Göttingen: Polizeischutz für Israelfreunde

Bereits zum zweiten Mal ist am Samstag in Göttingen eine israelsolidarische Kundgebung von Teilnehmern einer Demonstration gegen den Krieg in Gaza angegriffen worden. Die Polizei verhinderte schlimmere Übergriffe, verhielt sich aber sonst auffällig zurückhaltend.

Von Benjamin Laufer

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Nur unter Polizeischutz möglich: Kundgebung für Israel in Göttingen, Foto: Benjamin Laufer.

In Göttingen können Demonstrationen für Israel derzeit nur unter Polizeischutz stattfinden. Aus einer wütenden Menge heraus flogen am Samstag zu Sprechchören wie „Kindermörder Israel!“ Eier auf eine israelsolidarische Kundgebung und die sie schützenden Polizisten. Bei dem Versuch, eine Israelflagge zu entwenden, schlug einer der Angreifer einen Kundgebungsteilnehmer ins Gesicht. Dokumentierende Fotografen wurden als „scheiß Jude“ beleidigt, Teilnehmer berichten von der Schmähung „Judenschwein“.

Die Israel-Kundgebung hatte die Gruppe a:ka als Reaktion auf eine Palästina-Solidaritätskundgebung am Gänseliesel angemeldet. „Trotz der Pressekampagnen, die jeden Protest gegen die Bombardierung des Gaza-Streifens durch die Regierung Netanjahu als ‚Judenhass‘ und ‚Antisemitismus‘ verleumdet“ hätten, hätten die 250 Kundgebungsteilnehmer ihre Solidarität „mit den Opfern des israelischen Militäreinsatzes“ zeigen wollen, erklärte die Gruppe „Aktion Gerechter Frieden Nahost“ in einer Pressemitteilung. Sie hatte zusammen mit der „Antikapitalistischen Linken“ zu der Anti-Kriegs-Kundgebung aufgerufen.

Distanzierung von Antisemitismus

Auf der Kundgebung kündigten die Veranstalter an, antisemitische Äußerungen nicht tolerieren zu wollen. „Dies wird nicht geduldet und wir werden dagegen einschreiten“, sagte ein Sprecher zu Beginn. Auch Glaubensbekenntnisse sollten nicht gezeigt werden. Daran hielten sich die Teilnehmer zunächst auch: „Es wurden keine antisemitischen Parolen gerufen oder Symbole gezeigt, die den Staat Israel oder das Judentum verunglimpfen“, sagte Polizeieinsatzleiter Gerd Hujahn im Anschluss.


Video: Benjamin Laufer

Zur Eskalation kam es, als nach Ende der angemeldeten Kundgebung etwa 90 Teilnehmer 200 Meter weiter zogen, um gegen die Israelfahnen schwenkenden Antifas zu protestieren. Schnell ertönten Sprechchöre wie „Kindermörder Israel“ und „Allahu Akbar“. Einige Teilnehmer schwenkten auch Antifa-Fahnen. Eine zügig aufgestellte Polizeikette verhinderte, dass es zu größeren Übergriffen kam.

Zurückhaltender Polizeieinsatz

Die Polizei hielt sich allerdings trotz Eierwürfen und aggressiven Sprechchören zurück. Beamte stellten die Personalien von mutmaßlichen Eierwerfern fest und verhafteten einen Mann, der versucht hatte, eine Fahne zu stehlen. Nach einiger Zeit drängten die Polizisten die wütende Menge betont gelassen „auf Steinwurfweite“ zurück, wie Einsatzleiter Hujahn sagte.

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Die Polizei musste wütende Antizionisten von der Kundgebung fernhalten, Foto: Benjamin Laufer.

Die Aufforderung aus der Israel-Kundgebung, die Demonstration aufzulösen, wies er zurück: Es habe sich gar nicht um eine Versammlung, sondern eine „Ansammlung von Menschen, die auf die Israeldemo reagiert hat“, gehandelt. Gründe für eine Auflösung hätten keine vorgelegen. Das wiederum wunderte die israelsolidarischen Demonstranten doch sehr: Linke Demos würden häufig aus nichtigeren Gründen aufgelöst, hieß es.

Die Zurückhaltung der Einsatzkräfte war offenbar kalkuliert. „Egal, gegen welche Seite wir vorgehen, hinterher bekommen wir Ärger“, begründete ein leitender Beamter das Vorgehen. Schon eine Woche zuvor musste die Göttinger Polizei nach einem ähnlichen Vorfall Kritik einstecken. Sie war mit so wenigen Beamten an einer ersten Gaza-Demonstration im Einsatz, dass sie körperliche Übergriffe auf israelsolidarische Gegendemonstranten nicht verhindern konnte. Auch hier orchestrierten schon antisemitische Rufe den Angriff. Ein Video zeigt, wie die Beamten förmlich überrannt wurden:

An diesem Samstag war die Polizei an der Demonstration viel präsenter. Die Einsatzkräfte seien am Markt zusammengezogen worden, um ein Aufeinandertreffen der beiden Demonstrationen zu verhindern, sagte Einsatzleiter Hujahn. Vor Beginn der Kundgebungen zeigte er sich noch zuversichtlich, dass es friedlich bleiben würde. Das hätten ihm beide Veranstalter versichert. Dem Göttinger Tageblatt sagte er anschließend, sein Einsatzkonzept sei aufgegangen.

