„Rock für Deutschland“ – Mit „Frontfeuer“ für die Flutopfer

Die extrem rechte Konzertsaison ist in vollem Gange. Am Samstag steht im ostthüringischen Gera das Highlight der braunen Musikevents im Freistaat an: Das „Rock für Deutschland“.  Wie auch im letzten Jahr ist mit steigenden Teilnehmerzahlen zu rechnen. Zur Stunde ist der Veranstaltungsplatz bereits durch Demonstranten besetzt.

 von Publikative-Redaktion

Bereits zwei neonazistische Musikgroßevents haben diesen Sommer in Thüringen stattgefunden. Zuerst feierten rund 400 Neonazis in Leinefelde bei Rechtsrock und Hüpfburg. Dann folgte die Blamage beim „Thüringentag der nationalen Jugend“ mit gerade mal 160 Teilnehmern in Kahla. Wie auch extrem rechte Demonstrationen wiesen diese Veranstaltungen einen deutlichen Rückgang an Besuchern auf. Dies ist für das am Samstag stattfindende „Rock für Deutschland“ nicht zu erwarten. Bereits 2012 war das Neonazi-Openair die einzige bundesweite Großveranstaltung mit einer leicht steigenden Teilnehmerzahl. Dies zwar nach einem erheblichen Einbruch seit 2009, aber immerhin waren im vergangenen Jahr rund 700 Neonazis nach Gera gereist, um eingezäunt auf dem Bahnhofsvorplatz politischen Reden und Rechtsrock zu lauschen. Doch es gab weder bei den Bands noch bei den Rednern echte Highlights. Dies ist in diesem Jahr anders. Erneut konnte die „Lunikoff Verschwörung“ rund um die Szene-Ikone Michael Regener für das braune Spektakel gewonnen werden. Regener war zuvor Sänger der Band „Landser“, die als erste Musikgruppe vom Berliner Kammergericht 2003 als kriminelle Vereinigung erklärt worden war. Mit dem diesjährigen Highlight dürfte ein erneuter Anstieg zu erwarten sein. Die Hochzeiten mit bis zu 3.000 Neonazis wie 2009 sind dennoch sicher vorbei. Neben der „Lunikoff Verschwörung“ sollen noch weitere Bands wie „Sachsenblut“, „Frontfeuer“ oder „Stimme der Vergeltung“ auftreten. Dieses Jahr stellen die Neonazis ihr Rechtsrockevent unter das Motto „Solidarität mit den Flutopfern“ und knüpfen so an die NPD-Kampagne aus Sachsen und Sachsen-Anhalt an.

Rock für Deutschland Screenshot Homepage
Screenshot der Informationshompage zum Neonazirock

Die Redner jedenfalls werden wohl kaum einen Anstieg zu verantworten haben. Dass vor allem NPD-Funktionäre als Redner angekündigt werden, dürfte kaum verwundern, denn neben „freien Nationalisten“ tritt als Veranstalter der NPD-Kreisverband Gera auf. Und so ist wohl auch Patrick Wieschke, Landesvorsitzender der NPD-Thüringen, einer der unvermeidlichen Redner. Außer ihm wird auch der NPD-Kreisvorsitzende aus Gera, Gordon Richter, sprechen. Neben weiteren extrem Rechten spricht auch Maria Fank, Bundesvorstandsmitglied des

"Rock für Deutschland 2012": Bühnen-Deko mit klarer Botschaft (Foto: M.S.)
„Rock für Deutschland 2012“: Bühnen-Deko mit klarer Botschaft (Foto: M.S.)

„Ring nationaler Frauen“. Dass die NPD ein besonderes Interesse an derartigen Veranstaltungen hat, ist kein Geheimnis. So bedient die Partei mit solchen Events nicht nur die eigene Szene sondern füllt auch ihren Geldbeutel. Die Landesverband gab an, zwischen 2004 und 2007 mehr als 25.000 Euro durch solche Veranstaltungen eingenommen zu haben. Nach Recherchen des MDR waren diese Zahlen allerdings deutlich zu niedrig. Besonders vor den anstehenden Bundestagswahlen in diesem Jahr und den Landtagswahlen in Thüringen 2014 dürfte die NPD ein Interesse an einer gefüllten Wahlkampfkasse und Wahlkampfhilfe aus der neonazistischen „freien Szene“ haben. Für die Partei ist die Veranstaltung also unverzichtbar. Auch dieses Jahr findet das „Rock für Deutschland“ wieder auf dem Bahnhofsvorplatz in Gera statt. Ab 12.00 Uhr soll das Neonazievent beginnen.

Welche geistigen Wurzeln der Veranstaltung zu Grunde liegen, wurde bereits letztes Jahr mehr als deutlich. Im Hintergrund der Bühne prangte unübersehbar das Transparent des „Thüringer Heimatschutzes“, eben jener Neonaziorganisation aus deren Umfeld auch die Rechtsterroristen des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ hervorgingen.

Veranstaltungsplatz bereits besetzt

Zur Stunde findet bereits die erste Aktion statt. Das Bündnis „Gera-Nazifrei“ informiert derzeit über die Besetzung. So heißt es auf der Homepage des Bündnisses:

„[..] in diesen Minuten wurde die Wiese am Hauptbahnhof Gera, auf der am Samstag das Nazifest “Rock für Deutschland”stattfinden soll, von Menschen besetzt und ein Protestcamp mit dem Ziel errichtet, das Nazifest zu verhindern.“

Gera Besetzung
Besetzung in Gera, Foto: Aktionsbündnis Gera gegen Rechts.

Derzeit harren in Gera rund 50 Demonstranten in einem Protestcamp aus. Die erste Frist der Polizei, den Platz zu räumen, haben die Aktivistinnen und Aktivisten bereits verstreichen lassen. Ihr Ziel ist, solange wie möglich auf dem Platz zu bleiben, um das Neonazifestival zu verhindern.

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