Die konformistische Rebellion

Bei der Bundestagswahl kratzt die AfD an der Fünf-Prozent-Hürde. In Berlin-Hellersdorf sahnt die NPD mit Hetze gegen Flüchtlinge mehr als zehn Prozent ab. Thilo Sarrazin ist salonfähig – und während Politik und Medien vor neuen »Flüchtlingswellen« warnen, füllen Frei.Wild mit bierseligem Identitätsrock die großen Hallen. Alles nur isolierte Phänomene – oder Zeichen eines oft beschworenen Rechtsrucks der Gesellschaft?

Von Patrick Gensing, zuerst erschienen im Spex No. 349

Berlin-Mitte, 22. September 2013: Wenige Sekunden nach 18.00 Uhr bricht Jubel aus. „Jetzt geht‘s los, jetzt geht‘s los“, skandieren Männer in Anzügen und Frauen in Abendgarderobe.  Auf der Wahlparty der Alternative für Deutschland im Maritim Hotel herrscht allerdings eher trotzige als triumphale Stimmung. Immerhin hatte die AfD-Spitze ein Ergebnis von sieben bis acht Prozent ausgegeben, manche träumten von einem zweistelligen Resultat.

AfD-Wahlplakat in Hamburg (Foto: Patrick Gensing)
AfD-Wahlplakat in Hamburg (Foto: Patrick Gensing)

Richtig laut wird es erst wieder, als Bernd Lucke das Mikrofon ergreift. Der 51-jährige Parteichef und Ökonomie-Professor geht in die Vollen: “Meine Damen und Herren, wir haben so viel an Entartungen von Demokratie und Parlamentarismus in den letzten vier Jahren erlebt!“ Eine AfD-Anhängerin erklärt in eine der vielen Fernsehkameras, sie sei froh, dass „so viele Deutsche erwacht sind“.

Deutsche, die erwachen? „Entarteter“ Parlamentarismus? Der Begriff Entartung ist zwar auch aus der Physik oder Medizin bekannt, Lucke benutzt ihn aber eindeutig im politischen Kontext. Und in diesem Zusammenhang ist der Begriff vor allem aus der NS-Zeit bekannt. Lucke dürfte das wissen, er ist ein hochgebildeter Mann.

Auf Nazi-Veranstaltungen im Bierkeller würde man solche Sprüche sicher erwarten, doch im Maritim Hotel? Lucke scheint ein Weltbild zu pflegen, das von keiner Gesellschaft aus Individuen ausgeht, sondern diese als einen Organismus ansieht. In einer ARD-Talkshow bestätigt er wenige Tage später diesen Eindruck, als er die „Entartungen“ der Demokratie mit einem Krebsgeschwür vergleicht.

Biedermänner – selten war der Begriff passender als bei der  AfD. Lucke personifiziert die konformistische Rebellion: Familienväter, die seriös und harmlos auftreten, sich aber gleichzeitig als mutige Tabubrecher inszenieren. Lucke präsentiert sich den Anhängern als Querdenker, der „Mut zur Wahrheit“ habe.

Sein Lebenslauf ist hingegen wenig rebellisch: Mehr als 30 Jahre war Lucke Mitglied der CDU, sein Studium wurde durch Stipendien großer Stiftungen gefördert, er schrieb in der FAZ. Aber eine Rebellion in Deutschland kann wohl nur dann erfolgreich sein, wenn sie ordentlich angezogen und manierlich daherkommt. Radikale Inhalte, bürgerliche Verpackung. Wenn AfD-Anhänger dann im Netz agieren, fällt allerdings oft auch die verbindliche Verpackung. Übrig bleiben Ressentiments und Pöbeleien.

Elite für die Elite

Im Juni 2013 geht es beim „Verein Berliner Kaufleute und Industrieller“ gesitteter zu. Der Verein selbst beschreibt sich „ALS NETZWERK, ALS SCHRITTMACHER, ALS DENKFABRIK UND ALS FORUM“. Die Diskussion zum Thema „Euro gerettet, Deutschland ruiniert“ wird von Sarrazin moderiert, als Gast ist AfD-Chef Lucke dabei. Das passt, denn die AfD ist der Partei gewordene Sarrazin-Kult. Ein Kult, der in Deutschland nicht nur salonfähig ist, sondern hier zu Hause ist.  Die Elite für die Elite. Nur durch Parolen, die an nationalistische Gefühle appellieren, ist es möglich, das Programm auch Wählern zu verkaufen, die sonst mit marktradikalen Ideen so gar nichts am Hut haben.

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Neben dem Euro sind bei der AfD Einwanderung und Islam prägende Themen. Die Helden dieser Bewegung verwahren sich empört dagegen, irgendwelche Ressentiments zu bedienen; sie stünden in der Mitte, betonen sie immer wieder. Das stimmt, sie bewegen sich in der Mitte der Gesellschaft – erhalten dafür aber auffällig viel Beifall von ganz Rechts. Sie wettern gegen etablierten Parteien und mediale Meinungskartelle, viele AfD- Anhänger sprechen in Anlehnung an die DDR von Blockparteien, öffentlich-rechtliche Sender werden als „zwangsfinanzierter Staatsfunk“ bezeichnet, die EU gerne EUdSSR genannt. „Linksfaschisten“ und „Gutmensch“ sind gängige Begriffe – ein AfD-Kandidat fordert auf einem Wahlplakat, „die Antifa“ verbieten zu lassen.

Termini und Parolen, die man bislang nur aus rechtsradikalen Publikationen kannte, werden in den Mainstream getragen. Die AfD klingt wie ein parteigewordenes Internet-Forum. Hier dominiert die digitale die reale Welt.

Schicksalsfragen

AfD-Anhänger schimpfen auf die Etablierten – und ignorieren, dass ihre Partei genau von dieser Klientel geführt wird: Rechtsanwälte, Selbstständige, Professoren. Sie verpacken ihre marktradikalen Ideen in nationaler Rhetorik und schüren gezielt Ängste: Es gehe um Deutschlands „Schicksalsfragen“, Deutschland dürfe nicht weiter für die Südländer bezahlen, der Euro ruiniere „uns“ alle. Dazu geht die AfD mit dem Thema Einwanderung, die nicht „in Hartz IV“ stattfinden dürfe, auf Stimmenfang. Ein typischer Mix bei Rechtspopulisten.

Konrad Adam (links), Frauke Petry und Bernd Lucke bei der Verkündung des Wahlergebnisses der Sprecherwahl beim Gründungsparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) am 14. April 2013 in Berlin (Foto: Mathesar)
Konrad Adam (links), Frauke Petry und Bernd Lucke bei der Verkündung des Wahlergebnisses der Sprecherwahl beim Gründungsparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) am 14. April 2013 in Berlin (Foto: Mathesar)

Auch andere Rechte präsentieren sich gerne als Opfer der „linken Gesinnungspolizei“ in den Medien. Das Gefühl, gegängelt und mundtot gemacht zu werden, obwohl man sich permanent in einer großen Öffentlichkeit äußert, scheint tief in den Köpfen verankert zu sein und ein bestimmtes Gefühl anzusprechen – irgendwo zwischen Selbstmitleid, Selbstüberschätzung und Lust auf Verschwörungslegenden. Das gilt für Sarrazin, aber auch Günter Grass bemühte dieses Motiv, als er lustvoll über Israel als größte Gefahr für den Weltfrieden dichtete und sich nicht entblödete, die heutige Medienlandschaft mit der Zensur in der Nazi-Zeit in Verbindung zu bringen.

„Heut gibt es den Stempel, keinen Stern mehr“

Frei.Wild nach Echo Ausladung, Foto: Jesko Wrede.
Frei.Wild nach Echo Ausladung, Foto: Jesko Wrede.

Durch die großen Hallen Deutschlands hallen ähnliche Parolen: „Nichts als Richter, nichts als Henker – Keine Gnade und im Zweifel nicht für dich – Heut gibt es den Stempel, keinen Stern mehr“, grölen Tausende Frei.Wild-Fans bei den Konzerten. Die Band behauptet, sie seien überhaupt nicht rechts, eigentlich unpolitisch.

