Der Abschied von der Ukraine

Steht ein militärischer Konflikt zwischen Russland und der Ukraine kurz bevor? Putin hat alle nötigen Befugnisse beantragt, zögert aber vor deren Gebrauch. Vor allem zeigt Russland seine Macht: Das Imperium Russland ist zurück.

von Sergey Lagodinsky

Swoboda-Fahnen auf dem Maidan (Foto: http://www.flickr.com/photos/grocap/ |CC BY-NC-ND 2.0)
Swoboda-Fahnen auf dem Maidan (Foto: http://www.flickr.com/photos/grocap/ |CC BY-NC-ND 2.0)

Und plötzlich will er es doch nicht. Wladimir Putin hat zwar die Befugnisse beantragt, zögert aber wohl von ihnen Gebrauch machen. So der Stand Heute. Das bestätigt, was ich längst vermutet habe: Das Rezept Krim heißt „Aufkochen und sofort einfrieren“. Ein eingefrorener Konflikt nützt Putin mehr als einer, der sich ausbreitet. Mit einem Konflikt im Krim ist Ukraine nicht mehr NATO- und kaum EU-fähig. Und wie wichtig muss sich die russische Führung vorkommen: Eine einzige Abstimmung im Oberhaus des Parlaments auf Antrag des Präsidenten versetzt die Welt in eine Schockstarre. Wann war zuletzt solch eine schicksalhafte Wichtigkeit der Entscheidungen aus Moskau für die Weltzukunft spürbar? 1957 in Ungarn? 1968 in Prag? Bei der Kuba-Krise oder doch beim Mauerfall?

Doch lohnen sich die Mühen? Bei einem abgebrochenen Konflikt ist der Nutzen kaum größer als der Schaden. Und dieser Schaden ist zweierlei Verlust: Die gegenwärtige russische Führung hat sich entzaubert und damit gleichermaßen Ukraine wie den Westen verloren.

Der Preis heißt der letzte Rest Sympathie, der letzte Tropfen Hoffnung, das letzte Stückchen Vertrauen in die gegenwärtige russische Führung. Die letzten Illusionen sind verflogen. Olympische Spiele, die am Ende doch selbstironisch und sympathisch rüberkamen werden in die Geschichte als Olympische Vorspiele eingehen – als Vorspann für eine Intervention ins Nachbarland, nur wenige hundert Kilometer von Sotschi entfernt. Und für die Ukrainer? Für viele von ihnen war Russland lange ein unbequemer, aber doch verwandter Nachbar. Jetzt ist Russland ein gefährlicher Feind. Und wird ein solcher für die meisten Ukrainer bleiben.

Und was bedeutet die Eskalation für den Westen? Vieles von dem, was in und um Kiew herum in letzten Wochen gelaufen ist, erinnerte an Spannungen im Kalten Krieg. Beide Seiten haben sich hieran beteiligt. Doch Russland, nicht der Westen hat die Imitation des Kalten Krieges zu Ende gespielt. Militärische Ausdehnung der eigenen Einflusssphäre inklusive. Und damit ist die Phase der Geschichte zu Ende, die mit Perestrojka begonnen hat. Das Imperium Russland ist zurück. Der Kreis ist vollendet. Neues Spiel. Neues „Glück“.

Siehe auch: Maidan: Die Revolution ist vorbei

14 thoughts on “Der Abschied von der Ukraine

  1. @ jewROMAjdan
    Sie scheinen sowohl eine seltsame Definition von Faschismus als auch von Neonazismus und Imperialismus zu haben.

    In der Tat bin ich überrascht nachdem ich ihren Link gelesen habe.
    Überrascht bin ich aber vor allem, dass der israelische Botschafter Dimitry Jarosch empfangen hat.

