Elsässers Volksfront: Sarrazin, Herman und Scholl-Latour gegen die „Schwulen-Ehe“

Jürgen Elsässer (Foto: Wiljo Heinen)
Jürgen Elsässer (Foto: Wiljo Heinen)

Diesmal geht’s den Homosexuellen an den Kragen: Nachdem der rechte Publizist Jürgen Elsässer im vergangenen Jahr das erste „Souveränitätskonferenz“ genannte Treffen von Verschwörungstheoretikern, Revanchisten und Salon-Antisemiten organisiert hat, will er in diesem Jahr offensichtlich einen draufsetzen. Neben einigen Rechtsaußen-Ikonen wird auch Peter Scholl-Latour wieder auf dem Podium stehen.

Von Martin Niewendick, zuerst erschienen bei den Ruhrbaronen

Wundern muss man sich bei Jürgen Elsässer eigentlich über nichts mehr. Er beglückwünscht Ahmadinedschad zur Erfolgreichen Niedermetzelung der iranischen Opposition, agitiert gegen die „Vermischung“ deutschen Blutes mit dem von Südländern und hält Osama bin Laden für einen CIA-Agenten. Das alles verbreitet er über sein Heftchen Compact, eine Art reaktionärem Tante-Emma-Laden.

Bei seiner zweiten „Souveränitätskonferenz“ im November soll es unter anderem um „sexuelle Umerziehung“ und „Familienfeindlichkeit“ gehen. Das meint wohl vor allem die sogenannte Homo-Ehe. Christlich-fundamentalistische Hetzerinnen wie Katharina Reiche (CDU) warnen seit Jahren vor dem Volkstod durch Analsex. Dem pflichtet auch Elsässer bei. In Artikeln in Blog und Heft nimmt er Reiche vor Kritik in Schutz und wendet sich etwa gegen „die Verschwulung der Familienpolitik“.

Scholl-Latour wieder dabei

Zu seiner zweiten Konferenz ist die Gästeliste noch gruseliger als 2012. Da wäre (wieder einmal) der „Nahost-Experte“ Peter Scholl-Latour, der mittlerweile offensichtlich zur Compact-Stammbelegschaft gehört.

Da lacht das Herz des rechten Wutbürgers: Sarrazin, Herrman, Scholl-Latour
Da lacht das Herz des rechten Wutbürgers: Sarrazin, Herman, Scholl-Latour

Dann ist da Thilo Sarrazin, dessen Buchtitel „Deutschland schafft sich ab“ bekanntermaßen längst zum Bonmot deutscher Neonazis geronnen ist. Als Nummer drei der Top-Redner tritt die Ex-Tagesschausprecherin Eva Herman auf. Im Ankündigungstext heißt es zu ihr: „Die Vertreterin klassischer Familienrollen hatte zuletzt öffentlich befürchtet, eine Grundgesetzänderung zur Einbeziehung des Merkmals sexuelle Orientierung in den Diskriminierungsschutz des Grundgesetzes könne dazu führen, dass Pädophilie ‚legal’ würde.“

Auch die CSU will sich so eine Publicitiy nicht entgehen lassen, und schickt den Europapolitiker und „Junge Freiheit“-Autor Norbert Geis als Redner zur Konferenz. Die beiden Volksparteien wären also schon mal vertreten. Und eine Rednerin aus Frankreich wird über die „Volksbewegung gegen die ‘Ehe für alle’ in Frankreich“ sprechen.

Aus der Compact-Ankündigung: „Werden Europas Völker abgeschafft? Familienfeindlichkeit, Geburtenabsturz und sexuelle Umerziehung“ ist an den Titel von Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ angelehnt und stellt Eva Hermans Anliegen in den Mittelpunkt.Peter Scholl-Latour wird den geopolitischen Rahmen skizzieren, in dem sich das absterbende Europa bewegt. Mit dem Theologen Ulrich Schacht, der letztes Jahr das Publikum begeisterte, und dem wertkonservativen CSU-Bundestagsabgeordneten Norbert Geis haben wir weitere Experten gefunden. Damit uns die deutsche Misere nicht den Blick auf Lösungen verstellt, haben wir mit Hilfe unseres Kooperationspartners Institut de la Démocratie et de la Coopération (IDC) in Paris wieder internationale Referenten gefunden: Die Publizistin Béatrice Bourges berichtet über den Volkswiderstand gegen die Schwulenehe in Frankreich, aus Russland berichten Abgeordnete der Duma über die Erfolge von Wladimir Putins Familienpolitik.

Die neue Rasse der Superreichen

Dass Elsässers Thesen reichlich meschugge anmuten, ist indes nichts Neues. Dennoch lohnt sich eine kurze Reise in die Geisteswelt des Mannes. In Sachen sexuelle Gleichstellung sieht er „eine winzige globale Finanzoligarchie“ am Werk, „die mit neuen Reproduktions- und Gentechnologien ihr tausendjähriges Reich errichten will. Gut möglich, dass diese Superreichen – wenn sie ihre Körper mit geklonten Organen und ihre Gehirne durch digitale Kopien unsterblich gemacht haben – dereinst wirklich zu einer anderen Rasse mutieren, die sich von uns Erdlingen nicht nur im übertragenen Sinne, sondern auch physiologisch und neurologisch unterscheidet.“

Das Nachrichtenportal queer.de hat sich in einem Artikel detailliert mit den Rednerinnen und Rednern auseinandergesetzt.

