Bad Nenndorf, do it again

Am kommenden Samstag werden erneut Neonazis zu ihrem „Trauermarsch“ in Bad Nenndorf erwartet. Schätzungen gehen von maximal 300 anreisenden extrem Rechten aus. Die Vorbereitungen auf die Gegenproteste laufen bereits auf Hochtouren.

Von Felix M. Steiner

Die Blockade in Bad Nenndorf 2013, Foto: Publikative.org
Die Blockade in Bad Nenndorf 2013, Foto: Publikative.org

Es ist der 3. August 2013. Rund 300 Neonazis sind erneut nach Bad Nenndorf gereist. Sie kommen aus Niedersachsen, Thüringen, Hamburg oder Nordrhein-Westfalen. Zum achten Mal wollen sie im vergangenen Jahr in Bad Nenndorf ihren Geschichtsrevisionismus auf die Straße tragen. Ziel ihres Aufmarsches ist das Wincklerbad, ein ehemaliges Verhörzentrum des britischen Geheimdienstes. Erst über drei Stunden nach dem angekündigten Aufmarschbeginn gelingt es den extrem Rechten mit ihrer Veranstaltung zu beginnen. Als die rund 300 Neonazis dann an einer Seitenstraße das Wincklerbad erreichen, ist der Ort ihrer Abschlusskundgebung durch hunderte Demonstranten blockiert. Aktive des örtlichen Sportvereins, Mitglieder des Bündnis Bad Nenndorf ist bunt, Aktivisten aus antifaschistischen Initiativen – alle sitzen gemeinsam auf der Straße, um dem extrem rechten Geschichtsrevisionismus den Raum zu nehmen. Es wird ihnen gelingen. Wenige Meter entfernt steht der Neonaziaufmarsch: Wutausbrüche, die Forderung nach Verstümmelung von Gegendemonstranten und Angriffe auf Journalisten – alles zeigte die offensichtliche Frustration über die Blockade. Am Ende gelingt es der Polizei nicht die Blockade rechtzeitig zu räumen, die Neonazis müssen unverrichteter Dinge wieder die Heimreise antreten. Dennoch, ein fader Beigeschmack bleibt: Immerhin ermitteln die Behörden gegen hunderte Menschen, die sich aktiv den Neonazis in den Weg gestellt haben. Viele Verfahren wurden mittlerweile eingestellt. Gegen andere Neonazi-Gegner laufen weiterhin Verfahren wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und andere Vergehen. Das Jahr 2013 ist also keineswegs in jeglicher Hinsicht abgeschlossen. Seit gestern sind außerdem zwei Verfahren wegen unverhältnismäßiger Anwendung polizeilicher Gewalt bei der Räumung von friedlichen Sitzblockaden anhängig.

Sie sind wieder da

Geschichtsrevisionismus in Reinform, Foto: Publikative.org
Geschichtsrevisionismus in Reinform, Bad Nenndorf 2012, Foto: Publikative.org

Auch 2014 wollen Neonazis in Bad Nenndorf marschieren. Erneut mobilisiert das extrem rechte „Gedenkbündnis Bad Nenndorf“ bundesweit in der Neonazi-Szene zum Aufmarsch am ersten Augustwochenende. Doch im Vergleich zu den letzten Jahren scheint die Mobilisierung der Szene deutlich weniger präsent. Ein paar Bilder mit dem Transpi und ein paar Videos – teils von Szenegrößen – sollen am kommenden Wochenende wieder zahlreiche Neonazis nach Bad Nenndorf locken. Als Redner sind erneut extrem Rechte aus Deutschland und England angekündigt. Treffpunkt der Neonazis ist 12 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz in Bad Nenndorf, wie auch schon die letzten Jahre. Auch in diesem Jahr ist wieder eine Kundgebung der Neonazis am Wincklerbad in Bad Nenndorf geplant. Beobachter der Szene rechnen allerding mit weiter sinkenden Teilnehmerzahlen beim geschichtsrevisionistischen Aufmarsch. So war bereits im vergangenen November ein Aufmarsch gefloppt, bei dem die Szene sich die Straße wohl zurückerobern wollte. Kaum 50 extrem Rechte waren nach Bad Nenndorf gereist. Das Interesse der Szene schien mehr als begrenzt.

Direkt am Bahnhof: Ein Willkommen an die anreisenden Neonazis, Foto: Benjamin Mayer.
Direkt am Bahnhof in Bad Nenndorf 2012: Ein Willkommen an die anreisenden Neonazis, Foto: Publikative.org.

2014 – Wieder gemeinsam gegen Neonazis

Auch in diesem Jahr mobilisieren verschiedene Bündnisse zum Protest gegen den braunen Aufzug. Bereits im Vorfeld richtete das Bündnis „Kein Naziaufmarsch in Bad Nenndorf“ einen offenen Brief an das lokale Bündnis „Bad Nenndorf ist bunt“. Darin heißt es:

Zusammen haben wir dafür gesorgt, dass der Naziaufmarsch, den ihr seit 2006 ertragen müsst, blockiert wurde. Zum ersten Mal konnten die Neonazis nicht dahin laufen, wo sie wollten. Wir haben ihnen gezeigt, dass wir keinen Bock auf sie haben und dass wir ihre Propaganda nicht einfach so hinnehmen. Wir haben gezeigt, dass wir den Aufmarsch gemeinsam stoppen können.

Auch die noch laufenden Verfahren gegen Teilnehmer der Blockade werden im Brief thematisiert. Doch auch mit Blick auf das vergangene Jahr scheint das Ziel für kommenden Samstag klar zu sein:

Lasst euch nicht erzählen, ihr hättet etwas falsch gemacht! In diesem Jahr wollen die Neonazis wieder nach Bad Nenndorf kommen und wir werden wieder da sein, um sie zu blockieren. Gemeinsam können wir das schaffen.

Wie üblich finden die Proteste bereits am Freitag vor dem Neonazi-Aufmarsch mit dem Schmücken der Stadt ihren Auftakt. Am Samstag beginnt der Tag in Bad Nenndorf um 9.00 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst. Der Treffpunkt für die zentrale Demonstration ist um 10.00 Uhr am jüdischen Gedenkstein. Erst vor einigen Tagen wurde dieser unter anderem mit einem Hakenkreuz beschmiert.

Publikative.org wird auch dieses Jahr vom aufmarsch und den Protesten berichten. Auf Twitter und Facebook werden wir ab Samstagmorgen Informationen und Bilder aus Bad Nenndorf hochladen.

One thought on “Bad Nenndorf, do it again

  1. Ähnelt die Überschrift „Bad Nenndorf, do it again“ nur zufälligerweise der Parole „Bomber Harris do it again“? Falls nicht: kann man daraus eine Unterstützung von Mord und Folter seitens des Verfassers ableiten?

    Anm. der Red.:

    Proteste und Blockade im letzten Jahr und Ziel dies zu wiederholen, so, wie es im Text steht!

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