THS – NSU – LTU?

In der vergangenen Woche haben mehrere Medien berichtet, im Wohnmobil der NSU-Terroristen sei eine unbekannte DNA-Spur gefunden worden. Diese führe zu einer litauischen Bande, heißt es. Dadurch gewinnt ein aktueller Prozess gegen mehrere Angeklagte aus Thüringen, die zur Kameradschaft „Thüringer Heimatschutz“ gehörten, und Litauen an Brisanz.

Die Seite Haskala berichtet ausführlich von der Eröffnung des Prozesses vor dem Landgericht in Gera:

Am 4. November 2013 fand vor dem Landgericht Gera ein Prozess gegen mehrere ehemalige Mitglieder der Neonazi-Organisation “Thüringer Heimatschutz” statt. Ihnen wird schwerer Raub vorgeworfen, da sie in den Überfall auf einen Geldboten im Oktober 1999 in Pößneck involviert waren. Dabei wurden eine Schusswaffe, 7 Schuss scharfe Munition sowie 78.000 DM erbeutet. Die Hälfte des Geldes floss in die Übernahme eines Bordells in Rudolstadt. Alle Angeklagten sagten heute am ersten Prozesstag aus und belasteten sich teilweise gegenseitig. Der Tätergruppe bestand aus 8 Personen, fünf Deutsche (aus der hiesigen Neonazi-Szene) und drei Menschen aus Litauen. Ebenso offenbarte sich, dass der Haupttäter einer Polizei-Spezialeinheit aus Litauen angehörte und die Neonazi-Szene aus dem Raum Saalfeld-Rudolstadt Ende der 90er Jahre eng mit dem Rotlicht-Milieu, insbesondere in den Raum Litauen vernetzt war.

Dass die ganze Strafsache fast 15 Jahre später überhaupt zur Anklage komme, sei einem weiteren Neonazi (Michael H.) geschuldet, der als abtrünniger Thüringer NPD-Funktionär in den letzten Jahren versucht haben soll, sich im Milieu der organisierten Kriminalität einen Namen zu machen – und seine Kameraden 2012 ans Messer geliefert habe, berichtet Haskala weiter.

Verbindungen des NSU nach Litauen?

Mitglieder des Thüringer Heimatschutzes am 19. August 2006 beim Rudolf Hess Marsch in Jena - angemeldet von der NPD. (Foto: Marek Peters)
Mitglieder des Thüringer Heimatschutzes am 19. August 2006 beim Rudolf Hess Marsch in Jena – angemeldet von der NPD. (Foto: Marek Peters)

Die Verbindungen zwischen Thüringer Neonazis nach Litauen sind besonders interessant, da vor wenigen Tagen die „Berliner Zeitung“ berichtete, in dem vor zwei Jahren ausgebrannten Wohnmobil, in dem die Leichen von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gefunden wurden, sei die DNA-Spur eines unbekannten Mannes festgestellt worden. Sie stimmt mit einem genetischen Fingerabdruck überein, den die Polizei auch bei drei anderen Verbrechen sichern konnte, die scheinbar nichts mit dem NSU zu tun haben.

Die Polizei gab das Profil des „P 46“ genannten Unbekannten demnach in die DNA-Analysedatei ein – und erzielte gleich drei Treffer in der Datenbank: So wurde die Spur von „P 46“ an Tatorten in Berlin, Hessen und Nordrhein-Westfalen gesichert. Bei den Straftaten ging es um Wohnungseinbrüche, Diebstahl mit Waffen und Bandendiebstahl. Zu wem die DNA gehört, ist aber bis heute unklar. Allerdings gehen die Behörden laut „Berliner Zeitung“ davon aus, dass hinter den Straftaten in Hessen und Nordrhein-Westfalen eine litauische Tätergruppe steckt.

Ups, eine ausländische Bande – da kommen doch Erinnerungen an die „Döner-Morde“ auf? Offenbar liegt es in diesem Fall anders, nach unseren Informationen soll es tatsächlich Verbindungen nach Litauen geben. Spannend ist dabei vor allem, dass der Überfall in Pößneck im Jahr Oktober 1999 stattfand – exakt also zu der Zeit, als der NSU in Chemnitz seinen vermutlich ersten Bankraub durchführte.

Zudem schreibt Haskala, dass es bei einigen Akteuren des Pößneck-Überfall-Verfahrens zumindest personelle Querverbindungen ins Umfeld des NSU nachweisen lassen.

Alle Meldungen zum Rechtsterrorismus.

One thought on “THS – NSU – LTU?

Comments are closed.