Starke AfD, gänzlich gescheiterte NPD

Die Wahlen in Thüringen und Brandenburg sind vorbei, ein Großteil der Stimmen ist ausgezählt. Bereits jetzt ist klar; die AfD konnte hohe Ergebnisse erzielen, die NPD hingegen ist auf ganzer Linie gescheitert.

 Von Felix M. Steiner

Patrick Wieschke, Vorsitzender des NPD-Landesverbandes Thüringen, Foto: Kai Budler.
Patrick David Wieschke, Vorsitzender des NPD-Landesverbandes Thüringen, Foto: Kai Budler.

Bereits als die ersten Prognosen aus Thüringen und Brandenburg bekannt werden, ist klar, die NPD wird keinesfalls in eines der beiden Landesparlamente einziehen. In Brandenburg dürfte ohnehin kaum jemand mit einem Einzug gerechnet haben. Kurz vor dem endgültigen Ergebnis liegt die NPD hier bei 2,2 Prozent und ist weit entfernt von einem Einzug. In Thüringen hingegen hofften viele NPD-Mitglieder und Anhänger, die Partei würde den Sprung in das Parlament schaffen. Bereits bei der letzten Landtagswahl hatte die Partei hier 4,3 Prozent errungen und war nur knapp am Einzug gescheitert. In den letzten Jahren versuchte die NPD sich massiv weiter in Thüringen zu verankern. Im Wahlkampf kündigte die Partei an, 50.000 Plakate zu hängen, 1 Millionen Wahlkampfzeitungen zu verteilen und 200.000 € auszugeben. In einem kürzlich veröffentlichten Wahlaufruf sprach die Partei dann auch von einer „Materialschlacht sondergleichen“. Kurz vor der Landtagswahl war auch noch bekannt geworden, dass die NPD ein Haus in Eisenach erwerben konnte und dort nun eine Landesgeschäftsstelle eingerichtet hat. Doch alle Anstrengungen waren vergebens: Die NPD scheiterte mit rund 3,6 Prozent nicht nur deutlich an der 5-Prozent-Hürde, sie verzeichnete trotz „Materialschlacht“ einen deutlichen Verlust im Freistaat. Rund 10.000 Menschen weniger machten ihr Kreuz bei der extrem rechten Partei im Vergleich zu 2009. Mitverantwortlich dürften mehrere geleakte Polizeiakten über den NPD-Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten Patrick David Wieschke sein. Eine antifaschistische Rechercheseite („Thüringen Rechtsaußen“) hatte eine Ermittlungsakte über einen Missbrauchsfall veröffentlicht, in der Wieschke als Beschuldigter geführt wurde. Wenige Tage später hatte der Bundesvorsitzende der Neonazi-Partei „Die Rechte“, Christian Worch,

Der NPD-Parteivorsitzende Udo Pastörs, Bild: Publikative.org
Der NPD-Parteivorsitzende Udo Pastörs, Bild: Publikative.org

weitere schwere Anschuldigungen gegen Wieschke erhoben. Dieser habe, so Worch, 1999 seine Mutter verprügelt und deswegen sei eine Demonstration verboten worden. Kurze Zeit nach Worchs Behauptungen veröffentlichte die Rechercheplattform „Thüringen Rechtsaußen“ auch die Ermittlungsakte gegen Wieschke, in der es eben um diesen behaupteten Gewaltausbruch gegenüber seiner Mutter geht. Diese veröffentlichten Akten sorgten nicht nur für eine breite Berichterstattung sondern auch für reichlich Diskussionen in der extrem rechten Szene. Das schlechte Abschneiden der NPD dürfte nicht zuletzt auch mit diesen Enthüllungen zu tun haben. In einer ersten Stellungnahme gab Wieschke an, „traurig“ und „enttäuscht“ zu sein und über „etwaige Konsequenzen beraten“ zu wollen. Während Wieschke kaum eine erste Erklärung formulieren konnte, wird erneut heftige Kritik am Thüringer NPD-Landesvorstand geübt. „Ein Mitspracherecht war für die Mitglieder aus Thüringen kaum existent“, heißt es aus dem Umfeld der NPD-Thüringen. An der kritischen Diskussion rund um die herbe Wahlniederlage sind bereits Bundesvorstandsmitglieder der NPD beteiligt. Der NPD-Bundesvorsitzende Udo Pastörs hat sich bisher nicht öffentlich zu den Enthüllungen rund um Wieschke geäußert. Wieschke ist immerhin auf Bundesebene auch Organisationsleiter der NPD. Ob Wieschke sich noch lange an der Spitze des Landesverbandes halten kann, scheint derzeit unwahrscheinlich.

AfD mit Spitzenwerten

AfD im Glück: Das Logo der neuen Partei
AfD im Glück: Das Logo der neuen Partei

So sehr die NPD auf ganzer Linie gescheitert ist, so stark schnitt die „Alternative für Deutschland“ bei den Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg ab. In Thüringen steht die rechtspopulistische Partei kurz vor Auszählungsende bei 10,2 Prozent. Damit liegt die Partei nur rund 2 Prozent hinter der SPD, die in Thüringen starke Verluste hinnehmen muss und derzeit gerade bei 12,4 Prozent liegt.

In Brandenburg konnte die AfD noch deutlich besser abschneiden. Nach derzeitigem Stand errang die AfD hier 12,2 Prozent und wird damit zukünftig wohl die stärkste ihrer Fraktionen stellen. Ende August war die AfD-Sachsen bereits mit 9,7 Prozent in den Landtag eingezogen. Damit stellt die AfD nach dem heutigen Abend insgesamt drei Landtagsfraktionen und insgesamt sieben Abgeordnete im Europaparlament.

5 thoughts on “Starke AfD, gänzlich gescheiterte NPD

  1. schön, dass die npd (in thüringen) draussen bleibt, entwarnung zu geben wäre allerdings falsch, wenn mensch sich die erststimmen-ergebnisse der npd-kandidatInnen ansieht, die in großer regelmäßigkeit über dem ergebniss bei den zweitstimmen liegen. selbst wieschke hat da leider mit 6,9% nicht schlecht abgeschnitten.

  2. Das ist vor allem Geld, dass die NPD bei solchen Wahlergebnissen nicht so schnell wieder sieht: Weniger staatliche Unterstützung, und wahrscheinlich sogar Spender, die lieber dem erfolgreicheren Modell (AfD) spenden als den Verlierern.

    Ob sich wohl 2016 die Zukunft der NPD entscheidet?

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