#Hoodiejournalismus? Wie wär’s denn mal mit Inhalt?

Ja, es gibt ihn, den Altherren-(Nicht-)Gönnerstyle mancher Redakteure, die gleichzeitig Anteilseigner, Fernsehchefs oder Genossenschafter sind – und jedem Online-Kollegen stets mit derselben „charmanten“ „Na, Sie kleiner Racker“-Attitüde begegnen. Derselbe Schlag von Männern begegnet übrigens in exakt derselben Art auch gerne allen Frauen im Job, allen Menschen mit Migrationshintergrund oder sonst irgendeinem Wesen, das nicht der eigenen Vorstellung des Normsubjekts (ergo: man selbst) entspricht. Augenhöhe? Nein, danke! Wenn mich allerdings irgendetwas noch mehr auf die Palme bringen kann als diese Art traditioneller Snobismus, dann sind es selbstgefällige Selfies in Kapuzenpullis. Daher: ein Rant.

Von Andrej Reisin

Doch bevor wir zur aktuellen Pullover-Mode kommen, der Reihe nach: Die „Zeit“ hatte berichtet, dass es bei Ressortleitern und Redakteuren der „Süddeutschen Zeitung“ offenbar Widerstände dagegen gibt, Stefan Plöchinger, seit 2011 Leiter von süddeutsche.de, zum Mitglied der Chefredaktion der gesamten Zeitung zu machen. Laut „Zeit“ stößt sich die Runde daran, dass Plöchinger sich bisher zu wenig journalistische Meriten verdient habe, also nicht durch große Geschichten aufgefallen sei, sondern lediglich durch „Selbstbewusstsein“ und Organisationstalent bei der Neustrukturierung des Online-Auftritts der SZ. Außerdem spiele beim fehlenden Stallgeruch Plöchingers auch eine Rolle, dass dieser „Kapuzenpulliträger” sei.

Harald Staun legte dann in seiner Kolumne in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ noch einen drauf, indem er nach kurzer Wiedergabe des „Zeit“-Artikels einen an Blasiertheit tatsächlich schwer zu überbietenden Satz zu Papier (sic!) brachte: „Wobei ja vielleicht wirklich nichts dagegen spricht, einen Internetexperten in die Führungsriege der Zeitung aufzunehmen. Wäre es aber dann nicht sinnvoll, auch einen Journalisten in die Chefredaktion von Süddeutsche.de zu holen?

Seit Sonntag: Nur noch Qualität im Netz

An der Stelle platzte dann vielen Kollegen, die hauptsächlich oder ausschließlich online arbeiten, der Kragen: Sie wollten sich „nicht länger unqualifiziert einen aufs Maul geben lassen„, wie der Online-Branchendienst Meedia meint. Und deshalb haben sich die versammelten Onliner der Republik hinter „uns Plöchinger“ geschart und schreiben seit Sonntag einen Pulitzerpreis-verdächtigen Artikel nach dem anderen. Online only, versteht sich.

Ein Hoodie. (Foto: http://www.flickr.com/photos/redesignyourshirt |CC BY-SA 2.0)
Hoodie: 2014 hierzulande etwa so rebellisch wie die Toten Hosen und die CDU. Nicht, dass die Online-Punks am Ende noch Jeans tragen. (Foto: http://www.flickr.com/photos/redesignyourshirt |CC BY-SA 2.0)

Sorry, just kidding. Denn was tun die (ganz überwiegend männlichen) Online-Alphatiere – latürnich! – stattdessen? Sie twittern unter dem Hashtag #hoodiejournalismus – und veröffentlichen Fotos von sich im Kapuzenpulli. Und selbstredend gibt es schon einen entsprechenden Tumblr-Blog. Dankenswerterweise hat das Hip-Hop-Duo „Zugezogen Maskulin“ zu solchen Phänomenen in anderem Kontext schon alles gesagt: „Undercut, Tumblr-Blog – nix zu erzählen„.

Womit wir beim Kern des Problems wären: Denn warum verwechselt Staun „Internetexperte“ und „Journalist“ oder suggeriert zumindest, die beiden Begriffe schlössen einander aus? Warum wird „online“ (oder was man dafür hält) in so vielen journalistischen Institutionen (und zwar keineswegs nur bei den „Holzmedien“, sondern genauso im Radio oder Fernsehen!) immer noch stiefmütterlich behandelt? Ja, ja, die Arroganz des Establishments spielt dabei ohne Zweifel eine Rolle. Und Strukturprobleme. Und Öltanker sind halt nur langsam zu drehen. Und so weiter und so oft und so zahlreich schon beklagt.

