NPD-Thüringen: Parteibasis fordert Wieschkes Rücktritt

Die Krise der NPD in Thüringen verschärft sich rasant: Nun kursiert ein Brief der Parteibasis im Netz, in dem Landeschef Wieschke zum Rücktritt aufgefordert wird. Der findet das ganze offenbar „lächerlich“ und gibt sich amüsiert.

Von Publikative-Redaktion

Patrick Wieschke, Vorsitzender des NPD-Landesverbandes Thüringen, Foto: Kai Budler.
Patrick Wieschke, Vorsitzender des NPD-Landesverbandes Thüringen, Foto: Kai Budler.

Es waren schwere Vorwürfe, die sich in den Polizei-Ermittlungsakten gegen den NPD-Landesvorsitzenden Patrick David Wieschke fanden und kurz vor der Landtagswahl in Thüringen an die Öffentlichkeit gelangten. Gegen Wieschke wurde um die Jahrtausendwende nicht nur wegen sexuellen Missbrauchs einer 12-Jährigen ermittelt sondern auch wegen Gewalt gegen die eigene Familie. Die Diskussion um die veröffentlichten Dokumente beschäftigte bundesweit die Neonazi-Szene. Verschiedene Funktionäre außerhalb und innerhalb der NPD erklärten Wieschke für nicht mehr tragfähig. Die Konsequenzen blieben jedoch überschaubar. Der Eisenacher gab lediglich seine Ämter auf Bundesebene ab, ist aber nach wie vor Landesvorsitzender in Thüringen.

Doch auch im Freistaat wächst der Druck zunehmend. In der vergangenen Woche nun erhielt Wieschke Post von Teilen der Parteibasis. Unterschrieben ist das Schriftstück von den „reformistischen Mitglieder[n] der NPD“. Wieschke wird darin aufgefordert, bis zum 2. Oktober von seinem Amt als Landesvorsitzender zurückzutreten: „Beweisen sie [sic] die notwendige Größe und kommen Sie unserer Aufforderung zum Rücktritt bis zum 02.10.2014 nach“, heißt es in dem Schreiben. Nachdem Wieschke der Aufforderung offenbar nicht folgte, veröffentlichte nun ein extrem rechter Funktionär den Brief.

Screenshot des online veröffentlichten Briefes
Screenshot des online veröffentlichten Briefes

Die im Brief enthaltenen Vorwürfe gegen Wieschke beziehen sich nicht ausschließlich auf die Enthüllungen rund um die veröffentlichten Ermittlungsakten. Vielmehr wird schwere Kritik am Verhalten Wieschkes gegenüber anderen Parteimitgliedern vorgebracht. So heißt es, Wieschke habe von Parteimitgliedern geforderte „Änderungen ignoriert“ und sei „später gegen diese Reformkräfte mit Mitteln jenseits der uns eigenen Moralvorstellungen vorgegangen“. Und auch rund um die Aufklärung der Vorwürfe, Wieschke habe seine Mutter und Schwester verprügelt, sind die Anschuldigungen erheblich: „Hier haben Sie bewusst Tatsachen verschwiegen und eine Aufklärung verhindert. Kameraden, welche diese gefordert haben, sind von ihnen mit der Androhung gerichtlicher Schritte davon abgehalten worden“, heißt es weiter. Insgesamt habe Wieschke „der Partei“ und der „nationalen Idee“ in einem „noch nicht abzuschätzenden Maße […] geschadet“, resümieren die Autoren. Sollte Wieschke der Forderung nicht entsprechen, werden in dem Schreiben die Aufkündigung der Zusammenarbeit und „weitere Schritte“ angekündigt.

Wieschkes Reaktion war zumindest online recht kurz: „LÄCHERLICH!“ kommentierte der die harte Diskussion um seine Person.

Bereits bekannte Kritik

Roy Elbert (links) beim neonazistischen Gedenken in Nordhausen im April 2013, Foto: Publikative.org
Roy Elbert (links) beim neonazistischen Gedenken in Nordhausen im April 2013, Foto: Publikative.org

Die Enthüllungen rund um die Ermittlungsakten haben Wieschkes Ansehen in der extrem rechten Szene in erheblichem Maße geschadet. Doch viele Kritikpunkte am Führungsstil des Eisenachers klingen bekannt. Bereits Anfang des Jahres sorgte der Austritt des NPD-Kreisvorsitzenden und Landesvorstandsmitglieds Roy Elbert für Aufsehen. Elbert war von der NPD direkt in den Rockerclub Gremium MC übergetreten und hatte mit diesem Schritt für Aufsehen gesorgt. Doch auch Elbert begründete Anfang des Jahres seinen Austritt mit harscher Kritik am Führungsstil des Landesvorstandes. „Im Gegenteil, je höher und je mehr Einfluss, desto geringer scheint die Bereitschaft sich vorbehaltlos für Kameraden einzusetzen“, hieß es damals in Elberts Erklärung. Elbert warf den „Kameraden“ ein „intrigantes Verhalten“ vor und „dass aus den eigenen Reihen geschossen wird und man sich kaum mehr traut  anderen den Rücken zuzuwenden“. Den Führungsstil im Landesverband Thüringen nannte Elbert „diktatorisch“.

Doch schon Anfang des Jahres scheint Elbert bei weitem nicht der Einzige gewesen zu sein, der mit dem Landesvorstand in Thüringen seine Probleme hatte. So heißt es in der Erklärung aus dem Januar 2014: „Letztlich durfte ich aber auch feststellen, dass ich nicht allein mit meiner Einstellung bin und es massenhaft Kritik an dem derzeitigen Führungsstil zu geben scheint.“

Der nächste Landesparteitag der NPD in Thüringen ist noch einige Monate hin. Doch bereits der im November geplante Bundesparteitag der NPD dürfte auch für diese Vorwürfe und Konflikte zu einem Austragungsort werden. Ein 50. Parteigeburtstag, den sich wohl viele anders vorgestellt haben.

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