NPD-Event in Gera: Rock für die Wahlkampfkasse

Bereits zum 12. Mal findet am kommenden Samstag in Gera das neonazistische „Rock für Deutschland“ statt. Doch so langsam scheint auch die Neonazi-Szene gelangweilt von den Rechtsrock-Großevents. Auch dieses Jahr wird es wieder zahlreichen Protest gegen die extrem rechte Veranstaltung geben.

Von Felix M. Steiner

"Rock für Deutschland 2012": Bühnen-Deko mit klarer Botschaft (Foto: M.S.)
„Rock für Deutschland 2012“: Bühnen-Deko mit Anspielung zum „NSU“ (Foto: M.S.)

In Thüringen kann man mittlerweile von einer wahren Rechtsrock-Tradition sprechen. Egal ob Konzerte, Versände oder Open-Airs, seit weit mehr als einem Jahrzehnt fühlt sich die Rechtsrock-Szene hier wohl. Und bereits zum 12. Mal ist am 5. Juli 2014 das sogenannte Rock für Deutschland in Gera angemeldet. Schon die im Jahr 2000 verbotene Organisation „Blood & Honour“ hatte einen Teil ihrer Strukturen in der ostthüringischen Stadt, womit die Szene dort seit Jahren feste Wurzeln aufweist. Seit 2003 reisen manchmal tausende, meist aber zumindest hunderte Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet nach Gera, um dort bei menschenverachtender Musik und alkoholfreiem Bier zu feiern. Die letzten Jahre stabilisierte sich die Zahl der angereisten Neonazis nach einem starken Rückgang bei rund 700. Für die als Veranstalter agierende NPD sind die Rechtsrock-Großevents sowohl eine wichtige Einnahmequelle, als auch ein bedeutender Teil des „Kampfes um den organisierten Willen“. Hier werden nicht nur tausende Euro in die Wahlkampfkasse gespült, sondern auch die freie neonazistische Szene und das subkulturelle Umfeld mit einer extrem rechten Erlebniswelt bedient. Gerade vor dem anstehenden Landtagswahlkampf in Thüringen dürfte die Veranstaltung also von nicht zu unterschätzender Bedeutung sein. Die NPD kündigte bereits mehrfach eine „Materialschlacht“ an und wirbt gleichzeitig offensiv für Spenden und sucht Darlehensgeber, um den Wahlkampf zu finanzieren. Gänzlich scheint der geplante Wahlkampf also noch nicht finanziell abgesichert zu sein.

Wichtige Funktion für die Szene

Alles was das "braune Herz" begehrt: Braunes Shopping in Leinefelde 2014 gegen Überfremdung, Foto: Felix M. Steiner
Alles was das „braune Herz“ begehrt: Braunes Shopping in Leinefelde 2014 gegen Überfremdung, Foto: Felix M. Steiner

Die größte Bedeutung dürfte das Rechtsrock-Event ohnehin für die Szene selbst haben. Neben den finanziellen Aspekten für die NPD und der Schaffung einer extrem rechten Erlebniswelt erfüllt die Veranstaltung zahlreiche weitere Aspekte, die die Szene stärken. Besonders für das subkulturelle Umfeld der extrem rechten Bewegung sind die Konzerte wichtige Schritte auf dem Weg zu einer Politisierung. Die menschenverachtende Musik und die Propagandareden werden somit bei jedem Besuch zum Teil eines Sozialisations- und Politisierungsprozesses für in der Szene noch nicht fest verankerte Menschen. Hinzu kommt, dass die Veranstaltungen einen großen Freiraum für extrem rechte Propaganda bieten. So sind auch dieses Jahr neben dem Bühnenprogramm zahlreiche Versände, Labels und andere Organisationen zu Gast: Hier werden CD`s und Kleidung verkauft und für andere Organisationen oder Veranstaltungen geworben.

Ähnlich wie Demonstrationen dürften die Veranstaltungen auch einen stärkenden Effekt für die Szene haben. Gemeinsam mit hunderten Kameradinnen und Kameraden in Gera direkt am Hauptbahnhof zu feiern ist wohl auch ein Motivationsschub, der nicht zu unterschätzen ist. So gelten Veranstaltungen wie in Gera auch als Treffpunkt- und Netzwerkräume. Man „trifft alte Kameraden“ oder vernetzt sich mit neuen, wodurch die Szene eine weitere Festigung erfährt.

„…aber für eine Veranstaltung mit dem Programm Geld bezahlen?“

Die Szene scheint jedoch von den immer gleichen Veranstaltungen mit den oft gleichen Bands langsam ermüdet zu sein. Bei den seit Jahren stattfindenden Rechtsrock-Events in Thüringen sinken die Teilnehmerzahlen bzw. bleiben auf niedrigem Niveau konstant. Auch in Gera ist das der Fall. Nach einem Hoch mit drei bis vier tausend Neonazis im Jahr 2009 hat sich die Zahl der Teilnehmer in den letzten zwei Jahren bei rund 700 festgefahren. Auch intern wird an der Veranstaltung immer mehr Kritik laut. So heißt es in einem Neonazi-Forum:

Ohne jetzt jemanden beleidigen zu wollen, aber für eine Veranstaltung mit dem Programm Geld bezahlen? Ich lade meine Verwandtschaft auch nicht großfressig zum Familienfest ein und dann gibt es nur Schnitzel mit Pommes.

Und was die Szene über die Bands zu denken scheint, setzt sich bei der Rednerliste fort. So findet sich auf der Liste kaum ein extrem rechter Funktionär, der als Redner überregionale Bedeutung aufweist. Mit dem Veranstalter Gordon Richter, dem Versandhändler Patrick Weber aus Sondershausen, NPD-Kader Matthias Fiedler aus dem Eichsfeld und dem kaum bekannte NPD-Funktionär Hendrik Heller aus dem Wartburgkreis sind es eher regionale NPD-Funktionäre, die als Redner auftreten. Mit Tony Gentsch wird sogar noch ein Redner der NPD-Konkurrenz der Kleinstpartei „III. Weg“ als angekündigt.

Auch der obligatorische FRanck Rennicke darf in Gera nicht fehlen, Foto: Felix M. Steiner
Auch der obligatorische Frank Rennicke darf in Gera nicht fehlen, Foto: Felix M. Steiner

Dennoch ist zu erwarten, dass auch am kommenden Samstag wieder hunderte Neonazis auf dem Bahnhofsvorplatz in Gera feiern werden. Dabei ist es kaum zu erwarten, dass es einen eklatanten Anstieg der Teilnehmerzahlen geben wird.

„Nazikonzert verhindern“

Das Programm der Gegenproteste
Das Programm der Gegenproteste

Auch in diesem Jahr sind in Gera zahlreiche Gegenaktionen geplant. Bereits am 3. Juli wird ein Protestcamp am Bahnhof beginnen, welches das Ziel hat, das „Rock für Deutschland“ zu verhindern. Angemeldet ist das Protestcamp vom Abend des 3. Juli bis zum 5. Juli um 21 Uhr. Besonders beim „Camping“ wird es also davon abhängen, möglichst viele Menschen zu mobilisieren. Am Tag selbst wird es ab 10 Uhr rund um den Hauptbahnhof in Gera zahlreiche Protestaktionen gegen das Rechtsrock-Spektakel geben. Eine Mischung aus Musik, Reden, Theater und Poetry-Slam soll für den Tag ein Kontrastprogramm stellen.

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