NPD in Hellersdorf auf verlorenem Posten

Bereits am Dienstag demonstrierte die NPD mal wieder in Berlin-Hellersdorf, mal wieder ziemlich erfolglos. Eine Journalistin niederzuschlagen war das einzige, was die Neonazis vermochten.

Von Uwe Nikolov

Das verlorene NPD-Häufchen (Foto: Uwe Nikolov)
Das verlorene NPD-Häufchen (Foto: Uwe Nikolov)

Wenn die NPD in den letzten vier Wochen versucht hat, Wahlkampf zu spielen, ist das zumeist sagenhaft gescheitert. So gingen etwa in Rostock die Reden innerhalb von drei Wochen gleich dreimal im Eier- und Flaschenhagel der Gegendemonstranten unter und auch in Hannover machte das Flagschiff eher den Eindruck eines morschen Kahns als den eines stolzen deutschen Panzerboots. Nach so vielen Niederlagen und einer Hauptstadt im Wahlkampf witterte die Berliner NPD um ihren Vorsitzenden Sebastian Schmidtke Morgenluft und rief „alle Berliner, die sich der aufgezwängten Veränderung ihrer Heimat entgegenstellen möchten“ in hölzernem Rumpelsprech dazu auf, sich doch bitte an den Protesten gegen das gerade geöffnete Flüchtlingsheim in Hellersdorf zu beteiligen.

Ziel war es, eine Brücke zwischen dem eigenen Wahlprogramm („Asylflut stoppen“) und der rassistischen Grundstimmung zumindest bei Teilen der Anwohner in Hellersdorf zu schlagen. Diese Rechnung ging jedoch am gestrigen Abend nicht auf. Bereits um 18 Uhr hatten sich vor dem Heim 400 mit den Flüchtlingen solidarische Menschen versammelt, die sich dann nach und nach zum Kundgebungsplatz der NPD begaben und dort bereits von drei bekannten Anti-Antifa-Fotografen erwartet wurden.

Abgeschirmt von behelmten Polizisten und den obligatorischen Regenschirmen, tat sich dann erstmal eine ganze Weile gar nichts. Da die Lautsprecheranlage nicht so recht funktionieren wollte, mussten Schmidtke, seine Lebensgefährtin Maria Frank und ihre 20-köpfige Entourage der Dinge harren, sich auspfeifen und beschimpfen lassen. Sie zogen ihr einziges Vergnügen daraus, eine Journalistin niederzuschlagen oder wahllos Gegendemonstranten anzuzeigen. Die Anzeigen setzen die Polizei dann direkt mehr oder weniger brutal um, sodass am Ende 25 Ingewahrsamnahmen zu vermelden waren.

Die Zahl der Nazis im Polizeikessel wuchs auch während der reparaturbedingten Wartezeit nicht an, dafür erhielten einige, in Thor Steinar gekleidete und mit schwarzen Sonnen geschmückte Interessierte, die ein wenig zu offensichtlich zwischen den Gegendemonstranten standen, Platzverweise. Gerade hier zeigte sich deutlich, dass es dem fast schon bemitleidenswerten Schmidtke und seiner übersichtlichen Politdarstellertruppe einfach nicht gelingt, die empört-rassistische Grundstimmung einiger Anwohner, die sich im Vorfeld in teils abstrusen Bedenken und Ressentiments äußerte, für sich zu nutzen. Nachdem die Reden beendet waren, wurden die Nazis mit der Tram abtransportiert, und ein Teil der Demonstranten begab sich zum Heim, wo es seitdem weitgehend ruhig geblieben ist.

Siehe auch: Neonazis und Polizei gegen JournalistenBerlin-Hellersdorf – Zwischen Bürgermob und Neonazis25 Minuten Wahlkampf mit der NPDNPD-Bundestagswahlkampf: “Ihre Knochen müssen zittern…”

2 thoughts on “NPD in Hellersdorf auf verlorenem Posten

  1. Na, das war dann heut aber schon ganz anders wie auch der Spiegel festgestellt hat wa^^ Freut euch schonmal über 10%+ für die NPD in Hellersdorf am 22. 😀

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