Ihre Texte erzählen eine andere Geschichte: Ein dumpfes Wir-Gefühl wird transportiert, Frei.Wild bieten nicht nur einfache Erklärung für komplexe Probleme, sondern schweißt die Fans zu einer Gemeinschaft zusammen – „Feinde deiner Feinde“ haben sie ihre jüngste CD getauft.  Bei den Gigs recken wütende junge Männer trotzig ihre Fäuste in die Luft und schwören, nie aufzugeben. Schuld an der eigenen Misere sind auch hier linke Gutmenschen, etablierte Politiker sowie „die“ Medien. Von denen fühlt sich auch die Band schlecht behandelt – und rief daher eine eigene Webseite ins Leben: „Die Macht der Medien“. Hier werden Presseberichte in gut und schlecht eingeteilt – so wie der ganze Frei.Wild-Kosmos von einem klaren Freund-Feind-Denken geprägt ist.

Übrigens haben auch AfD-Anhänger eine eigene Webseite aufgesetzt, um gegen die „mediale Hetze“ vorzugehen. Sogar eine Art Internet-Pranger für Journalisten gibt es hier; die Parteispitze distanzierte sich zwar, doch auf der eigenen Facebook-Seite bewirbt man die Seite bis heute.

Tragischer Held

Die Figur des tragischen Helden, der gegen übermächtige und hinterlistige Feinde aufrecht für die eigene Sache kämpft, ist ein zentrales Leitbild der Rechten. Frei.Wild sind einerseits die anständigen Schwiegermütter-Typen, andererseits entwerfen sie das Selbstbild des Rebellen, was exakt dem transportierten Selbstbild vieler AfDler entspricht. Frei.Wild stilisiert sich sogar zu Juden von heute, so wie die Textzeile vom Stempel statt Stern zeigt – eine offene Anspielung auf den Judenstern in der NS-Zeit. Dass die Band damit die Judenverfolgung in Nazi-Deutschland offenkundig gnadenlos relativiert, spielt keine Rolle, passt aber ins Bild, wenn die Band textet, es gebe „Tabus“ und „gewisse Themen“ seien verboten. Frei.Wild propagieren zudem offen eine Blut-und-Boden-Ideologie:

Wo soll das hinführen, wie weit mit uns gehen, selbst ein Baum ohne Wurzeln kann nicht bestehen. Wann hört ihr auf, eure Heimat zu hassen, wenn ihr euch Ihrer schämt, dann könnt ihr sie doch verlassen.

Wer seine Heimat nicht liebt, soll verschwinden. Kritik wird nicht akzeptiert, weil sie den „Volkstod“ verursachen kann. Parolen, wie man sie von Neonazis wie den „Unsterblichen“ oder der NPD kennt – aber nicht aus den deutschen Charts.

„Antifa-Huren“

Mönchengladbach, Gästekurve des Borussiaparks im September 2013: Hier müssen sich Ultras aus Braunschweig ähnliches anhören. Sie hatten öffentlich gemacht, dass bei der Eintracht rechtsradikale Fans in der Kurve aktiv sind. Damit machten sie sich weder bei Funktionären noch in Teilen der eigenen Szene sonderlich beliebt. Beim Auswärtsspiel in Mönchgladbach trauen sich die antirassistischen Ultras dann wieder in die Eintracht-Kurve. Dort werden sie als „Antifa-Huren“ oder „Judenfotzen“ beschimpft, bespuckt und getreten. Eine Meute von mehreren Dutzend Schlägern will sie aus dem Stadion prügeln. Polizei und Ordnungsdienst müssen die Gruppe schützen.

Transparent der Kölner Ultras Coloniacs. (Foto: www.coloniacs.com/)
Klare Worte der Kölner Ultras Coloniacs an Aachen, 2011 (Foto: http://www.coloniacs.com/)

Schließlich verlassen die antirassistischen Ultras ganz im Sinne von Frei.Wilds Text die „Heimat“, die eigene Kurve, und suchen Zuflucht auf der Tribüne, auf der Gladbacher Zuschauer sitzen.  Die Eintracht versichert immer wieder, man nehme dieses Problem ernst. Um das Engagement glaubwürdiger zu machen, belegte man NPD-Chef Holger Apfel mit einem Stadionverbot, nachdem er zuvor jahrelang Gast bei der Eintracht war. Viele Beobachter werteten dies als Alibiaktion – und sie sollten Recht behalten. Denn nach dem Eklat von Gladbach verkündet der Verein, “Null Toleranz bei Gewalt, Rassismus und Rechtsextremismus” zeigen zu wollen – und untersagt ausgerechnet der sich selbst als anti-rassistisch verstehenden Ultragruppe, die beim Auswärtsspiel angegriffen wurde, ins Stadion von Braunschweig zu gehen.

Auch in Aachen und Dortmund sorgten rechtsradikale Schläger für Schlagzeilen, als sie linke Fans jagten und verletzten. Doch im Gegensatz zu früheren Jahren zeigen diese Konflikte, dass in den meisten Kurven längst keine rechte Dominanz mehr möglich ist, viele Fanszenen positionieren sich klar antirassistisch. Die bundesweite Protestaktion 12:12, bei der der „12. Mann“ die ersten 12 Minuten der Spiele schwieg, zerbrach unter anderem daran, dass linke Fangruppen nicht mit rechtsoffenen Szenen an einem Tisch sitzen wollten.

„Braunes Pack aus den Kurven prügeln“

Dass Rechtsradikale in vielen Kurven nicht mehr oder nur noch weniger zu melden haben, ist vor allem ein Verdienst der oft kritisierten Ultra-Bewegung. Der Präsident von Eintracht Frankfurt, wo in früheren Jahrzehnten braune Banden berühmt-berüchtigt waren, brachte die Entwicklung in einem Interview mit den „11 Freunden“ auf den Punkt:

„Das braune Pack sollte jede anständige Kurve selbstständig aus dem Block prügeln. Das haben wir früher so gemacht, das wird in Frankfurt heute noch so gemacht. Und da bin ich stolz drauf. Deswegen haben wir eine so große und bunte Szene.“

Erfurt, August 2013: Rund 25 Neonazis verlieren sich beim Auftakt des NPD-Bundestagswahlkampfs in Thüringen. Mehr als 300 Personen demonstrieren gegen das braune Häuflein. Die NPD setzt gerade auf das Thema Muslimfeindlichkeit, ihre Kundgebung findet unweit einer Moschee statt, auch mehrere Geschäfte von Migranten liegen nur wenige Gehminuten entfernt. Mit dem Motto „Aus Liebe zum Tier“ will sich die NPD als Tierschutzpartei präsentieren, um gegen nach religiösen Regeln (“Halal”) verarbeitete Produkte zu hetzen. Als Wahlkampfgeschenk bieten die Neonazis Bratwürste aus Schweinefleisch an. Parallelen zur Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ drängen sich geradezu auf. Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe kommen ebenfalls aus Thüringen – und Neonazis feiern ihre Taten mit Parolen wie „Killer-Döner nach Thüringer Art“.

Doch die NPD steht bei ihren Veranstaltungen und Aufmärschen fast immer einer Vielzahl von Gegendemonstranten entgegen. Auch und gerade in Ostdeutschland können Neonazis längst nicht mehr so selbstverständlich agieren wie in den 1990er Jahren. Nicht nur Antifa-Gruppen mobilisieren gegen die braunen Subkulturen, sondern auch Kommunalpolitiker und Bürger haben vielerorts erkannt, dass Neonazis ein Problem darstellen, das durch Ignorieren nicht verschwindet. Erfolgreich sind die Neonazis dort, wo sie den Schulterschluss mit Teilen der Bevölkerung erreichen, beispielsweise wenn es um die „Todesstrafe für Kinderschänder“ geht – oder gegen ungeliebte Minderheiten.