    Eigentlich sollte mich nichts mehr überraschen.
    Senator Mc Cain, einer der einflussreichsten Israel-Freunde in den USA, ist ja ganz dicke mit Oleg Tyagnibok und das obwohl wie im anderen Artikel erwähnt er vom Simon Wiesenthal Zentrum auf Platz 5 der Antisemiten in 2012 gesetzt wurde. Auch Viktoria Newland hat sich schon mit ihm getroffen.

    Nun geht das weiter und Jarosch wird vom Botschafter eingeladen und distanziert sich ganz offiziell von Antisemitismus. Was kommt wohl als nächstes?

    Ich glaube Sie haben etwas nicht verstanden. Hitler hat auch 1936 die olympischen Spiele ausgerichtet und einen auf freundlich gemacht.
    Der Fehler war, dass ihm das viel zu viele geglaubt haben.
    Wir sollten es heute besser wissen.
    Sie sagen jetzt wie Sergey Lagodinsky Putin hat doch gerade Sotschi inszenziert. Stimmt natürlich. Nicht dass wir uns falsch verstehen. Ich bin kein Putin-Freund.

    Als Jan Karski bei Roosevelt war wollte der Präsident lieber über Pferde sprechen als was in den KZs ablief. Der jüdische UN-Richter Felix Frankfurter glaubte ihm gar nicht.
    Heute können wir sagen das war ein fataler Fehler von diesen beiden Herren.

    Die Swoboda und der Prawy Sektor sind Antisemiten. Sie mögen das als Foklore abtun und sagen die 68er haben auch Mao Bilder gezeigt. Doch es gibt einen Riesenunterschied. Allen in der Ukraine ist bekannt, dass Bandera ein Antisemit war. Allen ist auch bekannt was der Tri-Zub und die rot-schwarze Fahne sowie sonstige Symbolik und Parolen für einen Hintergrund haben. Allen ist auch bekannt welchen Hintergrund der prawy sektor hat. Dennoch wird es verwendet und akzeptiert. Ihre Apologie ist unangebracht. Mit solch einer Apologie könnten sie die schlimmsten Ausfälle verteidigen.

    Solche Leute eine politische Bühne geben und sie damit anzuerkennen und aufzuwerten halte ich für eine fatale Signalwirkung. Mal abgesehen davon was gerade in der Ukraine passiert hat dies auch für uns noch nicht abschätzbare Folgen. Jetzt sagen vielleicht einige. OK Israel verhandelt ja auch mit dem Iran. Aber da geht es darum ein friedliche Lösung zu schaffen. Bei den Gespräch mit Jarosch geht es darum die Illusion zu verbreiten er könne gemäßigt werden und auf westlicher Seite agieren. Das sind ja Gespräche auf Augenhöhe mit Ziel der Partnerschaft. Solche Gesprächesbasis mit Faschisten und Nazis zu haben und dies für gut zu heißen ist für mich ein NO-Go!

    Wenn andere (wie der israelische Botschafter in der Ukraine) solche Fehler, aus welchen Gründen auch immer, wiederholen dann ist das im Gegensatz zu ihnen für mich kein Indiz, dass es kein Fehler ist.
    Wenn der israelische Botschafter in Deutschland Udo Pastörs empfangen würde und der dann irgendwie was einigermaßen diplomatisches Distanzierungen von sich gibt würde ich auch nicht sagen. Da schau her das sind ja gar keine Nazis.

    Sie mögen mir jetzt entgegnen ich würde an die russische Propaganda glauben. Das tue ich nicht. Ich vertraue auf meine eigene Erfahrungen und Lektüre. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht wie sie diesen latent vorhandenen Antisemitimus in der Ukraine und Osteuropa so abtun können.
    Bei der EM war das in BBC und den Mainstream Medien noch ein Riesen-Thema der Hass in den Stadien der Ukraine. Heute sind das alles tapfere Kämpfer für eine gute Sache mit einem berechtigten Interesse. Wenn Fußballfans bei uns so etwas machen würde, dann wäre aber was los in den Medien. Solch eine Assyemetrie irritiert mich massiv.

