Web-Killer übersehen Impressum der Jungen Freiheit

Seit vielen Wochen erreichen Emails und Faxe die Redaktion von Publikative.org. Eine Firma mit dem sympathischen Namen web-killer fordert, nein: bittet die Redaktion den Namen eines Autoren der „Jungen Freiheit“ abzukürzen – obgleich dieser noch bei der JF geführt wird.

Von Patrick Gensing

Am 4. Dezember 2012 hatte Stefan Kubon auf Publikative.org über die Hetze der neurechten Wochzeitung „Junge Freiheit“ gegen Flüchtlinge berichtet. Er bezog sich dabei insbesondere auf die 1990er Jahre. Unter anderem führte unser Autor einen Artikel von Raimo Benger als Beispiel auf.

Kubon schrieb:

Im Herbst 1992 konkretisiert das Blatt seine Agitation gegen Flüchtlinge auf besonders perfide Weise. Denn Raimo Benger phantasiert in einem kruden Hetzartikel davon, der deutsche Otto Normalverbraucher müsse befürchten, in Zukunft seine eigenen vier Wände mit Asylbewerbern zu teilen. In seinem Artikel “Der Griff zu Zwangsmaßnahmen. Asylpolitiker wollen ein ‘Wohnraumzwangsbewirtschaftungsgesetz‘“ (JF, 10/1992) behauptet Benger Folgendes: “Denn auf der Grundlage eines solchen Gesetzes wird die staatliche Zwangseinweisung von Asylbewerbern in des Michels privaten Wohnraum möglich. (…) Bei alledem ergibt sich eine Zwangseinweisung von Asylbewerbern in privaten Wohnraum in Zukunft logisch zwingend.“

Hetze 1992: Asylbewerber beuten Deutsche aus

Im weiteren Verlauf seines Artikels steigert Benger die demagogische Intensität seiner Aussagen noch deutlich. So klagt er darüber, dass der angeblich durch die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs umerzogene Deutsche nicht dazu in der Lage sei, sich wirkungsvoll gegen das drohende “Wohnraumzwangsbewirtschaftungsgesetz“ bzw. die vermeintliche Ausbeutung durch Asylbewerber zu wehren: “Der Aufschrei an den Stammtischen wäre zwar groß, der umerzogene Churchill-Deutsche, der auch bereits jetzt eine Finanzierung von monatlich 5.000 bis 6.000 DM pro Asylbewerber aus seinen Steuergeldern akzeptiert, würde höchstens vereinzelt reagieren. Übergriffe würden mit der Strenge des Gesetzes gemaßregelt, erfolgten sie durch den deutschen Wohnungseigentümer.

In den vergangenen Wochen und Monaten erhielten wir nun zahlreiche Emails und Faxe, die sich auf diesen Artikel beziehen. So zuletzt am 26. November 2013. Wir veröffentlichen nur einen Auszug aus der Email. Der gesamte Wortlaut wurde bereits auf anderen Blogs und in Foren veröffentlicht:

Im Namen unseres Auftraggebers bitten wir Sie nun eindringlich darum, die Seite zu entfernen oder zumindest seinen vollen Namen dort nicht mehr zu nennen. Unser Unternehmen hat sich auf Reputationsmanagement spezialisiert und möchte den Ruf seiner Kunden schützen. […] Wir weisen Sie vorsorglich daraufhin, das die Rechtslage in diesem Fall ungeprüft ist und durch uns auch nicht beurteilt oder bewertet wird. Bitte nehmen Sie unser Schreiben daher als freundliche Bitte zur Kenntnis, anstatt als „Forderung“. Denn dies würde unseren Geschäftsprinzipien widersprechen. Allerdings steht es unserem Kunden ggf. frei, sich an unsere Kooperationskanzlei zu wenden und sich rechtlich vertreten zu lassen. Bitte teilen Sie uns Ihre Entscheidung mit, damit unser Auftraggeber über das weitere Vorgehen entscheiden kann. Geben Sie bei Rückantworten stets das Aktenzeichen an!

Bislang haben wir diese Emails und Faxe ignoriert. Da wir nun aber fünf Mails innerhalb eines Tages erhielten, die offenbar wirklich ernst gemeint sind, und wenig Lust haben, uns über diese Sache weiter mit einem Anrufbeantworter auszutauschen, möchten wir Sie, wertes web-killer-Team, hiermit höflichst bitten, uns mitzuteilen, warum wir den Namen eines JF-Autoren abkürzen sollten, der in der „Jungen Freiheit“ selbst den Weg in die Öffentlichkeit gesucht hat, dessen Artikel in Pressearchiven weiter zugänglich ist – und der in der Autoren-Liste der JF bis heute aufgelistet wird?

Autoren-Liste der Jungen Freiheit, zuletzt eingesehen am 27. November 2013
Autoren-Liste der Jungen Freiheit, zuletzt eingesehen am 27. November 2013

 Teilen Sie uns Ihre geschätzte Antwort mit, was keine Aufforderung sein soll, sondern eine Bitte. Geben Sie dabei das Aktenzeichen 12/13/1/1 an!

PS: Einfacher wäre es übrigens gewesen, eine einfache & freundliche Email ohne web-killer usw. zu schreiben, um die Sache zu besprechen.

Siehe auch: JF: Der Kampf gegen Flüchtlinge als Konstante

 

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