Von „HoGeSa“ und „Pegida“: Das Einfallstor der extremen Rechten

Weit über 4.000 Hooligans in Köln und über 5.000 Menschen in Dresden: Das Deckmantelthema für rassistischen und nationalistischen Protest in Deutschland ist erneut gefunden. Die organisierte extreme Rechte freut es, die Politik wirkt hilflos.

von Felix M. Steiner

HogeSa-Aufmarsch in Köln mit 4.800 Teilnehmern (Foto: Felix M. Steiner)
HogeSa-Aufmarsch in Köln mit 4.800 Teilnehmern (Foto: Felix M. Steiner)

Egal ob „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) oder „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida): Es gibt wieder ein Thema, unter dessen Deckmantel eine völkische und rassistische Stimmung Menschen in großer Zahl auf die Straße bringt. Was sich thematisch unter der Überschrift „Gegen Salafisten“ alles sammelt, ist eine konfuse Mischung aus rassistischen, nationalistischen und pseudo-demokratischen Forderungen, die sich in ihrer Argumentation der letzten Jahre kaum verändert haben. Im Schatten der Feierlichkeiten zum 25. Jubiläum der deutschen Einheit konstruieren sich die Protestierenden als „das Volk“, die „wahren Demokraten“, die endlich aufbegehren gegen eine staatliche Unterdrückung. Wer das „Volk“ versucht kleinzuhalten, wurde schnell deutlich: Staat und Medien Hand in Hand. Die Wurzeln dieser Argumentation dürften weit zurückliegen, sind aber seit 2011 immer stärker hervorgetreten. Nicht zuletzt Thilo Sarrazin lieferte vor knapp drei Jahren die aktualisierte Blaupause des Rhetorikkonzeptes, welchem sich die meisten Gruppen heute bedienen: Sie sind die Tabubrecher, die Kämpfer für die Meinungsfreiheit dieses von Medien und Staat unterdrückten Volkes. Als symbolisch-sprachlicher Höhepunkt dient die Adaption des zentralen Protest-Slogans der Einheitszeit: „Wir sind das Volk“. So verwundert es kaum, dass auf der „Pegida“-Demonstration in Dresden vor allem die Freude darüber besteht, dass man durch den Protest die „innerdeutschen Grenzen“ endlich überwunden hat. „Der erste Schritt ist also getan, es wächst auch endlich in den Köpfen zusammen, was zusammen gehört! WIR SIND EIN VOLK!“, schwadronierte einer der Redner am vergangenen Montag in Dresden. „Das Volk“ ist also schnell wieder zu „einem Volk“ geworden.

"Pegida" in Dresden: "Heimatschutz statt Islamisierung", Foto: Johannes Grunert
„Pegida“ in Dresden: „Heimatschutz statt Islamisierung“, Foto: Johannes Grunert

Es ist die Protestbewegung der „Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber“-Bürger, die in ihrem diffusen Weltbild sich zumindest beim „Heimatschutz“ einig sind, wie auch auf Plakaten in Dresden zu lesen war. Ohnehin lebt diese Protestbewegung – von Köln bis Dresden – von ihren dezidiert schwammigen Inhalten. Vereint scheinen alle von ihrer diffusen Angst, einem diffusen Hass auf „den Islam“, „Fremde“ oder eine Zerstörung der „deutschen Identität“. Die „Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes“ in Dresden zeigen dies am ehesten. Es darf wohl stark bezweifelt werden, dass eine Mehrheit der über 5.000 Demonstranten irgendein Interesse am „christlich-jüdischen Erbe“ des Abendlandes hat. Eine Befragung der Teilnehmer, welche Werte denn hier genau gemeint sind, dürfte interessante Ergebnisse zu Tage fördern. Wenn auch weniger deutlich, findet sich dieser Einsatz der christlichen Tradition auch bei den „Hooligans gegen Salafisten“. In weniger vorsichtiger Weise fasst es eine Liedzeile von „Kategorie C“ zusammen, die den Soundtrack der Hooligan-Proteste stellen: „Heute schächten sie Schafe und Rinder, morgen vielleicht schon Christenkinder“. Die Hooligan-Klientel braucht es offenbar etwas weniger blumig als die massiv um ihr bürgerliches Image bemühten „Pegida“-Organisatoren.