Siehe auch zu Elsässer: If the apollo program was a hoax …, “Völkerbrei”: Elsässer und die Sprache des Nationalsozialismus

Siehe auch zu Scholl-Latour: Cowboy im Schlachthaus, Was macht Scholl-Latour bei Elsässer?

Siehe auch zu Sarrazin: UNO attestiert Sarrazin Rassismus, Die Mehrheit als Opfer, Es gibt keinen Rassismus mit Herz!

35 thoughts on “Elsässers Volksfront: Sarrazin, Herman und Scholl-Latour gegen die „Schwulen-Ehe“

  1. @ Anonymous:

    Hm, meiner Wahrnehmung nach kam und kommt durchaus auch Kritik von anderer Seite, bsp. von DIE LINKE. Meine Haltung zum Afghanistan Krieg ist übrigens eine ambivalente, da ich durchaus auch Stimmen aus dem Land gehört habe, die Unterstützung durch den Westen gefordert haben. Militärische Hilfe ist aber nicht der richtige Weg gewesen – meiner Ansicht nach. Aber ich glaube auch, eine Debatte darüber würde vielleicht den Rahmen sprengen – ich wollte das nur gern verdeutlichen.

    Ich muss zugeben, ich kann Ihnen bei Ihrem zweiten Punkt nicht ganz folgen. Da ich ja Ihre Prämisse nicht teile, würde ich Ihnen auch bei diesem Punkt nicht vorbehaltlos zustimmen, allerdings weiß ich auch nicht ganz, was Sie mit „festbeißen an ursprünglich harmlosen Begriffen“ meinen.

    Das Hate Speech Konzept unterstütze ich ebenfalls nicht, da es keine inhaltliche Diskussion oder Kompromisse zulässt. Aber wie gesagt, ich wäre froh, wenn Sie mir Ihren Gedankengang noch einmal erläutern könnten, ich bekomme das alles nicht so zusammen.

  2. @sachlich
    -„Ich weiß, dass er damit nicht töten meinte“-wenn das bekannt ist, kann Elsässer auch keine Freude oder Begeisterung am „Niedermetzeln“ vorgeworfen werden

    -„Und bzgl. der Fußball-Geschichte: ja, das Ganze klingt aus dem Kontext gerissen“~Wozu der Griff in die Trickkiste? Es lassen sich genügend andere Formulierungen finden, die nicht „entkontextualisiert“ werden müssten.

    Der Hinweis auf „Hate-Speech“

  3. War das auf mich bezogen oder auf den Autor des Artikels? Ich habe nie behauptet, dass Elsässer „begeistert“ von den Tötungen war.

    Jedoch: ich bleibe bei meiner Ansicht, dass die Formulierung „in den Darkroom befördern“ (was Elsässer ja explizit begrüßt) hochgradig unangebracht ist. Die willkürliche Verfolgung von politischen Gegenern zu begrüßen ist schon wirklich unangemessen (selbst wenn er damit „nur“ die Verhaftung derselbigen meint), so etwas aber auch vor dem Hintergrund der Toten zu sagen, ist einfach nur geschmacklos. Jemanden zu beglückwünschen, der für Diskrimierungen, Verhaftungen und Tote verantwortlich ist…man darf wohl erwarten, dass man sich vorher mit dem Hintergrund auseinandersetzt, bevor man so etwas schreibt – dementsprechend gehe ich davon aus, dass Elsässer darüber Bescheid wusste, als er das geschrieben hat.

    Es ist einfach nur absolut taktlos, jemanden dazu beglückwünschen, dass er hart gegen „Discomiezen, Teheraner Drogenjunkies und die Strichjungen des Finanzkapitals“ vorgegangen ist, während Leute sterben. Was für eine unglaubliche Frechheit das gegenüber allen Leuten ist, die dabei Freunde, Verwandte verloren haben.

    zu 2.
    Da haben Sie recht. Ich finde aber, dass die Aussage auch im Kontext schwierig ist.

    Kleine Anmerkung noch: warum schreibt Elsässer eigentlich „Ahmidenedschads“? Wenigstens den Namen seines Helden sollte er richtig schreiben. Aber das nur als kleiner Schmunzler am Rande.

  4. @sachlich
    mit dem Namen hat er geschlampt. ganz klar.(Oder alle anderen schreiben ihn falsch und die „richtige Übersetzung“ ist nur Insidern bekannt) Kann mir auch vorstellen, das er mit seinem Nachfolger nicht so einverstanden ist………..

  5. Noch ein Nachtrag – ein weiteres Indiz dafür, wie „erfolgreich“ die Volksfront-Politik des rechtsradikalen Elsässer ist:

    „Holger Apfel, NPD-Vorsitzender im Sächsischen Landtag, lobte die Initiative. Er nannte Elsässer einen „Eisbrecher, der auf nationaler Grundlage den Dualismus von rechts und links durch die Schaffung einer antiglobalistischen und antiimperialistischen Gerechtigkeitsbewegung überwinden will“.“

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/sarrazin-herman-und-co-veranstalter-wuenscht-der-afd-glueck-auf/8748374-4.html

    Na, da sage noch jemand, dass die emsigen Bemühungen des modernen Neo-Nazi-Sympathisanten Elsässer keine Erfolge hätten…

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