HoGeSa: Die alte Garde meldet sich zurück

Mit ihrer Demonstration in Köln haben rechtsradikale Hooligans ein Comeback in der überraschten Öffentlichkeit gefeiert. Der Innenminister von NRW blamiert sich nach Kräften, während die „Hooligans gegen Salafisten“ neue Demos planen. Sie orientieren sich dabei an einem Konzept aus Großbritannien. 

Von Patrick Gensing

Die Reaktionen bei den Anhängern der „Hooligans gegen Salafisten“ auf die Demonstration in Köln sind geteilt. Einerseits freut man sich über die vielen Teilnehmer und die große Aufmerksamkeit, andererseits fühlen sich viele von den Medien zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt. Einige ärgern sich über die Teilnahme vieler Neonazis an dem Aufmarsch unter dem Motto „In den Farben getrennt, in der Sache vereint“.

Die „Hooligans gegen Salafisten“ sind keine feste und einheitliche Gruppierung – auch nicht politisch. Doch die Organisatoren orientieren sich offenkundig an dem Konzept der English Defense League. Die EDL wurde vor einigen Jahren von Hooligans gegründet und lässt sich ideologisch der rassistischen Islamkritik einordnen, die an verschiedene politische Milieus anknüpfen kann. Ähnlich wie Anders Breivik sieht man das eigene Land in einem Abwehrkampf gegen eine Islamisierung und will nun auch selbst Hand anlegen. Dementsprechend marschierte die EDL beispielsweise vor Geschäften auf, in denen Halal-Produkte angeboten werden. Über die EDL konnten nicht nur ideologische Fanatiker, sondern auch aktionsorientierte Hooligans oder Stammtischrassisten erreicht werden.

Keine feste Organisation

Das Bemerkenswerte an der EDL und auch an den HoGeSa ist, dass keine feste Organisationsstruktur existiert. Damit ist die Gruppierung kaum zu greifen und schwer einzuschätzen. Die Kommunikation und Mobilisierung läuft über das Netz, auch Verbote von Aktionen könnten so ins Leere laufen. Das Angebot ist sehr niedrigschwellig und damit attraktiv für Leute, die sich nicht kontinuierlich binden wollen.  In Facebook-Gruppen wurde bereits über neue HoGeSa-Aufmärsche in Hamburg oder Berlin spekuliert. Angeblich wollen die Hools am 15. November in der Hansestadt marschieren und ausgerechnet am 9. November in Berlin.

Sicherlich werden dann noch mehr Neonazis dabei sein. In Köln waren bereits zahlreiche Kader von NPD, Die Rechte oder Kameradschaften dabei, auf den einschlägigen Seiten wird die Demonstration in den höchsten Tönen gelobt. Spannend dürfte werden, wie die Hooligans auf eine möglicherweise verstärkte Präsenz von Parteifahnen reagieren. Bislang hatte die rechte Hool-Szene stets auf den Trick gesetzt, sich selbst als „unpolitisch“ zu präsentieren und zu behaupten, erst linke Fans oder Ultras hätten die Politik ins Stadion getragen. Tatsächlich war der Antirassismus eine Reaktion auf die unwürdigen Zustände in deutschen Kurven in den 1980er und 1990er Jahren. Die nachwachsende Generation von Fans und Ultras drängte viele alte Hools zurück, in einigen Stadien wurden sie aus dem Stadion vertrieben – oder auch mit Hausverboten belegt.

Nun sind die alten Hools zurück. Die politische Verortung als rechtsradikal und rassistisch haben die „HoGeSa“ durch den Auftritt in Köln nachhaltig bestätigt. Parolen wie „Ausländer raus!“ oder „Hier marschiert der Nationale Widerstand“ schallten aus dem Demozug, die rechte Hoolband „Kategorie C“ liefert den pathetischen Soundtrack. Mehrere Kollegen berichteten von Angriffen und Drohungen gegen Journalisten, so wie sie von Neonazi-Aufmärschen bekannt sind. Die Kundgebung war von einem Funktionär der Partei Pro NRW angemeldet worden. Zudem beteiligten sich wie erwähnt Funktionäre rechtsextremer Parteien aus mehreren Bundesländern an der Demonstration – beispielsweise aus NRW, Hessen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen.