Staun hat ungewollt Recht

Leider aber gilt mindestens im gleichen Maße, dass „Online-Journalisten“ häufig genug vor allem eins machen: alles so schön bunt. Von den derzeit (genau wie jederzeit) auf sueddeutsche.de namentlich gekennzeichneten Artikeln ist die Mehrheit von Journalisten, die ihre Artikel vor allem für die Zeitung schreiben – und die sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht selbst „online stellen“, sondern sie einem „Onliner“ zuschicken, der sie dann für online „produziert“, wie es im Jargon gerne heißt. Damit aber schrumpft die Rolle dieser „Onliner“ auf diejenige von „Produzenten“ – womit sie vollkommen zu Recht nicht als „Journalisten“ im engeren Sinne bezeichnet werden.

Meine kleine Privat-Wette an dieser Stelle: Nahezu jeder „Online-Job“ im Journalismus, egal, ob bei sueddeutsche.de oder bei taz.de, beim „Online-Auftritt“ einer Fernsehsendung oder eines Radiosenders besteht zu einem gewissen Teil, meist jedoch zu einem Großteil daraus, die Inhalte anderer Leute zu „produzieren“. Wenn aber zwei Drittel aller „Onliner“ zu zwei Dritteln ihrer Zeit „Webseiten bauen“, auf die sie die Artikel, Beiträge, Filme anderer Leute „einpflegen“ und mit Bildern, Links, Hintergrundinfos, Agenturmaterial, Audios und Gott weiß was anreichern, dann hat das mit Journalismus so viel zu tun wie die Schlussredaktion einer klassischen Zeitung oder Zeitschrift. Man liest gegen, korrigiert, platziert (setzt), sucht Bilder (oder beauftragt Bildredaktionen mit selbigem), schneidet in Photoshop und Premiere rum, verlinkt, bedient Content Management Systeme und bestückt Webseiten. Man schreibt aber nicht seinen Namen unter die Titelgeschichte der „Süddeutschen Zeitung“ – und zwar weder on- noch offline (letzteres schon gar nicht).

Jetzt könnte man einwenden, dass die meisten Chefredakteure dies auch nicht tun, was stimmt, aber zumeist haben sie zuvor durchaus. Und vor allem: 99 Prozent der genannten „Onliner“ in den genannten Jobs sind keine Chefs a la Plöchinger, sondern sitzen tatsächlich im Bauch des Schiffes und rudern. Völlig zu Recht fragt Christoph Kappes daher, warum es keine Sachdebatte über inhaltliche Schwächen des Mediums „Online“, keine Diskussion über Arbeitsbedingungen gibt, sondern „ein Konflikt um Macht und Geld am Ende in einer popkulturellen Veranstaltung mündet„. Word.

Darin aber liegt eine der Antworten auf die Frage nach der Wahrnehmung von Staun. Der Mann hat ganz einfach nicht ganz Unrecht. Von „Spiegel Online“ einmal abgesehen sind die meisten anderen Online-Plattformen zu großen Teilen Abspielstationen für Content, der für Zeitung, Zeitschrift, Radio oder Fernsehen beauftragt und produziert worden ist. Nicht umsonst sollen die Grabenkämpfe mit „Nordkorea“ (wie „Spiegel“-Chefredakteur Wolfgang Büchner die Print-Ausgabe angeblich genannt hat) beim „Spiegel“ besonders heftig toben. Im allerbesten Falle verschmelzen die Formate und große Geschichten werden on- und offline von denselben Autoren betreut. In der Mehrzahl der Fälle aber eben (noch?) nicht.

„Innovativ“, „witzig“, „ironisch“, „kreativ“… ja, und?

