Bad Nenndorf 2013: Game over, Kameraden!

Im August wurde der extrem rechte „Trauermarsch“ in Bad Nenndorf erstmals blockiert. Am Samstag sind nun erneut rund 40 Neonazis durch die niedersächsische Stadt marschiert. Gedacht war das ganze wohl als Revanche, wirkte aber eher hilflos.

Von Publikative.org

Foto: Publikative.org
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Bereits die Vorbereitungen für die extrem rechten Veranstaltungen am 2. November in Bad Nenndorf waren alles andere als positiv gelaufen. Ursprünglich gab es drei Anmeldungen für Samstag. Sowohl die NPD und Die Rechte als auch das „Gedenkbündnis Bad Nenndorf“ hatten Veranstaltungen angemeldet. Doch nur wenige Tage vor dem Wochenende hatte die NPD ihre Anmeldung zurückgezogen. Damit dürfte die Partei einmal mehr für Unruhe in der rechten Szene sorgen und alles andere als positive Reaktionen hervorrufen. Wie es aus NPD-Kreisen heißt, war es vor allem der niedersächsische NPD-Vorsitzende Ullrich Eigenfeld, der darauf drang, die Anmeldung zurückzuziehen. Beobachter der Szene wundert dies kaum, so war es Eigenfeld, der in den letzten Jahren immer wieder mit den „freien Kameradschaften“ in Konflikt geriet. Schlussendlich lagen für vergangenen Samstag noch die Anmeldungen der Partei Die Rechte und des „Gedenkbündnisses“ vor. Am Ende folgten der Mobilisierung nur rund 40 Neonazis in die niedersächsische Kurstadt.

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Von „Spreu und Weizen“ und lauter „interessierte Bürger“

Bereits im Vorfeld versuchten die wenigen extrem rechten Organisationen, die den Marsch unterstützten, sich die zu erwartende geringe Teilnehmerzahl zu beschönigen. So verkündete eine bedeutungslose extrem rechte Kleinstgruppe, man werde sich noch wundern, was die „geringe Mobilisierungsbereitschaft“ angehe und es würde sich ohnehin nur die Spreu vom Weizen trennen und eben nur „aufrichtige Nationalisten vor Ort sein“: Am Ende kamen dann 40 „aufrichtige Nationalisten“. Am späten Vormittag begann das traurige Schauspiel mit einer Kundgebung der Partei Die Rechte. Abwechselnd plärrten Musik

Foto: Publikative.org
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und Reden aus den Lautsprechern, die außer von Gegendemonstranten und Journalisten kaum wahrgenommen wurden. Dennoch verkündete der Alt-Neonaziskader Dieter Riefling via Twitter, dass „interessierte Bürger“ anwesend seien. Wo er diese gesehen hat, bleibt wohl sein Geheimnis. Stundenlang warteten die angereisten Neonazis im Regen bis sie vor das Wincklerbad in Bad Nenndorf ziehen durften. Im August war ihnen durch die Blockade dieser Platz verwehrt geblieben. Nach der Aufstellung führten die Neonazis ihre „Trauerveranstaltung“ durch. Auch hier zeigte sich wieder, dass die Veranstaltung kaum bundesweite Unterstützung genoss. Die Redner bestanden fast ausnahmslos aus unbekannten extrem Rechten, die nahezu ausschließlich – mehr schlecht als Recht – ihre Reden ablasen. Seinen absurden Höhepunkt erreichte das Schauspiel, als die Veranstalter aufforderten, dass „Lied der Niedersachsen“ zu singen. Sichtlich irritiert sangen nur die wenigsten „aufrichtigen Nationalisten“ aus voller Inbrunst mit. Nach Beendigung der Veranstaltung ging es dann für den extrem rechten Tross mit Fackeln ausgestattet zurück zum Bad Nenndorfer Bahnhof. Kurz nach halb fünf war alles vorbei und die Nazis auf der Heimreise. Insgesamt waren rund 350 Gegendemonstranten gekommen, um sich den 40 Neonazis entgegenzustellen.

Auch am Wochenende in Bad Nenndorf zeigte sich die Zersplitterung der extrem rechten Szene und die immer weiter zurückgehenden Teilnehmerzahlen bei rechten Aufmärschen. Dass hierfür auch die NPD maßgeblich mitverantwortlich ist, war auch in Bad Nenndorf nicht zu übersehen.

3 thoughts on “Bad Nenndorf 2013: Game over, Kameraden!

  1. Könnt ihr endlich mal damit aufhören, jeden Misserfolg von Nazis im Spiel der bedeutungslosen Straßensymbolik mit Häme zu kommentieren: „Gedacht war das ganze wohl als Revanche, wirkte aber eher hilflos.“, „Game over“, etc.

    Wer soll euch bei dieser denkfeindlichen Schulhofallüre noch abnehmen, ein Medium der Aufklärung sein zu wollen?

    Politik is mir zu kompliziert, gib ma den Sportteil!

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