheen des islamischen Mainstreams in Europa gepredigt wird, wie ihn die großen orthodoxen und moderat-islamistischen Islamverbände vertreten. Auch innerhalb dieses Mainstreams werden die islamischen Quellen eher literalistisch als historisch-kritisch ausgelegt, auch hier sucht man darin nach Regeln für das täglich leben. Jedoch werden Djihadismus und Terrorismus hier weithin als unislamisch verurteilt.

Biedermann und die Brandstifter auf islamisch

Jedoch kann man auch nicht behaupten, die djihadistische Ideologie existiere in völliger Isolation vom islamischen Mainstream. Sicherlich legen beide die religiösen Quellen und die Tradition in deutlich unterschiedlicher und sich teils direkt widersprechender Weise aus, jedoch schreiben beide dieselbe Tradition fort und es bestehen auch in einigen problematischen Punkten Anknüpfungspunkte.

Das Problem lässt sich in grober Analogie zu dem beschreiben, was bezogen auf gesellschaftlichen Rassismus und Neonazismus in Anlehnung Max Frisch als das Verhältnis von Biedermann und den Brandstiftern beschrieben wird: Viele der konservativen Politiker_innen und Publizist_innen, die vor einer „Flut“ von Flüchtlingen warnen, sind sicherlich aufrichtig erschüttert, wenn Neonazis Anschläge auf Flüchtlinge oder Flüchtlingsunterkünfte verüben. Dennoch besteht zwischen beiden eine ideologische Verbindung. Die Neonazis können sich nicht zuletzt deshalb als Agent_innen einer „schweigenden Mehrheit“ fühlen, weil die entsprechende Äußerungen über Flüchtlinge im Mainstream präsent sind und man sich dort bemüht zeigt, ihre „Ängste ernst zu nehmen“.

Ähnliches lässt sich in einigen Punkten über konservative Positionen im islamischen Mainstream und djihadistische Gewalt sagen. Es gibt keinen Grund an der Aufrichtigkeit der Erschütterung über die Morde von Paris zu zweifeln, die dieser Tage fast unisono von islamischen Verbänden und Intellektuellen in Europa zu hören ist. Jedoch haben auch die djihadistischen Brandstifter von Paris ihre muslimischen (und nichtmuslimischen) Biedermänner: Weder im Hass auf die Karikaturisten noch in ihrem Antisemitismus stehen sie alleine.

Man kann von Muslim_innen nicht verlangen, dass ihnen Mohammed-Karikaturen wie die von Charlie Hebdo gefallen, und man kann von ihnen auch nicht verlangen, dass sie ihnen egal sind. Man kann erst recht nicht erwarten, dass in einer Moschee aus den Satanischen Versen gelesen wird, wie Günter Wallraff es vor einiger Zeit vorgeschlagen hat. Wer sich in den je eigenen religiösen Gefühlen beleidigt sieht, hat alles Recht sich zu beschweren und muss das in seinen religiösen Räumlichkeiten sicher nicht zulassen. Wer dabei aber das Recht auf blasphemische Äußerungen in Zweifel zieht, wer zu Demonstrationen gegen Karikaturen aufruft oder gar staatliche Verbote fordert, der übernimmt die Rolle des Biedermanns für die djihadistischen Brandstifter. Auch deren Gefühl, „Rächer des Propheten“ zu sein, würde wohl etwas schwächer ausfallen, wenn es zuvor keine breiteren öffentlichen Proteste gegen Mohammed-Karikaturen gegeben hätte.

Für den Antisemitismus der Attentäter gilt Analoges. Auch in Bezug auf das antisemitische Massaker im jüdischen Supermarkt Hyper Cacher ist die Erschütterung sicherlich aufrichtig. Auch hier ist der Antisemitismus des Täters jedoch kaum isoliert zu verstehen, sondern nur im Kontext der breiteren antisemitischen Diskurse und Weltdeutungen, die – gerade wenn es um den Nahostkonflikt geht – auch im islamischen Mainstream existieren.

