Eintracht schmeißt „Ultras Braunschweig“ aus dem Stadion


Angeblich, um „Null Toleranz bei Gewalt, Rassismus und Rechtsextremismus“ zu demonstrieren, hat Eintracht Braunschweig der sich selbst als anti-rassistisch verstehenden Fangruppe „Ultras Braunschweig“ (UB) untersagt, „als Gruppe“ ins Stadion an der Hamburger Straße zu gehen. Erst am vergangenen Wochenende war die Gruppe beim Auswärtsspiel in Mönchengladbach von anderen Eintracht-Fans körperlich angegriffen worden.

Von Redaktion Publikative.org

Ultras Braunschweig am 6. Oktober 2012 beim Spiel gegen den VfL Bochum (Foto: http://www.1848er.eu/).
Ultras Braunschweig am 6. Oktober 2012 beim Spiel gegen den VfL Bochum (Foto: http://www.1848er.eu/).

Nachdem die antirassistischen Ultras kurz nach dem Auswärtsspiel nach eigener Dartstellung angegangen, teilweise verprügelt und rassistisch beleidigt wurden, hat der Verein heute mit einer überraschenden Erklärung reagiert. Darin heißt es u.a.:

Nicht zuletzt aufgrund der Ereignisse in Mönchengladbach am 20. September 2013 hat der Verein in der vergangenen Woche täglich intensive Gespräche mit der gesamten organisierten und nicht-organisierten Fanszene geführt und noch einmal die Vereinsphilosophie erläutert. Diese ist auf eine gesunde Fankultur ohne Gewalt, ohne Rechtsextremismus und ohne Rassismus ausgerichtet. Es muss das gemeinsame Ziel vom Verein und der Fanszene sein, gewalttätige, rassistische und rechtsradikale Äußerungen und Handlungen zu unterbinden und Personen zu isolieren, die in dieser Weise auffällig werden. Im Sinne der zur Philosophie gehörigen „Null-Toleranz-Strategie“ ist auch weiterhin gültig, dass einzelne Personen oder Gruppen, die sich strafrechtlich auffällig verhalten, mit weitreichenden Konsequenzen rechnen müssen.

[…]

Da die im Rahmen mehrerer Treffen zwischen Eintracht Braunschweig und den Ultras Braunschweig (UB 01/Ultras Curva Nord) getroffenen Absprachen und die durch den Verein ausgesprochenen Anordnungen wiederholt von UB01 missachtet worden sind, wird ihnen der Zutritt zu Spielen von Eintracht Braunschweig als Gruppe ab sofort untersagt.

Diese, vorsichtig gesagt, überraschende Verknüpfung von Argumenten wird noch zu überprüfen sein. Nach eigenen Angaben hatte sich UB durchaus an Absprachen mit dem Verein gehalten – allerdings sei man zum Dank dafür in Gladbach im Stich gelassen worden. Sollte der Verein sein Problem mit gewalttätigen und/oder rechtsradikalen Fans nun so lösen wollen, dass er die antirassistischen Störenfriede aus dem Stadion schmeißt, so wäre dies ein in der Bundesliga wohl einmaliger Vorgang.

Publikative.org hatte zuletzt im Mai darüber berichtet, dass Eintracht Braunschweig dem NPD-Vorsitzenden Holger Apfel ein Stadionverbot erteilt hatte, obwohl dieser zuvor jahrelang Gast an der Hamburger Straße war. Bereits im Okrtober 2012 hatten wir darüber berichtet, dass Eintracht Braunschweig sich von einer antifaschistischen Initiative und UB missbraucht fühle. Die Initiative hatte darauf aufmerksam gemacht, dass es in Stadt und Stadion ein Nazi-Problem gibt.

Siehe auch: Ohne Apfel in die 1. Liga. Hausverbot für NPD-Chef, Die braunen Eminenzen, Braunschweigen: Kein Mittel gegen Nazis

10 thoughts on “Eintracht schmeißt „Ultras Braunschweig“ aus dem Stadion

  1. da stellt sich doch die frage, was denn eine „gesunde Fankultur“ sein soll?
    es ist ja schon ziemlich einfach, alles, was anders ist als offiziell gewollt, als krank, abnormal und pfui hinzustellen, anstatt sich darüber gedanken machen zu müssen, dass im eigenen stadion nazis und rassisten den ton angeben. aber was erwarten wir denn eigentlich von wirtschaftsunternehmen, die viel kohle mit fußball machen…

    ich auf jeden fall schon lange nix mehr.