NPD nimmt Friedrichs Vorlage auf

In den Monaten vor der Bundestagswahl thematisiert Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich immer wieder die Zahl der Asylbewerber, spricht von „alarmierenden Zahlen“ und warnt regelmäßig  vor „wirtschaftlichen“ Belastungen für Deutschland. In der „Bild“-Zeitung droht er „Wirtschaftsflüchtlingen“, ihnen werde das Bargeld gekürzt. Er zeichnet dabei ein Bild von Flüchtlingen, die nur nach Deutschland kommen, um an „unser“ Geld zu kommen. Die NPD springt gerne auch auf diesen Zug auf, hetzt im Wahlkampf gegen “kriminelle Zigeuner” und fordert auf Plakaten, kein Geld für Roma zu zahlen.

Gespentische Szenen in Schneeberg: Die NPD mobilisierte gegen Flüchtlinge, Hunderte Menschen folgten dem Aufruf. (Foto: Marcus Fischer)
Gespentische Szenen in Schneeberg: Die NPD mobilisierte gegen Flüchtlinge, Hunderte Menschen folgten dem Aufruf. (Foto: Marcus Fischer)

Der Zentralrat der Sinti und Roma fordert daher die Regierung zum Handeln gegen die Hetze auf. Es könne über 60 Jahre nach dem Holocaust nicht mehr zugelasssen werden, dass Angehörige einer Minderheit aufgrund ihrer bloßen Abstammung gesellschaftlich ausgegrenzt werden, schreibt der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, an die Bundesregierung. Bundesweit würden Sinti und Roma Tausendfach mit Plakaten und Flugblättern bedroht und diffamiert („Geld für die Oma statt für Sinti und Roma“, „Zigeunerflut stoppen!“ mit der Abbildung von Waffen, wie Pistole und Messer).  Der Zentralrat habe innerhalb weniger Tage Hunderte von Anrufen besorgter Sinti- und Roma-Familien aus ganz Deutschland erhalten, die wegen der entsprechenden NPD-Plakate, die auf den Schulwegen ihrer Kinder gerade in den kleineren Orten massiv plakatiert sind, emotional aufgebracht und unmittelbar betroffen seien, betont Rosi. Diese öffentliche Aufhetzung durch die NPD  löse bei den älteren Menschen, die den Holocaust überlebt haben, wieder massive Ängste aus, erklärte der Zentralratsvorsitzende. Sein Appell zum Handeln verhallt folgenlos.

Frisches Geld vom System

21. September 2013: Bei der Bundestagswahl holt die NPD gerade einmal 1,3 Prozent der gültigen abgegebenen Stimmen. Ihr Wahlziel erreicht sie aber: Die Neonazis kassieren Hunderttausende Euro aus der Wahlkamfkostenerstattung. Die AfD, die im Wahlkampf auf Parolen gegen den Euro und gegen „ungeordnete Einwanderung“ setzte, zieht fast in den Bundestag ein, kommt auf 4,7 Prozent. In Berlin-Hellersdorf triumphiert die NPD, gewinnt in einigen Wahllokalen bis zu zehn Prozent. Die Hetze gegen Flüchtlinge hat sich gelohnt.

Neonazi-Glatzen beim Aufmarsch der Partei "Die Rechte" in Berlin-Lichtenberg. (Foto: Oliver Feldhaus)
Neonazi-Glatzen beim Aufmarsch der Partei „Die Rechte“ in Berlin-Lichtenberg. (Foto: Oliver Feldhaus)

Jürgen Trittin von den Grünen vergleicht die Situation in Hellersdorf mit der in Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda Anfang der 1990er Jahre: „Da ist ein von Rechtsradikalen aufgehetzter Mob, der gegen die Anwesenheit der Flüchtlinge demonstriert.“ Was Trittin ausblendet: Der Mob wurde in den 1990er Jahren vor allem auch von Politik und Medien aufgehetzt: Aggressive Rhetorik gegen Flüchtlinge heizten die gesellschaftliche Atmosphäre aus Nationalismus und Rassismus weiter auf. Aus Schlagworten wurden Brandsätze. Eine ganze Generation von jungen Neonazis lernte damals: Mit Gewalt lässt sich einiges erreichen, mit Mollies lassen sich Flüchtlinge vertreiben – und viele Bürger finden das eigentlich gut.

Zu dieser Generation Hoyerswerda gehören auch Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe. Der NSU interpretiert sich, das zeigt das Bekennervideo, als Vollstrecker des geheimen Volkswillens. Die NSU-Terroristen gingen offenkundig davon aus, eines Tages für ihre Taten gefeiert zu werden.

„Kriminelle Flüchtlinge“

Doch Lichtenhagen und Hoyerswerda sind nicht Hellersdorf. Hier engagieren sich Bürger und Antifas gegen die Neonazis. Dennoch sind die Ressentiments gegen Asylbewerber weiter weit verbreitet – bundesweit: So ergab eine Umfrage von Infratest dimap, dass 35 Prozent aller Bürger „große oder sehr große Probleme“ damit hätten, wenn in ihrer Nachbarschaft ein Asylbewerberheim entstehen würde. 44 Prozent der Befragten, die sich ablehnend äußerten, befürchten demnach bei der Einrichtung eines Asylbewerberheims erhöhte Kriminalität.

Als sich die Öffentlichkeit aber zunehmend für die Not der Menschen in Syrien interessiert, lenkt die Bundesregierung kurz vor der Wahl ein und sagt zu, 5000 Syrer aufzunehmen. Nun lässt es sich Innenminister Friedrich nicht nehmen, auf dem Flughafen Hannover aufzutreten, um öffentlichkeitswirksam die erste Gruppe der Menschen aus Syrien zu begrüßen. Dankbar schütteln Männer mit kleinen Kindern auf dem Arm dem Minister die Hand. Deutschland ist ein zivilisiertes und hilfsbereites Land – so die Botschaft.

Distanzierungsorgien

Zum Selbstbild der Berliner Republik gehört vor allem eins: Deutschland habe seine Lektion aus der Vergangenheit gelernt, braunes Gedankengut habe hier nichts zu suchen. Ob AfD, Frei.Wild oder ausländerfeindliche Bürgerinitiativen – alle distanzieren sich ständig davon, etwas mit Rechtsextremismus zu tun zu haben.

Neonazistisch ist zum Synonym für Rassismus und Chauvinismus geworden, solche Einstellungen lassen sich so einfach und bequem bei den braunen Schmuddelkindern entsorgen, gutbürgerliche Rechtspopulisten können sich leicht als Biedermänner inszenieren: Sie grenzen sich von Neonazis ab, die als Bösewichte, eine solche Distanzierung reicht zumeist, um selbst unverdächtig harte Ressentiments verbreiten zu können.  Auch nach dem NSU-Skandal wird so getan, als gebe es Rassismus nur bei der NPD – dabei waren es Politik, Polizei und Medien, die sich nicht um die Opfer kümmerten, sondern sie verdächtigten.

Da lacht das Herz des rechten Wutbürgers: Sarrazin, Herrman, Scholl-Latour
Da lacht das Herz des rechten Wutbürgers: Sarrazin, Herrman, Scholl-Latour

AfD, Frei.Wild und Sarrazin füllen Säle und Hallen, sie verbreiten ihre Ressentiments in der großen Öffentlichkeit. Es ist normal geworden, zu fordern, dass das eigene Land seine Interessen kompromisslos durchsetzen müsse. Auf Kosten von Minderheiten lässt sich viel Geld verdienen. Begriffe wie Rasse wird man hier vergeblich suchen, die Zeit für dumpfe NS-Menschenkunde ist vorbei. Es gehört zum Grundkonsens der Berliner Republik, den Nationalsozialismus zu verdammen. Daher schrumpft die NPD, auf ihren Veranstaltungen tummelt sich zumeist ein trauriges Häufchen von gescheiterten Existenzen. Im Gegensatz zu den 1990er Jahren ist der militante Rechtsextremismus gesellschaftlich geächtet. „Gegen Nazis“ zu sein, ist heute schon fast Volkssport.

