Fall Wieschke: Pastörs verpasst NPD einen Maulkorb

Nach den Wahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen will die NPD erst am Wochenende über Konsequenzen beraten. Doch gibt es in der Partei auch Stimmen, die zeitnah eine Stellungnahme vom Thüringer NPD-Spitzenkandidaten Wieschke zu den Vorwürfen wegen sexuellen Missbrauchs und Übergriffe auf die Familie fordern. Doch die Partei mauert – und Parteichef Pastörs warnt intern vor Maulwürfen.

Von Patrick Gensing

In Sachsen aus dem Landtag geflogen, in Thüringen deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert, in Brandenburg unter den sonstigen Parteien zu finden: Die jüngsten Wahlen verliefen für die NPD alles andere als optimal. Nur Parteichef Udo Pastörs versucht die Ergebnisse der „schicksalhaften“ Abstimmungen seinen Mitstreitern in der Partei noch als Erfolg zu verkaufen.

So betonte Pastörs, in Sachsen sei „zum ersten Mal“ ein „sachorientierter Wahlkampf“ geführt worden – auch mal eine Aussage. Dennoch habe die Partei nicht auf „die bewährte Strategie der propagandistischen Ausschlachtung unserer Kernkompetenzen – Überfremdungsfrage und Sozialabbau, Grenzkriminalität und Drogenmißbrauch“ verzichtet, so Pastörs in einem internen Schreiben. Das Wahlergebnis sei „schmerzlich, dennoch ein Erfolg“, das Scheitern sei vor allem auf den Erfolg der „herangezüchteten“ AfD zurückzuführen. Auch in Brandenburg und Thüringen habe die AfD das gesamte Protestpotenzial „regelrecht aufgesaugt“.

Keine Stellungnahmen im Fall Wieschke

Pastörs beklagte eine „regelrechte Hetzkampagne“ gegen die NPD – und wies eine vorschnelle Verurteilung des Spitzenkandidaten Wieschke als Alleinschuldigen für das Scheitern in Thüringen zurück. Auch eine interne Stellungnahme Wieschkes wird es wohl vorerst nicht geben, so wie es der NPD-Funktionär Karl Richter intern gefordert hatte (die meisten anderen Funktionäre scheinen weniger mutig zu sein, ihre Position vorzutragen, mit Ausnahmen beispielsweise aus Sachsen, wo man sich im Fall Apfel allerdings auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert hatte).

Patrick Wieschke, Vorsitzender des NPD-Landesverbandes Thüringen, Foto: Kai Budler.
Patrick Wieschke, Vorsitzender des NPD-Landesverbandes Thüringen, Foto: Kai Budler.

Der Vorstand und das Präsidium der Bundes-NPD wollen am Wochenende in Berlin zusammen kommen. Pastörs betonte, eine „erneute durch Einzelpersonen ausgelöste Diskussion über die Medien“ werde er nicht dulden. Die Vorwürfe gegen Wieschke würden „selbstverständlich zu Maßnahmen führen, die geeignet sind, die Glaubwürdigkeit der Gesamtpartei, sowohl nach innen als auch nach außen, wieder herzustellen“. Allerdings seien nun „kluge, ja weise Entscheidungen gefragt“, so Pastörs. Und wer könnte für solche Entscheidungen geeigneter sein, als die NPD-Führung?!

Die NPD-Thüringen äußerte sich in einer Pressemitteilung zur Wahl gar nicht zu den Vorwürfen gegen Wieschke, sondern fantasierte davon, die Wähler der AfD „zurückzuerobern“, so als hätten die meisten zuvor für die NPD gestimmt. Der NPD-Landesvorstand will am Donnerstag in Eisenach mit allen Kreisverbänden beraten, wie es weitergeht. Bis dahin solle es bis auf die erwähnte Pressemitteilung keine Stellungnahmen geben. Nach meinen Informationen hatte ein NPD-Kader allerdings wohl angekündigt, sich in einer Stellungnahme zu äußern, wurde aber zurück gepfiffen.

Wirksamer Maulkorb?

Ob der Maulkorb, den die NPD-Führung den Funktionären und Mitgliedern im Fall Wieschke verpasst, die Situation in der Partei beruhigt, darf bezweifelt werden. Schon vor der Wahl war in der Szene deutlich wahrnehmbar darüber gemurrt worden, dass man die Skandale der NPD nun wieder deckeln müsse, um erhoffte Wahlerfolge nicht zu gefährden. Und auch nach der Wahl sollen die Mitglieder schweigen, bis die Parteispitze „weise“ Entscheidungen getroffen haben wird.

Kündigt "weise" Entscheidungen an: NPD-Chef Pastörs
Kündigt „weise“ Entscheidungen an: NPD-Chef Pastörs

Wahrscheinlich dämmert es Pastörs, dass es in der Partei brodelt. Dementsprechend wies er mehrfach auf die Konsequenzen hin, wenn einzelne Mitglieder nicht ihren „vorlauten Mund“ hielten.

Weiterhin forderte er dazu auf, „wachsam zu verfolgen“, wie vertrauliche Informationen in die Öffentlichkeit gelangen“. Pastörs äußerte die Vermutung, dass streng vertrauliche Informationen wohl „direkt aus dem Präsidium oder dem Vorstand an die Medien“ gegeben worden seien. Dass der kommissarische Parteichef angesichts solcher Zustände und einen weiteren Skandal um einen Spitzenfunktionär offenkundig wenig Lust verspürt, weiterhin an der Spitze einer solchen Chaostruppe zu stehen, erscheint zumindest nachvollziehbar.

Siehe auch: Starke AfD, gänzlich gescheiterte NPDBrauner TrümmerhaufenNeonazi-Schlammschlacht: Hat Wieschke seine Mutter verprügelt?

2 thoughts on “Fall Wieschke: Pastörs verpasst NPD einen Maulkorb

  1. Interessant ist, dass in der Kommentarspalte eines Artikels /der sich mit Wischke befasst /des Nazihetzportals „Altermedia“ Christian Worch für die Enthüllungen in Hinblick auf Wischke verantwortlich gemacht wird.
    Er soll über einen internen Zugang bei Indymedia Linksunten den bei Altermedia veröffentlichten Artikel 1 Tag vor dessen Erscheinen bei „Altermedia“ gepostet haben.

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