Linguistik-Professor lockerer als Bielefelder Autonome?


Und schon wieder sorgen Feine Sahne Fischfilet für Gesprächsstoff, dieses mal aber unfreiwillig: In Bielefeld soll es bei einem Konzert zum Eklat gekommen sein, weil der Drummer sein T-Shirt ausgezogen hat! Wie es unkomplizierter geht, zeigte kurz zuvor ein Linguistik-Professor.

Von Patrick Gensing

Feine Sahne Fischfilet
Feine Sahne Fischfilet nutzen die Weiten Mecklenburgs, um Haut zu zeigen.

Die Ruhrbarone berichten, ein Konzert der Band Feine Sahne Fischfilet im AJZ Bielefeld sei abgebrochen worden, weil der Schlagzeuger sein T-Shirt ausgezogen habe. Zudem sei die Band von zehn bis 15 Menschen bedrängt worden, heißt es weiter unter Bezug auf einen Konzertbericht auf Indymedia. Die Band habe die Vorgänge bestätigt.

Sänger Monchi relativierte die Geschichte im Gespräch mit Publikative.org allerdings: Sie seien lediglich von zwei Freaks angegangen worden, die Konzertgruppe und Besucher im AJZ seien „cool“ gewesen. Zudem habe die Band das Konzert nach einer Pause von 20 Minuten fortgesetzt.

Bei Indymedia schlagen mittlerweile auch Kommentare auf, die den ersten Bericht relativieren – allerdings scheint es tatsächlich so zu sein, dass es im AJZ Bielefeld einen Beschluss gibt, wonach Bandmitglieder bei Konzerten nicht zu viel nackte Haut zeigen dürfen. Grotesk ist wohl noch eine höfliche Formulierung, sollte dieser Beschluss tatsächlich in dieser Form existieren.

Pogo beim Professor

Wie es unkomplizierter geht, zeigte unlängst Armin Burkhardt. Der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache lud zahlreiche Studenten sowie die Band Feine Sahne Fischfilet zu sich nach Hause zum Wohnzimmerkonzert ein. Vor der Bücherwand entblößte sich der Schlagzeuger obenrum, während sich der Mitherausgeber der Zeitschrift Muttersprache sowie der Reihe Germanistische Linguistik von der Meute durch seine Stube tragen ließ und die Hausherrin mit Sänger Monchi einen Tanz aufs Parkett legte. Das Video zu dieser Veranstaltung, die einfach Lebenslust pur ausdrückt, gibt es hier zu sehen:

Unbekannt ist, wie die Nachbarschaft des Dr. phil. Dr. h.c auf die nächtliche Pyroshow reagierte.

Siehe auch: 10 Jahre Audiolith: Gegen Nazis und RockstarscheißeKampagne gegen Fischfilets: Nazis als Kämpfer gegen “Extremismus”Punk & PR: Fischfilets meet Verfassungsschutz,  Komplett im Visier des Verfassungsschutzes

37 thoughts on “Linguistik-Professor lockerer als Bielefelder Autonome?

  1. Lieber Max, wenn Du Dir die geringe Mühe machst, in der Kommentarspalte nach oben zu scrollen, wirst Du meinen knappe Ausführung zum strukturellen Ungleichheitsverhältnis finden. Dominant in der Kommentarspalte hier sind ansonsten polemische und abwertende Beiträge diverser Form, deren Quintessenz ist, dass diese DIskussion albern und freiheitsbeschneidend sei und die Konzertkultur deshalb so zu bleiben habe, wie sie ist. Das ist wenig verwunderlich, gibt der Artikel mit seiner Polemik ja auch eine Steilvorlage. Mein Eindruck ist, und dies habe ich entsprechend formuliert, dass Punk halt als Typensport für einige Akteure bewahrt werden soll und entsprechende Einschränkungen männlicher Privilegien nicht gewünscht sind. Und es ist aus meiner Sicht auch nicht verwunderlich in Anbetracht des Umgangs mit Geschlechterhierarchien in der linken Szene und Punkszene, wo es grob gesagt in Deutschland mindestens seit den 1980ern stagniert, bevor es überhaupt angefangen hat in irgendeiner Weise Freiräume zu etablieren.

    Ich vermittle auch gerne Literatur, die über strukturelle Ungleichheitsrelatioinen Auskunft gibt, meiner Erfahrung nach ist das in der Szene aber in der Regeln wenig fruchtbar, weil die Leute meistens keinen Bock haben zu lesen. Entsprechend werden hier auch keine Fragen dazu gestellt oder in irgendeiner Weise auf diese Punkte eingegangen, das wird dann oft auch als zu anstrengend empfunden. Es ist entsprechend auch nicht meine Aufgabe, den Leuten Erkenntnisse hinterherzutragen, besonders nicht, wenn derart abwertende Positionen formuliert werden. Mal im Ernst: im Grunde läuft der Impetus des Artikels und weitergeführt der Kommentare auf ein altbekanntes Stereotyp hinaus, nämlich das der verklemmten, Sexualitäts-feindlichen FeministInnen, deren als emanzipatorisch ausgegebener Aktivismus in Wahrheit tief-konservativ und freiheitsberaubend wäre. Bei einem solchen Niveau habe ich dann manchmal auch einfach nur Lust, meine Meinung Kund zu tun.

