„Wir geben keinen Millimeter mehr nach“ – Prozess gegen Lothar König ausgesetzt

Der Prozess gegen den Jugendpfarrer Lothar König wurde am 7. Verhandlungstag ausgesetzt. Nachdem immer mehr entlastende Videosequenzen aufgetaucht waren, wurde der Prozess mit Einverständnis von Richter und Staatsanwältin ausgesetzt.

von Redaktion-Publikative.org

Lothar König
Lothar König bei der Verleihung des „Thüringer Demokratiepreises“ in Kahla, Foto: Publikative.org.

„Es geht nicht um mich allein, es geht um uns alle“, sagt Lothar König nur wenige Stunden nach dem Prozess. Am 7. Verhandlungstag wurde der Prozess gegen den Jenaer Jugendpfarrer nun ausgesetzt. Nachdem erneut entlastendes Videomaterial ausgewertet wurde, was die Polizei anfangs den Akten nicht beigefügt hatte, blieb wenig von der Anklage übrig. Königs Verteidigung bezeichnete die Polizisten, die eine derart selektive und belastende Auswahl des Videomaterials angefertigt hatten als „Fälscherwerkstatt“ und erstattete mehre Strafanzeigen gegen die Verantwortlichen. Schon an den letzten Verhandlungstagen hatte sich abgezeichnet, dass die Anklage alles andere als auf sicheren Beinen steht. Dass das Verfahren nicht nur aus strafrechtlicher Sicht wichtig war, machte zuletzt Thüringens Justizminister Dr. Holger Poppenhäger (SPD) deutlich. Bei einer Veranstaltung in Göttingen hatte er den Prozess auch als Politikum bezeichnet. Dies war es ohne Frage. Schon die Verleihung des ersten „Thüringer Demokratiepreises“ durch Sozialministerin Heike Taubert (SPD) an Lothar König hatte politisch hohe Wellen geschlagen.  Bei der Preisverleihung hatte auch Lothar König betont, dass die Verhandlung gegen ihn an die Substanz gehe und eine große Belastung sei. Doch auch nach dem Aussetzen des Prozesses empfinde er „keine überschäumende Freude“, sagt Lothar König. Zu viele hätten eben nicht die Unterstützung gehabt, die er durch die verschiedenen Soli-Gruppen hatte. Nun gehe es auch um die anderen Leute, gegen die Verfahren wegen ähnlicher Sachen laufen. Und auch mit den Sächsischen Justizbehörden zeigt sich der Jugendpfarrer wenig versöhnlich. Er sieht das Vorgehen der Behörden nach wie vor kritisch. „Polizisten, die angewiesen wurden, Dinge gegen mich zusammen zu tragen. Eine Staatsanwältin, die das dann zu einer Anklage zusammenkliert und ein Richter der das alles eins zu eins übernommen hat“, machen König nach wie vor wütend. Aber seinem Anwalt Johannes Eisenberg gegenüber zeigte er sich sehr dankbar: „Johannes Eisenberg war überzeugend. Es gibt wohl nicht viele Rechtsanwälte, denen das gelungen wäre.“, dankte König seinem Verteidiger. Derzeit gehen die Anwälte von König nicht davon aus, dass das Verfahren erneut eröffnet werden wird. Sie werden die Einstellung des Verfahrens beantragen. Der Richter machte ohnehin klar, dass dies allerhöchstens in 4 – 6 Monaten passieren könne. Die offizielle Pressemitteilung des Gerichtes klingt indes weiterhin nach einer Neueröffnung des Verfahrens. Auch nach dem vorläufigen Ende des Prozesses zeigt sich der Jenaer Jugendpfarrer kämpferisch. „Wir geben keinen Millimeter mehr nach“, sagte er gegenüber Publikative.org.

6 thoughts on “„Wir geben keinen Millimeter mehr nach“ – Prozess gegen Lothar König ausgesetzt

  1. So erfreulich und positiv dieses Meldung hier ist, gibt es andererseits den Wermutstropfen der Beteiligung Lothar Königs an einer antiamerikanischen und verschwörungsideologischen Demo heute in Berlin.
    http://www.freebradleymanning.net/?p=5217

    Unterstützt wird die Demo für ein Asyl für Edward Snowden in Deutschland vom verschwörungsideologischen Netzwerk COOP.
    COOP, dass mit mehreren Websites im Internet vertreten ist, setzt sich für autokratische Systeme (Syrien, Iran, etc.) und gegen halbwegs demokratische Systeme (USA, Israel, etc.) ein. Betreffend 9/11 glaubt das Netzwerk an einen Inside-Job. Und schon mehrfach wurde kurz bevorstehende Kriege gegen Iran und Syrien herbeihalluziniert.
    httx://cooptv.wordpress.com

    Anstatt gegen die weltweit gut vernetzten Schnüffeldienste zu demonstrieren, wird Lothar König heute auf einer Demo reden, wo es mal wieder nur gegen den US-Imperialismus geht. Ein Treppenwitz – denn theoretisch könnte der Antifaschist König auf dieser Demo auf jene treffen, die er ansonsten vehement bekämpft.

  2. „Wir sind friedlich. was seid Ihr?“ Genau, total friedlich die ganzen Vermummten die die Polizeikette stürmen… Aber Gewalt ist ja ok, wenns für die „gute“ Sache ist???

    Gewalt, egal von wem, darf niemals legitimes Mittel der politischen Auseinandersetzung sein!

  3. @martin
    „Genau, total friedlich die ganzen Vermummten die die Polizeikette stürmen…“

    äh, das war die polizei. schau noch mal hin oder kauf dir eine brille

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