Protest gegen „Hamas-Pressesprecher“ an der Uni Hamburg

„Was geschah eigentlich im Gazastreifen?“ Diese Frage will der Journalist Martin Lejeune angeblich an der Uni Hamburg mit einem Vortrag samt Bildern beantworten. Einigen Studierenden passt das aber offenbar nicht, sie fordern, die Veranstaltung mit dem „Hamas-Pressesprecher“ abzusagen.

In den vergangenen Wochen hatte der Journalist Martin Lejeune für Aufsehen gesorgt. Seine bestechend einseitigen Darstellungen des Gazakriegs sowie die Aufwertung von islamistischen Terroristen als Widerstandskämpfer gingen dann doch etwas zu weit.  Die Ruhrbarone hatten dankenswerterweise das Thema behandelt. Anfang des Monats legte Meedia noch einen Artikel nach.

Lejeunes Mission ist damit aber noch nicht beendet. In der kommenden Woche will er beispielsweise in Hamburg referieren – unter dem Titel: „Was geschah eigentlich im Gazastreifen?“ Das „eigentlich“ dürfte dabei im Sinne von „wirklich“ verstanden werden, so als wären nicht auch andere bzw. so als wäre nicht auch Journalisten während des Krieges dort gewesen.

Für den Vortrag mit Bildern, der am Dienstagabend in der Uni Hamburg stattfinden soll, wirbt unter anderem das Netzwerk  Friedenskooperative. Wo diese Friedensfreunde ihren thematischen Schwerpunkt legen, ist unschwer zu erkennen. Auf ihren Seiten listen sie seit dem Jahr 2006 stolze 3059 Veranstaltungen zum „Konflikt Israel/Palästina/Libanon“ auf, darunter finden sich Vorträge mit Titeln wie beispielsweise: „Apartheid und ethnische Säuberung in Palästina“, angekündigt für den 20. September 2014 in Bonn. Referentin Petra Wild trat auch bereits als Gesprächspartnerin des islamistischen „Muslim-Marktes“ oder von Oberaluhut KenFM in Erscheinung.

Zu der langen Liste der Veranstaltungen heißt es auf der Internet-Seite der Friedenskooperative:

Pauschal anti-israelische oder gar antisemitische Äußerungen lehnen wir aber ab. Friedensgruppen wollen eine Konfliktlösung, die ein Leben in Sicherheit und guter Nachbarschaft für Israelis und Palästinenser schafft. Im Vorhinein wissen auch wir nicht immer, ob die gelisteten Veranstaltungen in diesem Sinn geraten. Friedensgruppen als Veranstalter werden sich sicher darum bemühen.

Diese Bemühungen reichen einigen Studenten aber doch nicht ganz, sie fordern, die Veranstaltung mit dem „Hamas-Pressesprecher“ Lejeune abzusagen. In einer Stellungnahme des Arbeitskreises kritische Studierende am Asien-Afrika-Institut heißt es:

Am 30. September 2014 soll an der Universität Hamburg eine Veranstaltung mit dem selbsternannten „Kriegsberichterstatter“ Martin Lejeune mit dem Thema „Was geschah eigentlich im Gazastreifen?“ stattfinden. Veranstaltet wird der Bildvortrag von der Pälastinensischen Gemeinde in Hamburg und Umgebung e.V., der Regionalgruppe Nord-Hamburg der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft e.V. und der Regionalgruppe Hamburg des Deutsch-Palästinensischen Frauenenvereins e.V. in Kooperation mit dem Asien-Afrika-Institut der Universität Hamburg, gefördert durch das Zentrum für Mission und Ökumene (Nordkirche Weltweit).

Vor dem Hintergrund der Personalie Matrin Lejeune ist die Beteiligung an einer solchen Veranstaltung höchst fragwürdig. […] Wir fordern die veranstaltenden Gruppen vor diesem Hintergrund dazu auf, sich von Martin Lejeune zu distanzieren und die Veranstaltung abzusagen. Dem Asien-Afrika-Institut der Universität Hamburg legen wir nahe, für diese Veranstaltung keine Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen und jede Kooperation mit den veranstaltenden Gruppen bis zur Klärung dieses Sachverhaltes einzustellen.

Eine Reaktion seitens der Uni und der beteiligten Gruppen liegt bislang nicht vor.

Siehe auch: Göttingen: Polizeischutz für Israelfreundeal-Quds-Tag in Berlin: “Israel muss raus, muss raus”“Israel-Kritik” revisited: Die Judenhasser lassen die Maske fallen

13 thoughts on “Protest gegen „Hamas-Pressesprecher“ an der Uni Hamburg

  1. Schön, dass jemand auf das Treiben dieses Antisemiten aufmerksam macht.
    Ist ja auch an Unis leider keine Selbstverständlichkeit…

  2. Ja getroffende Hunde bellen eben. Das hättet Ihr wohl gerne? Man muss immer beide Seiten anhören, denn den Medien glaube ich nichts mehr. Es ist zu offensichtlich für wen alle Medienverlage arbeiten. Wer kann besser erzählen was da passierte als einer, auf den die Bomben geworfen wurden? Dieser Kommentar wird sicher nicht veröffentlicht. Wenn doch…es lebe die Pressefreiheit!

