Pegida: Irre – wir reden mit den Falschen

Die Dresdner Pegiden artikulieren eine diffuse Ablehnung von Einwanderung und Multikulti, von Politik und Parlamentarismus, von Staat und offener Gesellschaft, von Medien und Meinungsvielfalt. Warum soll man diesen Brei adeln, indem man damit in einen „ernsthaften Dialog“ tritt?

Von Andrej Reisin

Wer die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) in Dresden fragt, was sie wollen, bekommt unter anderem Folgendes zu hören (ab Minute 15:45):

Man muss erstmal die Leute erst aufklären, […] dass die Befehle aus Tel Aviv und Washington kommen. Die USA wird regiert von […] einer jüdischen Lobby, das hat nichts mit rechtslastig zu tun, das ist Tatsache. […] Schauen Sie sich doch die westdeutschen Großstädte an, 70 oder 80 Prozent sind doch keine Deutschen mehr. Ist das ein normaler Trend? […]Die ganzen Bürgerkriege werden von den USA angezettelt und manipuliert. Und die ganzen Wirtschaftsflüchtlinge, die sind ja selber entwurzelt und um ihre Heimat bestohlen. […]

 

Die Menge johlt dazu und applaudiert. Seit Wochen erhält die Bewegung immer mehr Zulauf, im Gegensatz zu ihrer eigenen Wahrnehmung unter anderem gerade wegen der Berichterstattung der verhassten „Lügenpresse“. Oder gibt es viele andere politische Manifestationen, die bei einer Teilnehmerzahl zwischen 5.000 und 10.000 gleich eine Bühne bei Günther Jauch, Maybritt Illner und Anne Will bekommen? Und sich anschließend wundern, dass die Teilnehmerzahl steigt und steigt? Zählen Sie mal nach!

„Die da oben machen doch eh, was sie wollen“

Artikuliert wird in Dresden eine diffuse Ablehnung von Einwanderung und Multikulti, von Politik und Parlamentarismus, von Staat und offener Gesellschaft, von Medien und Meinungsvielfalt – man ist irgendwie gegen alles, was „die da oben“ angeblich machen oder wollen – und vor allem gegen „Ausländer“. Dieses Wort fällt bei den Demonstranten deutlich häufiger, als es tatsächlich um den Islam, Muslime oder Islamisierung geht. Symptomatisch dafür steht ein Rentner aus dem Panorama-Beitrag, der auf die Frage nach seiner Motivation sofort zu Protokoll gibt: „Na, was will ich denn bewegen? Dass ich gegen die Ausländer bin, dass so viele hier reinkommen. Das ist mein Grund, warum ich hier bin und die kriegen einen Haufen Geld.

Dabei hat sich der Wohlstand im Osten der Republik in den letzten 25 Jahren vervielfacht: Vieles, was heute normal ist, war vor dem Mauerfall kaum vorstellbar. So sind Pegida-Bilder schneller mit dem Smartphone auf Facebook geteilt als einige Teilnehmer im VW Golf von Dresden zurück nach Plauen gefahren sind. Virtuell wird sogar noch von Weihnachtsurlaubern in fernöstlichen Domizilen deutscher Wohlstandstouristen Beifall gespendet – wie viel davon war zu DDR-Zeiten möglich? Genau: Jarnüscht, um im Jargon zu bleiben.

Ostdeutschland als wirtschaftliches Entwicklungsgebiet

Dennoch hinken selbst erfolgreiche Regionen wie Dresden und Leipzig dem Bruttosozialprodukt (BIP) westdeutscher Regionen hinterher. Bei um die 28.000€ lag das BIP der beiden sächsischen Wirtschaftslokomotiven zuletzt, Bremen und Essen, die im westdeutschen Kontext schon eher als Problemfälle gelten, kommen auf gut 42.000€ bzw. 45.000€. Spitzenreiter wie Wolfsburg und Frankfurt am Main liegen bei 92.000€ bzw. 82.000€. Unter den 50 wohlhabendsten deutschen Städten ist nicht eine einzige ostdeutsche. Die Zahlen in der sächsischen Provinz sehen noch deutlich schlechter aus.