Die BILD-Zeitung behauptete hingegen, bei HoGeSa handele es sich um ein Sammelsurium verschiedener Gruppen – unter anderem seien Muslime und Linksradikale dabei. Neonazis würden sich nur unter die Leute mischen. Ein Staatsschützer sagte, man gehe von 10 Prozent Rechten unter den Teilnehmern aus. Was die restlichen 90 Prozent gewesen sein sollen, bleibt unklar. Unpolitisch? Links?

Die BILD hat ihre ganz eigene Definition von HoGeSa: Eigentlich seien das Muslime und Linksradikale, Neonazis hätten sich unter die Menge gemischt.
Die BILD hat ihre ganz eigene Definition von HoGeSa: Eigentlich seien das Muslime und Linksradikale, Neonazis hätten sich unter die Menge gemischt.

Viel Kritik musste sich indes NRW-Innenminister Ralf Jäger gefallen lassen. Der „rote Sheriff“ hatte verkündet, in Köln habe das Konzept der Polizei funktioniert – obgleich es stundenlange Auseinandersetzungen gab und mehr als 40 Beamte verletzt worden waren. Angesichts des Polizeiaufgebots bei unproblematischen Bundesligaspielen erschien das Aufgebot bei von der Polizei erwarteten 4000 gewaltbereiten Hooligans zudem relativ übersichtlich.

Die Hools dürften nun mit neuem Selbstbewusstsein versuchen, ihren Platz in den Kurven zurück zu erobern. Dass es aber Überschneidungen zwischen Rechtsextremen und Hoolgruppen gibt, ist nicht neu, sondern aus mehreren Städten seit Jahren bekannt – fast schon Tradition. Die rechten Hools waren aus einigen Kurven nie verschwunden, allerdings traten sie öffentlich weniger in Erscheinung.  Für die Hools ist die Demo in Köln daher auch die Selbstbestätigung, dass die Szene noch lebt. Ein Kommentator schrieb auf der Facebook-Seite von „HoGeSa“, er hoffe „wirklich, dass wir Deutschen nun endlich wieder eng zusammen stehen und dieser Drecksbrut zeigen, wie hart deutscher Stahl ist“.

Endlich wieder der härteste Mob sein: Kommentar bei HoGeSa
Endlich wieder der härteste Mob sein: Kommentar bei HoGeSa

Ob dieser „deutsche Stahl“ allerdings auch für eine dauerhafte Verbindung zwischen eigentlich verfeindeten Hool-Gruppen taugt, muss abgewartet werden. Die Demonstration in Köln kann ein Fanal für die Bewegung werden, sie können sich aber auch schnell wieder zerstreiten. Ein Punktsieg war der Aufmarsch auf jeden Fall. Denn die Hools überrumpelten die Polizei: Sie konnten trotz zahlreicher Verstöße gegen die Auflagen, trotz Gewalttaten und Ausschreitungen durch Köln ziehen.

Eine „neue Qualität der Gewalt“, so wie sie die Gewerkschaft der Polizei erkannt haben will, ist das aber noch nicht. In den vergangenen 20 bis 30 Jahren hatten rechte Hools beispielsweise Spiele der Nationalmannschaft immer wieder genutzt, um gemeinsam loszuschlagen. Der Aufmarsch in Köln ist das Comeback der alten Hool-Bewegung, die ein neues Feindbild gefunden hat.

29 thoughts on “HoGeSa: Die alte Garde meldet sich zurück

  1. Wenn die Meinung rassistisch ist, bleibt der Mensch, der sie äussert, ein Rassist. Da ändern 100 Jahre Familientradition auch nix, wer “ ausländer raus“ grölt, bleibt Rassist.

  2. In den Kommentarspalten, auf der Straße: Das deutsche Lumpenproletariat marschiert auf. Tausende schlecht gekleidete, vom Alkohol zerfressene Prekariatslumpen gröhlen um die Wette, weil die Gewissheit der eigenen Überflüssigkeit keine andere Form der Kanalisierung zulässt. Denn für die Türen der Gesellschaft fehlen die Schlüssel und auch das Brecheisen verschafft keinen Zugang. Die Konsequenz lautet Verrohung, Gewalt und Tyrannei, ergo: Faschismus. Was am vermeintlichen Objekt des Hasses – den Islamisten – empört, ist im Grunde Begierde und der Wunsch nach der Herrschaft der blanken Gewalt, nach der Möglichkeit, „Volksschädlinge“ direkt ausschalten zu können, über Frauen zu herrschen, wie es doch das imaginierte Vorrecht des Mannes sei.