Besonders lautstarke Beispiele für solche Biedermänner finden sich in der türkischen Regierung, die auf muslimische Milieus gerade in Deutschland einigen Einfluss hat: In den vergangenen Jahren haben sich führende AKP-Politiker sowohl beim lautstarken Protest gegen Mohammed-Karikaturen als auch bei der Hetze gegen Israel hervorgetan – zuletzt auch immer offener bei der Hetze gegen Jüd_innen. Die Taten der „Brandstifter“ von Paris wissen sie nun jedoch deutlich zu verurteilen und wollen nichts mit ihnen zu tun haben – was Erdoğan nicht davon abhält auch bei diesem Anlass wieder gegen Israel zu hetzen.

Auch wenn die Taten der Mörder nur weit jenseits des islamischen Mainstreams auf Zustimmung stoßen, lässt sich also nicht behaupten, dass djihadistische Ideologie und Mainstream-Islam nichts miteinander zu tun hätten. Was hier in Bezug auf Mohamed-Karikaturen und Antisemitismus skizziert wurde, ließe sich auch auf Fragen des Geschlechterverhältnisses oder der Sexualität übertragen.

Stellt man die Frage, ob die Massaker „etwas mit dem Islam zu tun“ haben, also im Hinblick auf den Wahrheitsgehalt der Aussage, kann man sie so beantworten: Die djihadistische Ideologie der Mörder ist eine bestimmte, relativ junge Linie innerhalb der islamischen Tradition. Diese Traditionslinie lässt sich vom islamischen Mainstream in Europa unterscheiden und wird von der großen Mehrheit der Muslim_innen in Europa verurteilt, hat aber auch einige inhaltliche Verbindungen mit dem Mainstream. Die Gründe dafür, dass sich junge Menschen dieser Ideologie anschließen und zu Mörder_innen werden, sind jedoch in erster Linie nicht in der islamischen Ideengeschichte, sondern in den sozialen und politischen Umständen zu suchen.

Allerdings versteht man die aufgeregten Aushandlungen über die Frage ob die Massaker etwas „mit dem Islam zu tun“ haben, bestenfalls halb, wenn man nur nach dem Wahrheitsgehalt der Aussagen fragt. Mindestens ebenso wichtig sind die politischen Aushandlungen, die mit dem Aussprechen der Aussagen vollzogen, die sozialen Differenzierungen die hergestellt oder bestritten werden.

Teil II: Was man mit diesen Worten tut

Eine Reflexion über den Satz: „Das hat nichts/etwas mit dem Islam zu tun“, muss auf zwei Ebenen stattfinden: Auf der ersten, offensichtlicheren Ebene ist nach dem Wahrheitsgehalt der beiden Aussagen zu fragen, also danach, inwiefern sie die Taten, ihre Ursachen und ihren Kontext angemessen beschreiben. Auf der zweiten Ebene sind die Äußerungen als Sprechakte zu verstehen, also als soziale Handlungen, die selbst soziale und politische Konsequenzen haben. Die erste Ebene habe ich hier diskutiert, nun geht es um die zweite Ebene:

Stellt man die Frage, ob die Massaker „etwas mit dem Islam zu tun“ haben, also im Hinblick auf den Wahrheitsgehalt der Aussage, kann man sie so beantworten: Die djihadistische Ideologie der Mörder ist eine bestimmte, relativ junge Linie innerhalb der islamischen Tradition. Diese Traditionslinie lässt sich vom islamischen Mainstream in Europa unterscheiden und wird von der großen Mehrheit der Muslim_innen in Europa verurteilt, hat aber auch einige inhaltliche Verbindungen mit dem Mainstream. Die Gründe dafür, dass sich junge Menschen dieser Ideologie anschließen und zu Mörder_innen werden, sind jedoch in erster Linie nicht in der islamischen Ideengeschichte, sondern in den sozialen und politischen Umständen zu suchen.

Allerdings versteht man die aufgeregten Aushandlungen über die Frage ob die Massaker etwas „mit dem Islam zu tun“ haben, bestenfalls halb, wenn man nur nach dem Wahrheitsgehalt der Aussagen fragt. Mindestens ebenso wichtig sind die politischen Aushandlungen, die mit dem Aussprechen der Aussagen vollzogen, die sozialen Differenzierungen die hergestellt oder bestritten werden.