Auch das ist ein Grund für den Pegida-Standort Dresden: Die Zahl der Frustrierten und Abgehängten, die sich in Internet-Foren und Facebook-Gruppen selbst als „Knecht“ oder „Sklave“ der Gesellschaft bezeichnen, ist hier nun einmal höher als anderswo. Und sie sind deutscher, im Sinne der Abstammung. Denn „Passdeutsche“, wie deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund in den Kommentarspalten gerne genannt werden (der Begriff stammt ursprünglich aus dem rechtsextremen Umfeld), zählen hier nicht. Wenn man darauf verweist, dass der Ausländeranteil in Deutschland unter zehn Prozent liegt, in Sachsen gar unter drei, heißt es lapidar, durch ein Stück Papier werde man noch lange kein Deutscher oder gleich: „Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.“ Na, dann.

In Sachsen ticken die Uhren eben anders

Hinzu kommt ein politisches Klima, dass traditionell mit „konservativ“ noch eher beschönigend umschrieben ist, „reaktionär“ wäre ein treffenderer Begriff: FDP-Mitglieder, die das Fußballmuseum von Dynamo Dresden leiten, finden sich genauso in der Pegida-Menge, wie erfolgreiche Unternehmer ihre Sympathie bekunden – und zu Protokoll geben, Ausländer „am liebsten zurück in ihre Heimat schicken“ zu wollen , – all das wäre in Hamburg, Köln, Frankfurt, Stuttgart oder München kaum zu finden. In diesem Sinne hat der abgeschottete Honecker-Staat hier ganze Arbeit geleistet: Auch 25 Jahre nach der Wende ist Deutschsein bei vielen in Sachsen ein Wert für sich – und Zugewanderte, die angeblich „kein Recht haben, sich hier festzusetzen“, gelten automatisch ein bisschen weniger als vollwertige Menschen.

Nun heißt es vielfach, beispielsweise beim SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel, man müsse in einen Dialog mit den Demonstrierenden treten. Wirklich? In einen Dialog mit einer antisemitischen, ausländerfeindlichen Tirade wie der oben zitierten? In einen Dialog mit paranoiden Ängsten vor einer „Islamisierung“? In einen Dialog mit Menschen, die vor laufender Kamera sagen, man müsste Zuwanderer als erstes isolieren, wegen der Krankheiten, die sie mitbrächten?

Wozu ein Dialog mit dem Hass?

Ich bin anderer Auffassung: Es ist längst an der Zeit, diesen Dialog zu beenden. Die Dresdner Demonstranten werden nicht totgeschwiegen oder verleumdet, ganz im Gegenteil: Diejenigen, die wollen, kommen ausführlich zu Wort. Nur wäre zu fragen, warum man die „Sorgen“ dieser Leute „ernstnehmen“ oder für „berechtigt“ halten sollte? Denn es handelt sich weitgehend um die offene Zurschaustellung von Ressentiments und das schamlose Suchen nach Sündenböcken für die eigene Lage – die längst keine desolate ist – sondern eine kleinbürgerlich-zukurzgekommene.

Demgegenüber steht eine Mehrheitsgesellschaft, die eine vergleichsweise geringe Aufmerksamkeit erfährt. Man merkt dies am Zuspruch für die Panorama-Berichterstattung, an den zustimmenden Facebook-Likes für die Antworten der Reaktion auf die Kommentare der Wutbürger. Man merkt dies auch am Entsetzen im Freundes- und Bekanntenkreis oder in Umfragen, in denen die allermeisten – auch in Sachsen – kein Verständnis für die Anliegen der Pegiden zeigen.

Zusammenleben ist längst selbstverständlich

Medial ist es verständlich, dass Protest, dass Ablehnung und Konfrontation mehr Aufmerksamkeit erhalten als die Normalität des Alltags. Dennoch muss endlich auch einmal betont werden, wie selbstverständlich das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion und Kultur in weiten Teilen funktioniert. Es gibt unzählige Initiativen und Menschen, die sich für Flüchtlinge einsetzen, auch dort, wo die Proteste einer Minderheit gegen sie im Fokus stehen.

