NPD: Schlammschlacht im Parteivorstand

Gerade hatte Holger Apfel durch das Ergebnis zur Bundestagswahl wieder etwas an Rückhalt gewonnen. Doch nun schießt der stellvertretende Bundesvorsitzende Karl Richter massiv gegen die „Clique Marx – Apfel – Pastörs“, wie aus einer internen Mail hervorgeht.

Von Felix M. Steiner und Stefan Schölermann

Der stellvertretende Parteivorsitzende Karl Richter, Bild: Publikative.org.
Der stellvertretende Parteivorsitzende Karl Richter, Bild: Publikative.org.

Ein Verlierer strebt nach  höchsten Ämtern: Der Verlierer heißt Karl Richter, ist Landesvorsitzender der NPD in Bayern, stellvertretender Bundesvorsitzender seiner Partei und hat wie kaum ein Parteichef zuvor die jüngste Landtagswahl im eigenen Bundesland vergeigt: Magere 0,6 Prozent holte er – und dies nachdem er durch heftige Kritik seinen Vorgänger aus dem Amt befördert hatte. Für dieses Ergebnis geriet Richter nach Informationen von Publikative.org im Bundesvorstand kürzlich heftig in die Kritik. Denn jenseits aller politischen Kriterien wurde ihm massives organisatorisches Versagen zur Last gelegt: In zwei Wahlbezirken klappte es nicht mit der Wahlteilnahme, weil Listen zu spät oder falsch eingereicht worden seien, lautete der Vorwurf im Bundesvorstand. Das Fazit: „Wir sind aus der Parteienfinanzierung herausgefallen – das wird uns auf Sicht rund eine halbe Million Euro kosten“, sagt ein hochrangiger NPD-Mitstreiter. Ihm, wie auch  anderen NPD-Spitzenleuten liegt jetzt eine Mail vor, die nicht gerade darauf schließen lässt, dass Richter sich nach der vergeigten Wahl in Bayern in Bescheidenheit übt. Ganz im Gegenteil: Unverhohlen bekräftigt der NPD-Landesvorsitzende darin Ansprüche auf den Spitzenplatz bei der Europawahl des kommenden Jahres. In der publikative.org vorliegenden Mail heißt es wörtlich: „Meine Leistungspotentiale sind allgemein bekannt. Meine  Kandidatur um Platz 1 der Europaliste muss ich vor niemandem rechtfertigen.“

Ein Parteisoldat in die Enge getrieben?

In seiner Mail zeigt sich Richter verbittert darüber, dass man ihm im NPD-Bundesvorstand für die Bayern-Schlappe den Kopf gewaschen hat: „Auch die vermeintlich schlechten Ergebnisse in Bayern wurden dabei immer wieder thematisiert.“ Richter scheint durch die massive Kritik in die Enge getrieben und spricht klar aus, wen er für verantwortlich hält: Peter Marx, Udo Pastörs und Holger Apfel. So heißt es in der Mail: „Vor diesem Hintergrund ist es ein geradezu unglaubliches und absolut inakzeptables Vorgehen, wenn eine Sitzung des Führungsgremiums unserer Partei vom Generalsekretär, einem stellvertretenden Parteivorsitzenden und dem Parteivorsitzenden dazu instrumentalisiert wird, ein geradezu irrationales Kesseltreiben gegen ein anderes PV-Mitglied – mich – in dessen Abwesenheit vom Zaun zu brechen.“

Karl Richter galt bisher als getreuer Parteisoldat, der im Hintergrund vor allem die parlamentarischen Geschicke der Partei massiv unterstützt. Außerdem ist er Chefredakteur der Deutschen Stimme, der Parteizeitung der NPD. Doch auch dies soll Richter nicht mehr lange sein, wie es in der Mail heißt. So schreibt der angegriffene Multifunktionär, ihm solle zum „nächstmöglichen Zeitpunkt auch die DS-Redaktion entzogen werden“.

Keine Schlammschlacht?!

