Grüne kritisieren Teilnahme von CSU-Mann an Elsässer-Kongress

Nach der Berichterstattung über den geplanten Kongress des Verschwörungstheoretikers Jürgen Elässer, an dem unter anderem Eva Hermann, Thilo Sarrazin sowie der CSU-Politiker Norbert Geis teilnehmen sollen, wird die Kritik an dem Treffen lauter. Die Grünen forderten die Union, sich von dem schwulenfeindlichen Treffen zu distanzieren.

Norbert Geis (Foto: cducsu.de / Uli Schwab)
Norbert Geis (Foto: cducsu.de / Uli Schwab)

Volker Beck von den Grünen erklärte zum Auftritt eines CSU-Bundestagsabgeordneten auf einem schwulenfeindlichen Verschwörungskongress:

„Von der CSU erwarte ich eine öffentliche Distanzierung von ihrem Bundestagsabgeordneten Norbert Geis. Wie kann man nur bei solch einem schrägen Kongress auftreten, bei dem sogar Unterstützer des russischen Gesetzes gegen die „Homopropaganda“ an zentraler Stelle sprechen? Das diskreditiert die gesamte Menschenrechtspolitik der Union. Homophober Menschhass darf in keiner Partei toleriert werden. Es wäre menschenverachtender Zynismus, wenn die CSU das laufen ließe und hier mit falsch verstandener Toleranz nach Stimmen aus dem rechtsradikalen Lager fischen würde. Auch die SPD verurteilt die Teilnahme von ihrem prominenten Mitglied Sarrazin.“

Publikative.org hatte am Mittwoch über den geplanten Kongress in Leipzig berichtet.

Aus der Compact-Ankündigung: „Werden Europas Völker abgeschafft? Familienfeindlichkeit, Geburtenabsturz und sexuelle Umerziehung“ ist an den Titel von Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ angelehnt und stellt Eva Hermans Anliegen in den Mittelpunkt.Peter Scholl-Latour wird den geopolitischen Rahmen skizzieren, in dem sich das absterbende Europa bewegt. Mit dem Theologen Ulrich Schacht, der letztes Jahr das Publikum begeisterte, und dem wertkonservativen CSU-Bundestagsabgeordneten Norbert Geis haben wir weitere Experten gefunden. Damit uns die deutsche Misere nicht den Blick auf Lösungen verstellt, haben wir mit Hilfe unseres Kooperationspartners Institut de la Démocratie et de la Coopération (IDC) in Paris wieder internationale Referenten gefunden: Die Publizistin Béatrice Bourges berichtet über den Volkswiderstand gegen die Schwulenehe in Frankreich, aus Russland berichten Abgeordnete der Duma über die Erfolge von Wladimir Putins Familienpolitik.

Geis hatte sich beispielsweise im Frühjahr 2013 über eine „Homosexuellen-Lobby“ im Bundestag beklagt und betont: Mit der CSU werde es “keine volle Gleichstellung geben”.  Geis hatte sich bereits mehrfach über die “Schwulen-Lobby” ausgelassen, so beispielsweise im August 2012 in der rechtsradikalen “Jungen Freiheit”. Dort schrieb der CSU-Hardliner, die Angriffe auf Gegner der Homo-Ehe zeigten einmal mehr, “daß gerade diejenigen, die am lautesten nach Toleranz schreien, andere Meinungen als ihre eigene nicht ertragen können”. Eine sachliche Diskussion sei daher nicht möglich.

Die „kleine, aber lautstarke Homo-Lobby lässt keine Gelegenheit aus, die Gleichstellung mit Ehe und Familie zu erzwingen“, kritisierte Geis in der JF. Diese “Tendenz der Gleichmacherei” werde durch verschiedene Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts “leider noch verstärkt”.

Norbert Geis ist seit 1987 Mitglied des Bundestages. Bei der Debatte um die Einführung von eingetragenen Partnerschaften 2001 behauptete er laut Queer.de auf seiner Bundestagswebsite, Homosexualität sei eine “Perversion”. Der damalige rechtspolitische Sprecher von CDU und CSU erklärte, das Gesetz stünde im Widerspruch zu den “Prinzipien der drei großen Religionen”. Offenbar wünscht sich Geis eine Art Gottesstaat, dafür spricht auch, dass er in den 1990er-Jahren ein Auftrittsverbot für Madonna gefordert hatte, weil deren Show zu obszön sei. Zu seinen Vorstellungen von Recht und Ordnung gehört auch, dass er die „gezielte Tötung von potenziellen Aggressoren“ als Präventivmaßnahme sowie die Sicherungsverwahrung von „Gefährdern“ ohne Prozess befürwortet.

9 thoughts on “Grüne kritisieren Teilnahme von CSU-Mann an Elsässer-Kongress

  1. Angesichts der Hintergrundinfos muss man sagen, dass Geis an diesem Kongress leider genau an der richtigen Stelle ist. Soll er doch da hin gehen. Die Frage ist eher: Was macht der Mann im Bundestag?

  2. was denn, norbert geis passt bei diesem kongress doch aufs podium wie die faust aufs auge. roberts frage, was der im bundestag verloren hat, ist die viel wichtigere. kleiner trost? in gut zwei wochen ist es damit auch vorbei. geis wurde von der eigenen partei nicht mehr als direktkandidat aufgestellt.

  3. Der Elsässer ist köstlich.

    Aktuell beschwert er sich über einen Artikel zur Konfernz im Handelsblatt und Tagesspiegel. Beide hätten sich nicht bemüht „von COMPACT eine Stellungnahme“ für ihre Beiträge zu bekommen. „Das ist das Grundprinzip des seriösen Journalismus.“

    Gerade Elsässer mit seinem verschwörungsideologischen Blättchen spricht von Qualitätsjournalismus? Irgendwie geht ihm scheinbar die Realität abhanden.

    handelsblatt.com: Die Stunde der Verschwörungstheoretiker
    tagesspiegel.de: Thilo Sarrazin spricht über Homosexualität „Vorsicht, auch die Tunte kann sehr tüchtig sein“

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