Welterklärungsmuster für Denkfaule

"Plutokratie der Zionisten" - antisemitische Parolen vor dem Kanzleramt in Berlin im Jahr 2014 (Foto: Oliver Feldhaus)
„Plutokratie der Zionisten“ – antisemitische Parolen vor dem Kanzleramt in Berlin im Jahr 2014 (Foto: Oliver Feldhaus)

Viel ist in den vergangenen Wochen und Monaten von einer Querfront die Rede. Was steckt eigentlich dahinter? Wie können die Grenzen von politischen Milieus gesprengt werden? Hilfreich sind dabei Welterklärungsmuster für Denkfaule.

Von Patrick Gensing, zuerst erschienen in der Spex No 357

Am Tag der deutschen Einheit versammeln sich vor dem Berliner Reichstag 300 Personen. Sie demonstrieren für Frieden. Allerdings geht es dieser Klientel nicht um die Massaker, die Boko Haram in Nigeria anrichtet, oder der „Islamische Staat“ in Syrien sowie im Irak; auch die russische Politik in der Ukraine erscheint diesen Leuten absolut legitim, geradezu alternativlos. Sie sehen die wahren Kriegstreiber im Westen – im Pentagon, das wiederum von Jerusalem aus gesteuert werde. Deutschland sei ohnehin nicht souverän. Was nicht in dieses simple Weltbild passt, wird passend gemacht: Auch der „Islamische Statt“ sei von den Zionisten gesteuert, ist an diesem Oktobertag in Berlin zu vernehmen. Die Solidarität der Demonstranten gilt Russlands Präsident Putin, er ist ihr Held im Kampf gegen die „zionistische Plutokratie“, von der auf einem Plakat zu lesen ist, das vor dem Kanzleramt hängt. Unter den Demonstranten sind krude Reichsbürger, ordinäre Nazis, Verschwörungstheoretiker, ehemalige Linksradikale.

Der Hass auf den Westen und die Sehnsucht nach dem starken Mann, Lust auf abgehobene Esoterik und bodenständigen Nationalismus sowie die Suche nach einfachen Erklärungen für komplexe Konflikte bringt diese Menschen aus unterschiedlichen Milieus zusammen. Ein weiteres gemeinsames Feindbild sind „die Medien“, in denen zensiert werde, dass die Schwarte kracht. Meinungsfreiheit gebe es in Deutschland nicht, so die einhellige Meinung. Paradoxerweise existieren im Netz mittlerweile Hunderte Blogs und Foren, in denen solche Parolen verbreitet werden. Nie war es einfacher als heute, die eigene Meinung weltweit ungefiltert und direkt darzulegen.

Ideologie der Irrationalität

Alles nur ein paar Spinner? Vollkommen irrelevant und zu vernachlässigen? Die radikalen Verschwörungstheoretiker sind lediglich der Narrensaum einer viel größeren Anzahl von Menschen, die ähnlichen Ressentiments folgen – zumeist abgeschwächt und nicht so komprimiert. Am 3. Oktober wurde diese Anschlussfähigkeit an den Mainstream in Person von Xavier Naidoo vorgeführt, der auf der Querfront-Veranstaltung sprach und zuvor bereits im ARD-Morgenmagazin die These verbreitete, Deutschland sei nicht souverän. Die Ideologie der Irrationalität lässt sich nicht auf „die Ränder“ der Gesellschaft oder politische Splittergruppen abwälzen. So postete beispielsweise die baden-württembergische SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle Ende September auf ihrer Facebook-Seite den Film „Die Macht der Rothschilds“. Inhalt: Die jüdische Familie kontrolliere die Medien, hätte „Kriege dirigiert“ und „Nationen in den Bankrott getrieben“. Weiter wird in dem Machwerk behauptet, die Rothschilds seien für den „Massenmord und die Verarmung von Millionen“ verantwortlich. Juden als Erklärung für Krieg, Wirtschaftskrisen und soziale Missstände. Es war dem Arbeitskreis der Jüdinnen und Juden in der SPD vorbehalten, Kritik an Wölfle zu üben. Die entschuldigte sich, betonte aber, mit Antisemitismus habe sie nichts zu tun. Dass Propaganda über Juden, die die Welt kontrollieren, in Deutschland eine gewisse Tradition haben könnte, scheint der Sozialdemokratin nicht in den Sinn gekommen zu sein.