Und die von den Dresdener Demonstranten gerne als Horrorbilder gemalten westdeutschen Großstädte sind eben keine Negativbeispiele, sondern die erfolgreichsten und attraktivsten Orte des Landes. Auch das muss einmal in aller Deutlichkeit gesagt werden: Neukölln und Kreuzberg sind so beliebt, dass es längst massiven Protest gegen steigende Mieten gibt. Jede westdeutsche Großstadt kennt das Problem, nicht genügend bezahlbaren Wohnraum zu haben, denn immer mehr Menschen wollen dort leben, wohnen und arbeiten.

Die Wutbürger und ihre Sorgen

Auch diejenigen über die bei Pegida in diffamierender Art und Weise hergezogen wird, sind Menschen, die hier leben – und viele sind deutsche Staatsbürger. Was suggeriert man hart arbeitenden und steuerzahlenden Einwanderern und ihren Kindern, wenn man die „Sorgen“ der Dresdener Minderheit offenbar wichtiger findet und ernster nehmen will, als die Zurückweisung der dort offen zur Schau getragenen Ressentiments? Wer gegen Zuwanderung ist, wer Deutsche mit Migrationshintergrund für Einwohner zweiter Klasse hält, ist schlicht und ergreifend jemand, der die real existierende Gesellschaft ablehnt. Vielleicht wird man damit leben müssen, dass sich analog zu anderen europäischen Ländern eine Partei wie die AfD findet, die dieser Minderheit eine parlamentarische Vertretung verschafft.

Aber den politischen Diskurs um die Herzen und Köpfe der Mehrheit muss man woanders führen, und zwar, indem man eine offene, bunte und gemischte Gesellschaft offensiv als die bessere – und auch wirtschaftlich erfolgreichere – verteidigt, anstatt Paranoikern auch noch indirekt Recht zu geben, indem man suggeriert, ihre „Sorgen“ seien „berechtigt“. Berlin, Hamburg oder Köln stehen nicht kurz vor der „Islamisierung“. Stattdessen hängen Zuwanderung und Wohlstand unmittelbar zusammen – und alle genannten Orte sind Magneten, in denen immer mehr Menschen leben wollen.

Die bei Pegida verhasste Dresdener Oberbürgermeisterin Helma Orosz hat dies in einer Rede auf den Punkt gebracht: „Dresden wäre ohne Zuwanderung – auch ohne Zuwanderung von Asylbewerbern – kein Leuchtturm des Ostens, sondern finstere Provinz.“ Es ist an der Zeit, denjenigen eine Stimme zu geben, die täglich daran und dafür arbeiten, genau diesen Rückfall in düsterste Provinzialität zu verhindern – anstatt den „Sorgen“ einer ressentimentgeladenen Minderheit einen immer größeren Raum zu bieten.

36 Kommentare zu „Pegida: Irre – wir reden mit den Falschen

  1. Fehlt nur noch zu erwähnen, dass diese kleinen Wutbürger wirklich niemanden zu interessieren brauchen.. Das Ziel unserer Politik ist es, möglichst global Bedingungen zu schaffen, die ein friedliches und den Bedürfnissen (im Bezug auf Ressourcen) genügendes Umfeld bieten können, und das am besten noch auf Dauer.
    Natürlich muss da der wirtschaftlich (in Relation zum Rest der Welt gesehen) gut gestellte deutsche Mittelständler Abzüge machen, und das ist auch richtig so! Denn es geht eben nicht um ihn, sein Volk oder Land, es geht um alle Menschen. Und somit habe ich, sowie auch jeder andere, das Recht, auf diese Pegidioten einen Fick geben zu können.

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  2. Der Beweis, dass die Pegiden „den“ Staat ablehnen, wäre erst noch zu führen. Mir kommt es so vor, als hätte man dort gegen einen autoritären Staat nichts einzuwenden.