Ressentiments als mutige Wahrheit

Doch während damals die Floskel Standard war „Ich habe nichts gegen Ausländer, aber…“, werden nun Ressentiments und Vorurteile heute erfolgreich als mutige Wahrheiten verkauft – und zwar auch in der Mittel- und Oberschicht: „Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass…!“ Dieser Satz fasst die Strategien der Rechtspopulisten und Rechtsradikalen zusammen: Mutig stemme man sich gegen angebliche Tabus und spreche doch nur die Wahrheit aus. Die AfD hat diese Strategie fast in den Bundestag gebracht. 2014 tritt sie zur Europawahl an – und wird wahrscheinlich ins Parlament einziehen, da keine Fünf-Prozent-Hürde gilt.

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Hamburg, September 2013: Bei einer Diskussionsveranstaltung zum NSU erzählt mir der Filmemacher Ayhan Salar, die größte Ablehnung und die meisten Vorurteile habe er in gutbürgerlichen Kreisen erlebt. So lange Türken, Griechen und andere Migranten einfache Arbeiter waren, habe man nichts gegen sie gehabt. Doch Salars Generation, in den 1960er und 1970er Jahren geboren, hat längst den Marsch durch die Institutionen angetreten, sie sind Anwälte, Medienmacher oder Politiker. Das mache dem deutschen Bürgertum Angst, meint Salar. Besonders viele Deutsch-Türken haben schlicht keine Lust mehr, sich mit kleingeistigen Diskussionen über Integration abzukämpfen. Sie verlassen Deutschland.

Die neue deutsche Härte

Gibt es also einen Rechtsruck? Ja und Nein.  In früheren Jahrzehnten waren es militante Neonazis, die „Ausländer“ aus ihren Dörfern prügelten. Heute geht das subtiler. Mit offenem Neonazismus ist in Deutschland kein Blumentopf zu gewinnen, doch mit Chauvinismus und offene Vorurteilen gegen Türken, Muslime und andere Minderheiten lässt sich viel Geld verdienen – Bücher, CDs, Wahlerfolge.

Welche Konsequenzen die neue deutsche Härte des Bürgertums haben kann, lässt sich nur erahnen. Der Rechtsterrorist Anders Breivik hat gezeigt, was ein radikalisierter Einzeltäter anrichten kann, wenn er meint, als Verteidiger der eigenen Kultur und Nation zu den Waffen greifen zu müssen.  Es ist die Geschichte von Biedermännern und Brandstiftern, die sich zu wiederholen droht. Der rechte Rand in der Bundesrepublik ist bürgerlicher geworden. Eine gute Nachricht ist das nicht.

Dieser Text erschien in der Spex No. 349. Die neue Spex erscheint am 15. Dezember 2013.

42 Kommentare zu „Die konformistische Rebellion

  1. „Doch Salars Generation, in den 1960er und 1970er Jahren geboren, hat längst den Marsch durch die Institutionen angetreten, sie sind Anwälte, Medienmacher oder Politiker. Das mache dem deutschen Bürgertum Angst, meint Salar. Besonders viele Deutsch-Türken haben schlicht keine Lust mehr, sich mit kleingeistigen Diskussionen über Integration abzukämpfen. Sie verlassen Deutschland.“

    Dazu als Ergänzung. Die Opfer des NSU waren bis auf eine Polizistin alles Personen, die ebenso ins Feindbild des Bürgertums passten: Menschen die eine eigene Existenz sich aufgebaut hatten als Gemüsehändler, meit einem Internetcafé, als Blumenhändler etc. Damit hatten die Nazis vom NSU ein Problem und die ermittelnde Behörden. Für sie waren es nicht gewöhnliche Gewerbetreibende sondern sofort verdächtig irgendwie in kriminellen Geschäfen verstrickt zu sein. Selbst ihr berufliche Verpflichtung allen Hinweisen nachzugehen konnte dieses tief verwurzelte Denken nicht aufbrechen.

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  2. Veehrter Herr Gensing,
    nicht nur Herr Prof. Lucke ist hochgebildet, sondern sie sind es auch. Deshalb sollten auch sie wissen, dass der Begriff der Entartung in ALLEN Bereichen der Wissenschaft und auch in der Politik eine klare Bedeutung hat. Diese steht in vielen Nachschlagewerken und in diesem Sinne ist der Begriff auch von anderen Politikern oft benutzt worden, z.B. von Herrn Schäuble.
    NUR der Begriff der „ENTARTETEN KUNST“ ist durch die Analogie zu den Nazis negativ belegt. Davon hat Prof. Lucke abwer nicht gesprochen, seine Wortwahl ist also korrekt.
    Ich hoffe, dass ich etwas zur Klärung beitragen konnte.

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  3. @David
    Interessant wie auch hier wieder relativiert wird nach dem Motto „ich habe nichts gegen Ausländer, aber“ oder „man wird doch noch sagen dürfen“. Sie argumentieren genau so wie es die sogenannte Mitte, die die AfD anspricht, nun heute mal in großen Teilen tut.
    Herr Lucke verwendet dieses Wort ja gerade nicht in eng umgrenzten wissenschaftlichen Kontexten sondern im öffentlichen Raum, um genug Platz für verbale Provokation zu haben.
    Wenn man „Entartung“ bei wikipedia eingibt, wird deutlich, dass der Begriff wegen seiner Bedeutungsgeschichte eben gerade nicht mehr verwendet wird. Und man kann von wikipedia halten was man will, es wird eben auch von einer großen Mehrheit verwendet.

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  4. Ein gelungener Artikel, der sehr schön den „Extremismus der Mitte“ aufbereitet.
    Ich bin mal gespannt, wann die üblichen Verdächtigen von Hetze und Verleumdung zu schwadronieren anfangen und eine inhaltliche Diskussion fordern. Wenn FW und die AfD in einem Artikel erwähnt werden, ist ein ziemlich großer Shitstorm zu erwarten.

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  5. Ich weiß nicht, ob es schlimmer geworden ist; ich fürchte , daß es schlimm genug ist.Deutschland wirkt ja auch als Motor in Europa: Schengen, Dublin II, Abschottung gegen Flüchtlinge; Bürokratische Verzögerung der Schutzaufnahme in Deutschland von dort akut gefährdetem Afghanischem Fachpersonal trotz Abzugs der Bundeswehreinheiten;Bürokratische (?) Verzögerung und Hinhalterei vor Aufnahme zugesagte Syrischer Flüchtlings“kontingente“.Im Koalitionsvertrag werden Balkanländer und südosteuropäische Staaten als Sichere Staaten bezeichnet, sicher genug für die Abweisung und Deportation von Roma und Szinti in inhumane Verhältnisse.Deportation heißt: Hinwegverbringen und nichts Anderes ist es und dieser Kontext kann angesichts der nachwirkenden historischen Schuld Deutschlands gegen Szinti, Roma u.a. diskriminierte Gruppen nicht schön geredet werden – wie würde eine Große Koalition damit weiterhin umgehen ? Akzeptieren, Aussitzen, Vollziehen ? Aus Sorge vor dem Phantom eines weiteren Rechtsruck mittun und damit selber herbeiführen ? So aber, wie es jetzt schon ist, darf es doch nicht sein.

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  6. @Don Geraldo
    Ach herrlich, vielen Dank für die Vorführung elitären Oberlehrergehabes gewürzt mit einem ordentlichen Schuß persönlicher Abwertung – da gehts der „Mitte“ gut.
    In meiner Anmerkung gings mir allerdings garnicht um Form und Wert der Aneignung von Wissen, sondern darum, ob jemand wissen kann, wie ein Begriff wirkt, wenn ich ihn öffentlich benutze. Wenn „Entartung“ in wissenschaftlichen Zirkeln ein neutraler Begriff sein mag (was ich für etliche Bereiche bezweifle), so ist er es doch in einer politischen Rede nicht.
    Ich bleibe dabei, es geht allein um Provokation und ums Fischen im ultrarechten Schmutzwasser.