    Was Salafisten und deutsche Faschisten eint, ist die Herkunft: Sie entstammen einer Subkultur des deklassierten Antirationalismus, einem Milieu, das an der Welt irre geworden ist und versucht, die Koordinaten durch eine konformistische Revolte wieder ins „Reine“ zu bringen.

    1. @dick van bommel:

      Geht das auch mit etwas weniger Sozialchauvinismus? Das klingt fast so, als wäre ihr eigentliches Problem mit diesen Leuten nicht ihre rassistischen Positionen, sondern ihre Armut.

      1. „das klingt so“, ich benutze Wörter und keine Noten, also wenn du keine Kritik, sondern nur dein Bauchgefühl ins Spiel bringen kannst, geh zur autonomen Selbsthilfegruppe ins nächste AZ

        1. Was lässt sich denn groß inhaltlich kritisieren an einem Kommentar, der im Grunde nur in Text gefasstes Ressentiment ist?

          Aber schön, wenn sie umbedingt wollen:
          Der Faschismus, weder in seiner historischen Form, noch in der, die wir heute durch die Straßen marschhieren sehen, ist in erster Linie ein Phänomen von Subkulturen, Unterschichten oder anderen gesellschaftlichen Außenseitern. Würde er sich nicht einer erheblichen Unterstützung durch den bürgerlichen Mainstream und Teile der Elite erfreuen, wäre auch nicht zu erklären, wie er damals an die Macht gekommen ist und warum er heute noch Tausende auf die Straße und Parteien in die Parlamente bringt.
          Genauso stammen seine Werte auch aus der Mitte der Gesellschaft. Das „Vorrecht des Mannes, über Frauen zu herrschen“, ist nicht „imaginiert“ von irgendwelchen „vom Alkohol zerfressene Prekariatslumpen“, sondern ist eine der Grundlagen, auf denen unsere patriacharle Gesellschaftsordnung aufbaut.

          Apologeten dieser Ordnung projizieren deren Prinzipien gerne auf Randgruppen, damit sie ihre Probleme symbolisch bekämpfen können, ohne an den Macht- und Besitzverhältnissen etwas ändern zu müssen.

        2. ^bommel wenn du auf so hohem ross in die schlacht reitest sollte dein text absolut fehlerfrei und argumentationssicher sein. das ist er aber bei weitem nicht. du schreibst grölen falsch, sprichst von einer konformistischen revolte, offensichtlich ohne den begriff „konformistisch“ zu verstehen, ergo mit doppelpunkt usw…. vielleicht gehörst du aber auch einfach zur subkultur der riesenarschlöcher mit viel selbstbewusstsein – dafür ohne stil, weder sprachlich noch zwischenmenschlich.

  3. @eso: Dein Namen hast du schon gut gewählt, denn ansonsten gäbe es nur noch die Möglichkeit eines einstelligen IQs Sar(r)azin hier so darzustellen. Seine Bücher sind unglaublich dumm und einfach nur schlecht… Dabei dann hier auf Heulsuse zu machen ist einfach nur erbärmlich!
    „Wir“ machen Dich zum Mörder? Naja, zum Glück sagst du es ja selbst wunderschön :“ ihr müsst weg“

  4. Es ist absolut richtig das eine Minderheit (leider es sind noch zu wenige) gegen solch verbrechertum auf die Starsse geht sie sollen in Ihrem Land Theater machen aber da werden sie ja bestraft im gegensatz zu Deutschland. Und dann kommen natürlich die Linksautonomen und machen Krawall traurig das diese Idioten solch Pack noch unterstützen und die Gefahr der Salafisten unterschätzen und billigen.

    1. sind Ihnen die Satzzeichen ausgegangen? Bitteschön, wir Gutmenschen teilen ja gerne: , , , , , . . . .

  5. Hallo Urideg

    Besten Dank, für dieses aussagekräftige Bildmaterial ! Drückt mehr aus, als 1000 Worte und vor allem wird sichtbar, dass hier der Wille besteht, Gewaltbereitschaft zu demonstrieren. Der Salafismus wird nur vorgeschoben.
    Kennt man die Akteure, kennt man auch das Theaterstück ;-))

  6. Liebe Freunde, ich habe eine Frage, betreffend der Zusammensetzung der HoGeSa: Kann mir einer von euch sagen, inwieweit dort Kader der NPD involviert sind? Ich bräuchte den einen oder anderen Namen der Betreffenden..
    Das Siggi und seine braunen Brüder dort mitmischen, weiß ich bereits; doch wie stehts um die NPD? Gibt es handfeste Beweise, dass ihre Kader mehr als nur „Teilnehmer“ waren?
    Es wäre super, wenn jemand mehr wüsste!