    Ich frage ich weshalb diese Leute das tun? Weshalb wird diese Assyemtrie betrieben und ihre Existenz ignoriert= Weshalb sind die Leute so naiv wie sie?

  2. Jenseits der Tatsache, dass in der ukrainischen Übergangsregierung rechtsextreme Gruppierungen vertreten sind, ist die Rezeption des ukrainischen Konflikts linken und rechten Medien hierzulande ein wichtiges aber unbeachtetes Thema.

    Beide nehme größtenteils eine eindeutig prorussische und antieuropäische Position ein. Zustimmung für den Maidan findet sich weder auf der einen noch auf der anderen Seite.

    Trotz rechter Regierungsbeteiligung und offensichtlicher Verbindung zur Swoboda halten sich die Nazis von der NPD vornehm zurück. Weder die Hauspostille noch das Führungspersonal äußert sich derzeit zur Ukraine.

    Ganz anders sieht es bei Altermedia, Zuerst, Preußischer Anzeiger, Eigentümlich frei … sowie der Jungen Welt, DKP oder bei Jürgen Elsässer aus. Sie unterstützen Putins Politik der Einmischung in fremde Angelegenheiten. Hauptsache die angeblich so mächtige neue Weltordnung bekommt was auf den Deckel.

    Und selbst die bundesdeutsche Friedensfraktion ist plötzlich für militärische Maßnahmen der „Sonderpolizeieinheit Berkut“ und der „Selbstverteidigungskräfte“ auf der Krim.

  3. KORREKTUR

    Jenseits der Tatsache, dass in der ukrainischen Übergangsregierung rechtsextreme Gruppierungen vertreten sind, ist die Rezeption des ukrainischen Konflikts in linken und rechten Medien hierzulande ein wichtiges aber unbeachtetes Thema.

    Beide nehme größtenteils eine eindeutig prorussische und antieuropäische Position ein. Zustimmung für den Maidan findet sich weder auf der einen noch auf der anderen Seite.

    Trotz rechter Regierungsbeteiligung und offensichtlicher Verbindung zur Swoboda halten sich die Nazis von der NPD vornehm zurück. Weder die Hauspostille noch das Führungspersonal äußert sich derzeit zur Ukraine.

    Ganz anders sieht es bei Altermedia, Zuerst, Preußischer Anzeiger, Eigentümlich frei … sowie der Jungen Welt, DKP oder bei Jürgen Elsässer aus. Sie unterstützen Putins Politik der Einmischung in fremde Angelegenheiten. Hauptsache die angeblich so mächtige neue Weltordnung bekommt was auf den Deckel.

    Und selbst die bundesdeutsche Friedensfraktion ist plötzlich für militärische Maßnahmen der “Sonderpolizeieinheit Berkut” und der “Selbstverteidigungskräfte” auf der Krim.

  4. @ Sparmid:
    „Ganz anders sieht es bei Altermedia, Zuerst, Preußischer Anzeiger, Eigentümlich frei … sowie der Jungen Welt, DKP oder bei Jürgen Elsässer aus. Sie unterstützen Putins Politik der Einmischung in fremde Angelegenheiten. Hauptsache die angeblich so mächtige neue Weltordnung bekommt was auf den Deckel.“
    Sie haben Recht, denn sie schrieben „größtenteils“( auch in der Korrektur), somit sind ihre oben genannten Publikationen obsolt. Oder ist fuer sie die junge welt, DKP, die „vereinte“ dt. Linke? Es ist uebrigens bezeichnent, dass sie Jürgen Elsässer auf das „Linke“ Konto verbuchen.
    Aber trotzdem frage ich mich, was sie mir erzaehlen wollen? Da jetzt angeblich Kommis und Faschos Hand in Hand gehen um ihren „gemeinsammen Feindbildern“ USA u. EU ans Bein pinkeln zu wollen, ist es wohl nach ihrer Deffination schon ganz in Ordnung, wenn USA u. EU mit so zwielichtigen Gestalten in Kiew Hand in Hand gehen.

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