25 Minuten Wahlkampf mit der NPD

Die NPD ist derzeit die bedeutendste rechtsextreme Partei in Deutschland. Seit dieser Woche hat auch sie ihren Wahlkampf begonnen. Mit der „Deutschlandtour“ und ihrem „Flaggschiff“ reisen die Funktionäre durch mehrere Städte täglich. Bürger sind kaum zu sehen, außer sie sind gekommen, um gegen die Neonazis zu demonstrieren.

Von Felix M. Steiner

NPD in Hannover
Kurz nach zehn trifft das „Flaggschiff“ in Hannover ein, Foto: Publikative.org

Niedersachsen gilt als das Stammland der NPD. Hier wurde die Partei 1964 als rechtsextremer Sammlungsversuch aus der Taufe gehoben, hier saß sie Ende der 1960er Jahre im Landtag. Bei ihrem Wahlkampfauftritt am Donnerstag in Hannover hätten sich viele NPD-Mitglieder diese Zeiten wohl zurückgewünscht. Um zehn Uhr hatte die Partei eine Wahlkampfveranstaltung am Zentralen Busbahnhof hinter dem Hauptbahnhof angemeldet. Hannover ist nicht die erste Station der Rechtsextremen. Bereits seit Anfang der Woche touren sie durch Norddeutschland. Immer dabei: das „Flaggschiff“. Der LKW eines französischen Herstellers ist mit großen Werbebannern der Partei beklebt. Wie eine „Litfaßsäule“ soll das wirken. Die Hauptwahlkampfthemen sind die Wiedereinführung der D-Mark und das Stoppen einer vermeintlichen „Asylflut“. Momentan muss sich die NPD zumindest beim Thema Euro-Ausstieg gegen ihre neue Konkurrentin, die Alternative für Deutschland, behaupten. So verwundert es kaum, dass ihre Funktionäre keine Möglichkeit auslassen, gegen die neue Partei zu wettern. In Hannover wird dies am Donnerstagmorgen jedoch nicht das bestimmende Thema sein.

Kurz vor zehn Uhr ziehen langsam erste Gegendemonstranten zum Kundgebungsort. Sie tragen Fahnen der Jusos, Antifa oder Israels bei sich. Rund 100 werden an diesem Morgen kommen, um gegen die NPD zu demonstrieren. Kurz nach zehn Uhr fährt der NPD-Konvoi in Hannover vor. Das „Flaggschiff“ und zwei weitere Begleitfahrzeuge. Ein Dutzend Männer steigt aus den Fahrzeugen. Die meisten von ihnen sind dunkel gekleidet, tragen Sonnenbrillen und sind wohl so etwas wie parteieigene Sicherheitsleute. Unter ihnen auch Neonazis aus der Kameradschaftsszene, die heute als NPD-Funktionäre agieren. Mittendrin ist Holger Apfel. Der erste NPD-Funktionär tritt kurz nach dem Eintreffen an das Megaphon. Die behördlichen Auflagen verhindern den Einsatz der Lautsprecheranlage. Und so wird als allererstes die Behördenwillkür kritisiert. Kaum hundert Meter entfernt brüllen die Gegendemonstranten. Außer ihnen und der Polizei sind nur wenige Schaulustige gekommen, die sich am Polizeigatter das Schauspiel ansehen. Eine Frau fragt einen Journalisten, was denn hier eigentlich los sei. Dass die NPD komme, habe sie nicht gewusst. Lediglich die vielen Polizisten haben sie verwundert. Sie geht weiter.

In Hannover musste Apfel ohne Lautsprecheranlage auskommen. Mit dabei: die dunkel gekleieteten "Sicherheitsleute, Foto: Publikative.org
In Hannover musste Apfel ohne Lautsprecheranlage auskommen. Mit dabei: die dunkel gekleieteten „Sicherheitsleute, Foto: Publikative.org

Nun tritt Holger Apfel an das Megaphon. Er wirkt müde, der Bart ist ergraut. Apfel scheint seit der Übernahme des Parteivorsitzes deutlich gealtert. Er spult seine Rede ab. Immer wieder ruft er, die Bürgerinnen und Bürger sollen den „Wahltag zum Zahltag“ machen. Doch Bürgerinnen und Bürger können ihn nicht hören. Es wirkt, als ob ihn seine eigene Rede langweile, als ob er eigentlich woanders sei. Er hält sie wohl nicht zum ersten Mal. Immer wieder filmen und fotografieren die eigenen Leute ihren Vorsitzenden. Später werden die Bilder dann auf Facebook gestellt. Im Internet erreicht man mehr Menschen und kann die beabsichtigte Botschaft besser kontrollieren. Ganz ohne Gegendemonstranten. Apfel ist während seiner Rede in einem weiten Kreis umgeben von seinen schwarzgekleideten Begleitern. Als ob er ein Superstar wäre. Die meisten sind mit Regenschirmen bewaffnet. Immer wieder hagelt es während der Wahlkampfauftritte Eier, Farbbeutel und Tomaten. Heute in Hannover nicht, Apfel bleibt unbefleckt. Nach kaum zehn Minuten Rede stoppt er. Eine Pause? Die Rechtsextremen sammeln sich am Rande ihres Konvois. Es dauert einige Minuten, keiner weiß so richtig, was passiert. Noch eine Rede? Nein. Die Show ist vorbei. Keine 30 Minuten nach der Ankunft räumt der NPD-Wanderzirkus seinen Platz und zieht weiter.

