Vollständiges Gutachten im Fall Oury Jalloh

Im Jahr 2005 ist Oury Jalloh in einer Polizeizelle in Dessau verbrannt – unter bislang ungeklärten Umständen. Die „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“ hat nun beim Generalbundesanwalt Strafanzeige wegen Totschlags beziehungsweise Mordverdachts eingereicht. Die Unterstützer hatten zuvor ein neues Brandgutachten präsentiert, das Publikative.org vollständig anbietet.

Die Initiative behauptet – gestützt auf das Gutachten eines Brandgutachters aus Irland – Oury Jalloh habe gar nicht ein so verheerendes Feuer legen können, wie es in der Zelle gewütet hat. Ein solcher Brand sei nur mit Brandbeschleuniger auszulösen, heißt es.

In diesem Video werden die Ergebnisse des Gutachtens vorgestellt. (ACHTUNG: Die Bilder können extrem verstörend sein!)

Oury Jalloh – Das war Mord from Initiative Oury Jalloh on Vimeo.

Das Video auf Englisch.

Hier das vollständige Gutachten, auf das die Initiative sich bezieht. (Auch hier: ACHTUNG, extrem verstörende Bilder und Inhalte): Report full matt test petrol

Wir veröffentlichen dieses Gutachten, damit sich jede/r selbst einen Eindruck verschaffen bzw. ein Urteil bilden kann.

Grüne und Linkspartei in Sachsen-Anhalt fordern nun neue Ermittlungen zu dem Tod von Oury Jalloh.

Der Guardian berichtete ebenfalls über den Fall:

After the latest report, parallels between the NSU trial and Jalloh’s death are likely to attract international attention. Iyiola Solanke, a professor at Leeds Law School who focuses on racial integration, said: „Taken together, the cover-up of the NSU scandal and the superficial investigation into the death of Oury Jalloh raise questions about the conduct of German police towards black and minority ethnic victims of crime. The parallels are worrying and it would be hasty to brush them aside as mere coincidence.“

Siehe auch: Das Klischee vom Rassismus bei der Polizei, BGH kippt Freispruch im Fall Jalloh, Tod von Jalloh: Pro Asyl spricht von institutionellem Rassismus, Der “Affenzirkus” von Dessau

18 thoughts on “Vollständiges Gutachten im Fall Oury Jalloh

  1. Lieber Max,

    da haben Sie Recht, allerdings ist mir und anderen Kollegen auch durchaus aufgefallen, dass der Gutachter nicht sofort durch eine besonders ausgeprägte Seriosität überzeugt, schaut man sich seine Web-Seite usw. an. Für eine Beurteilung des Gutachtens fehlt mir das Fachwissen. Daher habe ich es hier veröffentlicht, damit sich alle selbst einen Eindruck verschaffen können.

    Gruß
    Patrick Gensing

  2. Gut, das mit dem Schweinkadaver habe ich nicht bemerkt, weil ich schnell weggescrollt habe, da ich da ein Abbild eines Menschen vermutete.

    Zur Moral: Naja, also ich denke schon, dass der Antrieb dieser ganzen Seite moralisch intendiert ist, und wenn es nur der Anspruch ist, die Wahrheit offenzulegen. Klar, ‚Moral‘ als Wort ist negativ belegt im Sinne beengender Verhaltensregeln. Ich denke aber schon, dass Moral auch etwas mit Freiheit zu tun hat. Ohne Moral wäre kein Rechtsstaat möglich, und somit letztlich auch nicht ihr ehrenwerter Kampf für diesen.

    P.S.: Danke für den Hinweis zum Video!

  3. zunächst mal vielen dank für die co-veröffentlichung von video und gutachten…

    …zu den verschiedenen „experten“-meinungen zum gutachter und gutachten:
    1 – herr smirnou ist brandermittler mit 10-jähriger erfahrung v.a. in weissrussland und hat die versuche handwerklich nachvollziehbar durchgeführt und dokumentiert … präzise nachfragen sind jederzeit willkommen!
    2 – gerichtliche gutachter waren a) nicht bereit generell ein wissenschaftliches gutachten zum fall zu erstellen bzw. b) hätten auf einem 1:1 nachbau der zelle bestanden (damit es auch ja schön wissenschaftlich sein kann) … insofern ist ein improvisationsfähiger handwerker in der lage gewesen, die versuche solide durchzuführen – im gegensatz zu wissenschaftlichen bücherwürmern
    3 – die ergebnisse der untersuchung werden „wissenschaftlich“ nicht zu widerlegen sein – maximal wird sich jemand finden lassen, der/die relativierende umstände so weit aufbläst, dass es schutzrichter als nicht auszuschliessende ausrede werten könnten (je mehr fakten jedoch bekannt sind, umso schwieriger wird das werden!)
    4 – werden gerichtliche gutachter vom gericht bestellt – ein unabhängiger gutachter kann(!) vor gericht gehört werden … die eigentlichen gutachten der gerichte kommen sowieso erst noch

    …wir haben mit großem persönlichen einsatz den einstieg in eine aufklärung geschaffen…und schon melden sich pragmatiker, skeptiker und wissenschaftsexperten mit zukunftsprognosen…mag sein dass das am rechtsstaatfatalismus liegt – weil eben nicht sein kann, was nicht sein darf.

    ein wort zum schluss: gesicherte fakten sind allemal wichtiger, als das format oder die sprache, in der sie präsentiert werden!

    solidarische grüsse von der initiative

  4. Danke für die Stellungnahme! Und natürlich für die unermüdliche Arbeit. Den Job hätte eigentlich der Rechtsstaat übernehmen müssen. Eigentlich.

    Bin gespannt, was nun passiert.

    Grüße
    Patrick Gensing

  5. Es wäre mal interessant ob die Polizisten wissen konnten das Laye-Alama Condé am gleichen Tag starb. Der war bei einem Brechmitteleinsatz ins Koma gefallen und kam auch aus Sierra Leone, das ist ja schon etwas merkwürdig.
    Die Sache mit Oury Jalloh erinnert mich an den Tod von Florian H., der vor kurzem auf dem Canstatter Wasen in Stuttgart in einem Auto verbrannte, an dem Tag an dem er zum NSU vernommen werden sollte. Da sagt man das man nicht ermittelt, weil ja so klar ist das es sich um Selbstmord handelt. Und es gab schon eine falsche Angabe, zunächst liess man verlauten jemand habe gesehen wie Florian H. zum Auto ging, dann bestritt die Polizei dies gesagt zu haben. Und sogar das mit den beiden Uwes und dem brennenden Wohnmobil in Eisenach ist undurchsichtig, auf dem Tatortfoto ist kein Blut an der Wand hinter Mundlos zu sehen, der sich im sitzen in den Kopf geschossen haben soll.
    Es müsste bei solchen Fällen innerhalb der Polizei ermittelt werden, das kann ja ohne weiteres sein das sich da welche organisiert haben, und das dies nicht auf eine einzelne Wache beschränkt ist.

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