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  3. Die „Politik des Gehörtwerden“ schwingt da mit eine Phrase aus dem Wahlkampf der Grünen 2011 unter Kretschman in BaWü. Wohin eine solche Politik führt haben wir bei der Diskussion über den Bildungsplan gesehen. Obwohl da Lügen und Panikmache von einem Großteil der Gegner statt fand lud Kretschmann eine Reihe an fundamentalistischen Christen ein. Auch da hieß es er nehme die Ängste der Gegner ernst. Was ist dabei rausgekommen? Bildungsplan wurde geändert > Erfolg für die Gegner. Bildungsplan wurde verschoben > Erfolg für die Gegner. Wenn die Ängst der Pediga auch so ernst genommen werden, dann gute Nacht. Aus meiner Sicht ein Riesenproblem dass Andrej richtig beschreibt wie diesen Minderheiten mit ihrem Apparat und ihrem aggresiven Auftreten so viel politischen Raum eingeräumt wird ist finde ich ein Riesenfehler und ein evidentes Problem unserer Gesellschaft. Ich sehe da den Ansatz von Andrej doch mal mehr mit den Richtigen zu Reden als einfachen aber völlig richtigen Weg.

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    1. Lieber Gallendieter,

      wir alle sind irgendwann, irgendwo, irgendwie mal eine Minderheit. Deine Empörung, dass Minderheiten so viel politischer Raum eingeräumt wird, finde ich sehr bedauerlich – und ist in meinem Augen ganz sicher nicht ein Problem unserer Gesellschaft. Ich denke viel eher, dass es ein Problem unserer Gesellschaft ist, dass viel zu wenig inhaltlich gearbeitet wird – sondern stattdessen vielmehr das Verharren in der eigenen Komfortzone, körperlich wie auch gerade gedanklich, zum allgemein akzeptierten Wunschleben wird. In der Hinsicht begrüße ich jede kreative Störung des im Nirwana des Nichtstuns versinkenden Menschens in unserem Land.

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      1. Bitte lesen: „Minderheiten mit ihrem Apparat und ihrem aggresiven Auftreten“
        sind nicht Minderheiten per Se. Ist doch selbstverständlich Minderheiten politischen Raum eintzuräumen. Wenn dieses aggresive Auftreten nötig ist um Aufmerksamkeit zu erregen wäre das bedauerlich. Meine Einschätzung ist jedoch, dass die Aggressivität Teil von deren Programm ist, dass die politische Kultur vergiftet. Das wir darauf reinfallen da bleibe ich dabei ist ein gesellschaftliches Problem.
        Eine ähnliche Minderheit sind für mich auch die Law and Order hardliner wie z.B. Wendt und DPOL.

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  4. Es ist wichtig, genau nicht anzuknüofen an die rechtspopulistischen bis -radikalen Äußerungen.Aber!
    Die Sorgen um Arbeit, Rente, Wohlstand und Zukunft sollten von der Politik durchaus gehört und ernst genommen werden. Ist natürlich kein „Grund“ und keine Entschuldigung, gedanklich derart in die Irre zu laufen. Aber die existentiellen Sorgen der Leute ernst zu nehmen, hat die Politik mit Hartz IV, Renten“reform“ etc. verbockt.
    Und das „in die Irre laufen“ übrigens mit fehlenden Bildungsprogrammen, schlechtem Unterricht, demotivierten (aus Gründen) Lehrern, fehlenden guten (!) Betreuungssituationen für Kinder und ernsthafte Arbeits-/ Karrierechancen für Frauen… uvm.

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  5. Pingback: Anonymous
  6. Guter Artikel – nur klingt mir der Verweis auf Diskurse zu losgelöst von Verantwortung.
    Denn meiner Meinung nach verbirgt sich hinter der Floskel „Sorgen Ernst nehmen“ nur der Unwille, auf Seiten der Regierungsparteien, insbesondere der CDU, Verantwortung dafür zu übernehmen, dass man
    jahrelang Gelder von Aussteiger, Präventions- und Aufklärungsprogrammen gekürzt hat,
    seit Anfang der 90er gegen eine menschliche und ausreichend finanzierte Asylpolitik eingetreten ist,
    und letzten Endes niemals bereit ist, seinen eigenen christlich patentierten Wertehorzizont und dessen Überbewertung gegenüber den Problemen anderer Religionen mal ansatzweise zu hinterfragen.
    Diese kleinbürgerliche Arroganz ist ja eben nicht ein Minderheitenphänomen a la Pegida, sondern ist auch in der Mehrheitsgesellschaft tief verankert
    Man kann und muss für Pluralität eintreten, sicher.
    Aber 25 Jahre lang CDU-Regierungsverantwortung in Sachsen werfen Fragen auf, die ich gerne beantwortet hätte und deren Kern, nämlich die Vermittlung gesellschaftlicher Verantwortung und Zivilcourage, auch eine friedlich zusammenlebende Mehrheitsgesellschaft stärker betrifft, als ihr in ihrer Behaglichkeit vielleicht lieb ist.

