NPD-Kandidat legt Apfel Selbstmord nahe

Nach dem Rückzug von Parteichef Holger Apfel steht die NPD mit dem Rücken zur Wand. Die Parteispitze musste sich nun zu den Gerüchten über die Gründe für Apfels Abgang verhalten. Man verspricht, wie in solchen Fällen üblich, vollständige Aufklärung. Doch in Parteikreisen geht es offenbar deutlicher zur Sache: Ein NPD-Bundestagskandidat legte Apfel nahe, sich zu erschießen.

Von Redaktion Publikative.org

Holger Apfel mit Kameraden und ohne TS in Berlin (Foto: J. Wrede)
Holger Apfel mit Kameraden in Berlin (Foto: J. Wrede)

Auf der einen Seite hat sich die NPD nach dem Rücktritt von Parteichef Holger Apfel betont selbstbewusst präsentiert. Man sei nicht führungslos und werde gestärkt aus der Krise herausgehen, ließen verschiedene Funktionäre verlauten. Andererseits sah sich die verbliebene Parteispitze nun offenkundig genötigt, sich zu den Gerüchten um Apfels Rückzug zu äußern. Damit dürfte die Krise für die Neonazi-Partei gerade erst begonnen haben.

Am Sonntag traf sich das Parteipräsidium in Frankfurt am Main und bestimmte Udo Pastörs zum kommissarischen Vorsitzenden der NPD. Danach verkündete die Partei, man werde mit „Udo Pastörs ins Superwahljahr 2014“ starten. Die Partei sehe sich „durch den plötzlichen Rücktritt ihres Vorsitzenden Holger Apfel am Donnerstag in eine schwierige Situation gebracht“. Man habe „mit Befremden“ zur Kenntnis genommen, dass „die zunächst von Apfel zur Begründung für seinen Rücktritt angeführten „Krankheits“gründe offenbar nur ein Teil der Wahrheit“ seien.

Apfel habe „weitergehende Vorwürfe, die Verfehlungen in der Vergangenheit betreffen“ bislang nicht entkräftet, so die NPD. Die konkreten Vorwürfe bleiben im Dunkeln. Stattdessen würde nun eine „rückhaltlose Aufklärung“ angestrebt, die man auch der Parteibasis schulde.

Parteiausschluss

Wie schwerwiegend die Vorwürfe gegen Apfel sind, lässt sich vor allem aus einem Satz erschließen: „Sollten sich die im Raum stehenden Vorwürfe tatsächlich bestätigen, will das Parteipräsidium Holger Apfel einen zeitnahen Parteiaustritt nahelegen.“

Nachtrag 25. Dezember: Dieses Verfahren kann sich die NPD sparen: Apfel hat die Partei mittlerweile verlassen.

Im Vergleich zum Präsidiums nehmen die Reaktionen in der Partei mittlerweile ganz andere Formen an. Ein NPD-Bundestagskandidat aus Sachsen-Anhalt, Michael G. , legte bei Facebook Holger Apfel mittlerweile den Selbstmord nahe. So schrieb er:

Der einzige Rat, den ich dem geschiedenen NPD-Parteivorsitzenden Holger Apfel auf den Tisch legen würde, besteht aus einer Pistole und exakt einer Patrone! M.

Ein NPDler aus Sachsen-Anhalt legt Apfel den Selbstmorde nahe. Einem Spitzenfunktionär der Partei gefällt das. (Screenshot Publikative.org)
Ein NPDler aus Sachsen-Anhalt legt Apfel den Selbstmorde nahe. Einem Spitzenfunktionär der Partei gefällt das. (Screenshot Publikative.org)

Von Empörung bis hin zum Lob, G. sei ein „ehrlicher Zeitgenosse“, folgt auf dieses menschenverachtende Posting. Auch hochrangige Parteifunktionäre aus Sachsen beteiligen sich an der Diskussion über dieses Posting – es handelt sich also offenkundig um keine Meinung eines vollkommen unbedeuteden Mitläufers. Einem NPD-Spitzenfunktionär gefiel der Beitrag von G..

Auch auf Neonazi-Seiten wird nun aus allen Rohren gegen Apfel geschossen. Ein langjähriger NPD-Funktionär aus NRW sieht die Partei nun auch als Opfer von Apfel:  „Unter all denen, die uns belogen und betrogen haben, ist er eine besonders schäbige Existenz gewesen, dieser „seriöse Radikale“. Hoffentlich nimmt er seine gesamte Bagage mit.“ Ob damit seine Unterstützer oder seine Frau gemeint sind, ist unklar, aber auch Jasmin Apfel soll die Partei verlassen haben.

Machtkampf

Derweil scheinen in der Partei wieder die Grabenkämpfe loszubrechen, die bereits rund um die Ablösung von Udo Voigt offen zu Tage traten. Wie es von NPD-Funktionären heißt, würden nun bereits zahlreiche Personen für den Kampf um die Spitze der Partei bereit machen. Auch der Alt-Vorsitzende Udo Voigt selbst ist wohl wieder im Spiel. Bereits bei der Präsidiumssitzung am Sonntag war Voigt dabei und solle wieder mehr eingebunden werden, wie es heißt. Für Voigt muss die Rückkehr eine echte Genugtuung sein, wenn man bedenkt, wie er 2011 aus dem Amt schied.

Der künftige Parteivorsitzende muss allerdings mit einer Rumpftruppe auskommen. Die prekäre finanzielle Lage der NPD bringt die Partei an den Rande der Handlungsunfähigkeit. Nach Informationen von NDR Info haben als Folge der anhaltenden Finanzkrise alle hauptamtlichen Mitarbeiter der Parteizentrale in Berlin in den vergangenen Tagen ihr Kündigungsschreiben erhalten. Die NPD könne für die Auszahlung ihrer Gehälter nicht mehr garantieren.

Siehe auch: Wilde Spekulationen über Apfels Rückzug, NPD-Chef Apfel legt Ämter nieder, V-Mann-Gerüchte: NPD-Chef Apfels letztes Gefecht?,

4 thoughts on “NPD-Kandidat legt Apfel Selbstmord nahe

  1. Es ist wunderbar zu sehen , wie die NPD sich selbst zerlegt. Und dies wegen eines Themas ,was wohl selbst in anderen Rechtsparteien außerhalb Deutschlands kaum für aufsehen sorgen würde. Jetzt wird der üble Hetzer Pastörs als Nachfolger gehandelt . Und auch Holger Szymanski sagt man Aufstiegschancen nach , obwohl man mit ihm wieder einen Bock zum Gärtner in diesem Jungmännerhaufen machen würde. Berlin Berghain läßt da grüßen.

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