In hannover waren knapp 100 gegendemonstrnten gekommen, Foto: Publikative.org
In Hannover waren knapp 100 Gegendemonstrnten gekommen, Foto: Publikative.org

Das Kalkül hinter diesen Städtetouren sei es, so schreibt Apfel, mit geringen Mitteln größtmögliche Aufmerksamkeit zu erlangen. Ein bisschen Laufkundschaft wolle man erreichen und mediale Berichterstattung. Seine Stellungnahme klingt wie eine Rechtfertigung, vielleicht auch für sich selbst. In Hannover bleiben auch die Gegendemonstranten fragend zurück. Das war der Wahlkampf der NPD – die „Deutschlandtour“ mit dem „Flaggschiff?

Gerade 25 Minuten war die NPD da. Die nächste Station am Nachmittag ist Münster.

NPD-"Flaggschiff"
Nach kaum 30 Minuten zieht die NPD ab, Foto: Publikative.org

Siehe auch: NPD-Bundestagswahlkampf: “Ihre Knochen müssen zittern…”, „Die neue Volksmusik…“: vom Nazi-Rap zur Schulhof-CD, Hassmusik vor Kinderohren„Rock für Deutschland“ – Mit „Frontfeuer“ für die Flutopfer, Nach NPD-Debakel: “Volksfront wird zu Apfelmus”

7 thoughts on “25 Minuten Wahlkampf mit der NPD

  1. Hi Hi in Rostock ein ähnlich tristes Bild:
    Die N.P.D. kam mit einer halbstündigen Verspätung am Univorplatz an und musste hinter Hamburger Polizeigittern verharren 😉
    Selbst ein Hubschrauber ist im Einsatz gewesen:

    http://kombinat-fortschritt.com/2013/08/12/aller-guten-dinge-sind-drei/

    Kein Wunder:
    es ist der dritte Auftritt in drei Wochen gewesen.
    Die beiden male vorher war die N.P.D. auf einer unsäglichen „Asyltour“ durch Mecklenburg Vorpommern in Rostock zu Gast und bei dem ersten Stelldichein war definitiv etwas wenig Polizei da, was zu einem beachtlichen Obst-, Gemüse- und Eierregen geführt hat:

    http://kombinat-fortschritt.com/2013/07/26/und-jeder-treffer-beifall-npd-kundgebung-in-rostock/

    Daraufhin hat die Polizei bei den folgenden Veranstaltungen komplett alles abgesperrt.

    Aber zurück zu dem Verlauf der „Deutschland.Tour“ in Rostock:
    nach etwa einer halben stunde fiel die Anlage aus ;), sie mussten sich mit den Lautsprechern auf dem LKW begnügen, während mehrere TouristInnen fragten, was da los ist und mit den Gegendemonstrierenden in das Gespräch gekommen sind.
    (inhaltliche) Aussenwirkung der N.P.D.: etwa null.
    Schade, das das nicht über all so sein kann und gerade in den kleineren Städten Vorpommerns diese unsägliche „Asyltour“ weitestgehend ungestört verläuft.

  2. Ähm, bitte was?!
    Gegen alles sein was nicht „deutsch“ ist, aber dann zum Transport einen französischen (?) LKW benutzen?!

  3. Gelsenkirchen und die NPD, draussen rum Volksfest, mitten drin ein gelangweilter Kamerad Dennis Bruglemanns und ein eben falls nicht sehr begeistert drein schauender Marcel Haliti.
    Die „Volksnähe“ der NPD war wieder einmal ein Witz, immerhin haben ganze 0 (in Worten: null) Gelsenkirchener sich den Dreck, dieser VS-Untersektion gegönnt.

  4. @ Mathias

    Vielleicht wurde der Lkw nicht in Frankreich hergestellt, sondern
    entweder in Elsaß-Lothringen „in den Grenzen von 1871-1918“
    oder (noch passender) im Frankreich unter Marschall Petain, womöglich von „fremdrassigen Fremdarbeitern“ – das würde dann doch passen, von wegen niedere Menschen müssen höheren Ras… äh, Menschengruppen dienen.

    Wahrscheinlich liegts aber auch wieder nur am schönen Mammon.

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