„Gemütlicher“ NPD-Delegiertenparteitag in Thüringen

Für die NPD läuft es schlecht: Nun muss wegen Fehlern beim Vertragsabschluss auch noch der Delegiertenparteitag in ein viel zu kleines Ausweichquartier verlegt werden. Die Wahl fiel auf das thüringische Kirchheim. Dort sollen die Delegierten am kommenden Samstag ihren Spitzenkandidaten für die Europawahl bestimmen.

Von Stefan Schölermann, NDR Info

NPD-Parteitag in Kirchheim bei Erfurt, Screenshot.
NPD-Parteitag in Kirchheim bei Erfurt

Bis vor wenigen Stunden war er noch Zukunftsmusik – jetzt ist er schon Vergangenheit: Der NPD- Delegiertenparteitag am 18. Januar in Saarbrücken ist abgesagt. Jetzt sollen die NPD- Kämpen im thüringischen Kirchheim ihren Spitzenkandidaten zur Europawahl bestimmen. Seit wenigen Stunden ist das Ganze offiziell. In einem  Schreiben der Parteiführung, das NDR Info vorliegt,  heißt es: „Liebe Kameraden, die Stadt Saarbrücken hat den mit uns geschlossenen Mietvertrag für die Zurverfügungstellung der Festhalle in Saarbrücken-Schafbrücke für unseren außerordentlichen Bundesparteitag am 18.1. gekündigt.“

Ein Ersatzstandort ist schnell gefunden: der „Romantische Fachwerkhof Arnstädter Strasse“ im thüringischen Kirchheim. So romantisch ist der  Gasthof, dass die Delegierten geradezu auf Tuchfühlung gehen können. Befürchtet wird offenbar eine qualvolle Enge – so sehr, dass Gäste schon jetzt wieder ausgeladen werden. Auch die Presse erhält deshalb keinen Zugang. Kirchheim ist nicht zum ersten Mal Tagungsort der NPD. Bereits mehrfach fanden hier Veranstaltungen oder Konzerte der extremen Rechten statt.

Der neue NPD-Parteivorsitzende Udo Pastörs, Bild: Publikative.org
Der neue NPD-Parteivorsitzende Udo Pastörs, Bild: Publikative.org

Entscheiden wollen die NPD-Delegierten dort über ihren Spitzenkandidaten zur Europawahl. Vor allem drei Kandidaten werden gegen einander antreten: Udo Pastörs, Fraktionsvorsitzender der rechtsextremen NPD-Fraktion im Schweriner Landtag, Udo Voigt, bis vor zwei Jahren Parteichef der NPD und Karl Richter,  Vorstandsmitglied der NPD und einer ihrer intelligentesten und wohl gerade deshalb aussichtslosesten Kandidaten für die Position des EU-Kandidaten.

Im Mai in Berlin: Voigt (zw. v. l.) und Richter (erst. v .r.) gemeinsam auf einer Demo, Foto: Publikative.org

Die Verlegung der Delegiertenkonferenz von Saarbrücken nach Thüringen verlief jedoch weit weniger konflikarm, als es die nüchterne Mitteilung an die „ Lieben Kameraden“ vermitteln mag. Nach Informationen von NDR Info hat es  hinter den Kulissen gewaltig gekracht, als am  Freitag vergangener Woche das  NPD-Präsidium zur Beratung über die neue Lage zusammen gekommen ist. Im Zentrum der Kritik stand dabei  ausgerechnet der Saarländer und Generalsekretär der NPD, Peter Marx. Bei der Anmeldung des Parteitages im Saarland habe er „Lücken im Vertrag“ hinterlassen. „Wenn der Bundesverband erst nachträglich in den Vertrag hineinschlüpft, muss man sich nicht wundern, wenn der Kontrakt wieder gekündigt wird“, lautete sinngemäß die Kritik an Marx. Auf gut Deutsch: der Generalsekretär habe bei den Vertragsverhandlungen  getrickst und dabei sich selber ausgetrickst. Die Folge sei ein Parteivolk in Raumnot.

6 thoughts on “„Gemütlicher“ NPD-Delegiertenparteitag in Thüringen

  1. Parteivolk in Raumnot, schöner Begriff. Wenn das mal nicht dazu führt, dass das Volk ohne Raum weiter im Osten auf die Suche danach geht. Und auf die Idee kommt, wieder schlimme Dinge mit unseren polnischen Nachbarn anzustellen.

  2. Erstens kann der Vertrag nicht am 18.1.2014 gekündigt worden sein, da wir heute erst den 14.01.2014 haben. Ich glaube eher es soll heißen: Der Vertrag für den 18.01.2014 wird mit heutiger Wirkung gekündigt.
    Hat Marx wieder einmal Fehler gemacht, wie schon so oft. Man sollte sich mal fragen, ob hier nicht eine V-Absicht dahinter steckt ?

Comments are closed.