NPD-Bayern: einer verhaftet, zwei treten ab

Es vergeht keine Woche, in der die NPD sich nicht weiter selbst demontiert. Nach der Verhaftung von NPD-Bandido Sascha Roßmüller tritt nun ein Teil des bayerischen Landesvorstandes zurück. Die Bayern-NPD ist führungslos.

Von Felix M. Steiner

NPD-Funktionär Sascha Roßmüller (Foto: Marek Peters)
NPD-Funktionär Sascha Roßmüller (Foto: Marek Peters)

Die NPD kommt vor ihrem anstehenden Bundesparteitag nicht zur Ruhe. Erst gestern ist bekannt geworden, dass NPD-Funktionär und Bandido-Führungsfigur Sascha Roßmüller im Zuge einer länderübergreifenden Polizeiaktion verhaftet wurde.

Die Polizei ging bei ihrer Aktion gegen die Strukturen der Rockerclubs mit Razzien und mehreren Verhaftungen vor. Darunter auch drei Personen aus dem Bandido MC, wie die Mittelbayerische Zeitung berichtet. Eine der drei Festgenommenen ist Sascha Roßmüller.

Roßmüller ist derzeit stellvertretender NPD-Landesvorsitzender in Bayern und hatte vor kurzem auch sein Interesse an einem Posten im Bundesvorstand bekundet. Die Neuwahlen sollen im November auf dem Bundesparteitag stattfinden.

Schon in den vergangenen Jahren hatte die Mitgliedschaft Roßmüllers beim Bandido MC Germany für zahlreiche Diskussionen in der NPD und ihrem Umfeld gesorgt. Die Verhaftung dürfte die Chancen für Roßmüller auf einen Posten im Bundesvorstand deutlich schwinden lassen. Die Inhaftierung des bayerischen Multifunktionärs hat nun bereits vor dem Bundesparteitag erhebliche Konsequenzen für den Landesverband Bayern: der Vorsitzende der NPD-Bayern, Karl Richter, trat aufgrund der „Affäre Roßmüller“ von sämtlichen Ämtern im Landesvorstand zurück. Er übernehme damit nicht nur die „persönliche Verantwortung für Spitzenpersonal“, was unter seiner Führung „den selbstgestellten Ansprüchen unserer Partei nicht gerecht wird“, sondern wolle auch mit den Verantwortlichen der „hausgemachten Katastrophen […] nicht länger in einem Atemzug genannt werden“, heißt es in einer Erklärung Richters. Richter, der neben dem Landesvorsitz auch stellvertretender Bundesvorsitzender der NPD ist, geht – wie schon die letzten Monate – hart ins Gericht mit dem Führungspersonal der eigenen Partei. So heißt es weiter in Richters Erklärung:

„Der unappetitliche Reigen spannt sich von dem im Dezember unter schmutzigen Begleitumständen zurückgetretenen Parteivorsitzenden Holger Apfel über kleinere und größere Skandale bis hin zu Vorzeigefunktionären wie Patrick Wieschke und jetzt dem langjährigen Apfel-Intimus Sascha Roßmüller. Es reicht mir jetzt.“

Der stellvertretende Parteivorsitzende Karl Richter, Bild: Publikative.org.
Der stellvertretende Parteivorsitzende Karl Richter, Bild: Publikative.org.

Wie es aus Richters Stellungnahme hervorgeht, plant die NPD in Bayern im November ihren nächsten Landesparteitag. Den Delegierten gibt Richter bereits jetzt mit auf den Weg, auch die „Roßmüller-Seilschaftler“ aus dem Landesvorstand zu wählen, um einen „überfälligen Neubeginn“ einzuleiten. Neben Richter tritt auch die stellvertretende Landesvorsitzende Sigrid Schüssler mit sofortiger Wirkung von ihrem Amt zurück. Fazit: von der dreiköpfigen Vorstandriege sitzt einer in Haft und zwei andere geben ihre Ämter auf. Es verbleiben fünf weitere Personen im Vorstand des Landesverbandes: Alexander Feyen (Landesschatzmeister), Axel Michaelis (Landesgeschäftsführer), Johannes Hühnlein (Abteilung Organisation), Manfred Waldukat (Abteilung Medien) und der Beisitzer Ralf Ollert.

Schlechte Vorzeichen auch für Bundes-NPD

Auch für die Bundes-NPD dürfte dies ein weiterer Schlag sein. So hatte die Partei in den letzten Wochen erst mit den Enthüllungen rund um den Thüringer Landesvorsitzenden Patrick David Wieschke zu kämpfen. Auch dieser gab seine Ämter auf Bundesebene auf.

Dass nun ein langjähriger Funktionär in Haft sitzt, der noch dazu erst vor kurzem sein Interesse an einem Bundesamt bekundet hatte, trifft die NPD kurz vor dem anstehenden Bundesparteitag sicher schwer. Damit bricht nicht nur ein weiterer Kandidat für den zukünftigen Bundesvorstand weg, sondern bereits jetzt beginnen die Diskussionen über die grundsätzlich neue Ausrichtung der Partei – besonders ihres Personals und den immer wieder auftauchenden Skandalen. Bereits jetzt zeichnen sich neue Machtkämpfe innerhalb der Partei ab, der Austragungsort der Konflikte dürfte im November wohl von der digitalen Welt auf den Bundesparteitag verlegt werden. Vorausgesetzt, die Führungsriege findet einen Saal für den Jubiläumsparteitag zum 50. Geburtstag der NPD.