Richters vermeintlicher Gegenspieler Udo Pastörs, Bild: Publikative.org
Richters vermeintlicher Gegenspieler Udo Pastörs, Bild: Publikative.org

Sybillinisch beschwört Richter außerdem den Grundsatz der Fairness – er werde sich in den kommenden Wochen „selbstverständlich an keiner Schlammschlacht, an keinerlei Demontage meiner innerparteilichen Gegner und an keinerlei Intrigenspielchen auf Altermedia oder sonstwo beteiligen“, um im nächsten Satz genau das zu tun: „Ich bin überzeugt davon, dass sich Marx (NPD- Generalsekretär)  und Co.  durch ihre parteiinterne Wühlarbeit gegen mich […] bei unseren Parteimitgliedern selbst entlarven werden.“ Und dann geht er den Parteivorsitzenden direkt an: „Ich sage es ungern, habe aber diese Auseinandersetzung nicht vom Zaun gebrochen: Schon ein Parteivorsitzender mit Sprachfehler ist an sich ein Unding; man übersieht es aus Höflichkeit, muß aber darüber sprechen, wenn der bedauernswerte Betroffene unversehens um sich schlägt. Ist ein Parteivorsitzender wirklich ein so gutes Aushängeschild für uns, der während  unserer Auftritte bei der Deutschlandfahrt demonstrativ abseits steht und fortwährend mit pummeligen Fingerchen auf seinem Mobiltelefon herumtippt?“

Ob die Mail indes zufällig an die Öffentlichkeit geraten ist, ist unklar. Richter gilt als Provokateur und schaffte es in den vergangenen Jahren immer wieder mit gezielten Aktionen für Aufmerksamkeit zu sorgen. Egal, ob er als Statist bei der Kinoproduktion „Der Untergang“ mitwirkte oder sich als Koordinator für Rechtsextremismusbekämpfung der Stadt München bewarb: Richter liebt die Provokation. Und so heißt es am Ende der Mail nicht ganz überraschend: „Andererseits verdienen die vorstehenden Gedanken auch keine übertriebene Heimlichkeit. Es sieht ja ohnehin jeder, wo unsere Partei steht und wo es mit ihr hingeht.“ Publikative.org gegenüber bestätigte Richter die Authentizität der Mail.

Im Mai 2013 marschierter man noch in Eintracht in Berlin, Bild: Publikative.org
Im Mai 2013 marschierter man noch in Eintracht in Berlin, Bild: Publikative.org

NPD zerrüttet bis in den Vorstand

Der Vorgang wäre eine Petitesse, wenn er nicht ein deutliches Licht auf den inneren Zustand der NPD werfen würde, über deren Verbot in den kommenden Monaten erneut heftig diskutiert werden dürfte. Die Überlegungen für die Kandidatur zur Europawahl spielen in den strategischen Plänen der NPD eine zentrale Rolle. So rechnet man sich nach dem Wegfall der 5%-Hürde erhebliche Chancen auf den Einzug in das Europäische Parlament aus. Die Spitzenkandidatur, über die Anfang kommenden Jahres entschieden werden soll, wirft ihre Schatten in Form der aktuellen Schlammschlacht voraus. Und nun scheint auch die Arbeit im Parteivorstand kaum noch möglich. Richter jedenfalls sieht „jede Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit“ als zerrüttet an.

5 thoughts on “NPD: Schlammschlacht im Parteivorstand

  1. Grabenkriege unter Rechtsextremisten sind ein bekanntes Phänomen. Die zerstörerische Wut sucht sich „interne“ Opfer, wennn sie nicht nach außen agiert werden kann.
    Ein wirkliches Kontrastprogramm schildert dieser Beitrag:

    „Bist Du wirklich Jüdin?“, fragen die Kinder. Zehntausende Deutsche sind in den vergangenen Jahrzehnten als Volontäre nach Israel gegangen. Jetzt kommen auch Israelis für solche Dienste nach Deutschland. Das Projekt ist ein Erfolg.
    http://www.welt.de/politik/ausland/article120876286/Bist-Du-wirklich-Juedin-fragen-die-Kinder.html

  2. ach richter. ein sprachfehler ist kapital im markt der aufmerksamkeit. möllemanns sprechstimme kennt heute keiner mehr. kohls schon.

    .~.

  3. Schon lustig, welche unserer Mitbürger sich für Herrenmenschen halten. Wenn man sich die Bilder so ankuckt, läuft einem schon ein Schauer über den Rücken.

    Wie wollen die mit ihren Bierbäuchen denn nach Russland laufen?

Comments are closed.