Die AfD als Retterin des Abendlandes?

Was meinen AfDler eigentlich, wenn sie von Globalisierungstotalitarismus sprechen, oder von „ethnokultureller Diversität“?

Von Florian Röpke

Björn Höcke ist Fraktionsführer der AfD im Thüringer Landtag, im Interview mit Sezession im Netz skizziert er einen am Volkswohl orientierten Politiker als den idealen Typus eines solchen. Auf die Frage, worauf sich seine Politik zu richten hätte antwortet er: “[…] Das ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil durch die technischen Möglichkeiten und die wirtschaftlichen Interdependenzen ein entfalteter Globalisierungstotalitarismus erstmals als reale Option angesehen werden kann. Daher muß der Verteidigung der ethnokulturellen Diversität höchste Priorität eingeräumt werden.”

Zum einen ist da die Wortneuschöpfung Globalisierungstotalitarismus, von Höcke nicht weiter erläutert, wohl aber als negatives Endstadium einer globalisierten Welt zu interpretieren, zum anderen – und da wird es dann wirklich interessant – die ethnokulturelle Diversität. Hier muss etwas ausgeholt werden. Die so genannte Neue Rechte hat den Begriff des Ethnopluralismus maßgeblich geprägt und stützt sich dabei, ich versuche mich wieder kurz zu fassen – auf die These, dass den verschiedenen Völkern eine bestimmte kulturelle Identität eigen sei und es diese unbedingt zu bewahren gelte. In diesem Zusammenhang wird dann das “Abendland“ als kultureller Großraum betrachtet, den es gegen fremde Einflüsse aus anderen “Kulturräumen“ zu verteidigen gelte. Originär rassistische Begriffe vermeidet man dabei, indem man von der Kulturgemeinschaft des Abendlandes spricht und den Menschen aus anderen Kulturkreisen sogar ihre Daseinsberechtigung zuerkennt, natürlich nur in den Grenzen ihres eigenen „Kulturraumes“.

Mit der Theorie vom Ethnopluralismus findet also eine Abgrenzung vom herkömmlichen Rassismus statt, indem man die Biologie hinten anstellt und sich auf angeblich unüberbrückbare kulturelle Differenzen beruft. Anzumerken ist allerdings, dass im Abendland natürlich die Weißen wohnen. Inwieweit sich hier also pure Demagogie und tatsächliche Überzeugung an dieser Stelle überschneiden, muss jeder selbst beurteilen. Diese Konzept hat inzwischen offenbar auch die Propagandaabteilung der NPD für brauchbar befunden und so heißt es in der Präambel des Europawahlprogramms folglich: “Ja zu Europa, Nein zu dieser EU – weil Europa auch in Zukunft Lebensraum der Europäer bleiben soll! […] Die NPD bekennt sich daher zu einer nationalen und europäischen Freiheitstradition, deren inhaltlicher Kern die Verteidigung der ethnokulturellen Identität der europäischen Völker ist […].” Und diese Identität ist natürlich nicht zufällig weiß. Es hat sich also in diesem Fall die NPD im Fundus der Neuen Rechten bedient um vielleicht auch in etwas gemäßigteren rechten Kreisen Wählerstimmen zu erhalten.

Wenn Höcke nun also von der Verteidigung der ethnokulturellen Diversität spricht, dann meint er damit eigentlich, neben den obigen Ausführungen, den rechten Klassiker vom “Wir und die anderen”. Also nicht Integration, Anpassung oder Aufgehen in einer globalisierten Welt, sondern Verteidigung des eigenen und im größeren Maßstab die Verteidigung ethnokulturellern Verschiedenheiten um der Verschiedenheit willen. Im Falle der AfD ließe sich dies beispielhaft am fast schon krampfhaften klammern am Christentum festmachen, einer prägenden Größe der abendländischen Kultur.

Was das alles nun bedeutet: Herr Höcke argumentiert stringend rechts, das Interview gibt er Götz Kubitschek im – man könnte salopp sagen führenden – Organ der Neuen Rechten und Höcke bedient dabei offenbar ganz bewusst ein sich selbst als rechtsintellektuell verstehendes Publikum mit ihrem beliebten Kernthema, der Rettung des Abendlandes.

