NPD-Schlammschlacht Runde 2

Erst zieht der stellvertretende Bundesvorsitzende Karl Richter gegen die „Clique Marx – Apfel – Pastörs“ in den Kampf und nun soll offensichtlich auch noch Neonazi-Urgestein Thomas „Steiner“ Wulff aus der Partei ausgeschlossen werden. In der NPD läutet man die nächste Runde in der Parteiinternen Schlammschlacht ein.

Von Stefan Schölermann (NDR Info)

Thomas Wulff (Foto: Marek Peters)
Thomas Wulff (Foto: Marek Peters)

Die Nerven liegen offenbar blank  in Führungskreisen der rechtsextremen NPD:  Nach dem Debakel um die Euro- Kandidatur des bayerischen NPD-Chefs Karl Richter teilt der NPD-Vorstand erneut gegen einen parteiinternen Kritiker aus: der heißt Thomas Wulff, ist  Vize-Vorsitzender der NPD in Hamburg und  gilt als Bindeglied der Partei in die Szene der noch extremeren Kameradschaften. Wenn es nach dem Willen der Parteigranden geht, dann ist Thomas Wulff die längste Zeit Mitglied der rechtsextremen Partei gewesen: der Vorstand um Holger Apfel hat ein Ausschlussverfahren gegen den Mann eingeleitet, der sich in Kreisen von Gesinnungsgenossen gerne „Steiner“ nennen lässt – in der Tradition eines berüchtigten Waffen-SS-Generals.

Der Grund: Wulff gehört zu den entschiedensten Kritikern von NPD- Parteichef Holger Apfel. In einer E-Mail hatte Wulff  im April seinem Ärger über Apfels Führungsqualitäten freien Lauf gelassen. Von einer Partei, die am Boden liege, war da die Rede gewesen, von Gier und Macht einiger minderprofilierter Möchtegernfunktionäre, die das eigene  Fortkommen wichtiger nähmen, als politische Notwendigkeiten.

Wulffs  herumgereichte Protestnote hatte zwar NPD-intern einiges an Empörung ausgelöst- aber trotz aller Proteste offenkundig den Kern getroffen. Nun schlägt das Apfel-Imperium zurück und will den in der Wolle gefärbten Neonazi Wulff per Ausschlussverfahren loswerden.

Doch ganz so einfach dürfte das nicht werden: Der Ausschlussantrag geht zunächst an die Adresse des NPD-Landesverbandes Hamburg. Doch dessen Vorsitzender Torben Klebe gilt nicht gerade als politischer Freund des NPD- Bundesvorsitzenden und dürfte sich aus freien Stücken kaum in die braune Apfelfront  gegen Wulff einreihen. Damit dürfte am Ende das Schiedsgericht der Bundespartei das letzte Wort über die Mitgliedschaft von Thomas Wulff in der NPD haben. Für eine „ Reinwaschung“ der NPD  als eine Art vorauseilender  Gehorsam im Angesicht des heraufziehenden NPD-Verbotsverfahrens dürfte das absehbare  Ausschlussbegehren gegen Thomas Wulff ohnehin zu spät sein.

Siehe auch: NPD: Schlammschlacht im Parteivorstand

4 thoughts on “NPD-Schlammschlacht Runde 2

  1. „Für eine „ Reinwaschung“ der NPD als eine Art vorauseilender Gehorsam im Angesicht des heraufziehenden NPD-Verbotsverfahrens dürfte das absehbare Ausschlussbegehren gegen Thomas Wulff ohnehin zu spät sein.“

    Welches Verbotsverfahren ? Manchmal kommt mir das vor wie der legendäre Yeti: Jeder hat schon davon gehört, aber keiner hat es je gesehen.

    Falls diese unbelehrbare Nazi-Dumpfbacke tatsächlich aus der Partei entfernt wird kann dies das BuVerfG durchaus beeindrucken und das Urteil für die Partei positiv beeinflussen.
    Vorsausgesetzt, der ominöse Verbotsantrag erreicht jemals das Gericht.

  2. Herr Schölermann sollte nicht vergessen, dass die letzte Instanz nicht das Bundesschiedsgericht der Partei sein muss, sondern ein Zivilgericht in Berlin. Vor diesem Zivilgericht hat bisher kein einziges Ausschlussverfahren der NPD gegen eigene Mitglieder Erfolg gehabt, sodass der Herr Wulff durchaus die besseren Karten hat als die Bundesführung der NPD.

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