„HoGeSa“ in Hannover: Vom Zerfall einer „Volksbewegung“

Nur noch rund 2.500 Teilnehmer hat es zur „HoGeSa“-Veranstaltung nach Hannover gezogen. Die Veranstaltung blieb auf Grund des engen behördlichen Korsetts weitestgehend friedlich. Mit Hannover hat der Zerfallsprozess einer Gruppe eingesetzt, die außer einem diffusen Hass und Aktionismus wenig eint.

Von Felix M. Steiner

Nur rund 2.500 Teilnehmer zog es zu "HoGeSa" nach Hannover, Foto: Felix M. Steiner
Nur rund 2.500 Teilnehmer zog es zu „HoGeSa“ nach Hannover, Foto: Felix M. Steiner

Der Zenit der sich gern selbst als „Volksbewegung“ bezeichneten „HoGeSa“ scheint überschritten. Geradezu absurd muteten die von Hooligans und extrem Rechten gerufenen Parolen vor Ort an. „Wir sind das Volk“ ist wohl alles andere als eine zutreffende Beschreibung. Nur rund 2.500 Teilnehmer waren am Samstagmittag nach Hannover gekommen. Damit hat sich die Zahl im Vergleich zu Köln halbiert. Dies dürfte wohl nicht zuletzt auch an den restriktiven Auflagen gelegen haben, die die Polizei erteilt hatte. Ohne Demonstrationszug und den Auftritt von „Kategorie C“ blieb nicht mehr viel übrig von den Angeboten, die in Köln noch 4.800 Menschen angezogen hatten. Das massive Polizeiaufgebot mit Wasserwerfern, Räumpanzern und fast 5.000 Beamten hat hinsichtlich der befürchteten Ausschreitungen wohl ebenfalls seine Wirkung nicht verfehlt.

Michael Stürzenberger bei seiner Rede in Hannover, Foto: Felix M. Steiner
Michael Stürzenberger bei seiner Rede in Hannover, Foto: Felix M. Steiner

Das weggebrochene Programm merkte man der Szenerie am Busbahnhof deutlich an. Bevor die erste Rede begann, plapperte ein Hooligan im Dynamo-Dresden-Shirt in ein Megaphon und brüllte verschiedene Parolen. Die Veranstaltung machte einen völlig unstrukturierten Eindruck, was wohl auch die Hooligans und extrem Rechten so sahen. Als erster Redner trat der Bundesvorsitzende der rechtspopulistische Kleinstpartei „Die Freiheit“ auf, Michael Stürzenberger. Stürzenberger, der außerhalb Bayerns wohl eher eine geringe Popularität besitzt, ist auch regelmäßiger Autor der anti-islamischen Hetzplattform PI-News. So war es kaum verwunderlich, dass die Veranstaltung von einem Transparent eben jenes Blogs flankiert wurde. Nach Stürzenbergers Rede gab es dann Musik vom Band: Natürlich „Kategorie C“, was sonst? Doch die Auflage erlaubte immer nur fünf Minuten Musik und verlangte dann eine Pause oder eine erneute Rede. Dass das völlig zusammengewürfelte Programm und das stumpfe Rufen von Parolen wohl auch viele Hooligans und extrem Rechte langweilte, zeigte auch die vorzeitige Abreise vieler Teilnehmer gegen halb drei, also deutlich vor dem um 16 Uhr festgelegten Ende. In „hunderter Paketen“ begeleitete die Polizei diese dann vor allem in den Bahnhof. Auf der anderen Seite des Platzes versammelten sich die eher auf Krawall orientierten Teilnehmer. Ein bisschen Gebrülle, ein Böllerwurf und viertel vor Vier war das Szenario beendet, der Platz komplett geräumt.

Massives Polizeiaufgebot rund um den Kundgebungsort, Foto: Felix M. Steiner
Massives Polizeiaufgebot rund um den Kundgebungsort, Foto: Felix M. Steiner

Das Verbot des gemeinsamen Marsches, der verhinderte Auftritt der Band „Kategorie C“ und der Aufruf auf Alkohol zu verzichten, scheinen ihren Preis einzufordern. Ohne Aktionismus eint die sogenannte Bewegung eben nur ein diffuser Hass auf die vermeintlich bösen Ausländer, die „uns“ Deutschland nehmen wollen. Das redundante Rufen der immer gleichen Parolen macht aber aus ein paar Demonstrationen noch keine „Volksbewegung“.

 Fehlende Planungskompetenz und mehr Neonazis

Zwischen 5 und 6.000 Menschen demonstrierten gegen "HoGeSa" in Hannover, Foto: Felix M. Steiner
Zwischen 5 und 6.000 Menschen demonstrierten gegen „HoGeSa“ in Hannover, Foto: Felix M. Steiner

Ganz offenbar waren die Organisatoren mit dem Verbot der Demonstration und des Auftritts von „Kategorie C“ überfordert. Ähnlich wie schon in Dortmund vor einigen Monaten, gab es kaum ein richtiges Programm. Die behördlichen Einschränkungen scheinen die Veranstalter vor unlösbare Aufgaben gestellt zu haben. Viele Teilnehmer werden sich im Falle einer erneuten Veranstaltung genau überlegen, ob sie für ein derartiges Schauspiel den weiten Anreiseweg auf sich nehmen.

Die verminderte Teilnehmerzahl und das desolate Programm wurden auch von einem deutlichen Anstieg des Anteils der organisierten extremen Rechten komplettiert. Neben bekannten Mitgliedern der NPD wie Karl Richter, Sigrid Schüssler oder Patrick Schröder waren auch zahlreiche Angehörige der Neonazi-Partei „Die Rechte“ wieder mit dabei. Außerdem hatte es Neonazis der „freien Szene“ unter anderem aus Thüringen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Hamburg nach Hannover gezogen. Die Szene versucht damit wohl „HoGeSa“ weiter als Anknüpfungspunkt zu nutzen. Doch dies dürfte ihr angesichts des beginnenden Zerfalls kaum gelingen. Inwieweit die extreme Rechte die Reste der Hooligans in ihre Aktionen integrieren kann, wird sich bei den nächsten Veranstaltungen zeigen. Von einer „Volksbewegung“ zu sprechen oder die Auftritte in Köln und Hannover mit den Protesten der DDR-Bevölkerung zu vergleichen – wie es die Redner taten – lässt sich an Absurdität kaum noch überbieten.

15 thoughts on “„HoGeSa“ in Hannover: Vom Zerfall einer „Volksbewegung“

  1. Ich kann nicht verstehen warum es rechts oder links sein soll gegen Islamisten zu demonstieren. Das die Ansicht von Islamisten menschenverachtend ist, braucht man doch niemandem zu erklären. Vernünftig wäre eine Demo die weder von linken oder rechten Parteien beeinflusst wird. Wenn ich diese Claudia Roth sehe, kriege ich das kotzen. Demonstieren die jetzt für den Salafismus?!? Schaut euch mal die Länder an wo der Islam herrscht. Nur Chaos & Elend. Liebe linksradikale geht doch einfach dahin.

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