  2. Liebe/r Bender,

    ich habe deinen anderen Kommentaren einzig und allein entnommen, dass du statuierst „Freie Oberkörper sind in einem strukturellen ungleichheitsverhältnis eingebunden, dass heißt, es ist in dieser Gesellschaft in erster Linie Männern möglich, mit nacktem Oberkörper in der Öffentlichkeit unbedarft aufzutreten.“ Warum du es jetzt okay findest, dass zum Ausgleich dieser Ungleichheit ein Verbot gegenüber Männern erlassen wird, solche Nacktheit zu zeigen, habe ich deinen Ausführungen nicht entnehmen können. Ich verstehe es auch beim besten Willen nicht. Wenn A etwas aus dämlichen Gründen nicht dürfen soll, dann schaffe ich Gleichberechtigung, indem ich es B auch verbiete? Und das ist dann progressiv und emanzipatorisch?
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Literatur gibt, die mir eine so kuriose Idee von Gleichberechtigung verständlich machen kann. Aber: nur zu …

    Im Übrigen: Dass es immer wieder Auswüchse in der radikalen Linken gibt, „deren als emanzipatorisch ausgegebener Aktivismus in Wahrheit tief-konservativ und freiheitsberaubend“ ist, ist ja nun keine Neuigkeit und leider wahr.

  3. @ Bender:

    Ich kann deine Argumentation gut nachvollziehen und würde gern hören, ob (und wenn ja, warum) du es als richtig ansiehst, freie Oberkörper generell zu verbieten. Ich sehe die Ungleichheit, glaube aber auch, dass man daran arbeiten sollte, dass alle diese Freiheit haben.

    Ich würde beispielsweise auch nicht daran arbeiten, dass es allen Leuten (finanziell) schlecht geht, sondern daran, dass es eben allen gut geht. Mit anderen Worten: ein Verbot (und sei es ein strukturelles) dadurch zu „entproblematisieren“, indem man es einfach auf alle Kategorien (wie sinnvoll oder auch nicht die auch sein mögen sei jetzt mal dahin gestellt) ausweitet, ist doch keine Lösung der eigentlichen, zugrunde liegenden Problematik (in diesem Fall die tugendhafte, spießbürgerliche Einstellung, dass freie Oberkörper – ob männlich oder weiblich – in der Öffentlichkeit „nichts zu suchen hätten“). Und letztendlich ist niemandem damit geholfen.

    Das Problem ist ohne Frage noch einmal größer, wenn es dann plötzlich nur noch auf Frauen angewandt wird. Ich möchte das Problem an sich auch nicht leugnen, diese Vorgehensweise halte ich aber für falsch.

  4. Hallo,
    diese „Verbotstheorie“ von Publikative ist irgendwie bescheuert, wie schon in einigen Kommentaren angemerkt. Sie knüpft irgendwie an diesen „Gutmensch“-Diskurs an, der gerne gegen emanzipatorische Inhalte in Stellung gebracht wird.
    Es wird einer inhaltlichen Diskussion ausgewichen und gesagt: „Freiraum und Verbote vertragen sich nicht.“
    Dabei ist doch total klar, dass die meisten Freiräume total streng reglementiert sind: kein Sexismus, Rassismus, usw..
    Jetzt können die weißen Männer natürlich sagen: „Warum diese ganzen Verboten ? Ich fühle mich auch wohl, wenn Männer oberkörpferfrei rumlaufen, Minderheiten diskriminieren oder Frauen anbaggern. Das soll mir bitte auch nicht verboten werden !“
    Verbote können dazu dienen einen gesellschaftlichen Missstand anzugehen. Und bei Partys gibt es so etwas wie Sexismus. Nicht gerade selten kommt es zu schwerwiegenden sexuellen Übergriffen, welche zumeist nicht sanktioniert werden können. Deswegen gibt es Versuche Partys weniger sexistisch zu gestalten. Dabei ist solch ein Verbot sicherlich nicht das beste Mittel, aber um Sexismus auf Partys ging es ja auch nicht in dem Artikel. Sondern um diese bescheuerten Gutmenschen, welche gutgelaunten Männern, alles verbieten wollen. Aber es gibt Gott sei Dank viele Fanmeilen, Großraumdiskos und Bierzelte, in denen sexistisches Verhalten zum guten Ton gehört und Männer sich nicht Dinge verbieten lassen müssen.
    Gegen welches Verbot richtet sich die nächste Publikative-Polemik ? Leugnung des Holocaust ?

  5. Ich hoffe, dass „gefe“ seine von ihm so herzlich gerne gebrachten „Fresse-Halten!“-Postings irgendwann einmal so peinlich sind, dass er sie eines Tages einfach unterlässt. Im Übrigen möchte ich ihm mein Beileid dafür ausdrücken, dass er sich bereits an Leuten stört, die ein ausgezogenes T-Shirt von einem schwitzenden Drummer nicht stören.

    Das ist so arm.

    Hey, und wenn irgendwo Leute darüber sprechen wollen, ab welchem Punkt pc-förmige Regelungen linke Freiräume in ein Spießerparadies verwandeln: Dann bleibe er einfach fort! Es könnte ihn ja nerven etc.

  6. Also, Freiräume, sprachliche Regelungen, Schamlosigkeit, sich schämen, „Fresse-Halten“ und und und…
    Der von mir geschätzte Patrick Gensing schreckt aber wirklich vor keinem Tabubruch zurück 😉 :

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