Extrem rechter Verein „Pro Erfurt“ vor dem Aus

Nach einem Bericht von Publikative.org über den Auftritt von „Pro Erfurt“ Mitgliedern bei einer NPD-Kundgebung in Erfurt steht der extrem rechte Verein jetzt offenbar vor dem Aus. Obwohl der Verein schon lange mit Neonazis zusammenarbeitet, hat erst die Kooperation mit der NPD eine Austrittswelle losgetreten.

Von Kai Budler

Das Logo des extrem rechten Vereins...
Das Logo des extrem rechten Vereins…

Gleich im ersten Satz der Grundsätze von „Pro Erfurt“ heißt es, der Verein „steht zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland“. Beobachter in Thüringen können darüber nur lachen, denn schon seit der Gründung von „Pro Erfurt“ und „Pro Thüringen“ unter der Federführung des damaligen NPD- und späteren DVU-Politikers Kai-Uwe Trinkaus im Juni 2008 tummeln sich teils militante Neonazis in den Vereinsreihen. Dazu gehört beispielsweise der Neonazi-Funktionär Enrico Biczysko, der seit fünf Jahren regelmäßig bei Veranstaltungen der Erfurter Neonazi-Szene auftaucht und 2008 an einem Angriff auf alternative Jugendliche an der Erfurter Krämerbrücke mit zahlreichen zum Teil schwer verletzten Opfern beteiligt war. Im Frühling dieses Jahres meldete Biczysko mehrere Kundgebungen an, um für den Neonazi-Aufmarsch am 1. Mai 2013 in Erfurt zu werben. Bei „Pro Erfurt“ fungierte er als stellvertretender Vorsitzender und ist für „Sport und Jugend“ zuständig. Auch der Beisitzer im Vereinsvorstand, Christoph Hilbig, ist kein unbeschriebenes Blatt in der Neonaziszene. Zuletzt trat er bei der NPD-Kundgebung am 17.08.2013 in einem T-Shirt mit dem Aufdruck „Kick Islam out of Germany“ auf. Auch der Schatzmeister Dietmar Möller nahm unter anderem an Aufmärschen der militanten Neonazi-Szene teil. Ganz offen trat die Zusammenarbeit des Vereins mit Neonazis aus dem Spektrum der „Freien Kräfte“ bei einer „Mahnwache“ im März 2013 in Erfurt zutage. In Kooperation mit der extrem rechten „Aktionsgruppe Erfurt“ sollte in geschichtsrevisionistischer Art und Weise an die Toten der Bombenangriffe auf Erfurt im 2. Weltkrieg gedacht werden. Auch mit den extrem rechten Gruppierungen „AG Weimarer Land“, „AG Weißenfels“ und „Freie Kräfte Burgenlandkreis“ arbeitete „Pro Erfurt“ eng zusammen. Die Liste derartiger Kooperationen ist lang und es erinnert an Krokodilstränen, wenn „Pro Erfurt“ jetzt von einem „Dolchstoß“ spricht und verlauten lässt, die Teilnahme einiger Mitglieder an der jüngsten NPD-Kundgebung sei ein „Verrat am Vereinsgrundsatz“, der den „Verein de facto seiner Authentizität beraubt“. Als Konsequenz seien mehrere Mitglieder mit sofortiger Wirkung ausgetreten, darunter der ehemalige Geschäftsführer Patrick Panser.

Mit dem "Dolchstoß" in die Auflösung?
Mit dem „Dolchstoß“ in die Auflösung?

Auch Konrad Förster dürfte es bei seinem Austritt in erster Linie um die offensichtliche Zusammenarbeit mit der Partei gehen, die ihn als NPD-Kreisschatzmeister 2008 wegen „parteischädigendem Verhalten“ ausgeschlossen hatte, als er mit Kai-Uwe Trinkaus „Pro Erfurt“ und „Pro Thüringen“ aus der Taufe hob. Noch heute zeichnet der inzwischen als V-Mann des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz (TLfV) bekannt gewordenen Trinkaus im Impressum für die Seiten der Vereine verantwortlich, auch die beiden Internetseiten sind auf ihn registriert. Die Gründung der Vereine fällt in die drei Jahre, in denen Trinkaus nach eigenen Angaben für das TLfV gearbeitet hat, zwischen 2007 und 2010 hatte ihm das Landesamt insgesamt 14.700 Euro gezahlt. Seine Rolle wird Ende des Monats auch im Thüringer Landtag thematisiert, wenn der Untersuchungsausschuss Aufklärung in die Spitzel-Affäre um Trinkaus bringen soll.

Siehe auch: NPD-Thüringen: Wahlkampfauftakt mit 25 Neonazis, Verfassungsschutz als Anti-Antifa?, Kickboxen und Fußball – extrem rechter Sportverein in Erfurt unbemerkt aktiv

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