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  7. Ich komme zu dem Schluss – es besteht ein Unterschied zwischen Pegida-Dresden und den westdeutschen Pegida Ablegern. Pegida-Dresden ist der sogenannte „bürgerliche“ Bruder der „HoGeSa“ – getragen von den WählerInnen von NPD, AfD, Reps und Co. Die restlichen GIDAs entsprechen dagegen HoGeSa

    BOGIDA: “Es ist für mich unerheblich, ob es den Holocaust gegeben hat”- neue Nationalrassistische Massenbewegung in Deutschland – TEIL 3

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  8. Keine Ahnung, wieso es so schwer ist, zu begreifen, dass ungebildete Menschen nunmal konstant instrumentalisiert werden. Die meisten der Protestierenden haben sich vor der großen Publikmachung wahrscheinlich einen Dreck gekümmert, aber irgendwie muss man als CDU doch die eigenen Interessen durchsetzen. Und wenn diese Interessen eben irgendwas mit unglaublich rechter EU-Grenzpolitik zu tun haben, dann pusht man eben das kurz, und „der Pöbel“ zieht los. War doch nie anders, ich seh darin auch den Hauptgrund für einen Staat, eine ungebildete Unterschicht überhaupt zu festigen.
    Gefährlich wird das eh nicht, aber der Bund kann jetzt halt was in die Richtung machen und das dementsprechend wieder medial vertreten.

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  9. Wie soll denn eine Politik glaubwürdig „eine offene, bunte und gemischte Gesellschaft offensiv als die bessere – und auch wirtschaftlich erfolgreichere –“ verteidigen, solange dieselbe Politik zeitgleich Zäune um Europa baut, Frontex finanziert und Mare nostrum beendet? Die Pegidisten beziehen ihre Legitimation doch aus genau dieser Politik.

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  10. Ich finde all diese mehr als polemischen Reaktionen und Artikel in der Presse und in all den heutigen Medien sehr abstoßend, es werden jeden Monatg immer mehr Pegida Demonstranten, die können nicht alle fehlgeleitete „aus dem Tal der Ahnungslosen“ sein. Vielleicht mal ernsthaft mit dem Thema auseinander setzen und nicht nur in die rechte Ecke abschieben. Vielelicht sind dort auch 150 echte Rechte, die diese Demos nutzen, aber was sind dann die verbleibenden 14.850 Menschen ?

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    1. Sehen Sie sich die ganzen Panorama-Interviews an; hören Sie genau hin bei denen, die offenbar nicht der organisierten Rechten angehören. Die Polemik, welche Sie in Blogs und Medien beklagen finden Sie dort zuhauf. Überprüfen Sie die Behauptungen, die dort gemacht werden und fragen Sie sich bitte ernsthaft, welche der dort bisher gezeigten Personen Diskussionsoffenheit signalisiert.

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    2. Das schlimme ist ja, das es sich nicht um reine rechte Ecke im klassischen Sinne handelt, sondern um Menschen aus der Mittelschicht, die Angst haben. Die Angst haben sie aber nicht vor Ausländern, dem Islam oder Asylsuchenden. Sie haben Angst abgehängt zu werden in einer Gesellschaft, die sich schnell weiter entwickelt. Es wird komplizierter. Man muss selber mehr denken, das ist vielleicht anstrengend und führt auch nicht immer zum gewünschten Ziel. Der einfachste Weg diesem Dilemma entgegenzutreten ist die Schuld bei den schwächsten der Gesellschaft zu suchen. Braucht man nicht so viel zu denken und kann beruhigt RTL II schauen.