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  7. @ Hummel:

    MAch dir keine Gedanken über „Don Geraldo“´s Statements und gib dir keine Mühe, dich mit ihm auseinanderzusetzen. Das hat gar keinen Sinn. Wie sich aus seinem Komentar leicht ableiten lässt, geht es ihm primär nur darum zu verwirren, indem er Nebensächlichkeiten aufgreift und mit krudem Scheiss vermischt, wie auch hier, wo er seinen Monolog vorbereitet, indem er unterstellt, man wisse alleine durch Erziehung schon alles, was man wissen muss, ungeachtet dessen, wer einen erzogen hat und auch ungeachtet dessen, was man eigentlich überhaupt weiss. Von dieser Warte aus will er dann alles hinzukommende Wissen, insbesondere rationale Überlegungen als irrelevant abtun, weil es seiner Ideologie zuwider läuft. Erinnernt dich das an etwas? Genau.
    Er – sofern er denn derselbe „Don Geraldo ist (der Schreibstil jedenfalls passt) – gehört zu den Stamm-Nazis im Kommentarbereich von „Endstation Rechts“, wo man dessen und anderer Faschos Dreck gerne einfach mal unreflektiert publiziert und es dann hochnäsig anderen überlässt, sich damit auseinaderzusetzen.

    Danke für den Hinweis, ich habe den Kommentar gelöscht. Wir legen keinen Wert auf solche Leser und Kommentatoren. Gruß, PG

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  8. Hummel:
    Ich hatte mich klar genug ausgedrückt und gesagt, dass das Wort Entartung nicht negativ belegt ist weder im wissenschaftlichen Kontext noch im öffentlichen Raum und Prof. Lucke verwendet es genau so, wie es seiner Bedeutung entspricht. Es gibt zigtausende Artikel, auch Reden von Politikern, wo das Wort vorkommt.
    Nur die Kombination „entartete Kunst“ ist negativ belegt.
    Bei aller Energie, der AfD irgendein Nazianhängsel andichten zu wollen, sollten Autor des Artikels und Foristen auch Mut zu Wahrheit haben.

    Horst:
    Ihrt Beitrag trägt nun nicht unbedingt zur Diskussion bei- was wollten sie aussagen? Dass AfD-Leute Shitstorm entfesseln? Was ist die Aussage?

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  9. Na, das ganze Geschreibsel hier lässt sich auf eine Sache zusammenfassen.
    Goebbels hätte seine Freude daran.
    Propaganda, Propaganda, Propaganda.
    Alle linken Worthülsen zu einem Einheitsbrei vermischt und dann über die Wirklichkeit geschüttet.
    Wozu braucht man Fakten wenn man seine Ideologie hat.
    Das hat hier schon religiöse Züge.
    Peinlich, mehr aber auch nicht. Natürlich ist die übliche Fangemeinde auch zur Stelle.

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  10. Genau dieser Kontext ermöglicht ja gerade eine visuelle Darbietung parabolischer Fixiertheit. Nicht diejenigen, die glauben Erziehungsbemühungen würden letztlich Massengesellschaften formen, sondern der Überwachungsstaat konditioniert jegliche Reflexe doppelt und führt zu deren endgültiger Etablierung auf allen der vier Ebenen. Daher gilt es sich entsprechend den Möglichkeiten nicht zu intensiv einwickeln zu lassen um noch die Konzentration für ein an breiter Basis und für Faschos intolerantes Aufbegehren kausal zu ermöglichen!

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  11. Lieber David,

    dann dürfte es ja für Sie kein Problem sein, auf die Schnelle zehn deutsche Politiker aufzuzählen, die in den vergangenen zwölf Monaten von „entarteter Politik“ gesprochen haben. Vielleicht finden Sie auch noch passende Anhänger der jeweiligen Protagonisten, die sich freuen, dass „viele Deutsche erwacht sind“?

    Weiterhin werden Politiker gesucht, die die Gesellschaft mit einem Organismus gleichsetzen und ungefragt Thesenpapiere zum Islam heraushauen.

    Wenn Sie Tipps brauchen, wo man solche Leute findet: Melden Sie sich einfach wieder.

    Gruß
    PG

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  12. @Rainer Franzolet

    Goebels hätte kaum Freude daran. Aber wenn man von Geschichte halt so gar keine Ahnung hat, dann bringt man halt schon mal was durcheinander, gell.

    Ansonsten leeres Geblubber, wohl kopiert von Pepe oder gar der selbe.

    Und immer das Gejammere, ihr seid schon Arm dran.

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  13. @Rainer Franzolet: Fakten, Fakten, Fakten, is schon klar. Ressentiments sind, wer haetts gedacht, Fakten (das Zauberwort eines jeden ressentiment beladen „Faktenkundigen“).
    Uebrigens die „Realitaet“ (zweites Zauberwort eines jeden ressentiment Beladenen), ist wenn sie scheisse ist, immer kritikwuerdig und nicht automatisch „richtig“.
    Alles andere ist pure „Ideologie“. Das erinnert mich an meine Studienzeit, da ist auch so eine rechtsliberale Fachschaft mit dem Namen „Argumente statt Parolen“ angetreten. 😉

    PS: Der Hinweis von rechtsbuergerlichen auf das NS-System, wenn es um die Diffamierung von linker Kritik geht, hat so nen langen Bart und ist nicht nur falsch sondern auch eine Bagatellisierung. Viel lieber sollten solche Menschen mal ihre eigene Affinitaet zu autoritaerem Gedankengut nachdenklich stimmen. ;))

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  14. Sehr geehrter Herr Gensing:
    – Zur ersten Frage: Helmut Schmidt und Wolfgang Schäuble haben von Entartungen in der Politik gesprochen (kann man leicht ergoogeln). Beide Politiker sind unverdächtig irgendeiner Nähe zu Nazigedanken.
    – Im Duden und in anderen ähnlichen Nachschlagewerken wird die Bedeutung des Wortes „Entartung“ mit „negativer Abweichung von der Norm“ erklärt. In diesem Sinne wird es bei Herrn Prof. Lucke benutzt- eine negative Abweichung von der Norm. Das ist auch das Verhalten der Medien und dieser Webseite gegenüber einer jungen Partei wie der AfD.
    – Wenn sie möchten, können sie tausende Artikel ergoogeln, in denen das Wort „Entartung“ benutzt wird- mit Nazis hat das ebenso wenig zu tun wie die Autobahn oder die Farbe braun oder der Komponist Wagner.
    – Dass jemand den Mut hat, ein Thesenpapier zum Islam zu veröffentlichen, begrüße ich sehr. Politik und Medien scheuen sich in gemeinsamer Feigheit, dieses für die Zukunft unseres Landes wichtige und gefährliche Thema anzusprechen. Das Herumdrücken um die Karikaturen in Deutschlands Presse (im Gegensatz zu Frankreich) war mehr als peinlich. Vielleicht nimmt sich Publikative org mal dieser Thematik an und diskutiert das Thesenpapier.
    – Wo die genannten Vergleiche herkommen, weiß ich nicht. Aber Vergleiche habe es nunmal so an sich, dass sie eine Seite besonders betonen- ich benutze bei Einwanderungen in Sozialsysteme gern den Vergleich, das ein Fremder in meine Familie kommt und dort am soldarisch Gesparten teilhaben will. Das ist nur ein Vergleich, aber er trifft es gut.

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  15. Lieber David,

    Ihre Antwort überzeugt mich wenig. Sie behaupteten:

    „Es gibt zigtausende Artikel, auch Reden von Politikern, wo das Wort vorkommt.“

    Nun nennen Sie mir zwei Politiker, bei denen dies leicht zu ergooglen wäre. Man stößt beim Suchen aber hauptsächlich auf AfD-Foren, wo genau auf diese beiden Politiker verwiesen wird. Eine selbstreferentielle Angelegenheit.

    Wie ich selbst geschrieben habe, ist der Begriff entartet im Zusammenhang mit Naturwissenschaften vollkommen unproblematisch, im kulturellen und politischen Kontext ist er aber eindeutig vorbelastet, das können Sie drehen und wenden wie Sie wollen. Und welche Ideen hinter einer Gesellschaft als Organismus steckt, können Sie leicht ergooglen 😉

    Gruß
    PG

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  16. Ein sehr interessanter Artikel,

    auch die PKW-Maut für „Ausländer“ ist ein Beispiel für rechte Stimmungsmache. Der Wahlerfolg für die CSU zeigt dies deutlich. Das es sich dabei um eine Maut für nicht in Deutschland zugelassene Autos handelt, war ich doch sehr über die Wortwahl „Ausländer“ sowohl in der Politik, wie auch den Medien irritiert.