Dabei befindet sie sich in guter Gesellschaft. Günter Grass – Literaturnobelpreisträger und lange Jahre SPD-Mitglied – konnte im Jahr 2012 nicht mehr an sich halten und dichtete von Schuld, der Herkunft, dem Verdikt Antisemitismus und Israel, das seine Gegner auslöschen wolle und somit eine „Gefahr für den Weltfrieden“ sei. In der anschließenden Debatte beklagte sich Grass, der sein Gedicht in der „Süddeutschen Zeitung“ veröffentlicht hatte, noch über die „Gleichschaltung“ der Presse – und verglich damit die Medienlandschaft in der Bundesrepublik mit der in der NS-Zeit. Ein bemerkenswerter Vergleich, denn Grass machte deutlich, dass er aus seiner Sicht tatsächlich mutige Wahrheiten ausspreche, die einem Tabu unterlägen. Wer dieses Tabu auferlegt hat, blieb unausgesprochen. Es ist aber auch gar nicht nötig, denn jeder versteht die Botschaft auch so. Die brillante Beobachtung des Psychoanalytikers Zvi Rex, wonach die Deutschen den Juden Auschwitz nie verzeihen würden, passte hier einmal mehr.

Relativieren statt leugnen: Neonazis marschieren in Dresden (Foto: Marek Peters)
Relativieren statt leugnen: Neonazis marschieren in Dresden (Foto: Marek Peters)

Gazacaust und Gleichschaltung der Presse: Nazi-Vergleiche sind ein populäres Mittel, um auf einen Streich deutsche Geschichte zu relativieren, eine Täter-Opfer-Umkehr vorzunehmen und den einzigen jüdischen Staat zu delegitimieren. Vor wenigen Monaten zogen in mehreren deutschen Großstädten Zehntausende Menschen durch die Straßen. Zu vielen Demonstrationen hatte linke Organisationen aufgerufen. Auf den Demos gehörten Sprechchöre wie „Kindermörder Israel“ noch zu den harmlosesten Parolen. Israel wurde mit Nazi-Deutschland gleichgesetzt, der Gaza-Krieg mit dem Holocaust. Übergriffe auf Gegendemonstranten, Journalisten oder Personen mit Kippas wurden aus Göttingen, Bremen, Hannover, Essen und Berlin gemeldet. An mehreren Demonstrationen beteiligten sich neben linken und islamistischen Gruppen auch Neonazis. Der Hass auf die Zionisten hat eine Scharnierfunktion, sprengt alle ideologischen Grenzen. Bei keinem anderen Thema sind sich politisch vollkommen gegensätzliche Lager so nah: Rechte, Islamisten und Linke im Kampf gegen die Imperialisten – für eine Welt der freien Völker. Man muss wahrlich kein Verfechter der Extremismusdoktrin sein, um hier ideologische Schnittmengen entdecken zu können.

Als die BILD-Zeitung nach den israelfeindlichen Demos und Ausschreitungen die Kampagne „Nie wieder Judenhass“ startete, war die Skepsis bei vielen politisch engagierten Menschen groß. Kein Wunder: Das Flaggschiff des Axel-Springer-Verlags hatte sich beim Kampf gegen Vorurteile bislang nicht unbedingt hervorgetan. Doch – glücklicherweise muss man sagen, was die politische Kultur in Deutschland angeht – ist der Verlag der Freundschaft mit Israel tief verbunden. Da die Kampagne aber von großen Medien und sämtlichen Parteien im Bundestag unterstützt wurde, schien sich in entsprechenden Milieus das Ressentiments, dass die Juden – Pardon, Zionisten – Medien und Politik beherrschten, einmal mehr zu bestätigen. Dass Solidarität mit Juden in Deutschland ohnehin eher eine lästige Pflichtaufgabe für Repräsentanten denn eine Herzensangelegenheit „aus dem Volk“ ist, wurde sehr deutlich, als die Veranstalter und Mitorganisatoren bei dem Aktionstag gegen Judenhass in Berlin fast unter sich blieben – trotz bundesweit massiver Bewerbung. Denn während man beim Antirassismus auch als weißer Bürgersohn auf der Seite der Schwachen und Unterdrückten stehen kann, gelten wahlweise die Juden, Zionisten oder der Staat Israel als etabliert und stark – selbst wenn sie nur eine verschwindend kleine Minderheit darstellen. Die Ressentiments über den Einfluss der Juden in Wirtschaft, Politik und Finanzwelt machen es möglich.

