„…das jüdische Pack loszuwerden!“

Die Mitglieder der „Reichsbürger“-Bewegung in Deutschland sorgen in der Öffentlichkeit immer wieder für ungläubiges Kopfschütteln. Die Gefahr hinter ihrer Gesinnung zeigte jüngst der Aufruf des „Reichsbürgers“ Jürgen Justavitz aus dem ostwestfälischen Vlotho zur Vernichtung aller Juden.

Von Kai Budler

Im August des vergangenen Jahres hatte die Eröffnung eines Büros der „Justiz Opfer Hilfe NRW“ (JOH) im nordrhein-westfälischen Löhne im Kreis Herford für Aufsehen gesorgt, auch der 2009 gegründete Phantasiestaat „VG Germanitien“ ist unter der Adresse „Lübbecker Straße 35“erreichbar. Typisch für die „Reichsbürger“-Bewegung: die JOH-Mitglieder und „Germaniten“ erkennen weder das Grundgesetz noch die Bundesrepublik als Staat an, für sie besteht das „Deutsche Reich“ in den Grenzen von 1937 fort. Einzelne Vorstandsmitglieder waren bereits in der Vergangenheit mehrfach wegen ihrer extrem rechten Gesinnung und Kontakte in die Szene aufgefallen.

Banner der Justiz-Opfer-Hilfe Deutschland, Foto: Screenshot.
Banner der Justiz-Opfer-Hilfe Deutschland, Foto: Screenshot.

Alte Bekannte aus der extrem rechten Szene

So war Vorstandsmitglied Axel Thiesmeier ein Aktivist des 2010 verbotenen Collegium Humanum in Vlotho, sein Kollege Jürgen Niemeyer war früher Kreisvorsitzender der NPD in

Auf der Homepage der Justiz-Opfer-Hilfe bleibt kaum ein Zweifel an der Ausrichtung, Foto: Screenshot.
Auf der Homepage der Justiz-Opfer-Hilfe bleibt kaum ein Zweifel an der Ausrichtung, Foto: Screenshot.

Herford. Gegen ein weiteres Vorstandsmitglied ermittelte die Staatsanwaltschaft, weil er mehrfach einen Detmolder Richter und eine Justizangestellte als „Hochverräter“ und „Volksverhetzer“ bezeichnet haben sollte. Im September 2012 schließlich durchsuchte die Polizei die Räumlichkeiten in Löhne und nahm ein 55-jähriges Mitglied des Vorstandes der „Justiz-Opfer-Hilfe“ fest, gegen die Arbeit der Einrichtung hatten kurz darauf etwa 300 Personen protestiert. Dass die Warnung vor einem extrem rechten Hintergrund des Geflechts von JOH und „Germanitien“ nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt das Beispiel des „Minister für Bildung und Forschung“, Jürgen Justavitz. In seinem im Internet verbreiteten Plan „zur Rettung Deutschlands“ fordert er: „Alle Juden in Israel, Amerika, Deutschland, Russland, China und anderswo müssen vernichtet werden!“. In seinem hetzerischen Antisemitismus schlägt er ein „Kopfgeld“ für jeden Getöteten jüdischen Glaubens vor, um einen finanziellen Anreiz zum Mord zu schaffen. Als theoretischen Hintergrund empfiehlt der 56-jährige Hitlers „Mein Kampf“ und das antisemitische Pamphlet „Protocols of Zion“.

„Wir befinden uns im Kriegszustand“

Dieser offene Ausbruch antisemitischer Gewaltphantasien ist offenbar auch den „Germaniten“ zu viel: Gerd Peter Wattler vom JOH-Vorstand kündigte einen Strafantrag gegen Justavitz wegen des Aufrufs zum Völkermord an. Auch intern ist die JOH um Schadensbegrenzung bemüht: in einem Schreiben an den „JOH-Leserkreis“ heißt es, „mit diesem Aufruf zum Völkermord (…) hat weder die VG Germanitien, noch Personen der JOH NRW/Deutschland etwas zu tun“. Weil die Internetseite der „Germaniten“ aber immer noch auf Justavitz registriert ist, wird er aufgefordert, die Namen der JOH-Vorstandsmitglieder Niemeyer und Thiesmeier von der Homepage zu löschen. Der 56-jährige reagierte unverzüglich und fordert in einem Brief an die JOH-NRW, alle auf eine schwarze Liste zu setzen, „die mich defamieren“. Zugleich bekräftigt er in dem Schreiben seinen Mordaufruf und fordert „Die ganze Welt muss mit uns in den bevorstehenden Krieg ziehen um das jüdische Pack loszuwerden!“. Eine ganz andere Erklärung findet sich in dem Brief an den JOH-Leserkreis: in bekannter Verschwörungstheorie wird gemutmaßt, dass der Aufruf von Justavitz „vielleicht sogar im Auftrag übergeordneter BRD-Stellen (?) ausgeführt worden ist“.

Siehe auch: Hausdurchsuchung im „Königreich“Das Akademische Karussell: Verschwörerische PhantasieweltenDer König von DeutschlandReichsbürger zahlt keine Steuern und hortet ChemikalienFreie Fahrt für freie Reichsbürger!Reichsbürger drohen: Spinnerei oder echte Gefahr?

4 thoughts on “„…das jüdische Pack loszuwerden!“

  1. Abgründe krankhafter Perversionen ! Erleben wir jetzt das Zeitalter der Durchgeknallten !

  2. Eines muss man denen ja lassen: Mit minimalem Aufwand maximale Medienpräsenz. Also, wer in den deutschen Mainstreammedien (gedruckt, digital, TV, egal) erwähnt werden will, muss bringen: einige Ausfälle gegen Juden (wahlweise auch gegen Hunde, Katzen oder nidliche Ponys), möglichst garniert mit revisionistischen (wahrweise auch misogynen oder homophoben) Sätzchen. Außerdem muss er (oder sie) natürlich organisiert sein (am besten e.V., es geht aber auch Stiftung, manchmal – als zusätzlicher Aufreger – auch GmbH), denn die Deutschen liiiiiieeeeben und hasssssssen den Vereinsmeier. Ach ja: konkrete politische Ausrichtung, Erhaftigkeit, gar Argumente waren und sind überflüssig. Im Gegenteil. Wer argumentiert, macht sich und den anderen ja das Leben unnötig schwer.

  3. Noch eine Ergänzung: Ihr habt verschiedentlich auf das Umfeld dieser rechtsradikalen, „esoterischen“ Sekte verwiesen. Hierzu gehört auch der „Filmemacher“ Jo Conrad, er wurde auf Publikative entsprechend kurz gewürdigt. Hierzu eine Ergänzung: So dürfte es nicht verwundern, dass Conrad auch ein verschwörungstheoretisches Interview mit dem eitel-dümmlichen „Querfrontstrategen“ und bekennenden Antisemiten Jürgen Elsässer gebracht hat.hat.

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