Russische Klinik will Usbekin auf der Straße gebären lassen

Wie alltäglich der Rassismus in Russland ist, zeigt ein Beispiel aus Wladiwostok. Dort weigerte sich das wichtigste staatliche Geburtshaus, eine 28-jährige Usbekin, bei der bereits die Wehen eingesetzt hatten, aufzunehmen.

Von Ulrich Heyden, Moskau

In russischen Medien und im Internet wird wieder mal heftig um die nichtlegalen Migranten gestritten. Anlass für die neuesten Debatten ist der Fall von Schaira Ulaschjowa. Die hochschwangere Usbekin wurde, obwohl die Wehen schon eingesetzt hatten, von der Geburtsklinik Nr. 1 in Wladiwostok abgewiesen. Das Krankenhauspersonal wollte die 28 Jahre alte Usbekin nicht aufnehmen, weil die Schwangere weder Geld noch einen Ausweis dabei hatte.

Die 28-jährige Usbekin wurde von der Klinik abgewiesen, legte sich daher auf den Gehweg.
Die 28-jährige Usbekin wurde von der Klinik abgewiesen, legte sich daher auf den Gehweg.

Die Usbekin, bei der die Wehen schon eingesetzt hatten, legte sich daraufhin auf einen Gehweg vor der Klinik, wie dieses Video zeigt. Die Frau stöhnte und schrie. Während Mitarbeiter des Krankenhauses die Gebärende von den Fenstern aus beobachteten, alarmierten Passanten die Polizei und die Erste Hilfe, welche Schaira Ulaschjowa dann gemeinsam auf einer Trage in die Notaufnahme des Krankenhauses schafften. Dort überredeten die Polizisten die Ärzte, die Gebärende doch noch aufzunehmen. Wenige Minuten später kam ein gesunder Junge zur Welt.

Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen wegen unterlassener Hilfe auf. Das russische Sicherheitskomitee erklärte jedoch, es bestehe kein Straftatbestand. Wenn es bei der Geburt zu Verletzungen oder einem Todesfall gekommen wäre, wäre das Urteil des Sicherheitskomitees möglicherweise anders ausgefallen. Der Chefarzt der Geburtsklinik, Witali Melnikow, erklärte gegenüber der Komsomolskaja Prawda, die Usbekin habe ein lautstarkes „Spektakel“ inszeniert, um eine Entbindung in der Geburtsklinik zu erzwingen.

Flucht aus der Klinik

Wie russische Medien berichteten, flüchtete Schaira einen Tag nach der Geburt mit ihrem Kind aus dem Krankenhaus, wurde jedoch vom staatlichen Migrationsdienst festgenommen. Die Usbekin soll jetzt in ihre Heimat deportiert werden, was jedoch vor Ablauf eines Monates nicht möglich ist. Neugeborene dürfen in Russland erst ab dem Alter von einem Monat in im Flugzeug transportiert werden.
Nach russischen Medienberichten hat Schaira Ulaschjowa bereits vier Kinder und lebt seit vier Jahren in Russland. Ihr Mann arbeitet als Hauswart. Die offizielle Registrierung der Frau im Gebiet Wladiwostok endete 2011. Demnach wäre Schaira eine nichtlegale Migrantin. Russische Zeitungen behaupteten, Schaira, würde sich als Betterlin Geld verdienen. Woher diese Information stammt, ist unklar. Sie passt jedoch in die von den Medien geschürte Stimmungsmache gegen Migranten.

Staatsbürgerinnen Usbekistans, die in Russland registriert sind, müssen nach einer zwischenstaatlichen Vereinbarung zwischen Russland und dem zentralasiatischen Land von russischen staatlichen Kliniken behandelt werden. Tatsächlich kommt es jedoch immer häufiger vor, dass Migranten – selbst wenn sie eine Aufenthaltsgenehmigung haben – , von russischen Gesundheitseinrichtungen abgewiesen werden. Grund ist nicht nur menschliche Kälte und Rassismus sondern auch die Unterfinanzierung der Gesundheitseinrichtungen. So ist es seit den chaotischen 1990er Jahren zur Praxis geworden, dass Ärzte für größere Leistungen, wie Operationen und Geburten, ein Schmiergeld verlangen.

Möglicherweise wollten die Ärzte der Geburtsklinik in Wladiwostok auch verhindern, dass eine nichtlegale Migrantin ihrem Kind durch die Geburt in einer Klinik auf unbürokratischem Wege die russische Staatsbürgerschaft verschafft, schreibt die Kommentatorin von Moskowski Komsomolez, Natalja Roschkowa, in einem süffisanten Kommentar. Nach dieser Logik – so lästert die Journalistin – sei die Geburtsklinik noch „russisches, die Pfütze, in der die Usbekin ihr Kind gebären sollte, aber schon usbekisches Territorium“.

Aggressive Stimmung

Die Abweisung der Usbekin passt in die von nationalistischen Politikern geschürte Stimmung gegen Migranten. Der Vorsitzende der Partei „Rodina“ (Heimat), Aleksej Schurawljow, forderte, in Russland keine kostenlosen Geburten für Staatsbürgerinnen ehemaliger Sowjet-Republiken – wie Usbekistan, Tadschikistan und Kirgistan – mehr zuzulassen. Der Vorsitzende der Liberaldemokratischen Partei Russlands (LDPR), Wladimir Schirinowski, erklärte gegenüber dem Fernsehkanal Rossija 1, der Kampf gegen den Terrorismus im russischen Nordkaukasus könne nur erfolgreich sein, wenn man in der Region die Zahl der Geburten kontrolliere.

Abgeordnete des Parlaments der russischen Teilrepublik Dagestan wandten sich daraufhin mit der Bitte an die Staatsanwaltschaft, die Aussagen des LDPR-Chefs zu prüfen. Kurze Zeit später forderte Wladimir Putin Schirinowski in einem Vier-Augen-Gespräch auf, er solle nicht versuchen, seine Anhängerschaft „auf Kosten der fundamentalen Interessen Russlands“ zu stärken.

Russlands Präsident erklärt bei staatlichen Feiern gerne, dass die vielen verschiedenen Völker in Russland – Tataren, Kaukasier und andere – die Stärke des Landes ausmachen. Doch diese Worte werden von den hysterischen Debatten, die nationalistische Politiker und regierungsnahe Medien schüren, übertönt. Das ist kein Wunder, wenn man sieht, dass Schirinowski für seine Ausfälle vom Präsidenten nur eine freundschaftliche Ermahnung bekommt.

Siehe auch: “14 words” auf RussischRussland: Neonazi-Opfer an Misshandlungen gestorben?Demokratie in Russland? Interessiert uns nicht!Russland: Rechte Schläger ermorden mindestens 26 Menschen

One thought on “Russische Klinik will Usbekin auf der Straße gebären lassen

  1. Zum Glück wurde der böse Kommunismus überwunden und die Leute in der ehemaligen Sowjetunion haben eine Chance auf Freiheit, Marktwirtschaft und ein gutes leben in einer fortschrittlichen Gesellschaft.

Comments are closed.