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    3. Naja, 15.000, nicht nur aus dem Tal der Ahnungslosen, sondern zu kleinen Teilen auch aus diversen Teilen Westdeutschlands und insbesondere ostsächsischen Kleinstädten wie Hoyerswerda, Bautzen, Meissen, Radebeul und Pirna im Vergleich zu gut 500.000 Einwohnern Dresdens… Das können durchaus Fehlgeleitete sein und mal ganz ehrlich: welches Thema nochmal? Versucht es in einem Jahr nochmal und macht euch bis dahin Gedanken, gegen wen und wogegen ihr demonstrieren wollt. Gründe gibt es genug. Aber das, was PEGIDA da gerade macht, ist doch, gelinde gesagt, peinlich. Wenn ihr 19.000.000 € für die Flüchtlingsarbeit in Sachsen auf alle aufteilt, dann bekommt jeder einmalig nicht mal 5,- €.
      Viel Spaß mit der Packung Kippen!

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    4. Und ich finde Menschen, die bei diesen Pegida-Aufmärschen mitmachen, abstoßend.
      Es geht allein um Frustabbau, endlich schimpfen auf alles was einem nicht passt und die Schuld bei anderen abladen Fehlen nur noch die Fackeln…

      Witzig, dass gerade im Osten, immer wieder vom Einfallen in die Sozialsysteme gefaselt wird. Als hätte es 89 nicht gegeben. Aber das war ja eher so eine „Heim ins Reich“ Sache, gelle?

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    5. Doch, sie können alles fehlgeleitete sein. So viele sind das nun auch wieder nicht. In allen anderen Städten kommen, wenn es hoch kommt, gerade so eine 3-stellige Zahl Demonstranten zusammen. Und das in ganz wenigen Städten. Viele kommen von außerhalb, weil ja woanders nichts zustande kommt. Echte Rechte, also organisierte, mögen es wenig sein, aber rechtes Gedankengut ist in 15000 Demonstranten. Sie laufen Schulter an Schulter mit Neonazis. Die Führung sympathisiert mit der NPD (Likes der Führungsmitglieder und Facebookzitate).
      JEDER, der sich einer Organisation anschließt, die sich Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes anschließt, ist sich darüber im klaren, was die Ziele sind, wer das lenkt.
      Es mögen viele nicht wahrhaben wollen, wie weit rechts sie stehen. Wie sagt man: Unwissenheit schützt nicht vor Strafe.

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  11. …finde ich einen sehr richtigen Standpunkt. Mir fällt persönlich auch kein Angebot ein, das ich diesen PEGIDA-Menschen machen möchte. Ich sehe kein Thema, über das es sich sinnvoll sprechen lässt. Allerdings sehe ich die Politik schon etwas in der Schuld: sie hat es in den letzten Jahren verpasst lebendig zu agieren und zu vermitteln. Ich wünsche mir keinen „starken Staat“, trotzdem sehe ich die Politik in der Pflicht: Sich nicht die Themen aufzwingen zu lassen aber die eigenen Herausforderungen und Ziele zu erklären.

    In Frankreich ist die parlamentarische Rechte wohl nur durch unkluges paktieren der anderen Parteien so stark geworden. Ich glaube auch an eine analoge Entwicklung zu anderen europäischen Ländern, deshalb wird dieser Fehler in Deutschland hoffentlich nicht wiederholt.

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  12. „In diesem Sinne hat der abgeschottete Honecker-Staat hier ganze Arbeit geleistet“

    Die Aussage ist kompletter Unsinn. Was hier als „abgeschottet“ hingestellt wird, mag für die andere Seite des Eisernen Vorhangs gelten. Nicht jedoch für andere sozialistische Länder. So gab es z.B. sehr viele Gastarbeiter aus Vietnam in der DDR. Vergleichbar mit den türkischen Gastarbeitern in der BRD.

    „Nur wäre zu fragen, warum man die „Sorgen“ dieser Leute „ernstnehmen“ oder für „berechtigt“ halten sollte?“

    Darum geht es doch gar nicht. Nur weil man etwas im Dialog klären möchte, heißt das doch noch lange nicht, das man der anderen Meinung zustimmt oder für berechtigt hält. Es geht vielmehr um Aufklärung von Vorurteilen.
    Was soll daran falsch sein? Man kann natürlich auch die Leute einfach stehen lassen und warten, bis aufgrund falscher und einseitiger Meinungsmache noch mehr hin gehen, weil niemand die Fakten in einer sachlichen Form aufzeigt.

