Aktenschlamperei sorgt offenbar für Entlassungen bei NPD

Die NPD hat chronisch klamme Kassen. Auch deshalb, weil immer wieder Fehler bei der eigenen Abrechnung Strafzahlungen zur Folge hatten. Nun ist der Partei ein „Grundschuldbrief“ abhanden gekommen, der die Mitarbeiter der Parteizentrale wohl ihren Job kostete.

 Von Stefan Schölermann NDR Info, für tagesschau.de

Die Parole sollte eher: Weg mit den Euros lauten...
Die Parole sollte eher „Weg mit den Euros“ lauten…

„Der Vorgang ist überaus peinlich und das Schlimmste ist: Das Problem ist hausgemacht.“ So urteilt ein ranghohes NPD-Mitglied über einen Vorfall, der die braune Gruppierung in eine schwere Krise gestürzt und sämtliche Mitarbeiter in der Berliner Parteizentrale jetzt ihre Jobs gekostet hat.

Alle acht hauptamtlichen sowie diverse „geringfügig Beschäftigte“ erhalten nach Informationen von NDR Info seit Ende der Woche ihre Kündigung in Händen, weil in der Parteikasse wieder einmal Ebbe zu erwarten ist und die Gehälter nicht mehr gezahlt werden können.

Zwar passiert es nicht zum ersten Mal, dass die bei der NPD in Lohn und Brot stehenden Mitarbeiter zwischenzeitlich „stempeln gehen“ müssen weil ihr Arbeitgeber am Monatsende die nötige Barschaft nicht beschaffen kann. Diesmal aber wirft der Vorfall ein deutliches Schlaglicht darauf, wie in jener Partei, deren Parolen immer wieder von „Ordnung und Sauberkeit“ dröhnen mit wichtigen Papieren und Dokumenten umgegangen wird: Manche sind schlicht und ergreifend unauffindbar – selbst wenn sie für die Partei einen Gegenwert in sechsstelliger Höhe verkörpern.

Konkret geht es um einen sogenannten „Grundschuldbrief“ – ein Papier, dass sich der 2009 verstorbene Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger aus Hamburg als Sicherheit für Darlehen an die Partei hatte aushändigen lassen – ein Darlehen in Höhe von rund 200 000 Euro. Dieses Darlehen dürfte Riegers Wahl in den NPD- Bundesvorstand schon damals erheblich erleichtert haben. Mit diesem „Grundschuldbrief“ belastete die NPD ihr Haus in der Berliner Selenbinderstraße, um die Rückzahlung des Kredites zu garantieren.

Zwar ist das Darlehen längst getilgt, der „Grundschuldbrief“ müsste also längst wieder im Parteibesitz sein. Doch niemand weiß zur Zeit, wo er ist. Eine „ Hausdurchsuchung in eigener Sache“ blieb nach Informationen von NDR Info ohne Ergebnis, wie Anfragen bei früheren Vorsitzenden der rechtsextremen Partei. „Wo das verflixte Papier ist, weiß niemand“, heißt es dazu in internen Kreisen.

Der neue NPD-Parteivorsitzende Udo Pastörs, Bild: Publikative.org
Der neue NPD-Parteivorsitzende Udo Pastörs, Bild: Publikative.org

Dabei wäre das Dokument gerade jetzt für die chronisch klamme Parteikasse so wichtig wie selten zuvor. Es wäre die einzige Möglichkeit, um an wenigstens einen Teil der Parteifinanzierung heranzukommen, die der NPD nach dem Debakel um fehlerhafte Parteibilanzen seit Sommer vergangenen Jahres vorenthalten werden. Der „Grundschuldbrief“ könnte der Bundestagsverwaltung, die diese Gelder regelmäßig auszahlt, als Sicherheit für noch ausstehende Forderungen angeboten werden. So war der Plan – doch das Vorhaben hat sich ohne dass entsprechende Papier erledigt. In der Konsequenz bedeutet dieses Vorfall, dass die NPD zur Zeit wegen erkennbar mangelhaftem Einblick in den eigenen Dokumentenbestand nicht einmal in der Lage ist, das eigene Haus in Berlin als Sicherheit zu verpfänden. Die Zeche zahlen jetzt die entlassenen Mitarbeiter. Ob das für den einen oder die andere von ihnen Anlass ist, über die Seriosität des Arbeitgebers einmal grundsätzlich nachzudenken, ist bislang nicht bekannt. Von der NPD war bisher keine Stellungnahme zu erhalten.

3 thoughts on “Aktenschlamperei sorgt offenbar für Entlassungen bei NPD

  1. Ganz so schlimm wie Sie tun ist der Vorgang eigentlich nicht. Es kommt in jedem Büro vor dass Unterlagen verlegt worden sind, so kann es auch mit einem Grundschuldbrief geschehen.
    Wahrscheinlich handelt es sich um eine Eigentümergrundschuld, die relativ leicht aufbietbar ist und dann nach Ungültigerklärbarkeit neu aus gefertigt werden kann..
    Also wir brauchen uns keine „größeren Sorgen“ um die NPD zu machen.

    1. Naja, wenn das Papier so wichtig ist,die Entlassung der Parteizentralenelite zu verhindern ,sieht das schon ein wenig anders aus,vor allem ,wenn es seit Jahren parteiinterne Mahnungen gab,das Papier endlich zu besorgen….avanti dilettanti

  2. gerüchteweise wurde ein nicht näher bezeichneter schuldbrief als kaution bei der anmietung einer trinkhalle auf einer spanischen ferieninsel hinterlegt… 😉

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