Der Bedrohung trotzen: „Open Games“ in Moskau

Unter schwierigen Bedingungen finden derzeit in Russland die „Open Games“ statt. Das schwul-lesbische Sportfestival hat mit Schikanen und Repressionen zu kämpfen. Vor Ort dabei ist ein Team von „Discover Football“ aus Berlin.

Von Nicole Selmer

Als Sportfestival für homo-, bi- und transsexuelle Menschen finden die „Open Games“ vom 26. Februar bis zum morgigen 2. März in Moskau statt. Der Zeitpunkt kurz nach den Olympischen Spielen in Sotschi schien noch eine gewisse Aufmerksamkeit und damit auch Schutz für Organisator_innen und Teilnehmer_innen zu ermöglichen, die Widerstände, mit denen das Turnier zu kämpfen hat, sind jedoch beträchtlich.

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Bombendrohungen
Aus Deutschland ist ein Team von „Discover Football“ aus Berlin dabei, um am Futsal-, also Hallenfußballturnier, teilzunehmen. Die Initiative, die unter anderem regelmäßig ein großes internationales Turnier ausrichtet und so Frauen weltweit mit der gemeinsamen Leidenschaft Fußball zusammenbringt, berichtet in einer Pressemeldung von den ersten Erfahrungen in Moskau. Bei der Ankunft am Mittwoch erfuhr das Team, dass die Verträge mit Hotels und Sportstätten kurzfristig aufgelöst worden waren. Unter fadenscheinigen Begründungen: „So belegten auf einmal angeblich 40 Kinder die Zimmer im Hotel, die natürlich nicht auf die Straße gesetzt werden konnten, die Kühlmaschine der Eisbahn war plötzlich ausgefallen und zu Beginn der für Donnerstagabend geplanten Menschenrechtskonferenz wurde kurzerhand der Strom abgestellt. Auch die Eröffnungsfeier musste aufgrund einer Bombendrohung verlegt werden und dann im Geheimen stattfinden.“

Bei einem am Freitag stattfindenden Basketballturnier wurde die Sporthalle geräumt, nachdem Rauchbomben – offenbar von den Zuschauerrängen – geworfen wurden. Die Polizei nahm nach der Räumung der Halle die Personalien aller Anwesenden auf. Wie „Discover Football“ heute Vormittag auf Facebook berichtet, geschah Ähnliches beim Fußballturnier: Aufgrund einer Bombenwarnung wurde die Veranstaltung beendet, direkt nachdem die niederländische Sportministerin Edith Schippers den Veranstaltungsort verlassen hatte. Die Politikerin der konservativ-liberalen „Volkspartei für Freiheit und Demokratie“, VVD, hatte auch die Medaillenzeremonie am Vorabend besucht, die ohne Störungen ablief.

Von den etwa 240 Teilnehmer_innen stammt der ganz überwiegende Teil aus Russland. International sind Sportlerinnen und Sportler aus Frankreich, Kanada, den Niederlanden und den USA angereist, wie die taz berichtet. Der prominenteste Teilnehmer ist dabei Greg Louganis, Olympiasieger 1984 und 1988 im Turmspringen. Er sprach sich während der Winterspiele in Sotschi dafür aus, die Einhaltung der Menschenrechte zum bindenden Kriterium bei der Vergabe von Sportereignissen zu machen.

Internationale Solidarität
„Discover Football“ weist auf den großen Einsatz der Organisator_innen des russischen Sportverbandes vor Ort hin und ihren mutigen Umgang mit den – auch nicht ungefährlichen – Widrigkeiten hin: „Spontan organisieren sie neue Orte, begleiten die Teilnehmer_innen konspirativ durch die Moskauer U-Bahn, um die Veranstaltungsorte rechtzeitig zu erreichen.“

Die Bedeutung der Open Games ist nicht zu unterschätzen – das zeigen die repressiven Maßnahmen ebenso wie die Reaktionen der Organisator_innen. Das Sportfestival ermöglicht auch unter den schwierigen Bedingungen einen Austausch und eine Thematisierung der Situation von homo-, bi- und transsexuellen Menschen in Russland. Den Druck, unter dem sie seit der Einführung des sogenannten Propagandagesetzes im Sommer 2013 stehen, sichtbar zu machen, ist auch eine der Aufgaben der internationalen Besucher_innen in Moskau. So sagt Sara Schlote von „Discover Football“: „Es ist unfassbar und brutal, dass 20 Menschen daran gehindert werden, Schlittschuh zu laufen, nur weil sie angeblich „komisch“ aussehen. Das provoziert Wut bei allen Teilnehmer_innen, aber eben auch große Solidarität untereinander“, erklärt Schlote.

Aktuelle Updates aus Moskau auf Deutsch und Englisch gibt es unter anderem auf der Facebook-Seite von „Discover Football“. Die Initiative wird am 5. März in Berlin im TAZ Cafe um 19:00 Uhr eine Podiumsdiskussion zur Situation von homo-, bi- und transsexuellen Menschen in Russland und dem möglichen Einfluss sportlicher Großereignisse veranstalten.

Siehe auch:  Russland: Neonazi-Opfer an Misshandlungen gestorben?“14 words” auf RussischBoxen: Die Propaganda-Show des russischen Ritters

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