    „Berlin, Hamburg oder Köln stehen nicht kurz vor der „Islamisierung“. Stattdessen hängen Zuwanderung und Wohlstand unmittelbar zusammen“

    In „Problembezirken“ wie Neu-Köln wird man das anders sehen.
    Das Problem sind die entstandenen Parallelgesellschaften, in denen Zugezogene nichts von Deutschland mitbekommen. Dort entstehen dann ganz andere Wertvorstellungen. Und das ist gefährlich.

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    1. „So gab es z.B. sehr viele Gastarbeiter aus Vietnam in der DDR. Vergleichbar mit den türkischen Gastarbeitern in der BRD.“
      Schlechtes Beispiel! Denn die Vietnamesen in der DDR wurden nie in den Alltag integriert oder gar als Mitbürger angesehen! Das ist bei vielen Tüken im „Westen“ deutlich anders.
      Selbstverständlich haben z.B. Kinder „deutscher“ Eltern Freunde, deren Eltern aus der Türkei, Ghana oder sonst woher kommen.

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    2. genau, so Parrallelgesellschaften wie im Tal der Ahnungslosen, die komplett beratungsresistent blöden Quark fordern..hallooo, Weihnachtslieder und fremdenfeindliche Parolen, schonmal irgendwas gemerkt? Wenns hoch kommt 0,3% Muslime sind die Islamisierung, die fremd im „eigenen Land“ machen? ach, ich fang nich an, ist ja eh von der „Lügenpresse“ oder auch dem ganzen System so in mich eingeimpft, dieses schlimme multikulti und so, es geht um Menschenleben, Menschenwürde, Menschenrechte usw, und in Dresden seh ich leider nur rechte Menschen, die allmöglichen rassistischen Müll von sich geben und absolut Nix von Deutschland mitkriegen…
      (echt, jetzt muß man schon die Weihnachtsgeschichte und Dland in seine Argumentation mit reinnehmen, klappt ja ganz gut dieser Schritt nach rechts)

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    3. „So gab es z.B. sehr viele Gastarbeiter aus Vietnam in der DDR.“

      Stimmt! Und weil die so gemocht wurden, wurde auch 92 versucht einige Vietnamesen zu verbennen.

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    4. Es gab zu DDR-Zeiten auch viele Algerier in Dresden. Diese Menschen waren regelmäßig Aggressionen ausgesetzt von Seiten der Dresdner.
      Ebenso gab es polnische Gastarbeiter, diese wurden ebenso abgelehnt und attackiert.
      Vietnamesen hatten es besser. Die haben sich aber für die Dresdner nützlich gemacht, indem sie die begehrten Jeans nähten.
      Von Erwachsenen Menschen bekam man dort zu hören (zu DDR-Zeiten), die Kanacken „da unten“, gemeint waren Menschen in Islamische Staaten, bekämen schon ein Maschinengewehr in die Wiege gelegt.
      Und das war keine Einzelmeinung. Allerdings war man als Ossi ja weit genug weg davon, durch die eingeschränkte Reisefreiheit, es gab da keine direkten Berührungspunkte.
      Dennoch wurde man mit entsprechenden Bildern im Kopf groß.

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  13. Im Wesentlichen kann ich diesem Beitrag zustimmen. Allerdings habe ich den Eindruck, Herr Reisin, hier und da verrennen Sie sich. Nachdem Sie mehrere Absätze lang (und in einer plakativen Zwischenüberschrift) herleiten, wie rechtes Gedankengut in Masse aus dem Osten entspringt, bringen Sie nachher in einem winzigen Einschub ein wirksames Argument Gegen eben jene Ausführungen vor; nämlich, dass die Mehrheit in Sachsen wohl nicht so denkt (naja, zumindest laut Focus 😉 ). Nur der Vollständigkeit halber: die Aussagen, welche Sie als Untermauerung für reaktionäres ostdeutsches Gedankengut heranziehen, stammen von Herrn Stöcker, einem westdeutschen Elitebürger (Medizinprofessor und Globalunternehmer), der lediglich in Görlitz groß investiert hat.