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  17. Wieder mal ein schöner Flickenteppich des angeblich rechten Spektrums und diverser Einzelakteure vereint. Ist das eine Art Jahresrückblick? Info-
    mäßig möchte ich mal hinzufügen, daß die AfD sich gerade vom rechten
    europäischen Rand wie Wildes und Le Pen deutlich distanziert hat. Aber das zu erwähnen paßt natürlich nicht in das enge Weltbildkorsett.

    Von den o. g. ist einzig die NPD faschistisch, eine Truppe, die wahrscheinlich schon längst in der Bedeutungslosigkeit versunken wäre,
    wenn sie nicht von Teilen der Presse immer wieder als braune Gefahr
    hochgewürdigt worden wären. Das erhöht natürlich die Anziehungskraft für Außenseiter, die irgendwie in Naziparolen einen höheren Sinn zu erkennen
    glauben.

    Die AfD, Thilo Sarrazin und Freiwild kann man, wenn überhaupt, einen patriotischen Sinn für Heimat unterstellen, aber das reicht ja heute auch schon aus, um von links in Verdacht zu geraten. Die AfD und Sarrazin machen sich Gedanken über die Zuwanderung und Europa, Gedanken, die nicht allein darauf beschränkt sind, das der Rest der Welt hier „Schutz“ findet, sondern weiterdenkt: Welche Folgen hat das?
    Ist das finanziell anhand der hiesigen Möglichkeiten machbar? Wie wirkt die Zuwanderung auf die Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung?
    Diese Dinge beschreibt Thilo Sarrazin in seinem Buch ausführlich.
    Aber gesamtgesellschaftliche Verantwortung und Problemlösungen im Detail widersprechen sich mit ideologischen Weltbildern, das wird auch in diesem Artikel klar.

    Zum Beispiel könnte man ja die Frage stellen, ob die Flüchtlinge aus Syrien z. B. in einem geschützten Lager in Jordanien mit Schutz gegen Kälte, mit Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung nicht genauso
    und vor allem heimatnah untergebracht werden können? Es drängt sich der Verdacht auf, daß die Zuwanderung ein mittlerweile beliebtes politisches Kampfmittel ist, um die Gesellschaft zu polarisieren. Zu Lasten der ärmeren deutschen Bevölkerung, die ohnehin schon unter den Kämpfen um Wohnung, Sozialmittel und Arbeitsplätzen zunehmend zu leiden haben.

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  18. @rene

    Ganz schön perfide, nun als Beispiel die ärmere deutsche Bevölkerung ins Spiel zu bringen. Da nun Sarrazin so schön als Beispiel gebracht wurde, ist gerade er nicht mitverantwortlich als ehemaliger Finanzsenator in Berlin, hat dieser Sarazzin nicht den HartzVI Empfängern zynisch Wollpullover statt Heizung empfohlen und er der Meinung ist von 2,50 € am Tag kann man sich ausgewogen ernähren. Gerade in Großstädten wie Berlin, München und Frankfurt, in denen die Mieten in den letzten Jahren exorbitant gestiegen sind, deren Nutznießer bestimmt nicht die arme Bevölkerungsschicht ist, aber das sind ja dieselben deren oberstes Gebot der Profit ist und die sich nun hier wegen weiteren 5000 syrischen Flüchtlingen ins Hemd machen. Nur so nebenbei, die achso von euch verachtete muslimische Türkei hat mittlerweile rund eine Million Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Noch ein Beispiel: Wollte oder will nicht einer dieser AFD Vorstände das Wahlrecht von Hartz4 Empfängern und Rentnern halbieren und euer Verein hat sich bis heute nicht distanziert, nein er ist zum Vorstand gewählt worden und da gibts noch viele Beispiele, wie dieser Haufen zu der „ärmeren deutschen Bevölkerung“ steht.

    Bei solchen Ansagen halt ich es mit Max Liebermann, ich habe gerade aus dem Fenster gesehen.

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  19. Nun habe ich den Beitrag in Ruhe gelesen. Wirklich: Großes Kompliment. Gut, dass auch „unser Grass“ angemessene Beachtung findet. (http://www.exilpen.de/Texte/englhart_grass_060813.html)

    Der Schlusssatz sollte eine Mahnung sein: „Es ist die Geschichte von Biedermännern und Brandstiftern, die sich zu wiederholen droht. Der rechte Rand in der Bundesrepublik ist bürgerlicher geworden. Eine gute Nachricht ist das nicht.Weiter so.“

    Ja, paraphrasierend könnte man konstatieren 🙂 : „das edelste journalistische Gericht, das man sich denken kann.“
    Prima, dass Du im journalistischen Alltag noch zu derart wertvollen Beschreibungen und Analysen kommst!

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  20. @ Hades
    „Da nun Sarrazin so schön als Beispiel gebracht wurde, ist gerade er nicht mitverantwortlich als ehemaliger Finanzsenator in Berlin, hat dieser Sarazzin nicht den HartzVI Empfängern zynisch Wollpullover statt Heizung empfohlen und er der Meinung ist von 2,50 € am Tag kann man sich ausgewogen ernähren.(…)Noch ein Beispiel: Wollte oder will nicht einer dieser AFD Vorstände das Wahlrecht von Hartz4 Empfängern und Rentnern halbieren und euer Verein hat sich bis heute nicht distanziert, nein er ist zum Vorstand gewählt worden und da gibts noch viele Beispiele, wie dieser Haufen zu der “ärmeren deutschen Bevölkerung” steht. “
    Exakt das ist es, was die AfD Anhänger nicht verstehen. Bei der AfD haben sich die neoliberalen und konservativen Hardliner versammelt, die genau die Politik immer unterstützt haben, die letztendlich zur Ausbreitung von Armut geführt hat. Lucke hat auch schon 2005 einen ausgeweiteten Niedriglohnsektor gefordert:
    „Die unangenehme Wahrheit besteht deshalb darin, dass eine Verbesserung der Arbeitsmarktlage nur durch niedrigere Entlohnung der ohnehin schon Geringverdienenden, also durch eine verstärkte Lohnspreizung, möglich sein wird. Eine Abfederung dieser Entwicklung ist durch verlängerte Arbeitszeiten, verminderten Urlaubsanspruch oder höhere Leistungsbereitschaft möglich.“
    http://www.wiso.uni-hamburg.de/fileadmin/wiso_vwl_iwk/paper/appell.pdf

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  21. Ich denke der Artikel bringt es gut auf den Punkt.

    Ich selbst verstehe mich als antifaschistischen/-rasistischen Patrioten.

    Ich liebe Deutschland und hasse Nazis. Deswegen sehe ich mich auch des öfteren mit dem Gegenwind konfrontiert, der „Wolf im Schafpelz“ zu sein.
    Und dieser Gegenwind ist gut. Denn diese (ehrliche) Einstellung ist zum Mode- bzw. Werbegag für braunen Dreck geworden.

    Also Augen auf und wehret den Anfängen!

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  22. Lieber PG,

    ich denke, mein Beitrag beantwortete klar ihre Einwände:
    – Die Reden von Schmidt und Schäuble sind leicht zu ergoogeln, mit der AfD haben die nichts zu tun, diese Reden waren viel früher.
    – Die Bedeutung von „Entartung“ als „negative Abweichung von der Norm“ steht in meinem ganz alten Duden und auch an anderen Stellen. Diese Bedeutung erstreckt sich auf alle Bereiche, auch auf die Politik. Genau diese negative Abweichung von der Norm machen die Medien gerade mit der AfD- deshalb traf Luckes Bemerkung absolut ins Schwarze. Getroffene Hunde bellen eben.
    Warum suchen sie solche gar nicht vorhandenen Krümel, haben sie keine echten Einwände gegen die AfD?