Weitere „Solidaritätsaktionen“ angekündigt

Von einem „Skandal“ sprechen hingegen die Anmelder der israelsolidarischen Kundgebung. „Die Gefahr, die von antizionistischen Kreisen in Göttingen ausgeht, darf nicht länger geleugnet werden“, schreibt die Gruppe a:ka in einer Pressemitteilung. „Die heutige Kundgebung zeigte aufs Neue, dass es bei den sogenannten Friedensdemonstrationen keinesfalls um die Menschen in Gaza geht, sondern einzig darum, dem Hass auf Israel und Juden eine Plattform zu bieten.“ Man könne sich in Göttingen nicht öffentlich zur Solidarität mit Israel bekennen, ohne von Angriffen bedroht zu werden.

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Helme gegen Eier – Polizisten halten Gegendemonstranten fern, Foto: Benjamin Laufer.

Die „Aktion Gerechter Frieden Nahost“ bedauerte die Übergriffe am Samstagabend in einer Pressemitteilung. Allerdings nicht ohne Einschränkung: „Diese werden wohl wie gehabt von interessierten Kreisen zur Diskreditierung jeder Kritik an an den Kriegsverbrechen der israelischen Regierung benutzt werden“, heißt es weiter in dem Text. Bei den Angegriffenen handele es sich darüber hinaus nicht um Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, sondern um „Angehörige einer politischen Sekte“. Gemeint ist damit vermutlich die antideutsche Linke. Die Gruppe hat angekündigt, ihre „Solidaritätsaktionen“ fortzusetzen.

11 thoughts on “Göttingen: Polizeischutz für Israelfreunde

  1. Die antisemitschen Äusserungen, Sprechchöre, etc. gehen natürlich gar nicht klar, keine Diskussion. Das (angebliche) überwerfen von Kritik an der Staatspolitik Israels auf Jüdinnen und Juden ist ein NoGo und niemals zu tolerieren.
    Sich mit der Staatsflagge von Israel als Provokation dorthin zu stellen, ist allerdings auch ziemlich dumm.

    1. Na ja lieber bob, wir haben so unsere Probleme mit politischen Symbolen. Die Staatsflagge von Israel wird als Provokation empfunden, während das Palituch in den 70er und 80er Jahren das Lieblingskleidungsstück der Deutschen war.Ich erinnere mich noch, wie mit dem Palituch geschmückt, Jassir Arafat im Fernsehen Hasstiraden gegen Israel brüllte.

      Das palituch wird hier (Seite 69):

      http://www.boell.de/de/content/palaestina-und-die-palaestinenser-60-jahre-nach-der-nakba
      auf Seite 60

      wie folgt liebevoll gefeiert:

      Zitat:

      „Um den aufständischen Bauern auch in den Städten Schutz vor Entdeckung zu gewähren, und um die Solidarität der Städter einzufordern, wurden diese von den Aufständischen gezwungen, ihre Feze und Hüte mit der kufiyeh zu vertauschen………………………………………..Als Jassir Arafat in den 1960er-Jahren die kufiyeh zu seinem Markenzeichen machte, knüpfte er zum einen an den bewaffneten Kampf der Bauern-Generation von 1936 an. Zum andern aber sollte die kufiyeh auch die Erinnerung an einen Augenblick der Einheit wecken, als zumindest die Männer, Bauern und Städter, Christen und Muslime, Arme und Reiche sich unter dieser ländlichen Kopfbedeckung im Kampf vereinten.

      Zitat Ende

      Matthias Küntzel beschreibt hier (24. Absatz):

      http://www.matthiaskuentzel.de/contents/von-zeesen-bis-beirut

      in weniger blumigen Metaphern die Realität, des von Deutschen so geliebten Palituchs:

      Zitat:

      „Brachial führten sie in den von Juden und Briten „befreiten“ Zonen neue Kleiderordnungen und Scharia-Gerichte ein und liquidierten „unislamische“ Abweichler in großer Zahl. Bewundernd berichtete 1943 ein deutscher Biograf des Mufti über die Erschießung palästinensischer Araber, die sich mit der Weigerung, die Kaffiyah zu tragen, dem Zwang zur Unterordnung widersetzten.“

      Zitat Ende

      Ich habe im öffentlichen Raum nie gesehen, wie die Symbolik des Palituchs ähnlichen Anlass zum Unmut erregt hat, wie die Symbolik der Staatsflagge von Israel.

      Der feine Unterschied!

  2. Wer sich von einer Israel Flagge dazu aufgefordert sieht Personen an zu greifen der zeigt doch ganz genau was er ist.

    1. man braucht sich nicht wundern wenn man sich mit der Flagge von der Regierung die Zivilisten tötet, vor eine Demo stellt die dagegen protestiert das diese Regierung Zivilisten tötet.