„Der Antisemitismus ist der Sozialismus der dummen Kerle“ – ob August Bebel diesen weitsichtigen Satz tatsächlich geäußert hat, ist nicht eindeutig geklärt. Unabhängig davon ist er aber aktueller denn je: In einer zunehmend unübersichtlichen, globalisierten Welt liefern Ressentiments und Legenden von geheimen Mächten sowie groß angelegten Verschwörungen abschließende Antworten auf komplexe Fragen. Der Antisemitismus erlebt im 21. Jahrhundert eine echte Renaissance – als Welterklärungsmuster für Denkfaule.

Siehe auch: Die Linke im FriedenswinterKenFM und der Sozialismus der dummen KerleKeine “glühenden Antisemiten” links von Hitler?

12 thoughts on “Welterklärungsmuster für Denkfaule

  1. Und worauf führen Sie den von Ihnen festgestellten Antisemitismus zurück? Gibt es ein antijüdisches Gen, von dem nur Nicht-Juden befallen werden?

    1. Den Antisemitismus in Deutschland kann man sicherlich nicht auf ein antijüdisches Gen zurückführen. Diese Theorie war sicherlich nicht ganz ernst gemeint von ihnen.
      Trotzdem möchte ich für sie einmal versuchen herauszufinden, worauf der vom Author festgestellte Antisemitismus zurückzuführen ist.
      Zunächst einmal hat der Antisemitismus in Deutschland eine lange Tradition. Diese gipfelte im Holocaust, dem nicht nur Juden zum Opfer fielen, sondern auch Nicht-Juden wie Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Kommunisten. Nebenbei bemerkt waren dies Nicht-Juden und diese waren auch nicht von einem ‚antijüdischen Gen‘ befallen. Insofern ist ihre Theorie vom antijüdischen Gen widerlegt.

      Der Antisemitismus, der uns heutzutage begegnet, ist das Ergebnis von auferlegter Reue, die in einer Art Umkehrprozess plötzlich die Täter zu Opfern macht, da die Täter nicht wirklich Unrecht in ihren Taten sahen, aber trotzdem Reue zeigen mussten, denn das gehörte sich so in der Nachkriegs-BRD.

      Die Ereignisse der israelischen Geschichte seit Gründung ist geprägt von israelisch-palästinensischen Konflikt. In diesem Konflikt galt und gilt es als Schick, Partei für die Palästinenser zu ergreifen, da man generell sich für Opfer von Konflikten einsetzen möchte. Dass sich Israel vom Gründungstag an ausschließlich mit verfeindeten Nachbarländern auseinandersetzen musste und muss, wird gerne ausgeblendet. Zu gerne wird der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern gesondert betrachtet und der dazugehörige Komplex wird ausgeblendet, weil er für viele zu komplex ist, eine Menge an Wissen voraussetzt und vor allem eine geschichtliche Auseinandersetzung voraussetzt, die die meisten schlichtweg überfordert.
      Hinzu kommen das Aufkeimen von Verschwörungstheorien, die auf den alten Ressentiments gegenüber dem Judentum im Allgemeinen basieren und eine immer größer werdende Existenzangst, da die Konflikte auf der Welt statt abzunehmen scheinbar immer größer und schlimmer werden.

