Hooligan-Demo in Köln: Gelungener Polizeieinsatz?

Fast 5.000 rechte Hooligans waren am vergangenen Sonntag nach Köln gereist. Es kam im Verlauf der Demonstration zu schweren Ausschreitungen, fast 50 Polizisten wurden verletzt. Nun ziehen die Polizeiführung und der Innenminister ein positives Fazit. Kaum zu glauben. 

von Felix M. Steiner

Fast 5.000 Hooligans reisten vergangenen Sonntag nach Köln, Foto: Felix M. Steiner
Fast 5.000 Hooligans reisten vergangenen Sonntag nach Köln, Foto: Felix M. Steiner

Nach den schweren Ausschreitungen von rechten Hools in Köln ist der Polizeieinsatz zu einem Politikum geworden. Die Polizeiführung, Nordrhein-Westfalens Innenminister Jäger und der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sind sich einig: Das Konzept der Polizei habe funktioniert und sei ein voller Erfolg gewesen, man habe genau mit dieser Zahl an Demonstranten gerechnet und sei gut vorbereitet gewesen. Unter „polizeilichen Aspekten, war dies ein „gelungener Einsatz“, so Wendt am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin.

Die Erfolgsmeldungen klingen wie die Selbstbeweihräucherung der Polizei- und der politischen Führung. Mit den Erfahrungen vor Ort sind diese kaum überein zu bringen. Insgesamt wurden in Köln 49 Polizisten verletzt und mehrere Einsatzfahrzeugen beschädigt. Die Kölner Innenstadt wurde zur No-Go-Area für alle Menschen, die zum Feindbild der rechten Hools gehören. Auch Reisende berichten, am Hauptbahnhof seien überall Gruppen von rechten Schlägern unterwegs gewesen. Bereits die Züge, mit denen Hooligans aus der Umgebung anreisten, waren komplett ohne Polizeibegleitung unterwegs. Bei einer Schlägerei nur wenige Meter hinter den Absperrungen der Polizei am Rande der Demonstration wurde ein Mann bewusstlos geschlagen, mutmaßlich gab es weitere ähnliche Vorfälle, die in keiner Statistik auftauchen werden.

Und was die Zahl der erwarteten Demonstranten angeht: Wirft man einen Blick in die Berichterstattung von der Demonstration, spricht der Polizeipressesprecher konsequent von erwarteten 1.500 Demonstrationsteilnehmern. Nun ist plötzlich von einer „präzisen“ Einschätzung von rund 4.000 Teilnehmern die Rede. Nur der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei Nordrhein-Westfalen, Arnold Plickert, sagte, er habe höchstens mit 2.000 Hooligans gerechnet und widerspricht den Kollegen der Einsatzführung.

Der WDR zitiert nach seinen Recherchen einen am Einsatz beteiligten Polizisten, der diese These bestätigt:

Wir hatten keine Chance uns Strategien auszudenken. Es herrschte das reinste Chaos. Mit einem Beamten auf drei Demonstranten waren wir absolut in Unterzahl. Die Demonstranten sind uns durch Nebenstraßen entwischt, um zu einer Gegendemonstration zu kommen. Das ist ihnen teilweise auch gelungen, weil wir zahlenmäßig weit unterlegen waren. Es gab auch nicht mehr Beamte. Kollegen waren bereits aus dem Urlaub geholt worden. Das liegt leider an dem Sparkurs der Landesregierung. Ich fühle mich verhöhnt vom Innenminister wenn er sagt, dass der Einsatz gut gelaufen ist.

Gelungene Polizeistrategie?, Foto: Felix M. Steiner
Gelungene Polizeistrategie?, Foto: Felix M. Steiner

Wie aus Gesprächen mit Polizisten vor Ort zu erfahren war, gehörte die zu Beginn anwesende sehr geringe Zahl an Polizisten zum Deeskalationskonzept der Polizei. Hooligans und Neonazis konnten sich rundum frei bewegen. Zu spüren bekamen dies vor allem Journalisten. So intonierten die Demonstranten schon sehr früh „Lügenpresse auf die Fresse“ oder „deutsche Presse halt die Fresse“. Eine Journalistin wurde bereits vor der ersten Eskalation bedrängt und übel beleidigt. Erst nach vielfachen Beleidigungen sah sich ein Polizist genötigt, einen Hooligan anzufahren, dass jetzt aber „Ruhe sei“.

Auch ich wurde von einem Hooligan bedroht: Wenn Bilder auftauchen sollten, würde er mich „abschlachten“, so der junge völlig betrunkene Demonstrant. Ein freies Arbeiten war dann kaum mehr möglich. Die aufgeheizte Stimmung nach der ersten Eskalation war für viele Kollegen auch Anlass, sich hinter die eilig errichteten Polizeiabsperrungen zurückzuziehen und deutlichen Abstand zur Demonstration zu halten. Der erfolgreiche und gut vorbereitete Einsatz, den nun die Verantwortlichen herbeireden, war vor Ort nicht zu erkennen. Ohne die Arbeit der anwesenden Polizisten wäre es wohl auch zu deutlich mehr Übergriffen auf Journalisten gekommen.

Teils verlor die Polizei die Kontrolle am Sonntag, Foto: Felix M. Steiner
Teils verlor die Polizei die Kontrolle am Sonntag, Foto: Felix M. Steiner

Das, was in Köln bereits auf der Straße zu erleben war, setzte sich in den Zügen fort. Hunderte betrunkene Hooligans beleidigten Mitreisende und randalierten, wie Zeugen berichten. Eine polizeiliche Begleitung gab es nicht.

Die Auswertung der polizeilichen und politischen Führung scheint viel mehr der Versuch, politische Schadensbegrenzung zu betreiben. Damit soll verschleiert werden, dass man die Gefahr von rechts unterschätzt hat. Mal wieder.

3 thoughts on “Hooligan-Demo in Köln: Gelungener Polizeieinsatz?

  1. Auf jeder doofen kleinen Studentendemo im hessischen laufen mehr Bullen rum.

    Unglaublich.

    Aber wie schön, dass sich die Kölner Bürger vorbildlich geschützt sehen können.

    Mal abgesehen davon, dass diese Demo, die ja nur als Grund für eine Schlägerei herhalten sollte, wohl im Vorfeld nicht hätte genehmigt werden dürfen, da Demonstrationsfreiheit nicht gleich Keilereifreiheit ist.

    Arme Bullen, arme Bürger.

  2. Bei der linken 1. Mai Demo in Berlin 2014 gab es mehr verletzte Polizisten, mehr Sachschäden und mehr Festnahmen. Schon damals wurde das gefeiert, es sei friedlich geblieben und habe keine Eskalation gegeben.

    Warum soll die Polizei das in Köln nun anders sehen? Nur weil die Parolen auf der Demo andere sind?

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