Der Streit darüber, ob die Anschläge „etwas/nichts mit dem Islam zu tun“ haben, hat eine gewisse Ähnlichkeit zum Streit darüber, ob „der Islam zu Deutschland gehört“. Es geht hier nicht nur um die mehr oder weniger angemessene Beschreibung der Realität – Was ist schon ‚Deutschland‘? Was ist schon ‚der Islam‘? Was heißt hier ‚dazugehören‘? –, sondern auch um politische Aushandlungen, um Fragen von Zugehörigkeit, Schuldzuweisung, Stigmatisierung, Verantwortung, um Ein- und um Ausgrenzung – oder anders gesagt: um so ziemlich alles, was schon mal unter dem Label „Integration“ verhandelt oder beschwiegen wurde. Will man diese Seite des Konflikts verstehen, ist nicht nach dem Wahrheitsgehalt, sondern repräsentationskritisch nach der sozialen Funktion und nach den zu erwartenden politischen Effekten der Äußerungen zu fragen.

Freilich darf man diese zweite Perspektive nicht einfach gegen die erste ausspielen, wie es in den Tagen nach den Massakern von Paris teils geschehen ist. Einige Reaktionen auf die Anschläge klangen so, als müsse die erste Sorge nun dem guten Ruf des Islam gelten. Diese Gewichtung ist mehr als fragwürdig. In den letzten Jahren gab es eine ganze Reihe djihadistischer Anschläge und Massaker in Europa, von denen zuletzt drei offensiv antisemitisch waren: 2012 wurden vor einer jüdischen Schule in Toulouse, 2014 im jüdischen Museum in Brüssel nun in einem jüdischen Lebensmittelladen in Paris jeweils vier Personen ermordet. Angesichts dessen muss die Aufgabe von höchster Priorität darin bestehen, die Ursachen dieser djihadistischen und antisemitischen Morde möglichst genau zu benennen und zu bekämpfen.

Die sehr reale Gefahr der Stigmatisierung und Polarisierung

Das bedeutet jedoch nicht, dass das Feindbild Islam und antimuslimischer Rassismus eine Fiktion wären und in diesem Kontext ganz ausgeblendet werden könnten. So scheinen die jüngsten Erfolge des Front National nicht zuletzt daraus zu resultieren, dass Marine le Pen den traditionellen Antisemitismus der Partei hat zurücktreten lassen und stattdessen verstärkt auf die Hetze gegen Islam und Muslim_innen setzt. Ebenfalls real ist die Gefahr, dass der Hass auf den Islam sich im Nachgang von djihadistischen Anschlägen intensiviert. Dies zeigen die zahlreichen, unmittelbar nach den Massakern begangenen Übergriffe auf islamische Einrichtungen und auf Muslim_innen in Frankreich.

Das heißt nicht, dass man irgendwelche Wahrheiten verschweigen müsste, es heißt aber zumindest, dass man bedenken sollte, welche Effekte es haben könnte, die Wahrheiten in bestimmten Weisen auszusprechen. Die zu vermeidenden Effekte sind dabei nicht, dass irgendwelche religiöse Normen oder Gefühle verletzt werden, und auch nicht, dass der Ruf des Islam sich verschlechtert. Der gefährliche und zu vermeidende Effekt besteht vielmehr darin, dass Islam und Muslim_innen stigmatisiert werden, so dass ein ohnehin schon bestehendes gesellschaftliches Klima verschärft wird, in dem sie Opfer von Ablehnung, Diskriminierung und Gewalt werden.

Wer in einem solchen Klima über den Islam spricht, trägt eine gewisse Verantwortung dafür, in welche Diskurse sie oder er sich dabei einschreibt. Damit ist nicht der „verantwortliche Umgang mit der Meinungsfreiheit“ gemeint, den manche in den letzten Jahren von Karikaturist_innen gefordert haben. Auch diese falsche Forderung nach Verantwortung ist eine biedermännische Unterstützung der djihadistischen Brandstifter, weil damit die Karikaturist_innen als Provokateur_innen verunglimpft werden und ihnen so eine Mitschuld an der gegen sie gerichtete Gewalt zugeschoben wird. Derartiges Victim-Blaming ist entschieden zurückzuweisen.

