Mundlos-Vater: NSU wäre leicht zu finden gewesen

Vor dem Untersuchungsausschuss in Thüringen hat der Vater von Uwe Mundlos schwere Vorwürfe gegen die Polizei und den Geheimdienst erhoben. Die Neonazi-Szene sei durch Steuergelder aufgebaut worden, so Siegfried Mundlos. Zudem hätte man seinen Sohn, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe schnell finden müssen.

Von Redaktion Publikative.org

Chemnitz sei nicht wirklich überrascht als Zielort ausgewählt worden, erklärte der Zeuge Siegfried Mundlos sinngemäß. Nach Angaben der Seite haskala sagte er weiter, sein Sohn Uwe, Uwe Böhnhardt sowie Beate Zschäpe seien zum „Ex-Lover der Frau Zschäpe, dem Herrn Starke“ gefahren. Mundlos bezeichnete diesen als Vertrauensperson der Polizei sowie der Ex-Stasi, der auch das TNT für das Trio gebracht habe. “Wenn sie 1+1 zusammenzählen können, dann können sie zum Schluss kommen […] man hat gewusst, dass sie in Chemnitz sind! Man hätte in den ersten vier Wochen die unbedingt fassen können”, alles andere sei “Unfug”.

Starke hatte unter der Kennung VP 562 zehn Jahre lang als Spitzel für das LKA gearbeitet und lieferte mehrmals Hinweise auf das gesuchte Trio. Für die späteren Rechtsterroristen soll er bereits in den 1990er Jahren Sprengstoff besorgt haben. Zudem soll er nach Antifa-Recherchen tief in die sächsischen Strukturen des Nazinetzwerkes von “Blood & Honour” verwickelt gewesen sein. Dass Starke als Spitzel arbeitete, verheimlichte das LKA dem Untersuchungsausschuss des Bundestags über Monate. Erst im März 2012 informierten die Berliner Polizisten den Generalbundesanwalt, der dann wiederum den U-Ausschuss unterrichtete. Eine von zahlreichen „Pannen“ – man könnte auch von einer Desinformationskampagne sprechen.

„Ein Verfassungsschutz-Netz“

BKA-Fahndungsbild: Uwe Mundlos
BKA-Fahndungsbild: Uwe Mundlos

Siegfried Mundlos schob in seiner Zeugenaussage die Verantwortung dementsprechend auf die staatlichen Stellen ab. Zur Adressen-Liste, die bei seinem Sohn gefunden wurde, erklärte er: “Das ist doch kein NSU-Netz, das ist ein Verfassungsschutz-Netz!” Dann zählte er einige der dort stehenden Namen auf: „Kai Dalek, Tino Brandt, Thomas Starke… diese wären später als V-Leute aufgeflogen. Wenn bei 30 Adressen 5 V-Leute dabei sind, dann ist das schon beachtlich.“ Sein Sohn sei “von einem V-Mann zum nächsten V-Mann weitergereicht” worden, sei er sich sicher. Auch wenn der Hinweis auf die zahlreichen V-Leute stichhaltig ist, erscheint die Aussage von Mundlos auch wie eine Entlastungsstrategie für den Sohn.

Dafür spricht auch die Aussage von Siegfried Mundlos, wonach er glaube, dass man die drei benutzt habe, “um in gewissen Kreisen Informationen zu bekommen”. Er äußerte sinngemäß, der Verfassungsschutz habe gewollt, dass sein Sohn gemeinsam mit Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe im Januar 1998 aus Jena in den Untergrund gehe. Die Bombenwerkstatt könne dazu auch die Legende gewesen sein, so seine Theorie, um als “U-Boot” an die “heranzukommen, an die man sonst nicht heran kam”. Zudem bezeichnete Siegfried Mundlos die untergetauchten Neonazis als „naiv“. Sein Sohn habe sich aus falsch verstandener Kameradschaft mit Uwe Böhnhardt in den Untergrund bewegt.

LKA drohte angeblich mit Erschießung der Neonazis

Heute sagt die Mutter von Uwe Böhnhardt vor dem Oberlandesgericht in München aus. Brigitte Böhnhardt hatte bereits im Juni 2013 vor dem U-Ausschuss in Thüringen ausgesagt. Sie hatte nach der Flucht der Neonazis noch Kontakt zu diesen. Sie behauptete laut haskala vor dem U-Ausschuss, das LKA Thüringen habe ihr gedroht, ihren Sohn zu erschießen. “Wenn wir die treffen und aufspüren, […] wenn sie zucken […], unsere Leute haben das gelernt, die sind schneller”, soll ein Polizist gesagt haben – eine Anspielung, die drei zu erschießen, so die Zeugin. Es sei für sie klar geworden, dass man gar nicht wollte, dass die drei sich stellen.

Zudem seien Polizisten heimlich bei der Familie Böhnhardt eingedrungen, um ihrem Sohn Uwe Gegenstände „unterzuschieben“: „Die Polizei hatte einmal drei Dolche gefunden, da dachte sie “du lieber Gott”, Sohn Uwe hätte doch gewusst, dass sie Angst vor Messern habe. Auch wurde mal eine große Armbrust gefunden, Zeugin Böhnhardt fragte sich aber, wo die hätte versteckt werden sollen.“

Wiedersehen vor Gericht

“Ich sehe neben dem Kriminellen auch immer meinen Sohn”, sagte Mutter Böhnhardt. Sie hätte gelegentlich Wut auf die Polizei gehabt. “Einmal haben sie Beate Zschäpe einfach abends in Kahla gelassen”, “da fuhr die nächsten Hundert Jahre kein Zug mehr”. Zschäpe hatte Mutter Böhnhardt dann angerufen, die sie dort abholte.

Heute treffen sich Brigitte Böhnhardt und Beate Zschäpe wieder. Spannend dürfte sein, wie Zschäpe reagieren wird.

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