    Horst und andere:
    Die Bemerkung von Lucke über die Notwendigkeit eines starken Niedriglohnsektors war und ist ökonomisch richtig, denn es gibt viele Arbeiten, die sehr niedrige Qualifikationen erfordern, und viele Arbeitnehmer, die nur in solchen Stellen Arbeit finden.
    Ein Beispiel:
    Ich habe gerade in einem Urlaubsort erlebt, dass Leute aus dem Ort für das Hotel stundenweise einfache Arbeiten verrichten (Zimmersäubern, Fahrradausleihe, Reparaturen etc)- diese Menschen erhalten niedrigen Lohn, hätten aber sonst überhaupt keine Arbeit und würden keine finden zu einem normalen Lohn. Sie brauchen auch nicht davon zu leben, weil oft der Ehepartner arbeitet oder weil sie andere Unterstützungen erhalten.
    Das wirkliche Problem besteht darin, Firmen und Großkonzerne qualifizierte Arbeitnehmer durch Auslagerungen und andere Tricks in Niedriglohnverhältnisse oder prekäre Beschäftigungen zwingen.

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  23. Lieber David,

    Sie haben immer noch kein einziges aktuelles Beispiel für die Verwendung des Begriffs „Entartungen der Politik“ gebracht.

    Sie verweisen darauf, ganz Herrn Lucke bei Plasberg folgend, Helmut Schmidt und Wolfgang Schäuble hätten diesen Begriff ebenfalls benutzt. Quellen dafür gibt es weiterhin nicht.

    Und selbst wenn dem so ist: Damit bleibt der Begriff historisch vorbelastet. Edmund Stoiber sprach einst von einer „durchrassten Gesellschaft“ – ist der Begriff deswegen unproblematisch?

    Der Standardspruch „getroffene Hunde bellen“ ist ziemlich abgestanden, damit soll Kritik, die man argumentativ nicht entkräften kann, abgewehrt werden.

    Ich schaue nun mal in einem Pressearchiv, wann Schäuble und Schmidt diesen Begriff verwendet haben soll und ob es danach Reaktionen darauf gab. Sie scheinen ja nicht in der Lage zu sein, Ihre Behauptungen zu belegen.

    Gruß
    PG

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  24. Lieber David,

    eine umfangreiche Pressedatenbank kennt zu Wolfgang Schäuble und dem Suchbegriff „entart*“ exakt keinen Treffer.

    Helmut Schmidt schrieb im Mai 2011 in der Zeit im Zusammenhang mit der Finanzkrise: „Keineswegs darf man zulassen, dass sie zum Selbstzweck entarten – und erst recht nicht zum ausschließlichen Zweck, ihre Manager zu bereichern.“

    Im April 2011 schrieb er ebenfalls in der Zeit von „Entartungen des Kapitalismus“.

    Kein einziges Beispiel für „Entartungen der Politik“. Schade. Schmidts unsensible Begriffswahl macht nichts besser, immerhin ist gerade im Bereich Finanzmarkt und im sozialdemokratischen Milieu die Tendenz weit verbreitet, beispielsweise von Heuschrecken oder Blusaugern zu sprechen.

    Übrigens war der Begriff „entartet“ in Kombination mit „Kultur“ ein Favorit für das Unwort des Jahres 2007. Frank Brunssen schrieb 2010 in „Aus Politik und Zeitgeschehen“ einen Aufsatz:

    „Das Ende des Zweiten Weltkriegs markierte nicht nur den politischen und moralischen Zusammenbruch Deutschlands, sondern warf auch die Frage auf, wie mit einer Sprache umzugehen sei, die jahrelang von einer imperialistischen und rassistischen Ideologie geprägt worden war. Zwar wurde nach der NS-Herrschaft durch alliierte Direktiven eine Erneuerung der Sprache in Verwaltung und Medien durchgesetzt, doch in der deutschen Alltagssprache konnte von einer Wiederherstellung lexikalischer Zivilität lange Zeit keine Rede sein. Vielmehr schien das sprachliche Erbe des Dritten Reichs, wie Victor Klemperer 1947 bemerkte, „in manchen charakteristischen Ausdrücken überleben zu sollen; sie haben sich so tief eingefressen, dass sie ein dauernder Besitz der deutschen Sprache zu werden scheinen“ . Erst seit den 1960er Jahren ist der Frage nach dem öffentlichen Umgang mit sprachlichen Ausdrücken, die seit ihrer Instrumentalisierung im „Dritten Reich“ als „belastet“ gelten, in der Bundesrepublik breitere Aufmerksamkeit zuteil geworden. Die zunehmende Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das, was die Linguistik als „Weiterverwendungsproblematik“ bezeichnet, lässt sich seit 1991 unter anderem an der Wahl von „Unwörtern des Jahres“ ablesen, unter denen immer wieder nazistisch konnotierte Ausdrücke auffallen zum Beispiel „durchrasste Gesellschaft“ (1991), „Selektionsrest“ (1993) oder „entartet“ (2007).“

    Also, nochmal die Bitte: Wann und wo haben Helmut Schmidt und Wolfgang Schäuble den Begriff „Entartungen der Politik“ verwendet? Weiterhin wollten Sie eigentlich noch die zahlreichen weiteren Beispiele bringen. Wir warten weiterhin gespannt.

    Gruß
    PG

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  25. Lieber PG,
    das Einsetzen von Fehlern scheint nicht ihre Stärke zu sein.
    Deshalb nochmal:
    Das Zitat von H. Schmidt aus der Zeit über die „Entartung des Kapitalismus“ hatten sie schon genannt. Das von W. Schäuble aus einer Rede von ihm über die Berliner Mauer findet man sogar auf seiner Homepage (die können sie ergoogeln). Darin hat er gesagt:
    „Das Gedenken an den Bau der Berliner Mauer lädt unweigerlich zum Nachdenken über Entartungen von Macht und Politik ein. Es sind solche Entartungen, die die Mauer vermeintlich notwendig …“
    In BEIDEN Zitaten wurde von Entartungen im Zusammenhang mit politischen Vorgängen gesprochen wie ich es behauptet hatte. (Dass das Wort „Kapitalismus“ Politik meint, wollen sie sicher nicht bestreiten.) Das Schmidt-Zitat mit der Entartungsaussage findet man in der ZEIT oft modifiziert und wiederholt.

    Kommen wir zur Bedeutung des Wortes Entartung zurück (negative Abweichung von der Norm)- diese Bedeutung trifft Luckes Aussage ganz genau. Das Verhalten von Medien und Politik (auch von Publikative org) gegenüber der AfD ist eine negative Abweichung von der Norm!

    Die Aussagen im Aufsatz von Bunnsen teile ich nicht: Wir können uns nicht von den Nazis vorschreiben lassen, welche Bedeutung Worte unserer deutschen Sprache zukünftig haben- dann hätten die Nazis ja doch gewonnen.

    Mein alter Professor an der Uni sagte, eine unwahre Aussage zu beweisen ist immer sehr schwierig und erfordert viel, auf jeden Fall schwieriger als die Wahrheit zu belegen. So ist es auch hier:
    Der Versuch, die AfD in die rechtsextreme oder Naziecke zu rücken, ist schwierig, weil dies einfach falsch ist. Deshalb wird er scheitern.
    Bekämpfen sie richtige Nazis, da bin ich dabei, aber nicht integre und kompetente Menschen wie Prof. Lucke. Wir haben leider nicht viele davon, die sich in die Politik wagen.

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  26. Lieber David,

    wir kommen da nicht zusammen. Sie behaupten, der Begriff sei unproblematisch und verweisen aus zwei Politiker, die diesen auch benutzt haben (davon einer im wirtschaftlichen Kontext). Sie maßen sich an, die Norm zu definieren und nach diesen Vorgaben Ihre Feindbilder zu definieren („auch publikative.org“).

    Sie behaupteten weiterhin ohne überzeugende Belege, der Begriff „entartet“ werde praktisch ständig auch im politischen Kontext benutzt:

    „“Es gibt zigtausende Artikel, auch Reden von Politikern, wo das Wort vorkommt.“

    Stimmt nicht. Ein aktueller Politiker ist nicht die Regel, sondern die Ausnahme.