    Den Begriff Wutbürger kann ich persönlich nach wie vor nicht leiden. Zum einen diffamiert er Menschen (und ihre Einstellungen/Gefühle/Gedanken etc.) stets (und das ist ja das, was Sie der anderen Seite vorwerfen und worüber Sie sich ja offenbar ebenfalls ärgern … genau wie ich) und zum anderen maskiert der Begriff die Absichten nebst konkret geäußerter Abwertungen, welche als Gegenargument weit treffsicherer sind, als diese polemische Phrase.

    Ansonsten habe ich mal gelernt und auch erfahren, dass der Dialog zunächst das allererste und auch wirksamste Mittel der Demokratie ist. Allerdings stimme ich Ihnen absolut zu: die Pegiden scheinen jeden Dialog abzulehnen, weshalb man Ihnen weder große Aufmerksamkeit schenken und lieber die Mikrofone in Richtung derer richten sollte, die die aktualisierten Werte unserer Gesellschaft offen vermitteln und diskutieren wollen.

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  14. Die Argumente im Artikel klingen sehr logisch. Und doch beherbergen sie meiner Meinung nach eine große Gefahr. Auf der einen Seite ist es mehr als verständlich sich nicht mit sowas mengenmäßig eher marginalem rumschlagen zu wollen. Auf der anderen Seite höre ich die von den PEGIDA Demonstranten hervorgetragenen Argumente jeden Tag. Irgend einer dieser vielen Thesen hing jeder von uns schonmal nach, sie sind mitten in der Gesellschaft. Ich höre die eine oder andere von diesem, von jenem Freund. Abends bekomme ich Gesprächsfetzen in der Kneipe, oder auch im Zug morgends zur Arbeit mit. Deshalb ist PEGIDA keine Randerscheinung, sie ist der platzende Pickel einer vereiterten Geselleschaft. Der übergelaufene Tropfen eines Fasses namens „Ich“. Fundierte Kritik, womöglich sogar eigene Verbesserungsvorschläge nicht nur machen, sondern auch durch zu setzten, Selbstreflektion – das sind Dinge zu denen die wenigsten von uns in vollem Umfang fähig sind. Sie sind anstrengend. Viele gucken lieber Abends nach dem Abendbrot die Tagesschau, oder GZSZ, als den Wirtschaftsteil einer überregionalen Zeitung zu lesen und vor allem zu verstehen. Im übrigen ist es doch gar nicht möglich sich fundiert genug mit unserer Welt auseinander zu setzten um zu verstehen wo es lang geht. Die meisten von uns werden wohl einer geregelten Arbeit nach gehen und wahrscheinlich ihr Fachgebiet doch beherschen. Ein weiteres würde doch jeden überfordern – denn das ist was gefordert. Als Resultat läuft eine Mehrheit dem hinterher, was ihnen vorgesetzt wird wie eine Schafherde, die anderen reagieren sich mit übertriebenen Kritik ab. Wo ist der Unterschied? Zwei Symptome der selben Krankheit. Zu sagen, mangelnde Kommuniktion seitens der Politik wäre schuld, oder zu sagen, dass PEGIDA Anhänger doch alle obskure Spinner, oder Nazis wären, ist genauso wie der Glaube an die neue Weltordnung, Nazis auf dem Mond, die Diktatur der Ammis/Israelis usw.

    Ja, der Nahostkonflikt ist schwer und Kritik als Deutscher am Handeln Israels vorzubringen ist ein Wandeln auf Messers Schneide. Die Verstöße gegen die Menschenrechte unseres „großen Bruders“, USA, ist widerwärtig, verraten vom einstigen Freund und Helfer. Die Taten der eigenen Regierung – wieso führen wir Krieg irgendwo auf der Welt? Das wirtschaftliche Taumeln ganzer Volkswirtschaften. Wer garantiert noch ein glückliches Leben morgen? Ist es den komisch, dass wir verunsichert sind? Sich an alles an Werten zu klammern, was noch irgendwie greifbar scheint?

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  15. Dialog muss immer die Lösung sein. Zum einen weil Hoffnungsfälle in dieser dummen Masse existieren, die nur etwas fehlgeleitet sind. Und zum anderen sollte uns mal klar werden, wie gefährlich eine wachsende Spaltung unserer Gesellschaft ist. Man kann sich für radikales Risiko entscheiden oder man versucht zu retten, was zu retten ist.

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