Konfetti und Küsse gegen Homophobie

Ein bunter Protestzug durch Berlin und ein weltweites Kiss-In vor russischen Botschaften: Weltweit formiert sich Solidarität und Protest gegen die Diskriminierung LGBTs in Russland.

Von Matthias Stelte*

Russland war noch nie ein Paradies für Schwule, Lesben und trans*people. Mir ist sehr gut der Mai 2009 in Erinnerung, als ich während des Eurovision Song Contest in Moskau war und an dem – ja, Versuch einer Gay Pride mit Kolleginnen und Kollegen teilnahm.

Doch die Hetze und staatliche Willkür, der LGBT in Russland derzeit ausgesetzt sind, sucht ihresgleichen. Seitdem Russlands Präsident Wladimir Putin am 30. Juni ein Gesetz unterzeichnet hat, das „homosexuelle Propaganda“ unter Strafe stellt, sind LGBT nahezu rechtlos.

Demonstration gegen Homophobie in Russland in Berlin am 31. Augsut 2013 (Foto: Matthias Stelte)
Demonstration gegen Homophobie in Russland in Berlin am 31. Augsut 2013 (Foto: Matthias Stelte)

In vielen Medien, im Internet, überall finden sich Berichte, Videos und Artikel über die Hetze gegen all jene, die sich nicht an die heteronormative Gesellschaft anpassen, wie es Staat und die einflussreiche orthodoxe Kirche in Russland gerne hätten.

Seit Inkrafttreten der Gesetze haben sich aber auch eine Vielzahl an Initiativen und Solidaritätsbewegungen außerhalb Russland gebildet, um die Community mindestens symbolisch zu unterstützten. So fand am vergangenen Samstag in Berlin eine Demonstration satt unter dem Motto: Enough is enough! Open your mouth! Rund 8000 Demonstranten versammelten sich am Ku‘damm, um gemeinsam durch die Stadt vor die russische Botschaft zu ziehen. Die Polizei rechnete mit 2000 Teilnehmern – dass es mehr als doppelt soviel wurden, ist erfreulich.

Bei schönstem spätsommerlichen Wetter machte sich der Demonstrationszug auf mit vielen Regenbogenflaggen und anderen kreativen Bannern und Schildern.


Neben dem Filmemacher Rosa von Praunheim und Comedian Thomas Herrmanns war auch die Politik mit Renate Künast, der Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, und Klaus Lederer, Vorsitzender der Berliner Linkspartei, vertreten. Als Redner trat auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung auf, Markus Löning.

Den Wunsch der Organisatoren, keine Parteienwerbung auf der Demo zu machen, kamen lediglich die Grünen nach, die FDP-Nachwuchskräfte und auch die Linkspartei ignorierten diesen Wunsch.

Botschafterin der Demo war die Berliner Dragqueen Barbie Breakout. Als Reaktion auf die Situation in Russland und das Schweigen der Politik hatte die Dragqueen sich den Mund zugenäht und sich dabei gefilmt. Das Video stellte sie auf youtube, es sorgte für weltweite Schlagzeilen.

Der Protest in Berlin richtete sich nicht nur gegen Russland, im Zentrum der Kritik standen auch die Sponsoren der nächsten olympischen Winterspiele, die im Februar im russischen Sotschi stattfindet. Die Organisatoren der Demonstration schrieben auch sämtliche Sponsoren – wie Coca-Cola, McDonalds und Samsung – an, doch eine Reaktion haben sie nicht erhalten. Wenig überraschend: Auch die russische Botschaft zeigte keine Reaktion. Umso mehr die Demonstranten. Als der Zug das Botschaftsgebäude erreichte, ertönte ein lautes Pfeifkonzert, es wurden regenbogenfarbene Papierschlangen und Konfetti in Richtung des Grundstücks gefeuert und immer wieder hieß es: Stop homophobia!

Während sich die Sponsoren in Schweigen hüllen, eiert das Internationale Olympische Komittee mit wachsweichen Erklärungen herum. So versicherte es, dass Sportler an den Spielen teilnehmen dürfen, egal welche sexuelle Orientierung sie hätten. Gleichzeitig heißt es, dass Sportler, die während der Winterspiele für die Rechte Homosexueller demonstrieren, von den Spielen ausgeschlossen werden.

Am kommenden Sonntag, den 8. September, wird es hoffentlich noch einmal voll werden vor der russischen Botschaft und diversen Konsulaten. Weltweit findet um 15 Uhr zur jeweiligen Ortszeit ein Kiss-in unter dem Motto: „To Russia With Love“ vor russischen Botschaften und Konsulaten statt – ob Paris, Palermo oder Plymouth, überall wird am Sonntag gegen Homophobie geknutscht!

In allen deutschen Städten, in denen es eine russische Auslandsvertretung gibt, findet das Kiss-in statt: Berlin, Bonn, Hamburg, Leipzig, München und Stuttgart.

*Matthias Stelte lebt in Hamburg und betreibt den Food- und Kochblog “kitchen proofed“.

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