Die Verantwortung, um die es hier geht, ist eine Reflexion darüber, ob das eigene Sprechen dazu beiträgt, ein Feindbild Islam zu stabilisieren, das zu Diskriminierung, Hass und Gewalt gegen reale oder vermeintliche Muslim_innen führt; eine Reflexion darüber, ob sich die Probleme auch auf eine Weise benennen lassen, bei der das unwahrscheinlicher ist. Natürlich sind die diskursiven Effekte des eigenen Sprechens nie in Gänze abzusehen oder zu kontrollieren, aber man kann doch Abschätzungen vornehmen.

Das stumpfe und bisweilen regelrecht genüssliche Insistieren darauf, dass die Attentate „etwas mit dem Islam zu tun haben“ dürfte oftmals zur Stärkung marginalisierender und kulturrassistischer Diskurse beitragen – zumindest dann, wenn es nicht mit den notwendigen Differenzierungen einhergeht. Wenn die sozialen und politischen Umstände, unter denen sich die drei Mörder radikalisiert haben, ausgeblendet und die Ursachen in irgendwelchen Koranversen, Hadithen oder Aussagen von islamischen Gelehrten gesucht werden, werden die Taten kulturalisiert und werden Muslim_innen als gefährliche Minderheit stigmatisiert – ganz unabhängig davon, ob die Sprecher_innen das beabsichtigen oder nicht, ganz unabhängig davon, ob ihre Aussagen wahr sind oder nicht.

Die Gefahr einer Islamisierung der Debatten

Doch die Stigmatisierung und Diskriminierung von Muslim_innen ist nicht die einzige negative Konsequenz, die ein allzu stumpfes Insistieren auf dem „Mit-dem-Islam-zu-tun-Haben“ mit sich bringt. Es trägt auch zu dem bei, was Bassam Tibi als „Religionisierung“ und Nina Clara Tiesler spezifischer als eine „Islamisierung der Debatten“ bezeichnet: Zahlreiche Themen wie Immigration, „Integration“, Jugendgewalt, Antisemitismus, Homophobie oder Sexismus werden seit einigen Jahren zunehmend als primär „islamische“ Themen diskutiert – und dies in einem Ausmaß, das in der Sache kaum gerechtfertigt ist.

Dieser Islamisierung der Debatten entspricht eine Muslimisierung der Individuen. Menschen, die zuvor als Gastarbeiter_innen, Ausländer_innen oder Türk_innen – in günstigeren Fällen auch einfach nur als Kolleg_innen, Nachbar_innen oder Freund_innen – wahrgenommen wurden, werden immer stärker auf ihre (vermeintliche) religiöse Identität als Muslim_innen reduziert. Je mehr über den Islam gesprochen wird, desto häufiger werden Individuen auf ihre vermeintliche oder reale „islamische Identität“ angesprochen. Und je häufiger junge Menschen in einem strukturell rassistischen (sprich: ethnisiert unterschichteten) Kontext als „Muslim_innen“ angerufen werden, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Umgang mit strukturell bedingtem Dissonanzen mit der Suche nach „ihrer muslimischen Identität“ verknüpfen.

Dies gilt umso mehr, wenn einzelne Muslim_innen sich immer wieder für den Terrorismus entschuldigen, sich von ihm distanzieren, sich für ihn erklären müssen. Diese Kulturalisierung, Religionisierung und Islamisierung der Debatten trägt nicht zu einer Bekämpfung der Ursachen von Djihadismus bei, sondern eher zu einer Polarisierung der Gesellschaft und zur Reproduktion des Problems. Denn gerade die Islamisierung der Debatten und die Muslimisierung der Individuen ist einer der Faktoren, der salafistischen Gruppen einen stetigen Zulauf garantiert. Je mehr junge Menschen ohne ernsthafte religiöse Sozialisation sich auf die „Suche“ nach „ihrer“ muslimischen Identität begeben, desto mehr von ihnen werden im Internet auf salafistische Videoportale stoßen, die ihnen einfache, didaktisch gut aufbereitete Antworten auf ihre Fragen bieten – und unter ungünstigen Bedingungen den Weg in eine Radikalisierung weisen.