Hoodie? Unser Autor bevorzugt beruflich den Anzug. Aus Gründen. (Foto: © Andrej Reisin / Publikative.org / Alle Rechte vorbehalten)
Hoodie? Unser Autor bevorzugt beruflich den Anzug. Aus Gründen. (Foto: © Andrej Reisin / Publikative.org / Alle Rechte vorbehalten)

Die wichtigen Inhalte, die großen Stories werden eben somit nach wie vor von Journalisten geschrieben, gedreht und erzählt, die nicht vornehmlich als „Onliner“ wahrgenommen werden, was natürlich auch mit den Möglichkeiten Geld zu verdienen zu tun hat. Häufig genug müssen sich „Onliner“ damit begnüngen (und schlimmstenfalls gefallen sie auch noch darin) einen besonders „witzigen“ oder „originellen“ Zugang zu bereits existierenden Themen oder politischen Auseinandersetzungen zu finden, um mit etwas „Eigenem“ zu reüssieren. Dieses „Eigene“ aber ist häufig eben nur unpolitisches, irrelevantes Rumgenerde. Ein Augenzwinkern für Eingeweihte, eine Nachricht auf den Kreativ-Klowänden des Internets: „Guck mal, ich habe eine interaktive Karte gebastelt, mit allen vermissten Flugzeugen in der Geschichte der zivilen Luftfahrt.“ Lob vom Chef, Applaus auf Twitter, danke, husch, husch ins Körbchen.

Solche Gimmicks sind typisch für eine ganzes Spektrum an „Onlinejournalismus“, der sich als „crossmedial“ und „trimedial“, als „Visualisierung“ und „Datenjournalismus“ zwar permanent neu erfindet, aber vor allem damit auffällt, die hübsche Verpackung für Stories zu liefern, die anderweitig entstanden sind. Die investigative Recherche, die große Reportage, die tiefe inhaltliche Auseinandersetzung und die großen Debatten muss man leider nach wie vor anderen überlassen – oder tut es sogar freiwillig, erst Recht jenseits der etablierten Medienunternehmen. Wenn man sich in Blogs und Online-Formaten umschaut, muss man sich fragen, was „online“ im deutschen Journalismus 2014 an originär eigenen Inhalten zu bieten hat? Natürlich gibt es halbwegs gelungene Beispiele wie „Jung & Naiv“ – Nomen est omen. Aber welt- oder auch nur republikbewegend?

Wo bitte sind sie spektakulären Enthüllungen, die großen Stories, die vernetzten Produkte, die crossmediale Recherche, die unabhängigen Plattformen, vor allem aber: Wo ist die politische, gesellschaftliche – und somit journalistische Relevanz? Mit staunenden Augen schaut man zu, wie der politische Journalismus der „Old Boys“ angesichts von großen Themen wie der Krim-Krise fest im Sattel sitzt (oder sogar: zurückschlägt?), wie marginalisiert „Netz-Themen“ als solche verhandelt werden (nämlich unter: ferner liefen), während „Onliner“ im Hoodie vermissten Flugzeugen hinterher tickern (der Live-Ticker als Online-Leitkultur*) – und davon auch noch Selfies bei Instagram hochladen. Substanz, Tiefe, Analyse, Gewicht? Da zieht man die Kapuze lieber nochmal etwas tiefer ins Gesicht …

Offenlegung: Andrej Reisin ist freier Journalist und arbeitet vor allem als „Onliner“ für den Norddeutschen Rundfunk (NDR).

*Stefan Niggemeier hat zum Liveticker auf derselben FAS-Seite, auf der Stauns Kolumne zu finden ist, übrigens eine aktualisierte inhaltlich hervorragende Abrechnung mit dem Phänomen Liveticker geschrieben. Leider ist diese nicht online verfügbarKorrektur: jetzt doch! – und interessierte offenbar auch auffällig wenige „Online-Journalisten“. Oh, the irony …

14 Kommentare zu „#Hoodiejournalismus? Wie wär’s denn mal mit Inhalt?

  1. Du beschreibst sehr eloquent und mit vielen Wahrheiten den Status Quo. Die Berufung von Online-Kollegen wie Plöchinger und Anita Zielina (Stern) in die Print-Chefredaktionen soll aber genau diesen Status Quo aufbrechen. So zumindest die Hoffnung.
    Es sollte das Ziel sein, den Journalismus der erfahrenen Old Boys ins Internet zu transferieren. Denn wer weiß, vielleicht gibt es ja in absehbarer Zeit kein (tägliches) Papiermedium mehr, in dem Sie ihren Zungenschnalz-Journalismus verbreiten können… Die Mauer zwischen Online und Print muss weg, denn die politische Relevanz hängt nicht vom Trägermedium ab, sondern von den klugen Köpfen (sic!), die recherchieren, kommentieren und enthüllen. Einige Medien wie z.B. die Welt mit ihrer Online-First-Strategie haben das bereits erkannt.
    Im übrigen gab es auch bei Print schon immer die Arbeitsbienen des Journalismus, die nicht die großen Seite-3-Stories geschrieben haben, sondern genau das täglich tun, was Du hier als onlinetypisch beschrieben hast, nämlich produzieren.

