Naziaufmarsch in Dortmund – Mehrere Verletzte durch Böllerwurf

In Dortmund organisierte am Samstag die extreme Rechte wieder eine Demonstration. Doch unter Christian Worch scheint die Szene weiterhin nicht voranzukommen. Keine 400 Neonazis fanden den Weg zum Aufmarsch. Ein Neonazi verletzte unter anderem einen Polizisten und eine Landtagsabgeordnete durch einen Böllerwurf.

von Stefan Laurin, mit freundlicher Genehmigung der Ruhrbarone

Gestern war kein guter Tag für die Neonazis in Dortmund: Wegen Blockaden musste nicht nur der Standort der Demonstration verlegt werden, auch der Marsch durch den Dortmunder Osten wurde immer wieder verzögert. Mit 370 Nazis wurde die groß angekündigte bundesweite Demonstration der Partei “Die Rechte” gegen Verbote von Naziorganisationen trotz Rednern aus ganz Deutschland zum Flop: Am 1. Mai kamen noch fast 500 Nazis nach Dortmund, obwohl es zahlreiche Konkurrenzveranstaltungen aus dem braunen Lager gab. Gestern waren es nach Polizeiangaben keine 400. Ein Flop, umso mehr, wenn man bedenkt, dass der im vergangenen Jahr verbotene Nationale Widerstand Dortmund (NWDO) in früheren Jahren zum ebenfalls im Spätsommer zeitweise über 1000 Rechtsradikale beim “Antikriegstag” auf die Straße bekam.

Verlaufen: Jodel-Hitler in Dortmund, Foto: Ruhrbarone.
Verlaufen: Jodel-Hitler in Dortmund, Foto: Ruhrbarone.

Auch die Dortmunder haben dazu ihren Beitrag geleistet. Seitdem die Polizei Protest in der Nähe des Naziaufzugs zulässt, auch das ein Verdienst des Polizeipräsidenten Norbert Wesseler, kommen sie auf die Straße: Gestern gab es mehrere  Blockaden und an mehreren Stellen marschierten die Nazis unter den Pfiffen und Schmähungen ihrer wütenden Gegner. Insgesamt waren es über 1000.

Protest in dortmund
In Dortmund kamen fast 1.000 Menschen zusammen, um gegen die Neonazis zu demonstrieren, Foto: Ruhrbarone.
Protest am Rand der Nazistrecke, Foto: Ruhrbarone.
Protest am Rand der Nazistrecke, Foto: Ruhrbarone.

Zur Eskalation kam es kurz vor dem Ort der Nazi-Abschlusskundgebung an der Kreuzung Saarlandstraße/Märkische Straße, als ein Nazi einen sogenannten “Polenböller” in die Reihen der Demonstranten warf und dabei mehrere Menschen verletzte – unter anderem einen Polizeibeamten und die Piraten-Landtagsabgeordnete Birgit Rydlewski. Als die Polizei später den Täter, gegen ihn wird wegen des Verdachts der gefährlichen  Körperverletzung ermittelt, aus dem braunen Demozug holte, kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Nazis und der Polizei. Mehrere kurzzeitige Festnahmen und eine Auflösung der Kundgebung waren die Folge.

Mehr Proteste, weniger Nazis auf der Straße: Das Problem der Dortmunder Rechtsradikalen  hat einen Namen: Christian Worch. Seitdem der Altkader mit seiner Partei “Die Rechte” in Dortmund mitmischt, geht es mit der braunen Szene der Stadt bergab: Zwar konnten durch die Partei  organisatorische Zusammenhänge weitergeführt werden, die durch das Verbot des NWDO zerschlagen worden waren, aber die Anschlussfähigkeiten des NWDO hat die Worch Partei nicht erreicht. Die von dem  vor allem bei den Nazis im Osten umstrittenen Worch geführte Partei kann weder bei den Nationalen Autonomen noch im Kreis der NPD auf dem Niveau mobilisieren, wie es der NWDO konnte. Der Neustart unter dem Label “Die Rechte” ist ein Flop. Die Verbotsstrategie von NRW-Innenminister Ralf Jäger und der harte Kurs von Dortmund Polizeipräsident Norbert Wesseler haben die Dortmunder Naziszene zwar nicht beseitigt, aber geschwächt.  Und die Dortmunder haben angefangen, den Protest gegen die Nazis ernst zu nehmen. Damit ist das Nazi-Problem in Dortmund noch nicht gelöst – aber es ist eine Basis da, dieses Ziel anzugehen.

Eskalation an der Märkischen Straße nach Nazi-Angriff auf Demonstranten, Foto: Ruhrbarone.
Eskalation an der Märkischen Straße nach Nazi-Angriff auf Demonstranten, Foto: Ruhrbarone.

Eine Chronik des ganzen Tages findet sich im gestrigen Liveticker.

6 thoughts on “Naziaufmarsch in Dortmund – Mehrere Verletzte durch Böllerwurf

  1. Fairerweise muss noch erwähnt werden, dass auch linksextreme Demonstranten gewalttätig geworden sind. Nichtsdestotrotz sind die Nazi-Böllerwürfe einfach nur schrecklich. Und ich freue mich, dass die Zahl der Gegendemonstranten die Zahl der Nazis bei Weitem überstiegen hat.

  2. …da gibts mit Sicherheit auch einen Begriff, der nicht aus den sprachlichen Untiefen der 70er stammt. Wie wärs mit „Kanonenschlag“?
    Sonst danke für den Bericht.

    Anm. d. Red.:

    Es ist völlig klar, dass dieser Begriff nicht ohne Distanzierung verwendet werden kann. Daher die Anführungsstriche…

  3. Ich finde, 370-400 Männecken sind schon recht stramm für einen absolut desolaten Haufen. (Und immerhin hatten die 1000 (Berufs)Gegendemonstrant*innen etwas zu tun und konnten sich nach getaner Arbeit gegenseitig auf die moralische Schulter klopfen).
    Die Neonazi-Demo war wahrscheinlich „nur“ ein kleines Signal der RECHTEN (Partei), also Worchs One-Man-Show, dass es da in NRW neben der NPD auch noch eine kackbraune teutsche … Elite zu wählen gibt.
    Sollte man unterstützen, denn immerhin nehmen sich die Burschen gegenseitig die Stimmen weg und verewigen den nazi-internen Streit.

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