      In Anbetracht dieser ganzen Komplexität an Geschichte und Ereignissen bedient man sich gerne einfacher Lösungsformeln. Auch im Wahlkampf ist immer zu beobachten, dass einfach und kurz formulierte Wahlslogans zu mehr Erfolg führen. Kurze knappe Antworten kommen eben an, da sie mit geringen Wissensstand verstanden und praktisch sofort wiedergegeben werden können.

      Hinzu kommt, dass es für das soziale Gefüge von Gruppen von Vorteil sein kann, wenn man einen auserwählten Sündenbock hat, der praktisch für alles Negative verantwortlich ist. Dieses Verhalten kann man beim Menschen und ebenso bei Wildschweinen beobachten.

  2. Spitzenmäßig Patrick!
    Wahrlich einer der vielen Holzwege unserer Zeit. Wer seine ‚völlig eigene‘ „Wahrheit“ sucht, der wird im Netz mehr als genug bedient. Das tollste Paradoxon daran ist, dass aus diesen Kreisen gegen eine angebliche Medienzensur gewettert wird und zeitgleich speziell nur die Meldungen für sich selbst heraus gefiltert werden, die in das bereits vorhandene oder im Entstehen begriffene Weltbild hinein passen. Komplexere Zusammenhänge, objektive Erklärungen und kritische Auseinandersetzungen zu derartigen Themen, Fragen oder sogenannten ‚Erkenntnissen‘ werden dabei nahezu kategorisch ausgeklammert. Ich habe es in meinem direkten Umfeld erfahren müssen und möchte nur sagen, dass sich das zu echtem Horror auswachsen kann. Zu definitiv psychopathologischem Horror.

    Sehr empfehlenswert bei allen heiklen Themen, die einem auf die eine oder andere Art Bauchschmerzen bereiten und einem vielleicht dämmert, dass gerade nicht ausreichend Objektivität gewahrt wird, sind die Blogs und Artikel vom Berliner Autor Krzysztof W. Rath. Seines Zeichens ehemaliger Macher des grandiosen Fanzines AntiEverything (RIP), schreibt er mittlerweile für diverse Zeitschriften und tut sich von mal zu mal durch eine besonders scharfe, aus allen Perspektiven kritische und von Objektivität geprägte, eingängige Schreibweise hervor.
    Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht:
    https://krzysztofwrath.wordpress.com

    Polemische Kolumnen:
    https://
    vorwaertsverteidigung.wordpress.com

    Enstehender Roman ‚Eurasia‘:
    http://totallytarian.wordpress.com/

    Danke für den tollen Text, weitermachen.
    Lieben Gruß,
    Alex

    1. Diese Denkfaulen habe ihre eigenen Institute an der YouTube-Uni. Jebsen, Popp und Co. sind ihre Lehrmeister. Und was sich da zusammenrottet, scheint wirklich aus den finstersten Ecken zusammenzufinden. Nationalbolschewisten, ‚Antiimps‘, autoritäre Linke – alle fröhnen sie zusammen den kruden Geschichten über die ‚NWO‘. Antisemitismus und Antiamerikanismus sind neben dem autoritären Charakter die einenden Elemente.

      @Alex Killbite
      Dass solch Denkbefreite ihre Umgebung bis zum Erbrechen mit dem aus dem Netz geklaubtem beglücken wollen, musste ich auch im Bekanntenkreis erleben.

  3. Keine Frage, die übersichtlichen 1980er, wo es für die politisch-moralische Position völlig genügte, die richtigen Klamotten zu tragen und die richtigen Parolen zu können, sind vorbei. Die Denkfaulheit, die man sich damals leisten konnte, ist leider heute immer noch genauso verbreitet.

    Und Denkfaulheit beweisen nicht nur irrlichternde Querfrontler, die den Juden hinter dem Übel der Welt erkennen, sondern auch die etablierten linken Szenehelden, die glauben, dass es immer noch ausreicht, einfach nur „den Feind“ zu identifizieren und mit möglichst geschliffen formulierten Labeln zu behängen um auf der richtigen Seite zu stehen. Man muss mittlerweile auch seine eigene Position diskursiv begründen können und für denkfaulere Zeitgenossen anschluss-und unterstützungsfähig machen.