    P.S. Die Hoodie-Selfies waren für mich ein riesengroßer Spaß, den man keinesfalls zu ernst nehmen sollte 😉

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    1. @Karsten Lohmeyer:
      Ja, klar, verstehe und unterschreibe ich alles. Ich glaube nur, dass die Hierarchien, im Hinblick auf die „großen Seite-3-Stories“ und die „Arbeitsbienen“ auch schon immer ähnlich verteilt waren. Und: Dass es halt schon wichtig ist, warum ich was im Journalismus wie machen will.

      Ich würde jetzt mal behaupten, die Motivation zur SZ zu wollen, war immer auch vielleicht irgendwann mal die Seite 3 oder das Streiflicht oder den Aufmacher zu schreiben. Also für eine Story zu brennen. Relevanz haben zu wollen. Adrenalin. Wirkung. Sicherlich immer auch Eitelkeit, manchmal leider auch nicht gerade wenig. Für den Erfolg des Gesamtprodukts waren waren Schlussredaktion, Balken und Layouter etc.pp. immer schon mit entscheidend, aber das war nicht die journalistische Motivation zu SZ zu wollen. Im „Onlinejournalismus“ vermischten sich diese Tätigkeiten aber von Beginn an – und trotz aller Professionalisierung tun sie dies auch knapp 20 Jahre später noch.

      Es ist jetzt eine sehr interessante Frage, inwieweit damit eine neue Vorstellung von „Journalismus“ verknüpft ist – oder inwieweit dies in einer immer ausdifferenzierteren, immer spezialisierteren, immer arbeitsteiligeren Wirtschaft eigentlich ein unannehmbarer Rückschritt ist. Klar ist retrospektiv jedenfalls, dass ein Woodward sich nicht in der Weise auf „seinen“ Journalismus hätte konzentrieren können, wenn er gleichzeitig noch die Zeitung hätte „produzieren“ müssen. Klar ist auch, dass das Fernsehen nicht besser wird, wenn die Autoren auch noch selbst sprechen, schneiden und mischen sollen.

      Aber das magische „Online“ soll künftig all das und noch viel mehr sein – und dazu noch inhaltlich komplexer und mit noch besserem Storytelling? Das scheint mir noch nicht ganz ausdiskutiert – oder auch daran habe ich berechtigte Zweifel. Und die Tatsache, dass nahezu alle Onliner, die mir bekannt sind, vor allem viel produzieren müssen (selbst wenn es die eigenen Inhalte sind), kann nicht ohne Wirkung auf die Zeit und die Qualität dessen sein, was sie journalistisch leisten können. Bei mir ist es jedenfalls so. Und in dieser Hinsicht hat eine wirkliche inhaltliche Auseinandersetzung noch nicht mal angefangen imho.

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  2. 1. Also bei süddeutsche.de schreiben recht viele Leute direkt für Online, siehe Impressum http://www.sueddeutsche.de/app/service/impressum/ – die These, dass die nur Content anderer schaufeln scheint mehr gefühltes Wissen als Tatsachen basiert zu sein; neben SpOn gibt es zB auch Zeit Online, die zwar den gleichen Namen wie das Wochenblatt tragen, aber eine weitgehend eigenständige Redaktion in Berlin haben, eine eigene GmbH sind und – im Gegensatz zu SpOn – wiederrum weniger dpa/Agenturzeugs bringen.

    2. Alles das, was hier über die Redaktionsabläufe bei online geschrieben wird, lässt sich auf alle anderen Medienformate übertragen. Wieviele Leute, die in Print, TV- und Radioredaktionen arbeiten, stellen den wirklich genuinen Content her? Nicht wenige sorgen für Abläufe und Produktion – so what? Auf eine Edlefeder kommen 10 Leute, die den Rahmen schaffen, dass die sich entfalten können.

    3. Ansonsten reproduziert der „Rant“ genau das, was viele „Onliner“ ablehnen bzw. auf den Senkel geht; nämlich diese dämliche Trennung a la „mein Trägermedium ist besser als dein Trägermedium“. Das in launiger Form wiederzukäuen ist ungefähr genauso langweilig, wie der Alltag in den Redaktionen für die meisten Journalisten, die keine Reporter- und Investigativtrallala machen, egal ob in Online oder anderswo.

