Hamburgs akademischer Pöbel

Gossensprache und Abendkleid – Krawallautor Akif Pirincci bedient in der stolzen Hansestadt Hamburg ein Milieu, das bereits auf „Richter Gnadenlos“ gesetzt hatte. Pirinccis Lesung bei der Burschenschaft Germania war für das „verrohte Bürgertum“ ein Pflichttermin.

Von Felix Krebs

Akif Pirincci ist so etwas wie ein Thilo Sarrazin mit Migrationshintergrund auf Speed. Im Unterschied zu dem SPD-Mitglied und Ex-Finanzsenator, bemüht sich der Katzen-Krimi-Autor gar nicht erst seine rassistischen und menschenverachtenden Thesen in pseudowissenschaftlichem Stil zu verkaufen, sondern bedient sich gerne aus dem Lexikon der Fäkalsprache. Man könnte meinen, dass so etwas besonders gut im tumben Neonazi-Milieu oder bei testosteron-geladenen rechten Hooligans ankommt.

Ankündigung der Lesung von Akif Pirincci in Hamburg
Ankündigung der Lesung von Akif Pirincci in Hamburg

Am vergangenen Samstag goutierte jedoch die akademische Möchtegern-Elite der Hamburger Burschenschaft Germania die Gossensprache von Herrn Pirincci. Außer den Bandträgern, welche sich so viel auf ihren Ehrbegriff einbilden, kamen auch andere Angehörige von schlagenden Verbindungen und eine stattliche Anzahl von Personen, welche der Soziologe Wilhelm Heitmeyer wohl dem „verrohtem Bürgertum“ Hamburgs zurechnen würde. Viele Herren in Anzug und Krawatte nebst Damen in Abendkleidern und Perlenkette, die sich für besonders hanseatisch dünken. Die schon wieder vergessen wollen, dass genau sie die Klientel waren, welche Roland Schill zum zweiten Bürgermeister wählte. Und die nun auf die rechtspopulistische AfD setzen und kamen, um einem neuen rechten Heilsbringer zu hören.

Während einige Aktivitas der Germania schon reichlich Bier vor dem Vortrag intus hatten, hielt der Referent sich lieber an Wein, als er vor angeblich 150 Personen zur Lesung seines Buchs „Deutschland von Sinnen“ anhob. In dem Buch hetzt der Autor gegen die vermeintliche Bevorzugung von Frauen, Homosexuellen und Muslimen durch eine unterstellte allgegenwärtige „linksgrüne Gesinnungsdiktatur.“ Dass ein türkisch-stämmiger Autor einen „schleichenden Völkermord“ an den Deutschen, begangen von Muslimen, herbei halluziniert, das ist Balsam auf die gekränkte Burschenschafterseele.

Die vor dem Haus stehenden Journalisten hatte Pirincci zuvor als „linksversifft“ eingeordnet und stolz erklärt, dass der Staatsschutz gegen ihn ermittelt hätte, weil er vom „Drecksislam“ sprach. Solche Worte hört man gerne im akademischen Pöbel, weil man wohl selbst so denkt, sich dieses jedoch höchstens unter Pseudonym in einschlägigen Blogs zu äußern traut.

Auch die AfD kündigte sich an

Einer der wenigen Personen in Hamburg, welche sich ebenfalls offen mit Verbalinjurien a lá Princci äußert, ist AfD-Kandidat Claus Döring, der sich für die vergangene Bezirkswahl im Mai 2014 für seine Partei aufstellen ließ. „Dreckshaufen EU“ und „Kameltreiberland“ sind so Döring´sche Worte, die Grünen vergleicht er mit der SA. Die Absicht seinem Pöbelidol zu lauschen kündigte er auf Facebook an und versicherte, er kenne „noch einige konservative AfDler, die sicherlich auch interessiert wären“.

Mitglieder der AfD als Besucher der Burschenschaft Germania, dies wäre fast ein Fall für den Hamburger Inlandsgeheimdienst, denn bei der Aktivitas der strammen Burschen bemerkte der Dienst jüngst den „Verdacht auf rechtsextremistische Bestrebungen.“

Völkische Bildungsarbeit

Dass diese Einschätzung so falsch nicht ist, könnten die Germanen nun am kommenden Wochenende mal wieder unter Beweis stellen. Für ein überregionales Insiderseminar sind einschlägige Alte Herren aus der berüchtigten Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG) angekündigt. Bruno Burchhardt, Angehöriger der zeitweise wegen rechtsterroristischer Aktivitäten verbotenen Burschenschaft Olympia Wien soll über die „Zukunft des deutschen Volkes in Europa“ referieren. Ein völkischer Fachmann, der Vorsitzender des Burschenschaftlichen Vereins für Minderheitenrechte war, welcher sich um angeblich unterdrückte Menschen deutschen „Volkstums“ in Norditalien, Nordslowenien, Polen usw. kümmert.

Als weiterer Referent ist Bernd Kallina angekündigt, gern gesehener Autor in extrem rechten Postillen wie Nation und Europa oder der Deutschen Militärzeitschrift. In den 1970ern war der Alte Herr der Burschenschaft Danubia auch Mitglied der NPD und im Bundesvorstand der Jungen Nationaldemokraten.

24 thoughts on “Hamburgs akademischer Pöbel

  1. „Daher werden die Hürden für die Anwendung entmenschlichter Gewalt zum Zweck der Hierarchiestabilisierung in Zukunft wohl niedriger sein…“

    in anderen Worten:

    Die BRD wird eher und schneller einen Genozid verüben als das aus der Weimarer Republik entstandene Staatsgebilde. Sehr glaubhafte Synthese… Nicht

    Vielleicht sollte man von der Rolex bis zum Holocaust mehr brauchen, als 5 Sätze!

    1. Klar braucht das mehr als 5 Sätze! Aber daran haben sich zum Glück schon Leute wie Horkheimer, Fromm und Seymour Lipset sehr erfolgreich versucht. Ich wollte nur einen groben Überblick liefern.

      Und, nein, „die BRD“ wird schon mal garkeinen Genozid begehen, weil „Staatsgebilde“ soetwas nicht tun, aber Menschen dafür sehr wohl. Die rechtsstaatlichen Institutionen in der BRD mögen stabiler sein als in der Weimarer. Die „verrohte“ Minderheit mit dem entsprechenden Gewaltpotential müsste sich heute dagegen mit weniger bildungsbürgerlicher Skrupulösität abgebe.

      1. und natürlich – nichts gegen Porsches und Rolexen bzw deren Träger/Fahrer im allgemeinen! das war eine Veranschaulichung von Selbstbehauptungspraxen in der sozialen Hierarchie.

  2. Was mich ja an dem Typen so anwidert, ist ja nicht nur, das er nicht einmal VERSUCHT, so etwas wie eine Argumentationslinie zu basteln, sondern den direkten Weg geht und nur noch Beleidigungen in niederster Fäkalsprache rauskotzt.

    Und das genau dieses -wie man hier sieht- von einem Publikum goutiert wird, welches schon beim Kanzlerinnenwort „nicht hilfreich“ irgendwelche geschockt anfängt zu weinen, sagt wohl einiges über diese Leute aus.

    Um genau zu sein, es sagt aus, das dieses Publikum im wörtlichen sinne „indiskutabel“ ist.

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