  2. Wahnsinn. Ich bin mal gespannt, wann dieser Wahnsinn ein Ende hat. Fußball (Sport) und Politik sollten ohnehin streng voneinander getrennt werden.

  3. @oeli
    Jetzt ist erst einmal Ruhe in Braunschweig.
    Eure Fanszene ist denke ich nicht vergleichbar mit anderen Szenen.
    Sicherlich lässt sich von außen schwierig urteilen. Zwei Autoren aus diesem Blog haben mal was dazu geschrieben geschrieben:
    „Das mit den “3 Augenzeugen, 5 Meinungen” fasst es aber schonmal bestens zusammen: Angenommen in irgendwelchem Gesträuch hinter dem Autogrill von Fiorenzuola hauen sich zwei Ultrà-Gruppen von jeweils 20 Leuten. Wenn man nicht zufällig dabei war, ist nur zu recherchieren, dass immer 40 Leute gewonnen haben. Ausnahmslos alles Helden, nur Sieger, niemand ist jemals weggelaufen. Und wenn man sich die Beiträge der Tastaturkrieger darüber durchliest, dann haben immer 2 Leute eine Übermacht von 38 Gegnern in die Flucht geschlagen. Wer anderes behauptet, ist kein Insider. Darf deshalb niemals jemand Neutrales irgendetwas darüber berichten? Wohl kaum.“

    Als Nazis beleidigt zu werden gefällt nicht
    und irgendwie sind auch alle mit der Situation überfordert.
    Aber sind wir ehrlich eine antifaschistische Gruppe zur Braunschweiger Fanszene passt ungefähr so wie ein vegatarisches Restaurant nach Texas.
    Natürlich sind nicht alle Vegetarierhasser und Rassisten. Ein paar wenige mögen das vegetarische Essen auch wenn sie selbst keine Vegetarier sind. Besonders toll findet eine Mehrzahl die Vegetarier auch nicht. Dass ein paar die Vegetarier richtig hassen und einige sogar beim Ku-Klux-Klan sind und Vegetarier und sonst irgendwelche Leute, die nicht in deren Weltbild passen, mit Gewalt drohen oder sie anwenden, das wird daher vom Großteil ignoriert und verschwiegen. Die Regierung muss offiziell in Stellungnahmen sich äußern, dass sie Gewalt gegen Vegetarier und Rassismus sehr schlecht findet. Aber im Endeffekt wollen sie auch am liebsten Ruhe von den nervigen Vegetariern und das alle in Ruhe fette Steaks essen können.
    Wenn dazu die Vegetariergruppe früher auch das eine oder ander Steak gegessen hat und sich es aufgrund schlechter Viehhaltung mit den anderen Farmern verscherzt hat macht es den Vegetariern auch nicht einfacher mit ihrem Restaurant. Da hilft auch keine positive Berichterstattung in der Presse.
    Denn am längeren Hebel sitzt die Regierung und wenn die auf Sturr stellen muss das Restaurant geschlossen werden.
    Braunschweig ist ein Dorf wie jedes andere in Texas (äh Deutschland) mit dem Unterschied, dass hier ein paar mehr hartgesottene Farmer sitzen als in der schönen Metropole Houston oder anderen Großstädten.
    Gewohnheiten, Gepflogenheiten und Sturrheiten zu verändern bedarf es schon großer Anstrengung und auch Geduld. Eine Frage dabei ist ob sie als Fanclub webloewen sich gegen die harten Farmer engagieren wollen oder ob sie nicht irgendwann der Mut verlässt deren Einfluss zu stärken.
    Spätestens wenn sie vor einem stehen und drohen werden sie sich auch fragen ob das wirklich Sinn macht und vielleicht nachdenken und mehr verstehen weshalb es für dieses vegetarische Restaurant in Braunschweig so schwert ist.

    Wer sich bei Kampf gegen Rasismus auf Verein, Verband und Ordnungsdienst verlässt, der wird auch verlassen.

  4. In deinem letzten Absatz steckt leider ein Fehler.

    Denn diejenigen, die sich als Gruppe gegenüber allen Einwohnern Texas (nicht nur gegenüber den Farmern/Fleischessern) aufgebaut und Gewalt angedroht haben, sollte man ihre Ansichten nicht teilen, waren die Vegetarier. Dies stieß schon vor Jahren auf Ablehnung bei allen Einwohnern.

    Eine als Gruppe auftretende Menge von Farmern, die den ausschließlichen Verzehr von Fleisch fordern und dies bereit sind mit Gewalt durchzusetzen, gibt es dagegen nicht.

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