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    1. @leser:
      Ja, hindert Dich ja keiner daran, interessantere Dinge zu lesen, oder? 😉 Don’t waste your time. Aber zumindest das mit dem Trägermedium erschließt sich mir nicht. Was wäre denn Deiner Auffassung nach mein Trägermedium? Ich arbeite hauptsächlich online. Und zur Arbeitsteilung: Siehe oben (Antwort an Karsten Lohmeyer). Das ist so, aber die Verschiebung ist signifikant.

      „Kleiner“ Nachtrag noch: Dass bei sueddeutsche.de zu jeder Zeit die Mehrzahl der namentlich gekennzeichneten Artikel von Autoren stammt, die im Wesentlichen Print-Autoren sind, dabei bleibe ich. Momentan (25.03., 00:16 Uhr):
      1. Le Pen erntet die braunen Früchte des Zorns = Stefan Ulrich = Print-Autor.
      2. G7 sagen Treffen in Sotschi endgültig ab = Newsblog, nicht namentlich gekennzeichnet.
      3. Missbrauchs-Aufklärung in katholischer Kirche = Matthias Drobinski = Print-Autor.
      4. Oscar Pistorius Prozess in Südafrika = Lena Jakat = sueddeutsche.de
      5. Flug MH 370 Verloren im Meer = Jens Flottau = Print-Autor.
      6. Das Monster lebt = SZ-Magazin = Lorenz Wagner & Alexander Hagelüken = Print-Autoren.
      7. Edathy-Affäre = Robert Roßmann = Print-Autor.
      8. NRW will Salafisten beim Ausstieg aus der Szene helfen = Bernd Dörries = Print-Autor.
      9. Debatte um Zentrum für Islamische Theologie = Nadja Schlüter = jetzt.de
      10. Richter verhängen Facebook-Verbot = Christian Rost = Print-Autor (you better believe it).
      11. Umweltschädliche Frachter = Kristina Läsker = Print-Autorin
      12. Eins, zwei, hier twittert die Polizei = Oliver Klasen = sueddeutsche.de
      13. ZDF-Intendant stellt „Wetten, dass..?“ in Frage = Agentur = namentlich nicht gekennzeichnet.
      14. Bundesliga Bundesliga gegen Torlinientechnik = Philipp Selldorf = Print-Autor.
      15. Computerspiele Playstation-Spiel „Infamous Second Son“ = Matthias Huber = sueddeutsche.de

      Fazit: Von 15 Artikeln über dem Bruch sind 13 namentlich gekennzeichnet, davon sind 9 von Print-Autoren. Das sind nicht nur „die Mehrheit“, wie von mir behauptet, sondern schlappe 69%. Von den 4 originären sueddeutsche.de Texten sind darüber hinaus auch noch 2 (Playstation & Twitter) zu klassischen Online- bzw. Digitale Welt Themen, womit exakt 2 Artikel bleiben, die von sueddeutsche.de (bzw. jetzt.de) Autoren stammen – und die sich Themen von allgemeinem Interesse / Nachrichtenwert widmen (Pistorius & Islam). Ich würde sagen, mein „Gefühl“ täuscht mich nicht und bin gespannt auf Deine Zählung – any given day.

      Zeit Online habe ich genau wie Cicero Online etwas stiefmütterlich behandelt, zugegeben. Aber vergleich da mal die On- und Offline-Honorare und frag Dich, wie und wo mehr journalistische Qualität zu machen ist (gilt für SpOn vs. Heft natürlich genauso). Wobei ich damit nicht sagen will, die Online-Ausgaben zahlten schlecht, aber die Unterschiede sind signifikant. Siehe auch Freischreiber-Persiflage auf ZEIT-Kampagne.

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  3. Staun hatte unbewusst recht. Auch Joffe trifft einen wahren Kern, wenn er schreibt
    das „Mütchen kühlen auf der Olympia Schreibmaschine“. Das würde manchmal auch nicht schaden. (Ich spreche aus Erfahrung 🙂 )
    Was Spiegel angeht ist natürlich eine subjektive Meinung.
    Ich finde persterlloyd http://www.pesterlloyd.net/ klasse. Ein sehr interesantes Beispiel wie es gelungen ist die Qualität der traditionsreichen Printausgabe auf eine onlinemedium umzustellen und aus der Not eine Tugend zu machen.