Weil die Aussage, dass die Morde von Paris „etwas mit dem Islam zu tun“ haben, zu eben diesen Prozessen der Islamisierung von Debatten, der Polarisierung der Gesellschaft und der Stigmatisierung einer Minderheit beitragen kann, ist ihr mit Vorsicht zu begegnen. Dementsprechend ist es durchaus zu begrüßen, wenn politische Würdenträger_innen und Publizist_innen in erster Linie betonen, dass die übergroße Mehrheit der Muslim_innen in Europa nichts mit den Morden zu tun hat.

Religiöse Sprechakte als Sonderfall

Auch von Seiten islamischer Verbände und Intellektueller wurde in den letzten Tagen immer wieder betont, dass die Attentate „nichts mit dem Islam zu tun“ hätten oder zumindest im Islam keine Rechtfertigung fänden.

Wenn solche Äußerungen von islamischer Seite kommen, nehmen sie automatisch eine andere Qualität an – und zwar insbesondere dann, wenn es sich bei den Sprecher_innen um religiöse Autoritäten oder Vertreter_innen muslimischer Organisationen handelt. Wenn sich säkulare Beobachter_innen darüber äußern, was islamisch ist und was nicht, kann es nur um die Beschreibung sozialer Sachverhalte gehen. Sie können sich nur darüber äußern, was Muslim_innen selbst als islamisch verstehen, und dementsprechend keinen Unterschied zwischen mehr oder minder authentischen oder richtigen Islamauslegungen machen.

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Photo Credit: Mohammed Jaffar via Compfight cc

Religiöse Sprecher_innen können das dagegen sehr wohl und müssen es in gewissem Sinne auch. Wer gläubig ist, muss sich in der einen oder anderen Weise dazu positionieren, welche Formen des Glaubens und des Handelns religiös richtig sind. Religiöse Personen können anderen Auslegungen mehr oder weniger tolerant und offen gegenüberstehen, sie können nach Dialog und „Ökumene“ streben oder nicht, aber sie müssen doch ungefähr wissen, woran sie glauben. Sie können eindeutige Haltungen dazu haben, ob ihnen die Verehrung von Heiligen als Teil ihres Glaubens gilt oder nicht, ob sie bestimmte Gebets- und Speisevorschriften für eine religiöse Pflicht halten oder nicht, ob sie bestimmte Formen der Gewalt mit ihrer Religion für vereinbar halten oder nicht.

Wenn beispielsweise eine Muslima im Islam in erster Linie eine universalistische Ethik angelegt sieht, in der auch alle Anders- und Nichtgläubigen Geschwister sind, denen keine Gewalt angetan werden darf, kann sie in gewissem Sinne gar nicht anders als zu sagen: „Die Attentate finden im Islam keine Rechtfertigung und haben nichts mit dem Islam zu tun.“ Aus der säkularen Beobachter_innenperspektive ist zu ergänzen: „…im Islam wie diese Muslima ihn versteht…“.

In dem Sinne ist es ausdrücklich zu begrüßen, wenn von muslimischer Seite geäußert wird, dass die Attentate „nichts mit dem Islam zu tun“ haben.

Bequeme Verleugnung und innerislamischer Deutungskampf

Jedoch ist es nicht einfach nur zu begrüßen, weil diese Äußerungen auch zur wohlfeilen Verleugnung des Problems beitragen können. Von religiöse Sprecher_innen kann erwartet werden, dass sie beizeiten auch eine Beobachter_innenperspektive einnehmen und sehen, dass innerhalb derselben Tradition verschiedene, einander widersprechende Positionen existieren. Dann müssen Muslim_innen wohl oder übel der schmerzhaften Tatsache ins Auge sehen, dass die Mörder von Paris sich in derselben Tradition bewegen und sich auf dieselben Quellen berufen wie sie selbst. Die Behauptung, die Attentate hätten nichts mit dem Islam zu tun, kann auch dazu dienen, diesen unangenehmen Sachverhalt wegzuschieben.