    „T-Shirt-Politik“, die sich selbst nicht mehr rechtfertigen muss, sondern sich allein über die Distinktion gegen die „Asis“ aufwertet, verkommt sonst schnell zum Legitimationsvehikel der bestehenden Machthierarchien. Weiße Bürgersöhnchen, die gerne auf Demos mitlaufen aber später auch gerne Papas Depot übernehmen wollen, setzen so schnell mal jede Kapitalismuskritik „strukturell“ mit Antisemitismus gleich. Und wenn der neue „Burgfrieden“ der westlichen Zivilisation durch Kritik an der US-Außenpolitik gestört wird, sind die Störenfriede flugs als „Putin-Versteher“ gebrandmarkt.

    Das sind keine Argumentationsstrukturen sondern Immunisierungsstrategien von Herrschaftspositionen.

    1. Vielleicht verstehst Du ‚Protoantisemitismus‘ besser? Es geht darum, dass kritisierte Denkansätze sich anschlussfähig (und mehr als das) gegenüber antisemitischen Positionen zeigen – oft auch von Antisemiten vertreten werden. Das ist keine ‚Gleichsetzung‘.

      Kann es sein, dass Du die Kritik nicht verstehst?

      „Immunisierungsstrategie von Herrschaftspositionen“ hört sich in diesem Zusammenhang natürlich kaum paranoid an…^^

      1. Na, und jetzt rate mal, was die sogenannte „Scharnierfunktion“ des Antisemitismus bezeichnet? Sie bezeichnet die Fähigkeit, gegenüber vielen Denkansätzen anschlussfähig zu sein und sie so zu integrieren: Und was da im 20. Jahrhundert integriert wurde, waren in erster Linie die wirren Strömungen des bürgerlichen Antikommunismus, die mit dem geteilten Feindbild die Eigentumsordnung des Kapitals gegen die linke Bewegung verteidigten und dabei Millionen Menschen opferten.

        Ein genauer Blick auf die antisemitischen „Querfront“-Bestrebungen am politischen Rand ist sicher wichtig und wer die Geduld hat, kann sich auch gerne eingehender mit dem dort herumgeisternden Ideenwust befassen. Wenn aber, wie z.B. hier geschehen, die Rothschild-Verschwörungen von ein paar dutzend Montagsdemonstranten oder die antisemitischen SZ-Karikaturen unter dem Label „Antikapitalismus“ auftauchen, dann ist das für mich eine eindeutige Denunziation der linken Kapitalismuskritik. In einigen Fällen mag einfach Unwissenheit die Ursache sein. Ich habe leider einige Fälle erlebt, wo diese Diskursfigur des „Protoantisemitismus“ strategisch genutzt wurde, um linke Kapitalismuskritik anzugreifen.

        Wer libertärer Marktwirtschaftsfan ist, der muss diese Position auch eigenständig vertreten können. Wenn aber ein paar (durch und durch „arische“) Bürgersöhnchen mit dem Antisemitismusbegriff um sich werfen, wenn der politische Diskurs die eigenen Privilegien in Frage zu stellen droht, hat das schon etwas sehr widerliches. Ob man das „Immunisierungsstrategie“ nennt oder eher „Immunsierungsverhalten“, sei dahin gestellt.

        Solche Tendenzen kann man dem Artikel wirklich nicht vorwerfen. Aber auch die spiegelbildliche hier auf publikative und anderswo auftauchende übereilte Beförderung von antisemitischen Verschwörungstheorien zu „Kapitalismuskritik“ finde ich sehr bedenklich.

        1. Solche Hohlbrote halten es aber leider für Kapitalismuskritik, es ist die alte Vorstellung vom ‚guten‘ schaffenden Kapital. Das ist Fakt.

          1. Sie halten ihre geistigen Ergüsse warscheinlich auch für geniale politische Theorie und weltbewegende Enthüllungen. Da muss man ihnen ja nicht die Deutungshoheit überlassen.

            Trennung in „raffendes“ und „schaffendes“ Kapital ist schönste Abspaltung durch den autoritären Charakter nach Fromm. Psychologischer Affekt, hat mit „Kapitalismuskritik“ nix zu tun.

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