  3. ich habe da eine Frage zur Klärung des Sachverhaltes für mich. Geht es dabei um eine antizionistische Haltung von Hr. Lejeune oder eine antisemitische Haltung von Hr. Lejeune.

    1. aha..

      Deine Aussage macht keinen Sinn und zeigtoffenbart nur Deine verblendete Ideologie.

  4. „Die Mehrheit der Israelis will die Palästinenser ausrotten“ Zitat von Herrn Lejeune auf der Veranstaltung.

  5. Es ist schon bemerkenswert, in welchem Maß eine Art Disclaimer-Berichterstattung über Gaza gewünscht zu werden scheint. Lejeune hätte offenbar in seinem Blog über die Hinrichtung der mutmaßlichen Kollaborateure in Gaza etwas wie „Ich bin strikt gegen Todesstrafe“ schreiben und auch unter jeden anderen seiner Blogs Disclaimer, z.B. „Ich bin mit Inhalten und Politik der Hamas nicht einverstanden“ setzen sollen.

    Auch nach dem offenen Brief an Netanyahu und der Verweigerung der Unit-8200-Reservisten https://www.freitag.de/autoren/dame-von-welt/you-can2019t-run-from-responsibility2019 scheint hier nicht bekannt zu sein, daß israelische Geheimdienste alle Palästinenser systematisch ausschnüffeln und u.a. Kranke und Homosexuelle zur Kollaboration erpressen. Es scheint nicht nachvollziehbar, daß extra-legale Hinrichtungen und (während des jüngsten „Rasenmähens“ in Gaza) Bombardierungen von Häusern und Tötung ganzer Familien, in und bei denen Hamas-Kombattanten auch nur zu Besuch waren, ohne Kollaborateure unmöglich wären und wie bedrohlich Kollaboration im Krieg und angesichts der Inkaufnahme zahlloser Toter unter Zivilisten für die Bevölkerung in Gaza ist. Für mich ist es somit wenig überraschend, daß die Hinrichtung von 18 mutmaßlichen Kollaborateuren in Gaza als angemessen empfunden und begrüßt wird.

    Distanzierung wird aus eigenartigen Gründen von anderen Israel/Palästina-Korrespondenten nicht verlangt, mir wäre neu, daß z.B. Richard C. Schneider oder Gil Yaron sich von den jüngsten Genozidaufrufen einer Frau Shakeled oder eines Herrn Feiglin oder von der israelischen Regierungspolitik unverhältnismäßiger Gewaltanwendung gegen die palästinensische Zivilbevölkerung zu distanzieren hätten.

    Ich empfinde die um sich greifende Distanzierei von Le Jeune als Rufmordkampagne und als eines der Merkmale einer zur Meinungsschreibe verkommenen Berichterstattung und deren entweder absichtsvollen oder wenig mündigen Protagonisten und Konsumenten. Es scheint nicht möglich, die Sichtweise Le Jeunes als das zu akzeptieren, was sie ist, nämlich: eine (1) Sichtweise. Der allumfassende Israel/Palästina-Artikel wurde meines Wissens noch nicht erfunden.

    Ganz besonders albern finde ich die nachträgliche Distanzierung von Tilo Jung, der einige Gesprächspartner mehr hätte, die seine vorgeblich naiven Fragen zu unkommentierter Werbung für deutlich zweifelhaftere Positionen nutzten, u.a. und z.B. Ken Jebsen. Da hier die Antisemitismus-Anwürfe gegen Lejeune tief fliegen, empfehle ich zur Wiedergewinnung der Proportionen das KenFM-Video „Rassistischer Zionismus“, das ich zusammen gefasst und teilweise wörtlich verschriftlicht habe https://www.freitag.de/autoren/dame-von-welt/kenfm-rassistischer-zionismus und außerdem, die Kirche/Moschee/Synagoge mal im Dorf zu lassen.

    Speziell die Ruhrbarone und Publikative.org tun sich (und mir als Leserin) keinen Gefallen, an der Kampagneritis gegen Le Jeune teilzunehmen. Antisemitismus ist ein schwerer Vorwurf, er schrammt an die Adresse von Martin Lejeune hart an übler Nachrede entlang.

    1. „Für mich ist es somit wenig überraschend, daß die Hinrichtung von 18 mutmaßlichen Kollaborateuren in Gaza als angemessen empfunden und begrüßt wird.“

      Man spürt förmlich, wie sehr Sie Ihre Begeisterung zurückhalten.
      Eine Dame von Welt eben.

    2. Lejeune bezeichnet zwar die Hinrichtung dieser Leute kurz als schrecklich, verbringt dann aber die nächsten 5 Minuten damit, sie doch zu rechtfertigen. Dass er dabei ältere Behauptungen korrigieren muss, scheint ihn nicht zu stören (ein paar dieser „Kollaborateure“ wurden halt doch von Schnellgerichten verurteilt). Im übrigen macht das die „dame.von.welt“ genau gleich.

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