    In diesem Sinne warte ich auf eure Antwort und Hilfe.
    Liebe und Frieden.

  7. wie kann man euch denn unterstützen? Jetzt muss endlich die Zeit gekommen sein, dass wir den etablierten Medien und „Gutmenschen“ eine Lektion erteilen! Also: viva „HoGeSa“!!!

  8. Im Gegensatz zu den ganzen Tastaturhelden war ich vor Ort und kann sagen, dass ein großer Teil der Presse-Berichterstattung äusserst tendenziös, verfälschend oder gleich ganz BEWUSST GELOGEN ist!
    Der Marsch selbst war (dort wo ich lief) komplett friedlich, die Lügenmärchen mit „Ausländer raus“, „Hitler-Gruss“ sowie Flachenwürfen sind allesamt erstunken und erlogen, wie kann man nur derart realitätsfern berichten. Der Vorfall mit der (bewussten !) Einkesselung von viel zu viel Menschen, und siehe mal da, dort wurde ganz zufälligerweise ein (älteres Baujahr…) eines Bullys abgestellt, wirkte auf mich wie inszeniert um die Situation geradezu eskalieren zu lassen. Ich selbst habe mich zu keinem Zeitpunkt von KEINEM der Demonstrationsteilnehmer bedroht oder unsicher gefühlt (und da waren wirklich etliche Broken dabei, Alter Falter!) Hingegen beim Rauslaufen von den Gegendemostranten sehr wohl, die pöbeleten und einzelne (schwächere!) versuchen bewusst anzumachen und zu provozieren. Ich halte Berichte, dass die Gewalt ausschliesslich von den Antifa-Leuten (oder sogar von eingeschleussten Leuten!) ausging, absolut für nachvollziehbar. Um das zu erreichen was man wollt, um das vernünftige Anliegen zu verschleiern, nämliche den Salafisten endlich Einhalt zu gebieten. Ist ja auch gelungen, keine Zeitung redet mehr über die ISIS; nur die bösen bösen Hooligans, nein „Nazis“ und „Rechtsradikalen“ müssen verboten werden.

    1. Woher weiß ich denn eigentlich,ob die ISIS nicht auch von Hooligans und „Rechtsradikalen“ unterwandert ist, um bewusst zu provozieren? Oder ob die Zeitungen nicht bloß Lügenmärchen über die ISIS und Salafisten verbreiten, um tendenziös, verfälschend oder gleich ganz BEWUSST ZU LÜGEN und die Menschen gegen sie aufzubringen?
      Was denn nun? Lügt die Presse oder lügt sie nicht?

  9. Ave an alle,
    Also ich war auch dabei und kann bestätigen,dass die Medien komplett fehl informationen verbreiten. An die Schreiber die hier alles in den Dreck ziehen, seit doch froh das es ein paar Leute gibt, die bereit sind auf die Straße zu gehen um zu sagen ,bis hier her und nicht weiter. Die NPD hat mit dieser Bewegung nichts zu tun. Diese schwachköpfe nutzen diese Situation lediglich aus und laufen mit. Ich hab sehr oft mitbekommen,dass man diese hohlrüben zurechtgewiesen hat als sie ihre Parolen grölen wollten.alle die gegen diese Bewegung sind, werden es sehr bald schon bereuen,sich nicht aktiv daran beteiligt zu haben. Es sei den ihr nehmt den Koran und die Scharia an, denn das ist das Ziel dieser Leute.
    Hört euch doch mal die reden eines Pierer Vogel an. Das könnt ihr doch nicht im ernst wollen oder. Nichts gegen Ausländer die sich hier niederlassen und anpassen, aber sie wollen das wir uns ihnen anpassen.
    Also ich werde einen scheiss tun. Falls es ihnen hier nicht passt sollen sie halt abhauen. Eine Frechheit ist das.
    Traurig find ich, dass es deutsche gibt die ihnen auch noch dabei behilflich sind. Anstatt zusammenzuhalten spalten sie uns deutschstämmige.
    Nur ein wenig Patriotismus, das muss doch noch erlaubt sein haben zu dürfen. Ist bei euch alles weg oder wie.

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