  3. dumm ist es, für frieden in gaza zu demonstrieren und selber schon in göttingen keinen frieden halten zu können, weil man sich von einer israelischen fahne provoziert sieht.

  4. „Die heutige Kundgebung zeigte aufs Neue, dass es bei den sogenannten Friedensdemonstrationen keinesfalls um die Menschen in Gaza geht, sondern einzig darum, dem Hass auf Israel und Juden eine Plattform zu bieten.“

    Ja, wer wirklich glaubt angesichts der Unmengen von Toten in Gaza, dass die Menschen, die derzeit gegen die israelische Agression auf die Straße gehen, nur darauf gewartet haben, endlich ihren Antisemitismus zeigen zu können, dem darf getrost ein hermetisches Weltbild unterstellt werden …
    Die gestern von Israelis in Berlin veranstaltete Demo gegen den Gaza-Feldzug war sicher auch nur die Möglichkeit, jüdischen Selbsthass zu demonstrieren oder irgendwas in der Art …

  5. es muss mal schuss sein mit dieser aufrechnerei(arrafat hat hier-lieberman hat dort.
    das erinnertmich an die frage was zuerst da war die henne oder das ei.allein anhand der wortwahl läßt sich ablesen das vielen antifas das leben der menschen dort völlig egal ist solange die toten nur genug material für deine dogmatische ideologie liefern und man sich sinnlose argumentations und provokationduelle liefern kann.ich kann WIRKLICH jedem deiner argumente,eins aus dem antiimplager gegenüberstellen und umgekehrt.die haben wir alle schon vielzuoft gelesen.im rechtfertigen von mord und totschlag für die jeweils näherstende seite sind antideutsche und atiimps nicht mehr zu unterscheiden.aber keine von beiden seiten versucht mal ernsthaft sich auf die seite des frieden und des lebens zu stellen.
    versucht es alle mal mit emphatie und versucht euch mal in die lage der menschen in gaza zu versetzten die dort geiseln mehrerer faschistoiden terrorgrupen sind und an die zivilisten in israel die die raketen ertragen müssen nur weil die rechten siedler parteien jeden friedesschluss ablehnen und deshalb als minderheit die regierung zu“kontraproduktiven handlungen“zwingen.
    allein die vorstellung von einen homogenen judenstaat oder homogenen palestinensern ist absurd.20% der einwohner israels sind muslime und 25% der aesinenser sind christen oder ähnliches.
    http://www.israel-nachrichten.org/archive/5877
    wer für den frieden ist stellt sich nicht auf die seite einer kriegspartei,egal wo.

    in diesem sinn shalom

    ps.Kaffiya oder Kufiya zwei begriffe für das selbe tuch

  6. der schmerz über die vielen toten teilweise verwante,läßt viele menschen unrational handeln
    und das sich in die friedensdemos immer wieder auch antisemiten“verirren“ die ihre eigenen ziele verfolgen und diese aus falscher solidarität nicht ausgeschossen werden ist sicherlich kritikwürdig bzw sote deutich kritisiert werdendas war aber keine kritik das war provokation.
    und den magendavid nur zu benutzen um seine schadenfreude über noch mehr tote zum ausdruck zu bringen und noch nichtmal den anstatt haben um die israeischen zivilisten zu trauern und statt dessen seine islamphobie hinter eine angeblichen israesolidarität zu verstecken ist wiederlich und schadet dem ansehen israels.es sugeriert das juden hinter der fahne stehen,es sind aber hauptsächlich deutsche oder solidarkonvertiten,also in unsere synagoge kommen die nicht rein
    die konfikte innerhalb der linken in deutschland sollten über deutsche probleme und ohne sich hinter dem konflikt zu verstecken ausdiskutiert werden.ich als jude möchte nicht für eine obskurse ideologie eines wertmüllers missbraucht werden.
    das sich auf der strasse prügel wie hooligans nützt doch nur den nazis.
    weder die nationareligiöse faschistische hamas noch die rechtskonservative/rechtspopulistische regierungkoalition gibt was auf eure gegenseitige provodemos.sie sind reiner selbszweck

  7. Müsste man vor, auf und nach einer Friedensdemo nicht eigentlich friedlich sein und ohne fliegende Flaschen und Fäuste auskommen?
    Und wie sieht eure „Endlösung“ für diesen Konflikt aus? Alle geben die Waffen ab und haben sich dann ganz schrecklich doll lieb? Die UN-Blauhelme besetzen Gaza, Westjordanland und Israel?
    Es ist immer schön zu sehen wenn Menschen auf die Strasse gehen aber immer nur dagegen oder dafür ohne eigene Vorschläge zur Konfliktlösung zu haben ist lächerlich zumal es sich beim Nahostkonflikt um einen religiösen handelt.
    Ich sach nur mal an die Linke gerichtet: „No Border No Nation….oder Kein Gott, Kein Staat,…“
    Und warum demonstriert ihr nur für einen Frieden in diesem Konflikt bzw. für Palästina oder Israel aber nicht dafür das z.B. im Irak, Sudan, oder oder oder die Kriege aufhören? Wie zuviel Religion in diesen Konflikten und nicht in Nahost?

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