    Und weiter:

    „Deshalb sollten auch sie wissen, dass der Begriff der Entartung in ALLEN Bereichen der Wissenschaft und auch in der Politik eine klare Bedeutung hat.“

    In der Tat: In der Politik und Kultur hat er eine klare historisch Vorbelastung.

    Ich denke, die Argumente sind ausgetauscht. Ich erlaube mir daher, die Diskussion von meiner Seite aus zu beenden. Es steht Ihnen natürlich frei, Ihre Sicht der Dinge nochmals aufzuschreiben (trotz EUdSSR, Zwangsgebühren und PC-Terror gegen „Andersdenkende“ ;-)).

    Gruß
    PG

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  27. Klar Fred der dumme Michel denkt bei Ausländer Maut natürlich daran das Ausländer die in Deutschland wohnen diese Gebühr bezahlen müssen.Wie Paranoid bist du eigentlich?

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  28. Helmut Schmidt war Offizier der Wehrmacht, Träger des Eisernen Kreuzes. Die Logik Helmut Schmidt hätte den Begriff auch benutzt und deshalb könne es sich automatisch nicht um „Nazivokabular“ handeln, leuchtet mir unter diesem Aspekt gar nicht ein.

    Schäubele tritt gegen das tote „rote“ System nach und möchte das eigene System im innerdeutschen und europäischen Konflikt als Sieger und NORMGEBEND darstellen. Das ist ihm mit diesem rhetorischen Kniff gelungen. Und ja, das aktuelle politische System wird oft als das überlegene betrachtet. Das kann man durchaus auch kritisieren.

    Bernd Luckes Einschätzung des existierenden politischen Geschehens als „entartet“, lässt sich wohl zweifelsfreier mit Pastörs(NPD) „Judenrepublik“ vergleichen. Bei Betrachtung der Gesichtspunkte, die für einen sauberen Vergleich relevant sind, muss man das wohl so sagen.

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  29. Hallo Quarktasche,

    ich denke nicht, dass man versuchen sollte, Lucke als Nazi darzustellen. Das ist er sicherlich nicht.

    Vielmehr geht es um einen verantwortungslosen Umgang mit Sprache, um das Kokettieren mit vermeintlichen und tatsächlichen Tabus, um die Mischung aus Anti-EU-Parolen+Islam+Einwanderung, um sein offenbar technisch-biologistisches Weltbild. Eben Biedermann und Brandstifter.

    Schön, dass die AfD derzeit – bildlich gesprochen – ihr eigenes Haus abfackelt, weil sie sich eben die Klientel rangeholt hat, die auf solche Parolen anspringt.

    Gruß
    PG

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  30. Lieber PG,
    da sie nie auf Argumente anderer eingehen, bringt die Diskussion wenig. Ich will dennoch meine Sicht nochmal zusammenfassen (ich hoffe, sie können bei folgendem etwas zustimmen):
    – Das Wort Entartung bedeutet „negative Abweichung von der Norm“ (Duden, Wikipedia etc). Dabei wird kein Gebiet ausgenommen.
    – Das Wort wurde von Schmidt und Schäuble in Reden benutzt (bei Schmidt als Bezeichung für eine Form des Kapitalismus, als auch politisch) und Medien haben nicht Anstoss genommen (weil das Wort seiner Bedeutung nach gepasst hat).
    – Es gibt zigtausend wissenschaftliche Artikel, in denen das Wort mit der oben angegebenen Bedeutung benutzt wird.

    Unterschiedlicher Meinung sind wir in folgendem:
    Ich meine, Worte unserer Sprache haben Bedeutungen, die wir uns nicht durch Nazis oder eifrige „linksgrüne“ Sprachdeuter (die neuerdings sogar alte Kinderbücher attackieren) zerstören lassen sollten.
    Es ist die Sprache unseres Volkes und die Basis unserer Kultur!

    Zur AfD:
    Wir alle sollten hoffen, dass sich die AfD nicht selbst zerlegt und Volkspartei wird- sonst wird die verfehlte Eurorettungspolitik noch teurer und kostet uns vielleicht unseren Wohlstand und dann wird das Geschrei groß sein.

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  31. Hallo Patrick,

    absolute Zustimmung. Ich bin selbst kein Fan von (krummen) Vergleichen. Das wollte ich eigentlich nur aufzeigen: man kann damit dies und jenes „belegen“ und ist am Ende doch nicht weiter… Finde es viel sinnvoller die Dinge aus sich heraus zu begründen. So wie du es tust:

    „Vielmehr geht es um einen verantwortungslosen Umgang mit Sprache, um das Kokettieren mit vermeintlichen und tatsächlichen Tabus, um die Mischung aus Anti-EU-Parolen+Islam+Einwanderung, um sein offenbar technisch-biologistisches Weltbild. Eben Biedermann und Brandstifter.“

    …und schließe mich deshalb an. 🙂

    Beste Grüße!
    QT

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  32. @David
    es reicht. Das was Sie in den letzten Tagen von sich gegeben haben, ist mittlerweile unerträglich. Und kommen Sie mir jetzt nicht mit Verweigerung einer sachlichen Diskussion, den Pfad haben Sie schon lange verlassen oder besser gesagt nie betreten. Hören Sie auf, sich anzumaßen, für alle zu sprechen, das tun Sie nicht. „Wir“ sind keine amorphe Masse, sondern selbständig denkende Individuen, mit eigener Erfahrung und vor allem eigener Meinung. Sie halten sich für einen kritischen Menschen, weil Sie der AFD und Lucke hinterhecheln, das sind sie aber nicht. Ich habe selten so eine Ergebenheit in Texten, gegenüber einer Partei oder einer Person erkannt wie bei Ihren, das hat schon was von Gläubigkeit oder Sie werden bezahlt dafür. Und die penetrante Wiederholung Ihrer sogenannten Argumente macht diese auch nicht wahrer, sondern es beweist nur, diese Partei wird nie eine Alternative sein.

    Also bleibt mir nur eins, ich verweise nochmals auf meinen Text vom 24 November 2013 at 13:39.

    Ich habe fertig.

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  33. Hades:
    Haben sie auch ein ARGUMENT oder beten sie nur dem Autor nach?
    Ansonsten stimme ich ihnen zu, frei nach K. Adenauer:
    wir haben zwar alle den gleichen Himmel, aber nicht den gleichen Horizont.

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  34. Lieber David,

    du hattest es doch eigentlich „schön“ zusammengefasst:

    „Unterschiedlicher Meinung sind wir in folgendem:
    Ich meine, Worte unserer Sprache haben Bedeutungen, die wir uns nicht durch Nazis oder eifrige “linksgrüne” Sprachdeuter (die neuerdings sogar alte Kinderbücher attackieren) zerstören lassen sollten.
    Es ist die Sprache unseres Volkes und die Basis unserer Kultur!“

    Du stellst Nazis und „Linksgrüne“ auf eine Stufe. Das ist natürlich mehr als unsachlich. Startest einen persönlichen Angriff nach dem anderen: „…oder beten sie nur dem Autor nach?“

    Missionieren willst du offensichtlich nicht. Das ist ja schon mal angenehm. Ich denke auch du wirst für dein Verständnis von Volk und deine Art der Kultur, so wie du sie in deinen Kommentaren darbietest, hier keine Anhänger finden. Eher bestätigst du uns nur.

    Vielleicht muss man auch überflüssigerweise nochmal betonen: das Interesse an der AfD ist eher theoretischer, gesamtgesellschaftlicher oder historischer, als persönlicher Natur. Die Anfeindungen der AfD in der Öffentlichkeit, gegen alles was nicht bei 3 auf den Bäumen ist, reichen allemal aus. Niemand ist verpflichtet sich damit noch die eigenen Kommentarspalten zuzukleistern.

    Für mich gilt auch: einig sind wir uns nur, daß wir uns uneinig sind. Ein Interesse das zu ändern besteht meinerseits nicht. Also können wir das gern beenden, wie schon zuvor gesagt worden ist.

    Grüße

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