Schweden: Linker Ultra nach Nazi-Angriff im Koma

In Schweden haben mutmaßlich Neonazis einen bekannten Fan von Malmö FF schwer verletzt. Nach Angaben der Ultras wurde Showan Shattak von Neonazis niedergestochen und liegt im künstlichen Koma. Er engagiert sich insbesondere gegen Schwulenfeindlichkeit im Fußball.

Von Patrick Gensing

Showan Shattak ist seit Längerem verhasst in der schwedischen Nazi-Szene. Die rechtsextreme Seite „Realisten“ berichtete im November 2013, hinter der neuen „Homokampagne“ der Malmö-Ultras stehe „der bekannte Linksextremist“ Showan Shattak, der an verschiedenen linken Demonstrationen teilgenommen habe.

Zudem berichtete die Hetzseite, die Kampagne gegen Homophobie im Fußball sei maßgeblich von der aus St. Pauli inspiriert worden.

Die rechtsextreme Seite "Realisten" über "den bekannten Linksextremisten" Shattack.
Die rechtsextreme Seite „Realisten“ über „den bekannten Linksextremisten“ Shattack.

Dass realer Gewalt zunächst Propaganda im Netz vorausgeht, ist nicht neu. Schon des Öfteren haben Rechtsextreme zunächst im Internet gegen Gegner gehetzt – und schließlich folgten Übergriffe – oder Anschläge, man denke etwa an den norwegischen Rechtsextremisten Anders Breivik.

„Niedergestochen und misshandelt“

Die Ultras Malmö veröffentlichten auf ihrer Facebook-Seite am Sonntag ein Bild von Shattak und schrieben dazu: „Alle unsere Gedanken sind heute bei unseren Freund Showan, der in der Nacht in Möllan von Nazis niedergestochen und misshandelt wurde.“ Möllan ist ein Szene- und Ausgehviertel in Malmö.

Showan liege derzeit im künstlichen Koma im Krankenhaus, heißt es weiter. Die Ultras betonten, dass sie in ihrem Stadion niemals Rassismus oder Neonazismus akzeptieren würden.

Foto auf der Seite der Malmö-Ultras auf Facebook
Foto auf der Seite der Malmö-Ultras auf Facebook

Auf Facebook und Twitter wünschten Hunderte Menschen Showan Shattak und seiner Familie viel Kraft. Eine linke Gruppe berichtet auf Twitter, es seien noch mehr Personen durch die Nazis verletzt worden.

Update: Derzeit nicht mehr in Lebensgefahr

Dies schreibt auch das Nachrichten-Portal Sydsvenskan. Dort heißt es, kurz nach Mitternacht seien mehrere verletzte Personen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Zeugen zufolge hatten die Opfer zuvor an einer feministischen Demonstration teilgenommen. Bei den Tätern handele es sich mutmaßlich um Neonazis.

Freunde der Angegriffenen hätten sich in der Nacht vor dem Krankenhaus versammelt. Die Polizei teilte nach Angaben der Zeitung am Sonntagvormittag mit, dass sich der Zustand des am schwersten verletzte Mannes stabilisiert habe und er nicht mehr in Lebensgefahr schwebe.

Dies widerspricht Informationen, die ich aus dem Umfeld des Opfers erhalten hatte. Demnach kämpfte Shattak weiter um sein Leben. Mittlerweile heißt es, Shattaks Zustand sei zwar weiterhin kritisch, aber er schwebe nach zwei Operationen derzeit nicht mehr in Lebensgefahr.

9 mars 2014 from Mohave Media on Vimeo.

„Ingen nazister pa vare gater!“

Viele Nutzer posteten in sozialen Netzwerken die skandinavienweit bekannte Anti-Nazi-Parole „Ingen nazister pa vare gater“ – Keine Nazis auf unseren Straßen. Die norwegische Punk-Band Dead Gerhardsens veröffentlichte das passende Lied dazu, welches mittlerweile zum Klassiker avancierte:

Die Gewalttat dürfte die Diskussion über Neonazi-Gewalt in Schweden und Skandinavien noch einmal anheizen. Die Verbindungen zwischen deutschen und schwedischen Neonazis sind vielfältig. Auch im NSU-Komplex führten zahlreiche Indizien in das skandinavische Land.

Entwurf für Denkmal auf Utöya

Zudem wurde das Nachbarland Norwegen 2011 durch das rechtsextreme Massaker Breiviks erschüttert. Der schwedische Künstler Jonas Dahlberg gewann nun die Ausschreibung für das Denkmal auf Utöya mit einem beeindruckenden Entwurf.

Entwurf für die Gedenkstätte auf Utöya
Entwurf für die Gedenkstätte auf Utöya

Die Insel soll durch einen Graben zerschnitten werden, um den Verlust der Menschenleben zu symbolisieren. Die Namen der Opfer sollen  auf der einen Seite des Grabens eingraviert werden. Die Gesteinsmassen werden nach Oslo transportiert, um eine Verbindung zwischen den Tatorten herzustellen und dort eine Gedenkstätte zu errichten, wie der norwegische Rundfunk berichtete.

Hoffentlich ist es die letzte Gedenkstätten für Opfer von rechtsextremen Gewalttätern, die in Skandinavien errichtet werden muss.

Siehe auch: Die Unsterblichen werden zu den OdödligaMalmö: Polizei fasst mutmaßlichen HeckenschützenSchwedische Neonazis in neuem Gewand