Einfallstor der extremen Rechten

Nur rund 2.500 Teilnehmer zog es zu "HoGeSa" nach Hannover, Foto: Felix M. Steiner
Nur rund 2.500 Teilnehmer zog es zu „HoGeSa“ nach Hannover, Foto: Felix M. Steiner

Bei den Protesten verschwimmen die Grenzen. Was sich hier auf der Straße wiederfindet, sind in großer Zahl natürlich auch extrem rechte Einstellungsmuster, die in den Protesten ihr Ventil gefunden haben. Die meisten Protestierenden gehören wohl nicht zur organisierten extremen Rechten. Diese ist aber wichtiger Bestandteil der Proteste. Spätestens wenn sich abzeichnet, dass eine Aktion von Erfolg gekrönt ist, steigt auch die Zahl der organisierten extrem rechten Teilnehmer an den Veranstaltungen. Neonazis reisen dafür durch die ganze Bundesrepublik. Waren bei „HoGeSa“ in Köln die meisten Teilnehmer wohl aus dem Hooligan-Spektrum, sprach in Hannover selbst die Polizei schon von 45% extrem rechten Teilnehmern. Auch in Dresden zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Mit den zunehmenden Teilnehmerzahlen steigt am Ende jedes Montags die bei Facebook gepostete Zahl an Neonazi-Selfies, um zu zeigen, dass auch sie bei der Demonstration dabei waren. Die Organisatoren distanzieren sich dann fleißig – zumeist von jedem „Extremismus“. Doch so ungelegen, dass man eine wirksame Distanzierung anstrebt, scheinen die extrem rechten Teilnehmer nicht zu sein. Warum auch, im Kampf „des Volkes“ um „die Heimat“ sind ja alle willkommen, solange sie friedlich bleiben oder nicht für schädigende Aktionen verantwortlich sind. Hier schwingt immer auch das Bekenntnis mit, dass man ja eigentlich „unpolitisch“ sei, sich aber eben um „die Heimat“ sorge.

Bisher konnte die extreme Rechte noch nicht messbar von den neuen Protesten profitieren. Zunächst scheint sich hier aber ein Fenster geöffnet zu haben, welches über ein hoch emotionalisiertes Thema das Einfallstor für die extreme Rechte öffnet. Dass Sachsens Innenminister Ulbig nun versucht diese Stimmung zu bedienen, zeigt, dass er aus den 1990er Jahren nichts gelernt hat. Die Integration rassistischer und nationalistischer Themen integriert potentielles Wählerpotential zwar in die etablierten Parteien, schafft aber ein Klima, welches seine grausamen Auswirkungen bereits vor rund 25 Jahren offenbarte.

5 thoughts on “Von „HoGeSa“ und „Pegida“: Das Einfallstor der extremen Rechten

  1. Die bayerische offizielle Pegida Seiten Bagida ist voller braunem Sumpf und Gewalt:

    http://bubgegenextremerechte.blogsport.de/2014/11/24/bagida-hogesa-und-pegida-in-bayern-die-extreme-rechte-sucht-massenbasis/

    Bei dem saarländischen HoGeSa Pendant SageSa kommt es zur Spaltung zwischen abhitlernden Kameraden und NPD Parteisoldaten:

    http://bubgegenextremerechte.blogsport.de/2014/11/25/sagesa-spaltet-sich-breites-hogesa-spektrum-vom-hitlergruss-bis-npd/

  2. heult leiser 😀
    Wir gehen gegen die Unsitten vor udn werden noch als rechtsextrem bezeichnet?
    na schönen dank auch!
    ich hoffe, wenn die Salafisten hier die Macht übernehmen, dass ihr linken Gutmenschen als erste exekutiert werdet!

    [Anmerkung der Redaktion: Vielleicht sollten Sie ein Bündnis mit den Salafisten anstreben. Ideologisch stehen Sie denen nämlich näher, als sie denken.]

  3. Die Medien sind voll von Horrormeldungen über Islamisten, den Abschaum des Islam,
    seid ihr so blöd dass ihr euch darüber wundert, dass der „mündige Bürger“ so etwas nicht in Deutschland haben möchte …?

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