Daher ist von islamischen Organisationen und Wortführer_innen eine gewissermaßen paradoxe Positionierung zu erhoffen: Einerseits ist zu wünschen, dass sie mit allem Nachdruck betonen, dass sie den Djihadismus nicht nur als Menschen, sondern auch aus religiösen Gründen verurteilen und mit dem Islam, wie sie ihn verstehen, für unvereinbar erklären – dies tun sie auch fast unisono. Andererseits ist zu wünschen, dass sie sich nicht auf die wohlfeile Verteidigung beschränken, das alles habe „nichts mit dem Islam zu tun“, und nicht einfach allen, die das Gegenteil behaupten, Islamophobie vorwerfen.

Stattdessen ist zu wünschen, dass sie den von den Djihadist_innen eröffneten Deutungskampf um die islamische Tradition annehmen und entschlossen führen. Dies kann nicht durch bloße Distanzierungen und Verurteilung von Terrorismus geschehen, sondern muss noch mindestens zwei zusätzliche Formen annehmen: Zum einen ist es gefährlich, dass junge Menschen, die in islamisierten Debatten nach „ihrer“ islamischen Identität „suchen“ im Internet kaum attraktive Alternativen zu den Angeboten salafistischer Gruppen finden. Zum anderen besteht wie oben dargelegt das Problem, dass für einige Elemente djihadistischer Ideologie Anknüpfungspunkte im islamischen Mainstream bestehen. Zwar ist Antisemitismus kein in erster Linie „islamisches“, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem; aber es ist eines, das unter Muslim_innen besonders verbreitet und mitunter religiös aufgeladen ist. Es wäre wünschenswert, wenn es dagegen nicht nur vereinzelte „Aktionstage“ gäbe, sondern langfristige, ernsthafte Programme aufgelegt würden, in denen gegen Antisemitismus – auch gegen israelbezogenen – gearbeitet wird.

Haben die Attentate von Paris also „etwas mit dem Islam zu tun“? Wenn damit gemeint ist, dass die Täter ihre Taten religiös legitimiert haben und sich dabei in einer bestimmten, relativ jungen und marginalen Linie der islamischen Tradition bewegen, sicherlich. Viel spricht jedoch dafür, dass das Insistieren auf der Beantwortung dieser Frage mit ja oder nein eher ein Teil des Problems als ein Teil der Lösungsfindung ist. Die Reflexion der sozialen und politischen Ursachen der Attentate ist dringend geboten, dasselbe gilt für die Suche nach Maßnahmen, die verhindern, dass es zu immer neuen Massakern kommt. Dabei ist Religion sicherlich ein Faktor. Wer ihn anspricht sollte dies aber im Bewusstsein der Gefahr tun, dass dadurch mitunter ein Beitrag zur Stigmatisierung einer Minderheit, zur weiteren Islamisierung der Debatten, aber nicht zur Lösung von Problemen geleistet wird.

15 thoughts on “Über den Satz: „Das hat nichts/etwas mit dem Islam zu tun!“

  1. Glaubt der Autor eine linke israelische Position ist womöglich „islamischer Mainstream“? Haben die Massaker einer äußerst militanten rechten (bis rechtsextremen) israelischen Regierung an Gaza irgendetwas mit „dem Judentum“ zu tun? Wo ordnet Biskamp in seinem Weltbild israelische DesserteurInnen ein? War der Einmarsch in Afghanistan und Irak gar „christfundamentalistisch“ und wo bleibt die deutsche Entschuldigung für zigtausende zivile Kriegsmorde am Hindukusch? Wo bleiben Demos gegen den Dauereinsatz deutscher Truppen in Afghanistan? Das „Opium für das Volk“ (Marx) kommt mehr denn je aus Afghanistan ihr „Aufklärer“!

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