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  4. Hallo Andrej Reisin,

    Frage: Ist Überschriften machen, Vorspänne schreiben, Fotos betexten und raussuchen – keine Redakteuersarbeit? So was macht der Onliner in der Regel, wenn er die Texte aus dem Blatt fürs Web aufbereitet – also dieselbe Arbeit wie der Printredakteur auch. Wieviele Printkollegen kommen selbst noch zum Schreiben? Prozentual gesehen sicher nicht mehr als in den, personell in der Regel deutlich kleineren Onlineredaktionen.

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    1. Hallo Herr Disch,

      doch natürlich ist das Redakteursarbeit. Es ging mir auch nicht darum, das abzuwerten oder zu sagen, das sei alles „kein Journalismus“. Sondern es ging mir darum, dass es mir wichtiger erscheint, Stauns Missverständnis zu verstehen, anstatt sich in Selbstgefälligkeit zu ergehen, weil man ja „weiß“, dass man irgendwie „die Zukunft“ ist.

      Wenn Sie Chefredakteur des Fernsehens eines großen Senders werden wollen, können Sie im Normalfall zu Recht und sicher davon ausgehen, dass Sie dafür jahrelang „draußen“ waren, mit Kamerateam, bei Wind und Wetter, Nacht und Nebel, als Autor, als Korrespondent, im Inland, im Ausland. Und das hat gute Gründe, denn es ist besser, wenn man den Job, von dem man will, dass andere ihn gut machen, auch selbst gut kann.

      Ähnlich verhält es sich für meine Begriffe mit der Chefredaktion einer Zeitung wie der Süddeutschen. Damit soll wirklich mit keinem Wort gesagt sein, ausgerechnet Stefan Plöchinger sei dafür ungeeigent.

      Aber: Nach meinem subjektiven Eindruck sind viele Onliner eben nicht jahrelang „draußen“ und berichten, sondern sie arbeiten an einer Schnittstelle zwischen Produktion, Format und Content. Oft verarbeiten sie Inhalte anderer, oft auch jahrelang praktisch nur Agenturen.

      Sie wildern dann zum Teil als Semi-Profis in anderen Bereichen, indem sie auch noch Fotos schießen oder Videos drehen, die sie selbstredend auch noch selbst bearbeiten, fürs Netz produzieren, hochladen und online stellen – und zwar weitgehend für vergleichsweise geringe bis lächerliche Honorare, 150€ pauschal für 5.000 Zeichen, plus ein Witz von 25€ pro Bild oder mal 50€ für ein Video. Und hier reden wir schon von den Honoraren der wirklich großen Player.

      Und da ärgert es mich einfach maßlos, bzw. ich finde es geradezu wie eine Bestätigung der Vorbehalte, wenn man dann nicht über Medium, Arbeitsbedingungen und journalistische Qualität reden will, sondern stattdessen lustige Bildchen schießt. Daher ein Rant. Was ja nur der Anfang einer Debatte sein kann.

      Herzliche Grüße
      Andrej Reisin

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  5. „Unpolitisches, irrelevantes Rumgenerde“ ist mein neuer Lieblingsbegriff. Davon lasse ich mir eine Handstickerei anfertigen und hänge es in unsere Redaktion. Thanks!

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  6. Das ist mit der intelligenteste Beitrag, den ich zu diesem Thema in den letzten Tagen gelesen habe. Mich als Print-Redakteurin ärgert diese Print-Gegen-Online-Diskussion, wie sie jetzt geführt wird. Sie ist viel zu sehr auf banale Äußerlichkeiten reduziert, wodurch ein völlig falsches Bild vermittelt wird. Hier werden Gräben ausgehoben, die vorher gar nicht da waren!

    Die Zusammenarbeit zwischen Print und Online funktioniert in der Regel viel besser, als es oft dargestellt wird. Diskussionen über Inhalte gehören zum Tagesgeschäft und sind absolut notwendig, auch in der Zusammenarbeit zwischen Print und Online. Fatal ist es jedoch, wenn man diese kritsche Auseinandersetzung mit Ablehnung verwechselt oder an einzelnen handelnden Personen festmacht. Das scheint für mich eines der Grundprobleme zu sein. Auch eine Streitkultur im positiven Sinn will erarbeitet sein.

    Dass Print und Online zusammenwachsen werden, steht völlig außer Frage. Daran führt auch kein Weg vorbei. Schließlich geht es im Journalismus an erster Stelle um Inhalte, und nicht um den Kanal, über den sie verbreitet werden. Mit Selbstzerfleischung ist niemand gedient.

    DANKE also Herr Reisin!
    Schönen Gruß
    Silvia Liebrich

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