NPD-Thüringen: Große Pläne, kleiner Vorstand

Die NPD will nicht nur in das Europaparlament einziehen, sondern auch in den Thüringer Landtag. Der Landesvorsitzende Patrick Wieschke schmiedet große Pläne und will als Spitzenkandidat mit gleich sieben Abgeordneten in das Landesparlament einziehen. Doch bereits jetzt bröckelt sein Landesvorstand. 

von Redaktion Publikative.org

Patrick Wieschke, Vorsitzender des NPD-Landesverbandes Thüringen, Foto: Kai Budler.
Patrick Wieschke, Vorsitzender des NPD-Landesverbandes Thüringen, Foto: Kai Budler.

Vollmundig kündigt der Landesvorsitzende der NPD-Thüringen derzeit den Wahlkampf für das Superwahljahr im Freistaat an. Man wolle bei den Kommunalwahlen die Mandate von 23 auf 50 verdoppeln und in den Landtag gleich mit 7 Abgeordneten einziehen.

Dafür will die NPD in Thüringen bis zu 50.000 Plakate aufhängen, eine Millionen ihrer Propaganda-Blättchen verteilen und rund 200.000 Euro ausgeben.

Große Pläne – doch Wieschke schafft es zu Beginn des Jahres nicht einmal, seinen eigenen Landesverband unter Kontrolle zu haben. Selbst der eigene Landesvorstand beginnt zu bröckeln. Am Sonntag legte Roy Elbert, Beisitzer im Landesvorstand, Kreisvorsitzender der NPD-Nordhausen und sowohl Stadtrat- als auch Kreistagsmitglied in der Rolandstadt alle seine Ämter in der NPD nieder und trat aus der Partei aus. In einer langen Erklärung, die der 42-Jährige sowohl über die NPD-Kreisverbandshomepage als auch Facebook verteilte, machte er vor allem den Landesvorstand rund um Patrick Wieschke für seinen Austritt verantwortlich.

Elbert erhebt schwere Vorwürfe vor allem gegen die Führungsriege der Thüringer NPD. So heißt es in seiner Begründung: „Im Gegenteil, je höher und je mehr Einfluss, desto geringer scheint die Bereitschaft sich vorbehaltlos für Kameraden einzusetzen.“ Und die Zustände in der NPD-Thüringen scheinen laut Elberts Anschuldigungen katastrophal zu sein. So spricht der Nordhäuser über „intrigantes Verhalten“ und „dass aus den eigenen Reihen geschossen wird und man sich kaum mehr traut  anderen den Rücken zuzuwenden“.

Der Neonazi zeigt sich insgesamt vor allem über seine Vorstandskollegen enttäuscht, vor allem der „diktatorische Führungsstil“ des Landesvorstandes scheint ihm zu missfallen. Aber aus der ausführlichen Begründung scheint auch eine Enttäuschung über die fehlende Wertschätzung von Elberts Arbeit zu sprechen, so schreibt er: „Wenn Ideen als dumm oder nicht diskussionswürdig erachtet werden, Frauen lediglich als schmückendes Beiwerk im Kampf um Prozente gesehen werden, oder Vorschläge aus der Basis bereits im Anfangsstadium abgewürgt und erstickt werden, dann fühle ich mich falsch am Platz!“

Elbert
Elbert kurz nach der Attacke auf die Oberbürgermeisterin im April 2012, Foto: Kai Budler.

Doch auch dem Ausgetretenen scheinen heftige Vorwürfe gemacht worden zu sein. So sei ihm „vorsätzliches, parteischädigendes Verhalten“ attestiert wurden. Bei einem Blick auf Elberts öffentliches Agieren scheint eines schnell klar, die „seriöse Radikalität“ hatte sich der Thüringer nicht groß auf die Fahne geschrieben: Eine Attacke auf die Oberbürgermeisterin der Stadt Nordhausen, die öffentliche Verteidigung von kriminellen Hooligan- und Neonazigruppen, Abmahnungen wegen Falschbehauptungen oder ein vorübergehender Aufenthalt in der Polizeiinspektion wegen einer Schlägerei auf einem Volksfest und damit verbundene Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung sind nur ein Teil der Nordhäuser Auslegung von „seriöser Radikalität“.

Kreisverband liegt brach

Roy Elbert (links) beim neonazistischen Gedenken in Nordhausen im April 2013, Foto: Publikative.org
Roy Elbert (links) beim neonazistischen Gedenken in Nordhausen im April 2013, Foto: Publikative.org

Für den Kreisverband-Nordhausen war dies nicht der erste Rücktritt eines Vorsitzenden. Bereits 2011 war Elberts Vorgänger, Marco Kreutzer, überraschend zurückgetreten. Auch diesem Schritt waren Differenzen innerhalb des Kreisverbandes vorausgegangen. Die damalige Begründung für die Ämterniederlegung und den Parteiaustritt war die „familiäre und berufliche Situation“ von Kreutzer.

Doch mit Elberts Rücktritt geht der NPD offensichtlich nicht nur ein Spitzenfunktionär verloren, sondern wohl ein ganzer Kreisverband. War der Kreisverband-Nordhausen bereits zuvor nicht gerade aktiv, scheint er nun gänzlich einzubrechen. Bei der Jahreshauptversammlung am 5. Januar fand sich kein Mitglied, welches die Nachfolge Elberts antreten wollte.

Da bereits im vergangenen Jahr die Schatzmeisterin der Nordhäuser NPD abhanden gekommen war, besteht der Vorstand derzeit lediglich aus dem stellvertretenden Vorsitzenden und einem Beisitzer. Dies dürfte auch für die anstehenden Kommunal- und Landtagswahlen ein erheblicher Rückschlag für die NPD sein.

Hinzu kommt, dass Elbert als das Bindeglied zwischen der NPD und der „freien Kameradschaftsszene“ vor Ort galt. Diese hatten die NPD in Nordhausen auch bei Wahlkämpfen und Veranstaltungen unterstützt. Sollte mit Elberts Weggang nun auch diese Verbindung abreißen, dürfte kaum noch ein Wahlkampf mit lokalen Akteuren vor Ort möglich sein. Zumindest in Nordhausen scheint eine Verdopplung der kommunalen Mandate damit ziemlich unwahrscheinlich.

Siehe auch: Braunes Nordhausen: Waffen, Drogen und die NPD, NPD-Funktionäre gründen Medien-TarnvereinDie NPD als Anti-AntifaWas weiß der VS über Neonazis in Nordthüringen?NPD-Kreisvorsitzender greift Bürgermeisterin an“Thüringentag” – ein weiteres Desaster für die NPD?

4 thoughts on “NPD-Thüringen: Große Pläne, kleiner Vorstand

  1. Schön, dass auch über die NPD-Aktivitäten in solch kleinen Städten wie Nordhausen berichtet wird.
    Fände aber schon, wenn nicht nur über die NPD berichtet werden würde, sondern auch beispielsweise über die häufig erwähnten Freien Kameradschaften oder die Burschenschaften.
    Vor denen müssen Linke auf der Straße doch eh viel mehr Angst haben.

Comments are closed.