Siehe auch: Neue “Einzelfälle” in der AfD,NPD will AfD Sitz im Landtag abnehmen

3 thoughts on “Die AfD als Retterin des Abendlandes?

  1. Völkische AfD: Bernd Lucke offenbart in diesem Interview sein völkisches Weltbild selbst

    Bernd Lucke offenbart in diesem Interview mit den Sons of Libertas sein hanebüchen völkisch-staatssozialistisches Weltbild (das er u.a. an der Sprache festmacht) selbst (Lucke im Interview u.a. auch zur Ukraine, rsp. der russischen Anschluss-Logik (‚Blut-und-Boden-Putinismus‘, „Russische Erde sammeln“ usw.) mit der bislang (fälschlich reduziert) nur Alexander Gauland in Verbindung gebraucht wird):

    Sons of Libertas & Prof. Bernd Lucke
    http://www.youtube.com/watch?v=-Nn_gWOobxc

    Daran wiederum stören sich öffentlich bislang viel zu wenige (wenn man von wenigen, z.B. der Bayernpartei absieht) eigentlich unerklärlich:

    [AfD über Bayern: Beliebige Gruppe ohne Selbstbestimmungsrecht – Bayernpartei
    http://landesverband.bayernpartei.de/2014/afd-ueber-bayern-beliebige-gruppe-ohne-selbstbestimmungsrecht/%5D

  2. Wo einer Recht hat, hat er Recht. Und Höcke hat nun einmal Recht. In Afrika und dem Nahen Osten wohnen 2 Milliarden Leute, die nach EU-Standards Flüchtlingsstatus bekommen. Die nach Deutschland umzusiedeln (die anderen EU-Länder schicken überwiegend zu uns weiter) ist der falsche Ansatz. Das kann allerdings kaum jemand verstehen.

    Lieber sollten Sozialdemokraten und sog. Linke ihre Umverteilung von unten nach oben stoppen. Die (Umsatz-, Mineralöl-)Steuern der kleinen Leute in Deutschland dienen dazu die internationalen Großbankster über ESM und EZB auszuzahlen. Das finden Linke und SPD toll. Toll!

  3. Was Björn Höcke meint, bezieht sich nicht auf ein überlegenes Rassedenken. Sondern es geht um eine gewachsene soziale und geschichtlichte Kultur, die die Menschen eines Landes und einer Nation über Generationen prägen und die ihren Sinn hat.

    Deutschland hat ein christliches Erbe mit einer sozialen Ausrichtung auch für die Menschen, denen es aus Schicksalsschlägen oder sozialer Not nicht so gut geht. Diesem Erbe verdanken Flüchtlinge überhaupt erst die Möglichkeit, bei uns sicher und versorgt zu sein.
    Hinzu kommt der humanistische demokratische Gedanke der Aufklärung und der französischen Revolution.

    Es lohnt sich, dieses Erbe der Freiheit zu verteidigen, das Grundgesetz und die Menschenwürde. Dazu paßt nicht, das Menschen, wie jüngst in Hamburg, Celle und anderen Städten, mit Messern und Macheten aufeinanderstechen. Dazu paßt nicht, das Ehrenmorde passieren und Frauen zwangsverheiratet und versklavt werden. Dazu paßt nicht, das eine Schariapolizei Menschen diskriminiert und einschüchtert. Auch nicht, daß eine archaische Religionsauslegung ganze Bevölkerungsgruppen in rechtsfreie, staatsfeindliche Räume
    treibt.

    Wenn all das einfach hingenommen wird, dann wird unser Land irgendwann bürgerkriegsähnliche Zustände wie im Libanon erleben. Unser Land und dieser Staat ist es wert, verteidigt zu werden und eine klare Antwort für all die zu haben, die zu uns wollen.
    Die Globalisierung mag den Großkonzernen dienen, die einfachen Menschen, von manchen hier auch „Kleinbürger“ genannt, haben einen berechtigten Anspruch auf den Erhalt ihrer Heimat, ihrer Kultur, ihrer Sicherheit und ihrer Lebensqualität.

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